SONIC SYNDICATE: We Rule The Night

SONIC SYNDICATE sind der Edward Cullen des Metal. Mit der ursprünglichen Sache hat das wenig zu tun, aber es glitzert schön.

Rein Titel sowie Artwork nach zu urteilen, war ich mir im Vorfeld ja sicher, dass SONIC SYNDICATE auf “We Rule The Night” auf den “Twilight”-Vampirchen-Trendzug aufspringen würden. Bei genauerer Betrachtung stellt sich diese Sorge, von ein paar metaphorischen Referenzen in Richtung Blutsaugertum mal abgesehen, als unbegründet heraus. Dafür gibt es 40 Minuten das, was man schon auf der “Rebellion“-EP so treffend als Pop-Metal bezeichnen konnte.

“We Rule The Night” wird von süßlichen Melodien, eingängigen Arrangements und glatt gebügelten Refrains beherrscht. Mit Metal hat das oft nur noch am Rande zu tun, denn die Gitarren sind ähnlich wie das künstlich produzierte Schlagzeug brav an die Leine genommen und die wenigen Screams im Hintergrund nicht der Rede wert. Wären “Revolution, Baby”, das generische “Plans Are For People” und das leicht schwedische “Break Of Day” nicht, dann hätte der zweite Sänger Richard Sjunnesson überhaupt keine Funktion mehr in der Band, denn Neuzugang Nathan J. Biggs dominiert mit seiner charismatischen, ausgesprochen guten Stimme das Album von Anfang bis Ende.

“We Rule The Night” könnte sogar Mutti gefallen

Aber auch hier gilt: Ecken und Kanten haben in der bunten Gute-Laune-Welt von SONIC SYNDICATE keinen Platz. Nathan klingt sauber und glatt; ja, das könnte sogar Mutti gefallen. Zumindest wenn es so schmalzig wird wie in “Miles Apart” und “My Own Life”, die an und für sich waschechte Popsongs samt Akustikgitarren sind. So richtig hip kommt “Turn It Up” daher, welches mit seinem elektronischen Beat und dem tanzbaren Midtempogroove gar auf die Metaldiskos dieser Welt abzielt. Elektronische Elemente sind derweil ein gutes Stichwort, denn in punkto Synthesizer wurde wahrlich nicht gespart. Im Grunde gibt es in jedem Song irgendwelche Konservenstreicher oder futuristische Keyboardspuren – das von der gleichnamigen Single bekannte “Burn This City” bekam gleich noch eine zusätzliche Ladung Synthies spendiert.

Immerhin haben sich SONIC SYNDICATE sowas wie eine Nische geschaffen

Und weil neben den Songs auch die Produktion extrem glatt gestriegelt ist, ist “We Rule The Night” eines dieser Alben, das unweigerlich die Hörerschaft spalten wird. Für die einen der Supergau und der Untergang des Metals, werden SONIC SYNDICATE-Fans gerade wegen den eingängigen, fast durchgehend hittauglichen Kompositionen “We Rule The Night” lieben – auch wenn das eben durchkalkulierte Musik für die Massen ist. SONIC SYNDICATE spielen nun mal seichten Sonnenschein-Metal, aber man muss ihnen dennoch zu Gute halten, dass sie sich mit Songs wie “Black And Blue”, “We Rule The Night” und “Beauty And The Freak” eine Nische geschaffen haben, der man so etwas wie Eigenständigkeit attestieren muss. Im Prinzip sind SONIC SYNDICATE und “We Rule The Night” also der Edward “Twilight” Cullen des Metal. Mit der eigentlichen Sache und der erhabenen wie bedrohlichen Aura des ursprünglichen Mythos mag das wenig zu tun haben, aber dafür glitzert es halt schön.

Veröffentlichungstermin: 27.08.2010

Spielzeit: 40:31 Min.

Line-Up:

Nathan J. Biggs – Vocals
Richard Sjunnesson – Vocals
Robin Sjunnesson – Gitarre
Roger Sjunnesson – Gitarre
Karin Axelsson – Bass
John Bengtsson – Drums

Produziert von Toby Right
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.sonicsyndicate.com

SONIC SYNDICATE “We Rule The Night” Tracklist

01. Beauty And The Freak
02. Revolution, Baby
03. Turn It Up
04. My Own Life
05. Burn This City (Video bei YouTube)
06. Black And Blue
07. Miles Apart
08. Plans Are For People
09. Leave Me Alone
10. Break Of Day
11. We Rule The Night