PAIN OF SALVATION: Road Salt One

PAIN OF SALVATION: Road Salt One

Da haben die bösen ex-Bilderbuchprogger von PAIN OF SALVATION nach dem sperrigen „Be“ das noch uferlosere „Scarsick“ nachgeschoben und stießen damit die letzten paar Bilderbuch-Progfans vor den Kopf. Herrlich sympathisch und künstlerisch wertvoll fand ich das – Selbstverwirklichung rules! So ganz knapp vor dem richtig großen Durchbruch einen auf Antikommerz zu machen ist ganz große Kunst und auch wenn es manch einem „Fan“ nicht gepasst haben mag, speziell das letzte Werk war ein Hammer! Jedenfalls hatten mich PAIN OF SALVATION im Sturm zurückerobert und ich war wirklich gespannt, wie, oder vor allem was „Road Salt One“ nun denn eigentlich werden würde.
Es ist definitiv nicht das von vielen erhoffte „back to the roots“-Album geworden, aber auch nicht der nächste logische Schritt, den man nach „Scarsick“ vielleicht erwartet hatte. Wer die „Linoleum EP“ vom letzten Jahr gehört hat, der wird sich aber auch schon darauf eingestellt haben. Nun, „back to the roots“ stimmt sogar irgendwie, allerdings aber auf „Musik an sich“ und nicht auf die Musik von PAIN OF SALVATION bezogen. Die ersten Begriffe die einem nach den ersten Minuten einfallen sind folgende: 70er, basisch, ruhig, warm, wertig, bluesig…
Metal ist das ganz und gar nicht mehr, ein retro-Vibe ist zu jeder Zeit allgegenwärtig, progressiv sind die Songs aber allemal und die unglaublich erdige, absolut auf´s Nötigste reduzierte Produktion passt wie ein Handschuh. Der Opener „No Way“ ist geil aber absolut kein Hit, „She Likes To Hide“ klingt rein musikalisch wie ein Bluesstück aus den Endsechzigern und erinnert an THE BLACK CROWES – untragbar für einen Prog Metaller, interessant für den Musikfan. Mit „Sisters“ gibt es dann eine wunderschöne, betörende Ballade zu hören, die auch die Altfans ansprechen dürfte, allerdings trotzdem die erwähnten Attribute einfließen lässt und einem Gänsehaut pur beschert – vor allem während der gediegenen Chorpassagen.
Ich möchte dennoch bescheinigen, dass „Road Salt One“ sicherlich noch einige weitere Fans vergraulen wird, hoffentlich aber auch Leute erreichen kann, die mit der Band bisher nichts anfzuangen wussten. Ein Song wie „Tell Me You Don´t Know“ ist als reiner Bluestrack so weit weg von dem was die Schweden bisher gemacht haben, dass man als Fan entweder die gleiche Entwicklung wie PAIN OF SALVATION hinter sich haben muss, oder eben prinzipiell gar nicht weiß, was Scheuklappen überhaupt sind. Das ist bei „Sleep Under The Stars“ ähnlich, trotzdem ist dieser Track, der am ehesten so etwas wie gute Laune verbreitet, schlicht fantastisch geworden und mir mit seiner Mischung aus 60s-Schlager, Kirmes und sensibler Melodieführung sofort ans Herz gewachsen. Das von der EP bekannte „Linoleum“ ist ein kleiner Kracher und mit dem darauf folgenden „Curiosity“ das härteste Stück des Albums. Das extrem düstere und verschrobene „Where It Hurts“ greift vereinzelt nochmals Elemente von „Sisters“ auf und braucht mehrere Durchläufe um richtig zu zünden. Die Titeltrack-Ballade „Road Salt“ dürfte einigen Leuten bereits von der schwedischen Ausscheidung zum Eurovison Song Contest bekannt sein und glänzt zwar mit extrem geilen, verhaltenen Sounds, aber mit einer doch eher zurückhaltenden Melodie. Der experimentelle, ausufernde und alles andere als gängig strukturierte Abschlusstrack „Innocence“ wird viele Hörer sprachlos zurücklassen, wahrscheinlich aber mit unterschiedlichen Resümees…
Tja, was habt ihr erwartet? Eine CD im Stile der „Erfolgsalben“? Tut mir leid, die Zeiten sind vorbei! „Road Salt One“ ist extrem ambitioniert, es ist in Songs verpackte künstlerische Freiheit und wohl die endgültige Lossagung von allen Banden. PAIN OF SALVATION machen was sie wollen, oder was wohl vor allem Daniel Gildenlöw will. Dass das nicht jeder Fan mitmachen wird ist immer ein Risiko, aber ein Risiko welches meiner Meinung nach jede Band eingehen muss, sofern sie hinter ihren Songs steht. Ich kann den zweiten Teil des eigentlichen Doppelalbums jedenfalls kaum erwarten!

Ist „Road Salt One“ also… 
…Metal? Nein! 
…progressiv? Im ursprünglichen Sinne ja!
…kommerzieller Selbstmord? Kann passieren, sie haben es zumindest darauf angelegt! 
…in meiner Jahres-Topliste für 2010! Yep!
Das Album wird übrigens auch als limitierte Version mit zusätzlichem Intro und vereinzelt längeren Songversionen erscheinen, also Augen auf bei einem eventuellen Kauf!

Veröffentlichungstermin: 14.05.2010

Spielzeit: 51:24 Min.

Line-Up:
Daniel Gildenlöw – vocals, guitar
Johan Hallgren – guitar, vocals
Fredrik Hermansson – keys, vocals
Leo Maragrit – drums

Produziert von Band
Label: InsideOut Records

Homepage: http://www.painofsalvation.com

MySpace: http://www.myspace.com/painofsalvation

Tracklist:
01. No Way
02. She Likes To Hide
03. Sisters
04. Of Dust
05. Tell Me You Don´t Know
06. Sleeping Under The Stars
07. Darkness Of Mine
08. Linoleum
09. Curiosity
10. Where It Hurts
11. Road Salt
12. Innocence

Ulle