ORIGIN: Echos Of Decimation

ORIGIN: Echos Of Decimation

ORIGIN haben sich im großen Gebiet des extremen Metals ein kleines Areal abgesteckt, dass ich persönlich viel zu wenig bereist habe. Das macht jedenfalls das neue Album Echoes Of Decimation mehr als deutlich. Zwar wusste ich, dass die Amis irgendwo da draußen ihr Unwesen treiben, aber dass sie dort eine so furiose wie grandiose Death Metal-Kultur aufgebaut haben, ist mir völlig durch die Lappen gegangen. Und, wenn man das Album nun so hört, ärgert man sich. Zumindestens beim ersten Durchlauf ein wenig. Beim zweiten dagegen doch schon recht gewaltig und beim dritten schämt man sich.

ORIGIN schmettern ein fettes Brett Death Metal in die Runde, das von Energie, Geschwindigkeit und musikalischem Anspruch nur so strotzt. John J. Longstreth ist anno 2005 zwar nicht mehr für die Drums verantwortlich, aber der Nachfolger James King kann das Inferno ebenso gut in Szene setzen. Rasende Drums prägen die Scheibe von der ersten bis zur letzten Sekunde. Dabei ist nicht nur die Geschwindigkeit überhaupt, sondern einfach der schiere Abwechslungsreichtum der dicke Pluspunkt für die Band. Breaks geben sich die Klinke in die Hand und die verschiedenen Parts lösen sich oft so fließend ab, dass das Ganze dabei kaum sperrig wirkt.

Dazu feuern die beiden Gitarristen Paul Ryan und Clint Appelhanz (cooler Name übrigens) ein Rifffeuerwerk erster Güte ab. Zu keiner Zeit hat man den Anschein, dass alles auf Echoes Of Decimation nicht bis ins letzte Detail durchdacht sein könnte. Die Amis handeln also auf keinen Fall grob fahrlässig. Ihr Death Metal verbindet Brutalität auf erschreckend intelligente Weise mit musikalischer Versiertheit. Zu allem Überfluss kommen dabei nicht mal einzelne Riffs zu kurz. Irgendwo in dem organisierten Chaos, das die Platte ausmacht, gibt es immer Platz für markante, manchmal auch groovige Riffs. Sänger James Lee vergoldet alles schließlich mit einer Sangesleistung, die mit solide gnadenlos unterbewertet wäre. Er setzt seine kraftvolle Stimme vielfältig und gezielt ein und wirkt dabei nicht wie ein tollwütiger Bär, sondern vielmehr, wie ein hasserfüllter Prophet.

Trotzdem lebt Echoes Of Decimation alles in allem für den Augenblick: Weder ruht sich die Band auf gelungenen Riffs aus, noch versucht man aufdringlich eingängig zu sein. ORIGIN bieten mehr als nur Gefrickel, aber Konzentration auf die Musik muss man schon aufwenden, denn easy Listening ist das Teil hier bestimmt nicht.

Die Vivisektion des Monsters Echoes Of Decimation fällt also gleichermaßen spannend, wie überraschend aus. Der Effekt beim Rezensent ist am Ende allerdings eher Verblüffung und Faszination, als ein simpler Arschtritt. Das Album lädt nicht zur Zerstörung der Umgebung ein, sondern zum (darin) Versinken… und solche abstrusen Vergleiche fallen mir gewiss nur zu ganz bestimmter Musik ein.

Fazit: Pflicht!

Veröffentlichungstermin: 21. 03. 2005

Spielzeit: 26:31 Min.

Line-Up:
Paul Ryan – Guitar

James Lee – Vocals

Clint Appelhanz – Guitar

Mike Flores – Bass

James King – Drums

Produziert von ORIGIN, Clinton Appelhanz und Robert Rebeck
Label: Relapse

Homepage: http://www.origin-site.com

Tracklist:
01. Reciprocal

02. Endless Cure

03. The Burner

04. Designed To Expire

05. Cloning The Stillborn

06. Staring From The Abyss

07. Amoeba

08. Debased Humanity

09. Echoes Of Decimation