TURBOKILL: Vice World

TURBOKILL: Vice World

2015 stieg Stephan Dietrich bei ALPHA TIGER aus. Die Band brachte mit neuem Sänger noch ein zwiespältig aufgenommenes Album raus, bevor man sich dann letztes Jahr auflöste. Schade, denn die ersten drei Alben der Band gefielen mir allesamt ziemlich gut. Stephan Dietrich wiederum sammelte neue Musiker um sich und veröffentlichte 2018 mit seiner neuen Truppe TURBOKILL eine vielversprechende EP. Nun liegt das Debütalbum “Vice World” vor, welches erstmal mit einem Cover auffällt, für welches wohl das schöne Wort fugly erfunden wurde. Man könnte auch sagen, qualitativ schließen TURBOKILL, was die Cover angeht, an ALPHA TIGER an. Aber man soll sich ja von der Verpackung nicht blenden lassen, sonst hätten Bands wie HELSTAR oder RIOT ja nie den Ruhm geerntet, der ihnen zusteht. Oh… wait…

Homogenität trotz Vielfalt – “Vice World” klingt bei aller Abwechslung wie aus einem Guss

Nun ja, haken wir das Thema Cover mal ab und widmen uns den wirklich wichtigen Dingen des Lebens, nämlich der Mucke. Denn da machen TURBOKILL wie nach der EP erwartet eine richtig gute Figur. Nach dem Intro knallt uns die Band mit dem Doppelpack “Vice World” und “War Thunder” melodischen Speed Metal par excellence vor den Latz. Irgendwo zwischen RIOT (V) und HELLOWEEN landen TURBOKILL hier gleich zwei Volltreffer. Im weiteren Verlauf gestalten TURBOKILL ihr Songmaterial allerdings sehr abwechslungsreich, mal heavy stampfend in “Pulse Of The Swarm”, mit einer Sleaze-Note bei “Global Monkey Show” oder JUDAS PRIEST auf Steroiden bei der Bandhymne “Turbokill”. Der Refrain von “Kill The Lie” hätte in seiner epischen Breite auch von einer Modern Metal-Band stammen können. Aber egal was TURBOKILL machen, die Jungs haben ein Händchen für starke Songs und letztendlich stehen auf “Vice World” genug klassische Headbanger-Hymnen, um das Album homogen klingen zu lassen. Im Vergleich zu ALPHA TIGER agieren TURBOKILL deutlich straighter, weniger verspielt, eher mit direktem Zug zum Tor, um mal eine Fußball-Parabel zu bemühen.

TURBOKILL-Sänger Stephan Dietrich brilliert auf “Vice World”

Auch textlich ist man um Abwechslung bemüht, spricht auf der einen Seite aktuelle gesellschaftliche Themen wie Konsumwahn oder die Schattenseiten moderner Technik an, auf der anderen Seite darf es auch mal ein Spaßtext wie der von “Sail With Pirates” oder eine Metal Klischee-Schleuder wie “Turbokill” sein. Rein spielerisch sind TURBOKILL sowieso über jeden Zweifel erhaben. Stephan Dietrich brilliert mit seinem irgendwo zwischen Kiske, Halford und immer noch ein bißchen Geoff Tate liegenden Organ auch hier, auch wenn mir die eine oder andere QUEENSRYCHE-mäßige Gesangslinie fehlt, was das Songmaterial aber diesmal einfach nicht wirklich hergegeben hat. Lediglich in “Track´N´Spy” blitzt es kurz auf. Das Gitarrenduo Schuster und Kanzler braucht sich zu keiner Sekunde hinter seinem Frontmann zu verstecken, denn auch die Gitarrenarbeit auf “Vice World” ist erste Sahne. Dazu kommt der sehr deutlich im Mix hörbare Bass, welcher den Songs einen extra crunch gibt.

Insgesamt haben TURBOKILL mit ihrem Debüt einen hervorragenden Einstand abgeliefert. Zwar ist die A-Seite insgesamt etwas stärker, wirklich abfallen tut das Album in der zweiten Hälfte aber auch nicht, die ganz großen Hits sind halt einfach nur vorne zu finden. Man darf gespannt sein, wie es mit TURBOKILL weitergeht. Die Band selbst scheint jedenfalls große Ambitionen zu haben und sich nicht mit halben Sachen zufrieden geben zu wollen. Gut so! Das Potential dafür, zu einer relevanten Größe zu werden ist ohne Frage vorhanden.

Veröffentlichungsdatum: 25.10.2019

Spielzeit: 46:57

Line Up:
Stephan Dietrich – vocals
Ronny Schuster – rhythm guitar
Daniel Kanzler – lead guitar
Marco „Fox“ Grünwald – bass
Philipp „Nafta“ Dießl – drums

Label: SPV/Steamhammer

Bandhomepage: http://www.turbokill.de/
Facebook: https://www.facebook.com/TURBOKILLBand/
Bandcamp: https://turbokill.bandcamp.com/

TURBOKILL „Vice World“ Tracklist

  1. The Grand Delusion
  2. Vice World
  3. War Thunder
  4. Pulse Of The Swarm
  5. Global Monkey Show
  6. Sail With Pirates
  7. Turbokill
  8. Kill The Lie
  9. Don’t Deal With The Devil
  10. Track N‘ Spy
  11. End Of Days
  12. Fortress Of The Universe
agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.