BLOODBATH: Death Metal kommt aus dem Herzen oder: Zurück in die Zukunft des Death Metals

BLOODBATH: Death Metal kommt aus dem Herzen oder: Zurück in die Zukunft des Death Metals

Mikael Åkerfeld (Opeth), Anders Nystrom (Katatonia, Diabolical Masquerade), Jonas Renske (Katatonia, October Tide) und Dan Swanö (u.a. Edge of Sanity) fanden sich eines Abends zusammen und beschlossen, unter dem Namen Bloodbath altmodische Musik zu machen. Vom Ergebnis kann sich der geneigte Hörer nun anhand der MiniCD „Breeding Death“ überzeugen. Gitarrist Anders lud zur Geschichtsstunde und nuschelte am Telefon durch schätzungsweise ein halbes Pfund Kaugummi. Dabei erklärte er, wie genau es zu Bloodbath kam und was es mit Death Metal im allgemeinen und speziellen so auf sich hat…

Ihr wurdet mit Interviewanfragen überhäuft. Glaubst Du das dieses Rieseninteresse wirklich mit eurer Musik zu tun hat, oder ist nicht auch die Tatsache, dass ihr eine Art All-Star-Projekt seid, ein Grund dafür ?

Es stimmt wohl schon, dass viele an Bloodbath interessiert sind, weil sie uns durch unsere anderen Bands kennen. Century Media sagten mir auch, dass jeder mit einem anderen sprechen wollte, um verschiedene Seiten der Band Bloodbath kennen zu lernen. Offensichtlich ist das Interesse auch so groß, weil die Erwartungen an uns ziemlich hoch waren. Viele kennen unsere Namen von Opeth, Katatonia oder Edge of Sanity. Mir ist es aber wichtig, darauf hinzuweisen, dass Bloodbath keine Supergruppe, kein All-Star-Projekt ist! Bloodbath hat nichts mit unseren anderen Bands zu tun, die Band ist keine Mischung aus Opeth oder Katatonia. Jeder andere Musiker könnte diese Musik machen. Bloodbath stehen für einfachen, traditionellen, Old-School Death Metal. Es ist eigentlich ziemlich bescheuert, weiß Gott was zu erwarten, nur weil ein paar bekanntere Musiker in dieser Band spielen.

Wir hatten niemanden festgelegt, der die Band repräsentieren soll. Einige Leute wollten unbedingt mit Dan reden, andere mit Mikael. Dan hat die Platte produziert, wir haben sie in seinem Studio aufgenommen – darum hat er bisher die Band nach außen repräsentiert. Inzwischen hat er aber die Schnauze voll, alles alleine zu machen und darum beantworte ich nun deine Fragen.

´Wow, das klingt wie „Leprosy“ von Death!´ – das war mein erster Eindruck von „Breeding Death“ Was war denn eure Motivation, ein solches *altmodisches* Album zu machen? Wolltet ihr noch mal an die gute alte Zeit erinnern?

„Leprosy“ wurde in den Review oft erwähnt, worüber wir uns natürlich gefreut haben.

Es begann alles, als wir zusammen abhingen und gelabert haben. Das war irgendwann im Herbst 1998. Wir haben uns überlegt, etwas zu machen, zu dem wir alle einen Bezug haben, etwas das uns verbindet – so kamen wir auf die Idee, traditionellen Death Metal zu spielen. Wir haben es dann einfach ausprobiert, dabei stellten wir fest, dass das Feeling sofort wieder da war und wir verdammt viel Spaß dabei hatten. Wir wollten die Stimmung der Zeit zwischen dem Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger einfach noch mal erleben.

Was euch meiner Meinung nach perfekt gelungen ist. Nicht nur die Musik, sondern auch Details wie Coverartwork oder Schriftzug, erinnern an diese Zeit. Wie sieht es denn mit den Texten aus, die mir leider noch nicht vorliegen.

Nun, die sind ebenfalls in der guten, alten Tradition gehalten. Viel Blut, Brutalität, viel Guts and Gores – man sollte sie nicht zu ernst nehmen, haha. Es ist, wie wenn man einen guten Film sieht.

Warum besteht Breeding Death eigentlich nur aus drei Songs? Hattet ihr nicht mehr Zeit, oder warum ist das Album so kurz?

