PAIN OF SALVATION: 12:5

PAIN OF SALVATION: 12:5

Das letzte Redaktionstreffen begann mit einem betrüblichen Erlebnis, denn ehe Doktor Wings den Blutwurzschnaps auf den Tisch stellte und Onkel Psycho unsere Schwarzmetall-Fachfrau Arlette mit einem Teil der Zimmerdecke bewarf und so der gemütliche Teil des Tages eingeläutet wurde, kam ein als „Brickwork pt. IX“ getarnter Song in den CD-Schacht der Villa Vampiria. Dahinter verbarg sich die Akustikneubearbeitung von „Ashes“, dem Hitsong der redaktionsinternen Prog-Faves PAIN OF SALVATION. Wehklagen erschallte ob der viel zu fröhlichen, oberflächlichen Version, die die Intensität des ursprünglichen Werks vollkommen vermissen ließ. Somit hatte „12:5“, die aktuelle Live-Akustikscheibe der schwedischen DREAM THEATER-Kronprinzen, keinen guten Start bei mir. Doch schon “Remedy Lane“ hatte seine Zeit gebraucht, um zu zünden, und so sollte ein vorschnelles Urteil dem Hörgenuss eines PAIN OF SALVATION-Albums nicht im Wege stehen. Dennoch komme ich gegenüber „12:5“ nicht über ein gespaltenes Verhältnis hinaus. Denn auch wenn zunächst die Idee, eine Livescheibe mit Tracks aus allen Abschnitten der Bandhistory in Unplugged-Versionen aufzunehmen, bei einer so kreativen Band wie PAIN OF SALVATION durchaus reizvoll scheint – über vorhersehbare Umsetzungen geht die Band nicht hinaus, was verwundert. Und überkommt doch mal die Lust auf Veränderung die Band, endet es in einer zu lässigen „Ashes“-Schunkelversion. Einzige Ausnahme: das noch intensivere, wunderbar mit Pianobegleitung versehene „Undertow“, bei dem es dem Hörer heiß und kalt den Rücken runterläuft. Ansonsten kommen unter dem Titel „Brickwork“ mal längere, mal kurze Versatzstücke aus dem bisherigen Schaffen in zwei längeren Medleys zum Einsatz. Unter anderem geben sich „“This Heart of Mine“, „Song for the Innocent“, Idioglosia“, „Second Love“ und „Her Voices“ ein Stelldichein. Schade ist hierbei, dass ähnlich wie bei THE GATHERINGs „Sleepy Buildings“-CD nicht alle Werke der Band gewürdigt werden, „One Hour by the Concrete Lake“-Songs sucht man vergebens. Traurig angesichts eines so wundervollen Werks im Backkatalog und der nicht ausgeschöpften Spielzeit von „12:5“!

Und so stellt sich dem Fan mit zunehmender Vehemenz die Frage „Quo vadis, PAIN OF SALVATION?“. Warum veröffentlicht die sonst so auf Qualität bedachte Band ein so halbherzig wirkendes Album? Wo bleibt ein neuer Geniestreich Marke „The Perfect Element pt. I“? Ist die Band von den extrem hohen Erwartungen, die sie mit diesem Werk ausgelöst hat, gelähmt und weicht aus? Verzettelt sich Daniel Gildenlöw womöglich mit all seinen Gastauftritten? Songs wie „Reconciliation und „Chain Sling“ zeugen von der Ausnahmestellung, die sich die wackeren Schweden zudem auch mit sympathischen Liveshows, z.B. auf dem ProgPower-Festival, erarbeitet haben. Doch gerade angesichts der enormen Bandbreite und Inspiriertheit des Bandrepertoires wirkt „12:5“ wie ein Zaudern, wie ein Sich-Zeit-erkaufen. Und da hilft dann nur noch der Blutwurz…

Veröffentlichungstermin: 23.02.2004

Spielzeit: 60:49 Min.

Line-Up:
Daniel Gildenlöw – Gesang, Gitarre

Johan Hallgren – Gitarre

Kristoffer Gildenlöw – Bass

Fredrik Hermansson – Keyboards

Johan Langell – Schlagzeug

Produziert von Ludde & Daniel Gildenlöw
Label: Inside Out/SPV

Homepage: http://www.painofsalvation.com

Tracklist:
-Book I: Genesis:

Brickwork pt. I-V

-Book II: Genesister:

Winning a War

Reconciliation

Dryad of the Woods

Oblivion Ocean

Undertow

Chain Sling

-Book III: Genesinister:

Brickwork pt. VI-X