NEÀNDER: Eremit

Das „Kollektiv“  NEÁNDER aus Berlin präsentiert also Instrumental-Musik an der Grenze zwischen Doom und Ambient mit einem Schuss Black Metal. Was sich auf den ersten Blick liest wie „so ein Hipster-Ding“ (Ein Kollektiv!! Berlin!!! Irgendwas-Mit-Black-Metal!!!!) entpuppt sich aber beim Hinhören als ziemlich genau das, als was es beschrieben wurde. Allerdings zusätzlich mit einem deutlichen Anteil Stoner, vor allem im Sound, der zeitweise gar an die Briten von CONAN erinnert, allerdings etwas feingeistiger und weniger brachial, insgesamt aber schön knarzig und mit wuchtigen, raumfüllenden Drums.

Dazu dann Doom, also ausladende Strukturen und Melodien, Melancholie, Düsternis, und eben als drittes Black Metal, hier vor allem repräsentiert durch die Benutzung von Blast-Beats und flirrendem „Mandolinen“-Riffing.

Die Mischung auf „Eremit“ geht auf

Und tatsächlich geht die Mischung auf „Eremit“ auch hervorragend auf. Den angekündigten Ambient-Anteil würde ich allerdings eher als Post-Black Metal beschreiben, denn minutenlange Soundscapes und Synthie-Geblubber gibt es dann doch nicht. Macht auch nix, denn stattdessen gibt es eine Reihe von wirklich guten Songs.

Während der Opener „Purpur” (nach kurzem Intro) noch eher stonig und leider auch wenig eindrucksvoll unterwegs ist, geht man im nachfolgenden Titeltrack schon deutlich interessanter zu Werke, mit herrlich doomigen Riffs und einer Menge Groove, nahtlos eingeflochtenen atmosphärischen Parts mit Keyboard-Unterstützung, die eben erwähnte Post-Black Metal Anklänge haben. Mehr davon und Blast-Beats gibt es im für mich besten Stück der Platte „Ora“, das mit wirklich packenden Melodien, viel Energie und einer melancholischen Atmosphäre schon fast Gänsehaut-Faktor hat.

Instrumental und gelungen

Insgesamt ist “Eremit” eine wirklich gelungene Platte einer interessanten Band, ähh, eines Kollektivs, das nach meinem Geschmack die Stoner-Anteile noch reduzieren könnte und ihre außergewöhnliche Fähigkeit, doomige Riffs und Black-Metal Atmosphäre sinnvoll, organisch und sehr ansprechend zu kombinieren, stärker in den Vordergrund stellen sollte, um noch individueller und besser zu klingen. An dieser Synthese sind schon viele gescheitert, die Berliner haben aber eindeutig Potential.

Und jede Instrumental-Platte, in der das „Fehlen“ des Gesangs im Review nicht mal thematisiert wird, hat ja ohnehin schon gewonnen.

Label: Through Love Records
Release Date: 09.10.2020

NEÀNDER “Eremit” Tracklist

  1. Purpur (prelude)
  2. Purpur
  3. Eremit (Visualizer-Video bei YouTube)
  4. Ora
  5. Clivina
  6. Atlas (Video bei YouTube)

Line-Up:

Alfonso Brito Lopez – Bass
Sebastian Grimberg – Drums
Jan Korbach – Guitars
Michael Zolkiewicz – Guitars
Patrick Zahn – Guitars

Full Album auf Youtube

https://throughloverec.bandcamp.com/album/eremit