TODTGELICHTER: Angst

Die Urbanisierung des Black Metal schreitet voran – mit  TODTGELICHTER als Hoffnungsträger.

Es ist ja nichts Neues, dass Black Metal seinen Weg aus dem Wald in die Stadt findet. In letzter Zeit findet diese Urbanisierung, als direkter Gegenentwurf zu Band wie WOLVES IN THE THRONE ROOM und AGALLOCH immer vermehrter statt, und gerade TODTGELICHTER, die in der Vergangenheit schon als Hoffnungsträger des deutschen Black Metals zählten, setzen hier mit überraschender Sicherheit und genügend Selbstbewusstsein an. Angst, das dritte Album der Hamburger Band, wächst langsam aber sicher und gräbt sich ins Unterbewusstsein des Hörers. TODTGELICHTER bewegen sich zwischen AMESOEURS und etwas, das wie rockende, relativ direkte NOCTE OBDUCTA oder auch LIFELOVER klingt. Angst wirkt dabei weder richtig klaustrophobisch oder schwarz, schafft es aber eine gewisse Atmosphäre zu entfalten, die es im Black Metal nur selten zu hören gibt. Obwohl, lassen wir den Terminus Black Metal lieber ab sofort weg, denn bis auf das Riffing und den Schreigesang erinnert nur noch wenig daran.

Heißt das etwa, dass sich TODTGELICHTER eine eigene Nische geschaffen haben? Ja und nein. Die Elemente, die das Hamburger Gespann verwendet sind allesamt wohlbekannt, nicht mal die Zusammensetzung dieser ist wirklich neu. Aber die Atmosphäre, die Angst parat hat, wirkt durchaus originell und taucht diese dunkle, teilweise etwas zu gezügelte Metal-Mixtur in ein sehr surreales Licht. TODTGELICHTER haben dabei immer wieder grandiose Passagen parat, egal ob es sich um den Schluss von Café Of Lost Dreams handelt, bei dem Sängerin und Keyboarderin Marta mit ihrer sinnlichen Stimme Gänsehaut schafft, Bestie, das ein brillantes Gitarrenriff mit starker Schlagzeugarbeit und intensivem Kreischgesang vereint und so mitten in der Magengrube landet, oder Subway, das enorm viele verschiedene Facetten parat hat, und über einen schönen, unheimlichen Mittelteil verfügt. Dazu kommen finstere, hier und da auch schnelle Momente, mit klassischem Riffing, die – wären sie nicht eingebettet in das sehr abwechslungsreiche Ganze – nach einer typischen, modernen, melodischen Black Metal-Band klingen würden; das fällt vor allem im Mittelteil des Albums, bei Oblivion und Phobos & Deimos auf.

Die Sternstunde von Angst ist jedoch das sehr eingängige Stück Neon, das in Richtung Shoegaze und Post Rock geht, und von dessen Melancholie man nicht genug bekommen kann, die auch nicht vom heftigen Ende des Stücks relativiert wird. Wahrscheinlich wirkt dieser Song vor allem deshalb so gut, weil er ziemlich aus dem Album heraus sticht. Auch fällt hier besonders auf, wie gut die Band eingespielt ist, und gerade im Bereich der Gitarren weit mehr zu bieten hat, als klirrende Riffs, sondern auch ein gutes Händchen für die richtigen Einsätze. Vor allem aber Martas Gesang, der gerne öfter im Verlauf der knappen Stunde zu hören sein dürfte, begeistert. Wenn sich das dritte Album der TODTGELICHTER mit Moloch und Allmählich langsam und zeremoniell dem Ende entgegen neigt, ist der Hörer zunächst stark berührt und gleichzeitig erstaunt, wie gut Angst geworden ist. Nach mehrmaligem Hören fällt dennoch auch, dass manche Songs, wie Bestie und Oblivion straffer gestaltet hätten werden dürfen und dass TODTGELICHTER hier und da einfach mehr die sprichwörtliche Sau raus lassen dürften.

Angst ist, mit etwas Abstand betrachtet ein sehr abwechslungsreiches und mutiges Album, aber auch eines, das nicht der ganz große Wurf ist, wie alle es marktschreierisch hinaus posaunen. Es gibt noch Verbesserungsbedarf, auch wenn objektiv alles im Lot ist. Die Produktion ist so eine Sache, hier treffen die rauen Gitarren, auf ein zu sauberes Schlagzeug, das mit zu viel Hall belegt wurde. Im Endeffekt sind das Kleinigkeiten, die aber im Falle von TODTGELICHTER dazu führen, dass zur Spitze des Genres schon noch ein gewisser Weg ist. Freunde von atmosphärischem, abwechslungsreichem und dunklem Metal sollten aber auf jeden Fall ein Ohr riskieren.

Veröffentlichungstermin: 3. Dezember 2010

Spielzeit: 53:44 Min.

Line-Up:

Nils – Vocals, Bass
Frederic – Guitars, Vocals
Claudio – Guitars
Tentakel P. – Drums, Synths
Marta – Female Vocals, Organ

Produziert von Eike Freese
Label: Aural Music / Code 666

Homepage: http://www.todtgelichter.de

MySpace: http://www.myspace.com/todtgelichter

Tracklist:

1. Café Of Lost Dreams
2. Bestie
3. Oblivion
4. Phobos & Deimos
5. Neon
6. Subway
7. Moloch
8. Allmählich