SOEN: Imperial

Auch wenn “Imperial” deutlich anders als sein Vorgänger klingt – SOEN ist erneut ein hervorragendes Prog Album gelungen.

Nachdem SOEN mit ihrem vielschichtigen Prog Rock auf “Lotus” schon absolut überzeugen konnten, war ich sehr gespannt, wie das neue Album “Imperial” wohl klingen mag. Haben sich die Schweden für das neue Album “Imperial” doch mehr Zeit gelassen als beim Vorgänger “Lotus“, der ja schon kurz nach “Lykaia Revisited” erschien. Und so viel kann ich verraten: Auch “Imperial” ist ein hervorragendes Prog Album geworden.

“Imperial” klingt anders. Nüchterner. Ernster.

Das letzte Jahr hat auch bei SOEN hörbar seine Spuren hinterlassen. “Imperial” klingt anders. Da, wo SOEN auf “Lotus” noch verspielt oder verträumt wie zum Beispiel in “Lascivious” klangen, herrscht auf “Imperial” häufig eine dunkle, düstere Stimmung. Vorbei die Träumereien, hier scheint dir das gleißende Scheinwerferlicht der Realität direkt ins Gesicht, holt dich zurück in die kalte Wirklichkeit. So habe ich SOEN noch nie gehört. Aber nicht nur musikalisch macht sich das bemerkbar, zum Beispiel durch häufigere Staccato-Attacken an den Gitarren und den Einsatz von noch mehr zusätzlichen Bass-Quinten auf der Gitarre, auch der Gesang von Joel Ekelöf klingt anders. Irgendwie… direkter, nüchterner, ernster. Und dort, wo früher vielleicht eine Melodielinie mehr für einen musikalischen Hoffnungsschimmer gesorgt hätte, treffen dich nun eher mal Powerchords derbe in die Magengrube. Natürlich sind SOEN auch auf “Imperial” auf höchstem Niveau unterwegs und spielen ihre musikalischen Fähigkeiten in komplexen Songs und rhythmischen Spielereien voll aus. Doch diese Tendenz ist für mich unüberhörbar.

12 Monate Arbeit stecken in “Imperial”

Schlagzeuger und SOEN-Gründer Martin Lopez (OPETH) sagte zu den Aufnahmen von “Imperial”: “offensichtlich ist Covid19 und alles Drumherum eine verrückte, schreckliche Sache und für uns als Band war es wirklich frustrierend, keine Shows spielen zu können, aber es hat uns die Möglichkeit geschenkt, dieses Album zu realisieren. Wir konnten über viele Monate 12 Stunden am Tag investieren, um mit IMPERIAL das umzusetzen, was wir uns vorstellten”. Und das hört man “Imperial” mit jeder Note an.

Hoffnungslose Klänge trotz gefühlvoller Grundstimmung

Aber nicht nur Covid-19 war ein beherrschendes Thema. Über die hervorragende Ballade “Illusion” sagt die Band: “Es geht um die Frustration, sich machtlos zu fühlen, aber auch um die Hoffnung, dass wir Dinge zum Besseren verändern können, indem wir aufhören, uns zu kritisieren und uns gegenseitig zu Feinden zu machen, indem wir den Ideen von Politiker und den von ihnen dominierten Medien blindlings folgen”. Auch dieser Song klingt, trotz seiner ruhigen, gefühlvollen Grundstimmung und der warmen Gitarre von Marcus Jidell, traurig und hoffnungslos. Auch Neuzugang Oleksii Kobel am Bass fügt sich nahtlos ins Klangbild ein.

SOENs”Imperial” wächst von Durchgang zu Durchgang

“Imperial” ist also eher weniger für die Party (kleiner Scherz – welche Party?!) am Samstagabend geeignet, bietet aber umso mehr Stoff, um genau zuzuhören und in der Musik zu versinken. Jeder Song hat seine Stärken, vor allem hinten raus haben sich mit “Dissident” und “Fortune” noch zwei richtig starke Nummern versteckt, und das Album wächst von Durchgang zu Durchgang. Umso mehr wünsche ich mir, die sympathischen Schweden bald wieder live erleben zu können.

VÖ: 29.01.2021

Label: Silver Lining Music

Produzent: Inaki Marconi

Mix/Mastering: Kane Churko

Line Up:

Joel Ekelöf – Vocals
Martin Lopez – Drums
Lars Enok Åhlund – Keyboards und Gitarre
Oleksii “Zlatoyar” Kobel – Bass
Cody Ford – Gitarre

SOEN “Imperial” Tracklist:

1. Lumerian
2. Deceiver
3. Monarch
4. Illusion (Video bei YouTube)
5. Antagonist (Lyrics-Video bei YouTube)
6. Modesty
7. Dissident
8. Fortune