TODTGELICHTER: Apnoe

TODTGELICHTER machen es sich zwischen Post Black Metal und Gothic bequem: Das Ergebnis ist spannender und gehaltvoller, als der erste Eindruck es vermuten lässt.

Schön, dass sie auch heute noch existieren, die Covers, die mit einem simplen Bild noch alles aussagen können. Abkapseln vom Rest der Welt? Gerne. Helfen uns TODTGELICHTER dabei? Bedingt. TODTGELICHTER sind stilsicher, schon seit jeher, vergaßen leider auf ihrem letzten Album bei aller gepflegten Finsternis, ganz konsequent zu sein. Nun, diejenigen, die den wilden Tagen von TODTGELICHTER nachtrauern, sollten ihren schwarzen Schleier nicht ablegen. TODTGELICHTER verfolgen den Weg von Angst weiter, werden atmosphärischer, vergessen die packenden Momente nicht, auch wenn diese recht versteckt sein können. Apnoe ist dabei deutlich näher an Gothic Metal als am Black Metal, aber egal wie man TODTGELICHTER nun auch bezeichnen möchte, ihre Vision ist überraschend klar und ihre Welt hat sich sehr nachvollziehbar ausgedehnt.

Eine knappe Stunde lang gibt es immer wieder kleine Überraschungen, der Gesamteindruck von Apnoe wird konsequent erweitert. Dem ersten Höreindruck nach könnte Apnoe ein gleichförmiges Album sein, mit jedem Durchlauf mehr wird bewusst, wie viel Liebe und Details in den Stücken steckt. Embers wirkt noch relativ wuchtig und brachial, hat aber schon sehr epische, elegische Momente parat, später in Expectation und Kollision klärt sich das Bild, eine gewisse Härte kommt immer wieder, muss aber doch der elegischen Dunkelheit weichen. Soil klingt dann wie THE GATERHING um die Jahrtausendwende und beschert im Refrain durchaus Gänsehaut. Until It All Begins ist ein ebenfalls von Sängerin Marta dominierter Song, der durch das dezente Schlagzeug und den Kontrabass ein rauchig-jazziges Barflair eingehaucht bekommt und schaurig-schön klingt. Zusammen mit Odem, dessen Zusammenspiel der Riffs, Rhythmen und dem Gesang des neuen Frontmannes Tobias beinahe hypnotisch wirkt, ist Until It All Begins auch das beste Stück von Apnoe.

Ob das Bonusstück Tiefer Fall nun ein Ausrutscher ist oder ob hier in Richtung gewisser Düsterclubs geschielt wird, sei dahingestellt, aber hier nähern sich TODTGELICHTER gefährlich nah ASP und Konsorten. Der Gesamteindruck des Albums wird dadurch zwar nicht zerstört, aber in diesem Song wird die Grenze zum Kitsch leider doch übertreten. Davon abgesehen leisten sich TODTGELICHTER keinen großen Fehltritt. Die Gitarrenarbeit mag manchmal unscheinbar wirken, hat aber einiges an Tiefe zu bieten, ebenso die sehr dezent eingesetzten Synthesizer. Dominiert wird das Album durch die großartigen Leistungen des neuen Sängers Tobias und der sehr verrucht klingenden Martha. Die Produktion passt sich dem Album an, ist nicht zu brachial und wuchtig, aber sorgt für ein wenig zusätzliche Härte.

Eine knappe Stunde lang kapselt sich der Hörer tatsächlich ein wenig von der Welt ab, so wie es das Artwork suggeriert. Aber dass wir selbst in Apnoe, einen Atemstillstand abrutschen, das schaffen TODTGELICHTER dann doch nicht ganz. Das vierte Album der Hamburger ist wie geschaffen für diejenigen, die Zeit mitbringen und keine musikalische Effekthascherei brauchen, um mitgerissen zu werden. Aber Vorsicht: Auch als Post-Black-Metal-Fan sollte man offen sein, um sich TODTGELICHTER so hingeben zu können, wie sie es verlangen. Eines sollte man aber stets im Hinterkopf behalten: Apnoe ist spannender und gehaltvoller, als der erste Eindruck es vermuten lässt.

Veröffentlichungstermin: 15. April 2013

Spielzeit: 52:46 Min.

Line-Up:
Marta – Female Vocals
Tobias – Vocals
Frederic – Guitars, Vocals
Claudio – Guitars
Chris – Bass
Tentakel P. – Drums, Synths

Label: Code 666 / Aural Music

Homepage: http://www.todtgelichter.de/
Mehr im Netz: https://www.facebook.com/Todtgelichter

Tracklist:
1. Embers
2. Lights Of Highways
3. Expectations
4. Kollision
5. Beyond Silence
6. Soil
7. Odem
8. Until It All Begins
9. Tiefer Fall
10. Torn