RORCAL: Monochrome [Eigenproduktion]

Freunde der alles zerquetschenden Riffs im Zeitlupentempo mit einer tiefen Bedeutung: Das dürft ihr nicht verpassen.

Vielleicht ist das Baden im Genfer See von Vorteil für die Kreativität, vielleicht wurde auch nicht zuletzt dort das CERN errichtet, damit die Wissenschaftler mit ihren Forschungen immer gut weiter kommen. Wie ich auf solche kruden Gedanken komme? RORCAL, eine der besten Doom-Bands aus Europa, haben mit ihrem bösartigen Debütalbum Myrra Mordvynn Marayaa schon voll ins Schwarze getroffen und auch die Kollaboration Ascension mit ihren Landsleuten KEHLVIN war nicht von schlechten Eltern. RORCAL gehen nun den Schritt des Experimentes konsequent weiter und haben sich ein paar gute Musiker gekrallt, um ihre neue Vision in die Tat umzusetzen.

Doch zunächst gilt es erstmal das Geheimnis Monochrome zu erforschen, mit dem reinen Hören des fünfunddreißigminütigen Stückes ist es nämlich noch lange nicht getan. Eine gänzlich unbeschriftete CD, eine transparente Verpackung mit nichts außer Monochrome und einem mysteriösen Code drauf liegt vor, da wird der detektivische Spürsinn geweckt. Die Musik jedenfalls ist ein extrem schwerer Brocken. Mit den ersten fünf Minuten reiner flächiger Synthesizer-Klänge baut sich eine, je nach Empfinden, unerträgliche Spannung oder Langeweile auf. Sagen wir es so, wer sich auf Musik einlassen kann, dies als den Vorspann zu einen Film im Kopf sieht, den wird es zerreißen. Monochrome macht ganz langsam weiter, dezente Gitarren kommen zum Einsatz, ein leiser Frauengesang und ein verspieltes Altsaxophon fügen sich dem hinzu, bis es nach fast zehn Minuten zum ersten Mal in die Vollen geht. Aber wie.

Denn die Riffs, die nun folgen, zerschmettern einfach alles, hier können sich einige der großen Doom-Bands eine gehörige Scheibe abschneiden. Monochrome beherrscht perfekt die Balance zwischen nihilistischen, tiefgestimmten Riffs, bei denen die Röhren der Amps bluten, und zerbrechlicher Melodik. Es gibt einige Sternstunden auf Monochrome, in denen RORCAL vor Leidenschaft vergehen. Darüber gesellt sich nicht selten das Saxophon des Free Jazzers Michael Borcard, der dem Ganzen einen doch etwas anstrengenden Anstrich verleiht, aber das gibt dem fünfunddreißigminütigen Stück die nötige Würze. Auch die immer wiederkehrenden Synthesizer und den Hintergrund beschwerende Klavierakkorde, die den Bass unterstützen, wirken ungemein gut.

Dies ist eine Reise durch den Geist, durch eine pechschwarze Nacht, die immer wieder bedrohlich auf den Hörer hereinbricht, aber ihn dann doch wieder schützend in den Arm nimmt. Schizophren wirkt Monochrome dennoch nicht, weil RORCAL dem Material die nötige Zeit geben um sich zu entwickeln, in eine Welt zwischen BURIED AT SEA, BETHLEHEM und sogar MY DYING BRIDE. Die Reise ist dennoch gezeichnet von ein paar Irrungen und Wirrungen, nicht alle Details machen Sinn, es wäre durchaus noch möglich gewesen, den Song ein wenig zu straffen. Aber die mächtigen Riffs, das heftige Gebrüll und der wundervolle Gesang von Sydney Pham entschädigen hierfür auf jeden Fall.

Nun zum Code. Es ist wie immer im Leben. Sinnvoll eingesetzt eröffnet sich dadurch die Antwort auf viele Fragen. Zusätzlich dazu gibt es auf der eigens für Monochrome eingerichteten Website einen experimentellen Videoclip von Laurent Cupelin, der fast ausschließlich in schwarzweiß, ohne jegliche Schnitte auskommt, und aus den verschiedensten Perspektiven mehrere Personen bei ihrem Weg durch die Nacht begleitet, einem leichten Schuss David Lynch inklusive. Dieses geheimnisvolle Element verleiht Monchrome eine enorm kraftvolle Aura. RORCAL haben es erneut geschafft, mehr als nur Riffs darzubieten, und das in so kurzen Abständen, dass es mir schon fast unheimlich wird. Freunde der alles zerquetschenden Riffs im Zeitlupentempo mit einer tiefen Bedeutung: Das dürft ihr nicht verpassen.

Limitiert auf 665 Stück.

Veröffentlichungstermin: September 2009

Spielzeit: 35:11 Min.

Line-Up:
Christophe Grannet – Vocals
JP Schopfer – Guitar
Diogo Almeida – Guitar
Bruno da Encarnago – Bass
Ron Lahyani – Drums

Gäste:
Alex Müller – Synthesizer und Piano
Sydney Pham – Vocals
Michel Borcard – Saxophon

Produziert von RORCAL
Label: Eigenproduktion

Homepage: http://www.rorcal.com

MySpace: http://www.myspace.com/doomrorcaldoom

Tracklist:
Monochrome