Es hatte etwas von einem klassischen Reset: erst die Trennung von der kompletten Band, dann die Absage von Festivalterminen im Sommer. Als wollte GHØSTKID-Mastermind Sebastian „Sushi“ Biesler das Tempo rausnehmen; einmal tief durchatmen, um mit dem Stress, den die Tretmühle Musikbusiness mit sich bringt, umzugehen.
Dass kurz darauf aber schon die Promo-Kampagne des Drittwerks anlief, die neue Band vorgestellt und die nächste Tour angekündigt wurde, ließ uns zunächst stutzig werden. Alles Teil einer Marketingmasche? Wohl kaum, wenn man nun genau hinhört. „Follow The White Rabbit“ beschreibt Sushi als zutiefst persönliches Album, auf welchem er sein Seelenleben offenlegt – aber auch die eine oder andere Spitze austeilt.
Dass es persönlich werden wird, stellen GHØSTKID schon im Intro klar
Den Druck von Label und Management prangert er etwa in „Purple Snakes“ recht unverhohlen an – fatal für die eigene psychische Gesundheit das Fazit, welches nicht aus der Luft gegriffen scheint: Die im Anschluss an die Veröffentlichung geplante Album-Release-Tournee wurde letztlich aus eben jenem Grund verschoben.
Dass es persönlich werden wird, stellte derweil das Intro schon klar, wo wir einer Art Therapiesitzung beiwohnen, in der unser Protagonist sein Leid klagt. Wie jedoch meistens der Fall, finden wir zu solch inszenierten Einspielern wenig Zugang, weshalb wir „The End“ letztlich als gut gemeint verbuchen. Der eigentliche Start mit „Ivory“ allerdings gibt sodann einen durchaus repräsentativen Ausblick auf die neue Ära GHØSTKID.
Stilistisch sind GHØSTKID auf „Follow The White Rabbit“ breit aufgestellt, schrauben den Härtegrad allerdings zurück
Die ruhige Strophe offenbart eine emotionale Seite, die im Refrain an Kraft gewinnt, ohne ihre Zerbrechlichkeit abzulegen. Grob orientiert sich der Ansatz am eigenen Hit „Heavy Rain“, der ebenfalls die Alternative-Seite der Formation in den Fokus rückt. In diesem Spannungsfeld bewegt sich ein großer Teil des Albums, während härtere Ausbrüche nun die Ausnahme bilden: „Mother Death“ erinnert während der ersten Takte dank der hektischen, modulierten Stimme noch an SKYND, bevor sich breitwandige Gitarren und hysterische Screams durch unsere Schädeldecke bohren. Ein wenig Nu-Metal-Flair à la KORN rundet das Stück schließlich ab.
Moderne Synthesizer begleiten die harschen Vocals in „Give Your Kids A Gun To Play“, wo GHØSTKID zwischen düsteren Club-Vibes und schwungvollem Alternative Metal balancieren. Auffallend ist jedoch, dass selbst in den extremen Passagen von „Follow The White Rabbit“ der Metalcore kaum noch zum Zug kommt. Stilistisch breit aufgestellt zeigt sich die Band dennoch: „Lovely“ ist eine süßliche Pop-Ballade wie aus dem Bilderbuch. Auf den Drumcomputer setzt außerdem „Neon“, wo HipHop- und Rap-Einflüsse das Grundgerüst stellen, entgegen des Titels aber eher blass bleiben.
GHØSTKID vollziehen auf „Follow The White Rabbit“ eine musikalische Kurskorrektur
Dasselbe von „Follow The White Rabbit” als Ganzes zu behaupten, würde dem Album indes nicht gerecht werden. Denn obwohl GHØSTKID hier eine musikalische Neuausrichtung vollziehen, die nun eben zuvorderst im Alternative-Kosmos zu Hause ist, hat die Platte mit „I Destroyed You“ oder den erwähnten „Purple Snakes“ sowie „Ivory“ durchaus gefällige Melodien und Hooks in der Hinterhand.
Gleichzeitig muss sich die vergleichsweise zahme Inkarnation des Projekts hinter den bisherigen Errungenschaften einreihen. Sowohl das selbstbetitelte Debüt (2020) als auch „Hollywood Suicide“ (2024) zeigten GHØSTKID zwingender im Auftreten und mitreißender in der Umsetzung. Das soll den Wert des immer noch grundsoliden Materials nicht schmälern. Dennoch wären wir keineswegs traurig, sollte sich Bandkopf Sushis Zeigefinger nach dieser dringend benötigten Introspektion ein weiteres Mal in Richtung Reset-Button vortasten, um damit den zwischendurch verloren gegangenen Drang nach vorne wiederzufinden.
Veröffentlichungstermin: 02.10.2026
Spielzeit: 39:43
Album-Line-Up
Sebastian ‘Sushi’ Biesler – Vocals
Sky van Hoff – Gitarre, Bass, Synthesizer
Jens Dreesen – Drums
Produziert von GHOSTKID und Sky van Hoff
Label: Century Media
Homepage: https://ghost-kid.de/
Facebook: https://www.facebook.com/ghostkidofficial
Instagram: https://www.instagram.com/ghostkiddo
Bandcamp: https://centurymedia.bandcamp.com/album/follow-the-white-rabbit-24-bit-hd-audio
GHOSTKID “Follow The White Rabbit” Tracklist
- The End
- Ivory (Video bei YouTube)
- Mother Death
- I Destroyed You (Video bei YouTube)
- Follow The White Rabbit
- Purple Snakes
- Give Your Kids A Gun To Play
- Neon (Feat. Maz Univerze)
- Unconditionally
- Lovely
- White Rainbow