RICKY WARWICK: When Life Was Hard And Fast

Mit “When Life Was Hard And Fast” ist RICKY WARWICK ein kurzweiliges Album gelungen, das auch nach 20 Durchgängen noch jede Menge (Lager-) Feuer und Charisma versprüht. An Ruhestand ist noch lange nicht zu denken!

“Ich dachte, der wäre längst in Rente?!”, entgegnete mir eine überraschte Vampi, als ich in die redaktionsinterne Gruppe des marktführenden Social Media-App-Anbieters den Namen RICKY WARWICK reinschleudere. Tatsächlich zählt der ehemalige THE ALMIGHTY-Fronter mit 54 Lenzen nicht mehr zu den Allerjüngsten der musizierenden Zunft und auch der Titel “When Life Was Hard And Fast” gibt bereits Einblick, dass er beim Songwriting auch eine gewisse Nostalgie in die Tinte beigemischt hat.

Von altersbedingter Müdigkeit fehlt jedoch jede Spur: der Nordire steht energetisch noch voll im Saft und hat neben seines Postens bei BLACK STAR RIDERS endlich Zeit für seinen siebten Solostreich gefunden (hier muss ich gestehen, dass ich bislang nichts von seinen Einzelgängen mitbekommen habe…).

Nachdem bei den Riders in den letzten Jahren eine gewisse Stagnation bzw. bei mir auch eine gewisse Überdrüssigkeit erkennbar war, kommt “When Life Was Hard And Fast” zur richtigen Zeit, um RICKY WARWICK in meiner Wahrnehmung mit frischen Impulsen aufblühen zu sehen.

Amerikanische Singer-/Songwriter-Tradition und hart rockende Leichtfüßigkeit

Denn obwohl man den Ex-Ehemann von MTV-Sternchen Vanessa Warwick aufgrund seiner aktuellen Beteiligungen auch hier unweigerlich in die THIN LIZZY-Richtung schieben wird – was seine hin und wieder punk’n’rollig-lässige Art im Stile eines Phil Lynott einfach mit sich bringt – ist es das dezent nach Öl und Staub riechende Working Class-Rockflair, das diesem durchaus massentauglichen Album seinen Stempel aufdrückt. Noch mehr sticht aber der Pathos eines Tom Petty oder Bruce Springsteen hervor, denn das Album darf durchaus als Fortführung der amerikanischen Singer-/Songwriter-Tradition verstanden werden. Dazu passt auch die Willy Deville-Coverversion von ‘Gunslinger’ (im Original auf der B-Seite seines 1977-Hits ‘Spanish Stroll’).

Charmante Markigkeit mischt sich in ‘You Don’t Love Me’, ‘Fighting Heart’ oder dem Titelsong mit einer sehnsuchtsvollen, wundenversorgenden Melancholie, zu dem auch der tougheste Biker feuchte Augen bekommen darf. Wer SOCIAL DISTORTION kennt, weiß, was ich meine. Das alles wird mit einer hart rockenden Leichtfüßigkeit präsentiert, die oftmals an die dänischen Stimmungskanonen D:A:D erinnert und in denen RICKY WARWICK’s überragende Songwriter-Qualitäten zum Tragen kommen. Der intelligent arrangierte Aufbau der Scheibe ist ständig im Fluss und bringt gleichzeitig konträre Dynamiken harmonisch zusammen: so lässt Herr Warwick im Duett mit seiner Tochter Pepper das von ihr geschriebene, akustisch gehaltene und herzerweichende ‘Time Don’t Seem To Matter’ unmittelbar auf das spannungsgeladene ‘Never Corner A Rat’ folgen, nur um kurz danach wieder in die Vollen zu gehen. Äußerst aufregend, wie der ehemalige Live-Rhythmusgitarrist von NEW MODEL ARMY mit den unterschiedlichen Energien der Stücke fachmännisch umzugehen weiß.

RICKY WARWICK hat zu einem Ohrenschmaus eingeladen

Und bei diesem Farbenreichtum dürfen natürlich auch namhafte Gäste nicht fehlen: so darf GUNNER Dizzy Reed u.a. beim Drogensucht thematisierenden ‘I Don’t Feel At Home’ in die Keyboardtasten hauen, Joe Elliot, seines Zeichen DEF LEPPARD-Fronter und langjähriger Weggefährte von RICKY WARWICK, steuert den Backgroundgesang im Titeltrack bei und auch ex-Duran Duran-Klampfer Andy Taylor sowie THUNDER-Gitarrist Luke Morley geben ihre Visitenkarte ab.

Resumée: Wenn es darum ginge, in diesem Jahr jenes Album zu finden, das am Ende am öftesten durch meine Ohren gerauscht ist, würde ich jetzt schon voreilig vor die Kameras treten und vehement rufen: “Stop The Search!”

Mit “When Life Was Hard And Fast” ist RICKY WARWICK ein kurzweiliges Album gelungen, das auch nach 20 Durchgängen noch jede Menge (Lager-) Feuer und Charisma versprüht. An Ruhestand ist noch lange nicht zu denken!

Veröffentlichungstermin: 19.02.2021

Spielzeit: 39:42 Min.

Line-Up:

Ricky Warwick – Gesang & Gitarre
Keith Nelson – Gitarre, Background Gesang, Percussion
Robert Crane –  Bass
Xavier Muriel – Schlagzeug
Label: Nuclear Blast

Mehr im Netz: www.facebook.com/rickywarwickofficial/

 

RICKY WARWICK ‘When Life Was Hard And Fast’ Tracklist

1. When Life Was Hard And Fast
2. You Don’t Love Me (Video bei YouTube)
3. I’d Rather Be Hit
4. Gunslinger
5. Never Corner A Rat
6. Time Don’t Seem To Matter
7. Fighting Heart (Video bei YouTube)
8. I Don’t Feel At Home
9. Still Alive
10. Clown Of Misery
11. You’re My Rock N Roll