VAN CANTO: A Storm To Come

VAN CANTO: A Storm To Come

Vor weniger als 24 Stunden zog ich die CD aus dem Briefkasten. Schon jetzt kann ich ruhigen Gewissens verkünden, dass VAN CANTO mit A Storm To Come das Album des Jahres 2006 abgeliefert haben! Das Suchtpotenzial der Scheibe ist enorm. Selbst beim vierten Durchlauf am Stück verliert die Musik nichts von ihrer Faszination. VAN CANTO schaffen es mühelos, dem stagnierenden Melodic Speed Metal-Genre neues Leben einzuhauchen.

Ein Blick auf die Besetzung macht schnell deutlich, was das Sextett von anderen Bands unterscheidet: keine Gitarren, kein Bass, keine Keyboards – nur Gesang und Schlagzeug. Es wäre jedoch fatal, die Gruppe auf dieses Merkmal zu reduzieren. Denn letztlich können VAN CANTO mit einem ausgereiften Songwriting überzeugen. Im direkten Vergleich dazu wirkt das Material der diesjährigen HAMMERFALL-, RHAPSODY– und BLIND GUARDIAN-Alben einfach nur amateurhaft.

Schon die ersten Takte von King bestechen mit bezaubernden Harmonien. Der Song entwickelt sich anschließend zielsicher zu einem mitreißenden Speed Metal-Song, dessen Struktur mit allerlei stimmigen Zwischenteilen aufgelockert wurde. Bei The Mission sieht es ähnlich aus. Hier wird man von einem genialen all we are-Einschub überrascht. In dieser Hinsicht erinnern VAN CANTO an BLIND GUARDIAN: Der zweite Refrain im Song kommt nicht unbedingt an der Stelle, an der man ihn erwartet – also nach der zweiten Strophe. Stattdessen werden raffinierte Spannungssteigerungen eingestreut. Wenn der Refrain schließlich wieder an der Reihe ist, wirkt er umso fesselnder.

Im ersten Moment wirkt die Musik sicherlich ungewohnt und… amüsant. Unwillkürlich muss man grinsen. Es ist jedoch kein abschätziges Lächeln – es ist eine fast schon kindliche Freude, wie ich sie einst an Weihnachten 1992 erlebte, als ich Somewhere Far Beyond geschenkt bekam. Natürlich ist das Klangbild anfangs irritierend. Die Rakkatakka-Gesänge imitieren eher selten traditionelle Gitarrenriffs. Dafür werden sie in tolle Chorpassagen eingebunden und sorgen ansonsten für epische Klangteppiche. Darauf kann sich dann der ausdrucksstarke Gesang von Dennis Schunke bestens entfalten. Parallelen zu James Hetfield lassen sich speziell beim abschließenden METALLICA-Cover Battery nicht von der Hand weisen. Da die Musik ansonsten in anderen stilistischen Gefilden angesiedelt ist, bleibt die nötige Eigenständigkeit zum Glück erhalten. Höhere Passagen übernimmt Inga Scharf, deren klare Stimme bei FADING STARLIGHT zuletzt gegen übermächtige Gitarrenriffs ansingen musste. Bei VAN CANTO kann sie sich dagegen ungehindert entfalten. Es ist nicht verwunderlich, dass die entsprechenden Passagen nach NIGHTWISH klingen. Im Gesamtzusammenhang geht die Rechnung jedenfalls auf, da der weibliche Gesang spärlich, aber effektiv eingesetzt wird. So gewinnt etwa der Refrain von Rain eine neue Dimension durch die spannenden Sopran-Einwürfe.

Die größte Wirkung entwickelt A Storm To Come sicherlich bei hoher Lautstärke. Dann kann man nämlich ungestört mitsingen, selbst wenn man kein Gesangstalent besitzt. Bei The Mission ist es ein mächtiges immortal, bei der Ballade I Stand Alone der gesamte Refrain. Zudem lassen unzählige Details im Instrumentalbereich aufhorchen. Immer wieder macht es Rattatschang oder Dengdengdenghehoheya. Das ist unglaublich erfrischend und zugleich erstaunlich wirksam. Denn selbst hier verspürt man rasch den Drang mitzusingen.

Als Sahnehäubchen gibt es neben den sieben ausnahmslos gelungenen Eigenkompositionen noch das bereits erwähnte Battery (stark) und mit Stora Rövardansen die Titelmelodie der Verfilmung von Astrid Lindgrens Ronja Räubertocher (komponiert von Björn Isfält). Damit rennt die Band bei mir natürlich offene Türen ein. Ich denke, es spricht für die Band, dass ich von meiner ursprünglichen Idee, das Review als Rumpelwicht zu schreiben, nach dem ersten Hördurchgang schnell Abstand nahm. Denn die Frage Wiesu singen sie su? lässt sich einfach mit Weil´s ruckt! beantworten.

Ich könnte noch den ganzen Abend weiterschreiben. Die Botschaft sollte aber inzwischen klar sein: Die Musik ist bärenstark, die Melodien griffig, der Gesang leidenschaftlich. Wenn VAN CANTO so weiter machen, wird sie nichts aufhalten können.

A Storm To Come wird auf der Bandhomepage und bei diversen Mailordern erhältlich sein.

Veröffentlichungstermin: 15.12.2006

Spielzeit: 37:19 Min.

Line-Up:
Dennis P. Schunke (ex-SYNASTHASIA): Gesang
Inga Scharf (FADING STARLIGHT): Gesang
Ross Thompson (DEADLY SIN): höherer Rakkatakka-Gesang
Stefan Schmidt (ex-JESTER´S FUNERAL): tieferer Rakkatakka-Gesang
Ingo Sterzinger ((CP) RONO): tiefer Dandan-Gesang
Dennis Strillinger (SYNASTHASIA): Schlagzeug

Produziert von Stefan Schmidt
Label: General Schallplatten

Homepage: http://www.vancanto.de

Tracklist:
1. Stora Rövardansen
2. King
3. The Mission
4. Lifetime
5. Rain
6. She´s Alive
7. I Stand Alone
8. Starlight
9. Battery

+ The Mission (Video)

Jutze
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