VIPER: All My Life [Brasilien-Import]

Das Reunionsalbum ist ein legitimer Theatre of Fate-Nachfolger, obgleich sich einige schwächere Songs eingeschlichen haben.

Mehr als ein Jahr nach seiner Veröffentlichung in VIPERs Heimat Brasilien ist All My Life noch immer nicht in Deutschland erschienen. Dabei ist das Reunionsalbum ein legitimer Theatre of Fate-Nachfolger und eine schöne Abwechslung zum Melodic Speed Metal-Einheitsbrei dieser Tage. Einige schwächere Songs haben sich zwar eingeschlichen, ändern aber nichts daran, dass VIPER auch 20 Jahre nach ihrem Debüt Soldiers Of Sunrise unverbraucht und originell an die Musik herangehen. Schon in der Vergangenheit wiederholte sich die Band aus Sao Paulo nicht unnötig. Somit sind auch die eingangs erwähnten Theatre Of Fate-Parallelen eher latent vorhanden. Gleichzeitig hätten einige der Riffs auch auf Evolution oder Coma Rage stehen können. Die Gitarren von Dreamer wecken dagegen Erinnerungen an die Anfangstage der Band, als IRON MAIDEN noch deutlich als Einfluss erkennbar waren.

Traditionelle Melodic Metal-Freunde werden sicherlich begrüßen, dass Pit Passarell nicht mehr länger für den Gesang zuständig ist. Mit Ricardo Bocci wurde ein Sänger gefunden, der in die Fußstapfen des ehemaligen Frontmanns Andre Matos (ex-ANGRA, ex-SHAAMAN) zu treten vermag, ohne gleich wie eine blutleere Kopie zu klingen. Bei All My Life, dem musikalischen Höhepunkt des Album, steuerte Matos übrigens einige Gesangsspuren bei, die die Ähnlichkeit der beiden Stimmbandakrobaten verdeutlichen. Auch Ex-Gitarrist Yves Passarell (CAPITALl INICIAL) ist bei einem Song (Violet) mit von der Partie, was zeigt, dass VIPER immer noch von der Freude und der Freundschaft aller Beteiligten motiviert werden – und nicht von blindem Reunionswahn.

Zu den Stärken von VIPER gehören die spielfreudige Gitarrenarbeit und die Freiheit, mit der konventionelle Songformate interpretiert werden. Der Opener und Titeltrack weigert sich trotz eingängiger Leads und flottem Tempo ins Schema zu passen. Das balladeske Not That Easy umschifft gekonnt die üblichen Kitschdrama-Klippen. Zudem betreibt das Quintett bei der groovende Midtempo-Track Cross The Line Horizonterweiterung in eigener Sache. Gitarrist Val Santos – vormals Roadie und Schlagzeuger der Band – ergänzt das Material um neue, hörenswerte Facetten, die man von der Band bis dato nicht gehört hat.

Ansonsten lässt Hauptsongerwriter Pit Passarell fast nichts anbrennen; einzig Come On Come On schwächelt. Das eingängige Miles Away aus der Feder von Ricardo Bocci besitzt fast schon kommerziell anmutende Züge und macht ebenfalls einen guten Eindruck. Rising Sun dagegen geht in kompositorischer Hinsicht ein wenig die Luft aus. Das Album ist somit nicht der absolute Überflieger geworden, hat aber definitiv seine Daseinsberechtigung. Bleibt zu hoffen, dass die Band es auch noch einmal für ein paar Konzerte nach Europa schafft. Den nötigen Biss hat die Viper jedenfalls noch.

Veröffentlichungstermin: 05.06.2007

Spielzeit: 53:47 Min.

Line-Up:
Ricardo Bocci: Gesang
Felipe Machado: Gitarre
Val Santos: Gitarre
Pit Passarell: Bass
Renato Graccia: Schlagzeug

Produziert von Marcos Yukio und André Cortada
Label: Eldorado

Homepage: http://www.viperbrazil.com

MySpace: http://www.myspace.com/viperbrazil

Tracklist:
1. All My Life
2. Come On Come On
3. Miles Away
4. Not That Easy
5. Love Is All
6. Cross The Line
7. Do It All Again
8. Violet
9. Dreamer
10. Soldier Boy
11. Rising Sun
12. Miracle