VARATHRON: Crowsreign

Eine alte griechische Schwarzmetall-Institution ist auferstanden: VARATHRON. Freude oder Verdruss?

Manchmal nach einem anstrengenden Tag krame ich sie aus meiner Vinyl-Sammlung hervor: die alten griechischen Götter von VORPHALACK, DISMAL, ROTTING CHRIST oder NECROMANTIA. Und dann schweifen die Gedanken ab, weg von der Flut der inspirationslosen Neuerscheinungen, die in der Zwischenzeit produziert wurden. Plötzlich ein Funke, etwas starrt mich an, hat meine Augen gekrallt. VARATHRON. Irgendwo scheppert etwas in den Erinnerungen. Das knorrige Logo zieht mich in seinen Bann. Tatsächlich, ein neues Lebenszeichen von den Griechen, die bereits 1989 mit Procreation of the unaltered Evil ein Demo präsentiert hatten. Sogleich mischt sich Unbehagen in die Vorfreude. Was, wenn sie den Weg von ROTTING CHRIST gegangen sind? Was, wenn der alte Charme für immer im Mittelmeer ertrunken ist auf seiner Odyssee zum Jahr 2004? Noch immer starrt das braune Auge auf Crowsreign in meine Richtung. Nein. Ich muss nochmals darüber schlafen, die Enttäuschung könnte zuviel sein.

Erneuter Versuch. Evil gets an upgrade klingt bereits verheißungsvoll, ruhig, beschwörend, ja einlullend zu Beginn. Kaum ertönt die Textzeile There is no God breitet der griechische Akzent seine mächtigen Schwingen aus. Ein gutes Zeichen. Hier wird nicht auf pseudointellektuelles englisches Theatergeschwafel gesetzt. Folgt nun der unerbittliche Old School Black Metal? Falsch geschätzt – VARATHRON überraschen erst mit bizarr anmutenden, eher dem Melodic Metal zuzuordnenden Gitarrenklängen, die dann jedoch in ordentliches Schwarzmetallgeholze mit bedrohlichem, tiefen Kreischgesang münden. Spätestens jetzt ist der Spannungsbogen gespreizt wie ein Regenschirm, sollten VARATHRON gar so abgefahren agieren wie ihre verrückten Landsmänner TRANSCENDING BIZARRE??

Die Reise geht nicht ganz so abgedreht weiter und Crowsreign zeigt seinen ganzen schwarzmetallischen Charme. Doch von Gerumpel keine Spur, VARATHRON wissen, was sie tun und haben ihre Songs mit viel Liebe zum (Gitarren)detail ausgefeilt, ohne die Emotionen zu vergessen. Gesanglich bewegt man sich eindeutig in den alten Zeiten (Stichwort: VORPHALACK), doch es scheint, als habe sich diese Stimme in eine neue Welt verirrt, in der holde Gitarrenklänge, fiese Schwarzmetallriffs und folkmässige Geigen allesamt in die Szenerie gehören. Akustische Passagen, die den hypnotischen Effekt von NAOS haben, existieren ebenfalls, etwa in Darkness falling oder im gelungenen The Grim Palace, wo die erwähnten Violinen ebenfalls ihr Plätzchen haben. Trotz dieser neumodischen Einflüsse leidet die Atmosphäre nie, das überzeugend beklemmende und gleichzeitig hymnische Creation of Satan erscheint genauso wenig deplaziert wie A Vision of a Nameless Soul, welches Schlachtengebrüll und ruhige, melancholische Parts in sich vereint. Will man überhaupt einen Negativpunkt finden, muß man sich schon dem etwas gekünstelten Cover-Inlay zuwenden, wo die vier Herren Musiker offenbar ihre erotischen Phantasien ausleben (müssen).

Fazit: VARATHRON haben sich weiterentwickelt, ohne sich selbst zu verlieren. Zwar ist Crowsreign nicht leicht zugänglich, doch die alte Black Metal-Anziehungskraft lebt zwischen den Zeilen und man kann sich ihr nur schwer entziehen. So schwer, dass man glatt die Erleichterung darüber vergißt.

Veröffentlichungstermin: 30.11.2004

Spielzeit: 64:45 Min.

Line-Up:
Stefan Necroabyssious: Vocals

Bill (Crazy Wizard): Keys

Achilleas: Gitarren, Bass

Haris: Drums

Label: Black Lotus

Homepage: http://www.varathron.com

Email: Varathron_Stefan@yahoo.com

Tracklist:
1. Evil gets an upgrade

2. There is no God

3. The Grim Palace

4. Darkness Falling

5. Creation of Satan

6. The Sign of Eternal Curse

7. A Vision of a Nameless Soul

8. Emersing from the Immortals

9. The King of Asine

10. Spirit of the Tomb

11. Angel of Revenge