Als wir die Sachen aufgenommen haben, dachten wir nicht daran, es zu veröffentlichen. Wir wollten das nur für uns machen. Die nächste Idee war, das Material als klassische Demo-Kassette zu veröffentlichen. Wir wollten es noch mal erleben, wie es ist, wenn man eine kleine Demokassette rausgebracht hat, haha. Wir haben es uns dann aber doch anders überlegt, weil wir feststellten, dass die Songs gut sind und das man eine Menge Spaß hat, wenn man sie anhört. Wir wollten jedem eine faire Chance geben, an die Songs zu kommen. Wir haben sie dann verschiedenen Labels angeboten, und Century Media waren am schnellsten mit einem Angebot am Start.

War das Interesse der Lables denn groß?

Ja, eine Menge Leute haben sich dafür interessiert. Wir wollten die Sachen so schnell wie möglich rausbringen, und auf keinen Fall ewig Verhandlungen führen. Es war ziemlich spontan, so in der Art: Ihr wollt es veröffentlichen? Ok, hier ist das Material!

Ich hoffe doch, dass ihr noch ein Full-Length Album rausbringt?

Nun, darüber haben wir uns noch nicht allzu viele Gedanken gemacht. Es gibt einige Labels, die uns dazu überreden wollen, ein ganzen Album zu machen. Auf der anderen Seite hatten wir eigentlich gesagt, dass Bloodbath nach dieser Mini CD keine Zukunft haben wird. Wir haben aber auch festgestellt, der Death Metal noch immer in unserem Herzen ist und dort auch immer sein wird. Ich weiß im Moment wirklich nicht, was die Zukunft bringen wird.

Lasst ihr euch bei der Überlegung, ob ihr weitermachen wollt, von den Reaktionen der Fans beeinflussen? Oder ist das eine Entscheidung, die ihr ohne Einfluss von außen fällen wollt?

Ich hab ein paar Reaktionen von den Opeth/Katatonia Mailing-Lists gelesen, und es scheint so, als ob alle Leute verrückt nach Bloodbath sind. Vor allem wird sehr oft der Vergleich zu „Leprosy“ gezogen, und das ist genau das, was wir wollten. Die Reaktionen sprechen eher für eine Fortsetzung, aber wir haben noch gar nichts entschieden.

Neben „Leprosy“ fällt mir noch Entombeds „Left Hand Path“ ein, besonders die Keyboards in „Furnace Funeral“ erinnern daran.

Ja, genau… das mussten wir einfach machen, dieser Part musste rein, haha

Die Platte klingt ziemlich spontan, auf der anderen Seite ist es eine perfekte Reminiszenz an die Vergangenheit. Hattet ihr die Songs sofort im Kopf oder sind sie eher konstruiert – habt ihr bewusst darauf hingearbeitet, dass es original klingt?

Es war die pure Spielfreude, wir hatten viel Spaß beim Songwriting und außerdem haben wir nebenbei noch gut gesoffen, haha. Death Metal hast du im Herzen, es ist nicht sonderlich schwer diese Musik zu spielen. Wir haben viel improvisiert, wenn einer eine Idee hatte, kamen sofort vier weitere Einfälle, die darauf aufbauten. Es floss einfach. Die Platte wurde an nur einem Abend aufgenommen.

Ich denke, das kommt auch rüber. Manchmal ist es ganz angenehm, eine *einfache* Platte zu hören – vieles ist heutzutage fast schon überproduziert, hier noch ein Effekt, da noch eine elektronische Spielerei…

Genau, wir wollten es einfach halten. Es sollte direkt und einfach sein, ansonsten hat es mit Death Metal nichts mehr zu tun.

Mich hat erstaunt, dass der Sound der Platte richtig altmodisch ist, besonders die Bassdrum klackert genauso wie früher…

Dan hat so viel in diese Richtung gemacht, er hat den Sound einfach im Kopf. Wir wollten von Anfang an einen Sound, wie ihn die frühen Sachen aus den Morrisound-Studios von Scott Burns hatten. Allerdings gab es in diesem Punkt ein paar Meinungsverschiedenheiten. Jonas favorisierte eher den Sunlight Sound, den Klang der frühen Entombed Platten. Wir haben dann aber den Florida Sound durchgesetzt, haha.

Wenn du zurückblickst, was waren die Unterschiede für dich zwischen der amerikanischen und der schwedischen Szene?

