RISE AGAINST: Appeal To Reason

RISE AGAINST: Appeal To Reason

Vom einstigen Melodic Hardcore scheint auf RISE AGAINSTs mittlerweile fünftem Album nicht mehr viel übrig zu sein. „Appeal To Reason“ ist noch ein Stück poppiger geworden als der Vorgänger „The Sufferer & The Witness“ und bewegt sich überwiegend in Punk-Rock-Gefilden mit einem Schuss Alternative-Sound. Es wäre also ein leichtes, der Band anhand der musikalischen Entwicklung Ausverkauf vorzuwerfen. Ganz fair wäre dies jedoch nicht, zumal die rockige und eingängige Ausrichtung der Combo äußerst gut zu Gesicht steht.

Genau genommen gibt es kein einziges schlechtes Lied zu beklagen. Mit Ausnahme des soliden, aber nicht übermäßigen, „Kotov Syndrome“ ist das Material konstant auf gutem bis sehr gutem Niveau, wobei sich ein Ohrwurm an den nächsten reiht. Seinen Höhepunkt erreicht der mainstreamorientierte Einschlag dabei während „The Dirt Whispered“, wo tatsächlich entfernte Erinnerungen an Pop-Punk-Kapellen wie BLINK 182 wach werden. Zumeist wird aber trotz eingängigem Material bedingungslos gerockt, wie „Savior“ und „Whereabouts Unknown“ deutlich unterstreichen. Die Höhepunkte von „Appeal To Reason“ finden sich mit dem kraftvollen „From Heads Unworthy“ und dem komplett ohne Stromgitarre auskommenden „Hero Of War“ aber im Mittelteil der CD. Vor allem das fast schon balladesk gehaltene Akustikstück kann aufgrund seiner emotionalen Antikriegsmessage nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

RISE AGAINST bleiben sozialkritisch

Während die Musik auf dem Album noch leicht zu verdauen ist, behalten RISE AGAINST ihr lyrisches Konzept nach wie vor bei und bieten textlich dank sozialkritischen Inhalten wesentlich schwerere Kost. Neben der krassen Arm-Reich-Schere, die Sänger Tim McIlrath in der Single „Re-Education (Through Labor)“ aufzeigt, stellt die Gruppe beim eröffnenden „Collapse (Post-Amerika)“ gleich das komplette Gesellschaftssystem in Frage. Lobenswert sei an dieser Stelle auch, dass RISE AGAINST auch weiterhin an ihrer umweltbewussten Einstellung festhalten und die komplette Digipak-Verpackung aus recyceltem und biologisch abbaubarem Material fertigen ließen.

Kurzum, das musikalische Rad erfinden die Amerikaner mit ihrem neuesten Streich natürlich nicht neu, können mit „Appeal To Reason“ aber einen achtbaren Nachfolger des starken „The Sufferer & The Witness“ vorweisen, weshalb die Platte für Fans und alle, die es werden wollen, einen absoluten Pflichtkauf darstellt.

Veröffentlichungstermin: 10.10.2008

Spielzeit: 52:41 Min.

Line-Up:
Tim McIlrath: Vocals, Guitar
Zach Blair: Guitar
Joe Principe: Bass
Brandon Barnes: Drums

Produziert von Bill Stevenson und Jason Livermore
Label: Universal

Homepage: http://www.riseagainst.com

RISE AGAINST „Appeal To Reason“ Tracklist

01. Collapse (Post-Amerika)
02. Long Forgotten Sons
03. Re-Education (Through Labor) (Video bei YouTube)
04. The Dirt Whispered
05. Kotov Syndrome
06. From Heads Unworthy
07. The Strength To Go On
08. Audience Of One (Video bei YouTube)
09. Entertainment
10. Hero Of War (Video bei YouTube)
11. Savior (Video bei YouTube)
12. Hairline Fracture
13. Whereabouts Unknown
14. Historia Calamitatum (Bonus-Track)

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.