THE GLOOM IN THE CORNER: Trinity

“Trinity” ist eine vollgepackte Metalcore-Wundertüte, die aufgrund ihrer zahlreichen genrefremden Einflüsse schnell zu einem der originellsten Genre-Beiträge der letzten Jahre avanciert.

Es ist fast so, als würde man eine story-getriebene Serie irgendwo in der Mitte beginnen: „Trinity“ ist nicht einfach nur ein Konzeptalbum, THE GLOOM IN THE CORNER sind vielmehr eine Konzeptband. Die Geschichte um Geheimorganisationen, Verschwörungen, Rache und besitzergreifende Dämonen („Gloom“) stricken die Australier nun schon seit einem Album und drei EPs, wobei die zahlreichen Wendungen und Enthüllungen durchaus eine dedizierte Comic-Reihe speisen könnten. Nachlesen können wir das alles auch in einer 72-seitigen Zusammenfassung inklusive Charakterbeschreibungen – oder aber wir springen direkt hinein in den Kaninchenbau.

So jedenfalls nennt man in der Welt THE GLOOM IN THE CORNERs die Höllendimension, aus der die drei Hauptfiguren des neuen Handlungsstrangs entkommen müssen. So ambitioniert und faszinierend diese Detailverliebtheit auf textlicher Ebene ist, so abwechslungsreich gestaltet sich die Umsetzung auf songschreiberischer Ebene. Mit einer wahren Flut an Gastsänger:innen und ohne jegliche Berührungsängste definiert das Quartett das gemeine Verständnis zeitgemäßen Metalcores neu.

THE GLOOM IN THE CORNER belohnen unsere Ausdauer mit einem der originellsten Genre-Beiträge der letzten Jahre

Selbstverständlich verlassen sich THE GLOOM IN THE CORNER hin und wieder auf die unverwüstlichen Trademarks: Shouts, tief heruntergestimmte Gitarren, knallharte Breakdowns. Dazu fließen aber derart viele genrefremde Einflüsse mit ein, dass wir nie wissen, was hinter der nächsten Ecke wohl lauern mag. Zugegeben, das ist anfangs so ungewohnt wie gewöhnungsbedürftig, belohnt unsere Ausdauer aber dann mit einem der originellsten Werke, die das Genre in den letzten Jahren gesehen hat.

In puncto Storytelling bedient sich die Band zwischen verteilten Gesangsrollen und gesprochenen Passagen ähnlichen Stilmitteln, wie wir sie sonst aus Musicals kennen, während es instrumental mal sanft, mal unerbittlich zugeht. Zusammen mit Ryo Kinoshita (ex-CRYSTAL LAKE) geht die Formation etwa im brutalen Synth- und Riffgewitter von „Ronin“ auf Zerstörungsorgie, während das symphonische Finale von „Black Rot“ nach dem gefühlvollen Damengesang einen passend dramatischen Kontrast setzt. „From Heaven To Hell“ und „New Order“ wiederum vermählen Djent-Riffing mit Swing-Anleihen, wohingegen das düstere „Behemoth“ ein wenig Sprechgesang einstreut.

“Trinity” ist eine vollgepackte Wundertüte, die aber nicht jedermanns Sache sein dürfte

„Trinity“ wird dadurch bis zum Ende zur kleinen Wundertüte, insbesondere weil sich Frontmann Mikey Arthur selbst unterschiedlichste Gesangsstile zu eigen macht und darüber hinaus durch die starken Gastperformances entsprechend Rückendeckung erhält. Auf diese Weise bleibt vor allem das vereinnahmende „Pandora’s Box“ mit Lauren Babic in Erinnerung, wobei das ruhige „Red Clouds“ dank Piano- und Streicheruntermalung definitiv am weitesten vom Metalcore-Grundgerüst abweicht.

Einen kleinen Vorbehalt gibt es dennoch: Die Art und Weise, wie THE GLOOM IN THE CORNER ihre Geschichten erzählen und überdies musikalisch umsetzen, ist sicherlich nicht für jedermann geeignet. Ähnlich wie es zum Teil bei ICE NINE KILLS der Fall ist, bringt „Trinity“ eine ganze Menge auf einmal zu Tisch. So manches Arrangement kann dadurch je nach Gusto auch mal zu viel, zu überladen wirken, vor allem, wenn sich das eigene Interesse am Plot in Grenzen hält.

Auf “Trinity” brechen THE GLOOM IN THE CORNER verkrustete Gepflogenheiten auf

Doch selbst dann wird es wohl schwer sein, den einzigartigen und unverbrauchten Charakter abzustreiten, mit dem THE GLOOM IN THE CORNER die verkrusteten Core-Gepflogenheiten aufzubrechen wissen. Bester Beleg hierfür ist das achtminütige Schlusskapitel „Hail To The King“ mit Joe Badolato (FIT FOR AN AUTOPSY), wo das Gespann nicht nur in Sachen Theatralik nochmals einen draufsetzt, sondern den Plot mit einem Cliffhanger pausiert, der uns geradezu sehnsüchtig auf die hoffentlich nicht allzu ferne Fortsetzung warten lässt.

Veröffentlichungstermin: 28.10.2022

Spielzeit: 53:50

Line-Up

Mikey Arthur – Vocals
Matt Stevens – Gitarre
Paul Musolino – Bass
Nic Haberle – Drums

Label: SharpTone Records

Homepage: https://www.thegloominthecorner.com/
Facebook: https://www.facebook.com/tgitcband/

THE GLOOM IN THE CORNER “Trinity” Tracklist

1. From Heaven To Hell (Video bei YouTube)
2. Obliteration Imminent
3. Ronin (Video bei YouTube)
4. Black Rot
5. New Order (Video bei YouTube)
6. Clutch
7. Pandora’s Box (Video bei YouTube)
8. Behemoth
9. Gravity
10. Red Clouds
11. Nor Hell A Fury
12. Gatekeeper
13. Hail To The King