Von dort kamen zweifellos die größten Bands, die sich aber im Sound erheblich unterschieden. Es gab aber immer die Frage: „Wie klingt diese Band, amerikanisch oder schwedisch?“ Stockholm versus Florida, das war ein großes Thema. Den Sunlight Sachen wurde dann oft vorgeworfen, sie klängen alle gleich. Offensichtlich gab es eine Menge Bands, die in die Sunlight Studios kamen und als erstes zum Producer Thomas Skogberg sagten, dass sie wie Entombed klingen wollen. Warum sollte er mit ihnen streiten, wenn die Bands genau das verlangten ?

Ich habe so langsam den Eindruck, dass Death Metal wieder hochkommt, siehst du das genauso?

Es könnte wirklich das nächste große Ding werden, es gibt einige gute Bands im Moment, die auch recht erfolgreich sind.

Lock-Up (ebenfalls ein Projekt von Musikern: Peter Tätgtren – Hypocrisy, Jesse Pintado, Shane Embury – beide Napalm Death, Nickolas Barker – Dimmu Borgir) Runemagick oder Nocturnus, diese Bands haben Alben rausgebracht, die in gewisser Weise ähnlich altmodisch sind. Es scheint eine Tendenz zu geben, die Wurzeln auszugraben…

Eine Menge Leute denken, dass diese altmodische Art, Death Metal zu spielen, heute wieder interessant ist. Gerade im Moment besinnen sich viele Musiker, die seit Anfang an dabei sind, wieder auf den traditionellen Death Metal. Ich weiß nicht, warum Trends kommen und gehen, ich weiß nur dass es so ist. Ich glaube, im Moment ist einfach die richtige Zeit für Death Metal, abgesehen davon, dass diese Art Musik niemals sterben wird. Zur Zeit wird das Black Metal- Ding so ausgeschlachtet, dass keiner mehr Spaß daran hat. Die Fans suchen aber immer nach einer brutalen Art Musik, darum denke ich, dass nun die richtige Zeit für ein Death-Metal Revival wäre.

Du hat den Black Metal-Overkill erwähnt, etwas ähnliches passierte Anfang der Neunziger mit Death Metal, siehst du dieselbe Gefahr wieder?

Damals war es so, dass es keine neuen Impulse gab – alle machten irgendwie dasselbe. Auch die guten Bands, hatten damals begonnen, sich selbst zu kopieren. Dazu kam, dass es viel zu viele Bands gab, die höchstens Durchschnitt waren. Dann kam der Black Metal, junge, frische Bands, die etwas neues machten und es entwickelte sich leider in dieselbe Richtung. Vielleicht kommt auch das wieder..

Nun gut, was mich am meisten am Black Metal stört, ist dass er sich meiner Meinung nach zu sehr über das Image definiert.

Stimmt – da sehe ich auch den Unterschied zum Death Metal. Death Metal konzentriert sich mehr auf die Musik, es ist eine ehrlichere Szene.

Denkst du, dass du mit „Breeding Death“ auch jüngere Hörer, die nicht mit dem traditionellen Death Metal ausgewachsen sind, zu dieser Musik führen kannst?

Eigentlich wollen wir, dass die Leute unsere Platte genießen. Es wäre natürlich fantastisch, wenn wir auch Jüngere an den klassischen Death Metal heranführen könnten, und diese Leute die damaligen Platten für sich entdecken könnten. Es gibt ein paar Alben aus dieser Zeit, die niemals überholt sein werden, es ist niemals zu spät, um „Leprosy“ zu hören. Wenn du diese Musik original und ehrlich aufnimmst, dann ist sie zeitlos. Bevor wir die Platte aufgenommen haben, redeten wir stundenlang über diese Zeit. Wir haben Erinnerungen ausgetauscht und Geschichten von damals erzählt. Wenn du dieses Gefühl einmal in deinem Blut hast, dann wirst du es niemals verlieren.

Was ist deine persönliche Empfehlung, welche Alben sollte man aus dieser Zeit kennen?

Oh, es gab so viele gute Alben, ich nenne dir mal drei: zuerst „Leprosy“, dann „Left Hand Path“ von Entombed und vielleicht „Altars of Madness“ von Morbid Angel.

Ich habe gelesen, dass ihr ein paar Probleme mit dem Equipment hattet, als ihr die Songs aufgenommen habt?



Ja, Dan hat sich neues, voll digitales Equipment gekauft. Irgendetwas hat abgefickt, als wir die Songs aufgenommen haben. Die ganzen Daten sind irgendwo verschwunden. Wir haben es dann auf einem ordentlichen, altmodischen, analogen Tape noch mal richtig aufgenommen.

Das nenn ich authentisch…

(lacht) ja, genau wir hätten es von Anfang an so machen sollen – das Digitalzeug war einfach nicht für uns bestimmt, haha

Wie kannst du eigentlich Katatonia, die ja inzwischen einen völlig anderen Stil spielen, und Bloodbath unter einen Hut bringen?

Es hat eben Spaß gemacht, das alten Zeug wieder hervorzukramen. Bloodbath sind sehr weit von Katatonia entfernt. Die Musik, die vor zehn Jahren aktuell war, noch mal zu, war so, als ob du in die Vergangenheit zurückgehst. Würden Katatonia noch heute solche Musik machen, hätte es sicher nicht diesen Reiz gehabt.

Mir kam es fast wie eine Zeitreise vor, als ich die Bloodbath zum ersten Mal gehört habe..

Exakt, so war es auch für uns. Es kamen alle die Erinnerungen an diese Zeit hoch – wir hatten viel Spaß.

Wie sieht es denn mit Live-Aktivitäten aus? Besteht überhaupt die Möglichkeit, Songs von Bloodbath jemals live zu hören? Mit drei Tracks werdet ihr nicht weit kommen und außerdem habt ihr ja alle noch andere Verpflichtungen.

Das Feeling, das man braucht, um live zu spielen, ist bei mir auf jeden Fall da. Es ist halt die Sache, dass man alle vier Mitglieder überzeugen müsste – im Moment hätten die meisten wohl Zeit dazu. Ich fühle mich schon ziemlich bühnengeil, denn ich denke, es würde fickend regieren (danke, danke! endlich darf ich das auch mal übersetzten!-verfass), das Material live zu spielen.

Dann spielt doch auf einem Festival, ihr kommt somit um eine zeitintensive Tour herum und erreicht trotzdem viele Leute..

Das ist eine fantastische Idee. Aber es gibt halt noch keine Pläne – wir sind vier verschiedene Leute, wenn drei davon Zeit haben, reicht das eben nicht. Dan ist außerdem im Moment ziemlich beschäftigt. Es muss halt passen…Wenn wir es aber wirklich schaffen könnten, auf einem Festival zu spielen, würde ich gerne das Wacken oder das Dynamo mitnehmen.

VAMPSTER QUESTIONAIRE

Welche drei Alben hast du dir zuletzt gekauft?

Mhm… Das neue Album von The Cure. Das ist eine schwere Frage, ich muss wirklich mal nachdenken. (so langsam denke ich, wir sollten diese frage ändern… immer dieselbe Antwort – Verfass.) Ich bekomme eine Menge Alben zugeschickt, aber ich kaufe mir wenige (sag ich es nicht, immer dieselbe Antwort – Verfass.) Wenn ich aufgelegt habe, fallen mir noch zwei ein, haha.

Dann nenn mir doch drei Alben, die dir in letzter Zeit gut gefallen haben?

Rapture aus Finnland haben ein cooles Album gemacht und das aktuelle von Paradise Lost – obwohl das keinem außer mir zu gefallen scheint. Ich bin recht offen, was Musik angeht. Tori Amos, sie gehört zu meinen All-Time-Faves.

Internet und Musik?

Das Internet ist großartig, ich kann nichts negatives daran feststellen. Warum sollten Bands diese Technologie nicht nutzen? Für Bands ist es nur von Vorteil, wenn Leute von überall her auf Informationen und Sounds zugreifen können.

Ist dir mal was witziges auf der Bühne passiert?

Als wir mit Katatonia gespielt haben, das ist allerdings ewig her: Unser Bassist hatte sich in einen wahren Headbang-Rausch geschüttelt, irgendwann schmetterte er dann seinen Kopf dermaßen auf meine Gitarre, dass er zu Boden ging. Ich werde es nie vergessen – ihm tat das sicher weh, aber es muss total witzig ausgesehen haben.

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...