NASUM: Helvete

Grindcore wird ins neue Jahrtausend befördert, mit alter Wut und neuem Gesicht.

Warnung: Ich werde jetzt Lobeshymnen loslassen, wie selten zuvor. Stein des Anstoßes ist das neue Album der besten Grindcore-Band der Neuzeit. Diese Band ist zurecht groß, denn sie ist nicht verbohrt sondern innovativ. Sie ist kreativ, wegweisend, brutal, schnell und vor allem souverän. Ich traue mir jetzt schon zu sagen, dass Helvete, bei allem Respekt vor ihrem letzten Studioalbum Human 2.0 und den Grindcore-Heroen NAPALM DEATH sowie allen anderen genialen Bands des Genres, das beste Grindcore-Album seit sehr langer Zeit ist. Genau genommen seit 1992 Extreme Conditions Demand Extreme Responses von BRUTAL TRUTH das Licht der Welt erblickte. Eine verdammt lange Zeit also.

Was machen NASUM denn nun anders als andere Grindcore-Bands? Das Wichtigste: Sie blicken nicht stur in eine Richtung. Living Next Door to Malice beginnt mit CONVERGE-ähnlichem Riffing, Stormshield enthält einige fiese Dynamikwechsel und in Relics finden sich geniale Emo-Melodien wieder. Aber die Band nicht ihr Gesicht verloren, denn es geht immer noch mächtig zur Sache. Ultraschnelle Blast Beats und intelligente Riffs finden sich immer noch in allen Songs wieder, genau wie die genialen Hardcore-Grooves, die seit jeher das Gesicht der Band prägen. Mieszkos Riffs und sein Gesang sind wieder einmal absolut charakteristisch ausgefallen, ebenso wie Anders Jakobsons uferlos schnelles Drumming, dieses Mal sogar noch tighter und kraftvoller als auf dem Vorgänger. Jesper Liveröds Bass dröhnt wunderbar im Magen, was durchaus auch ein verdienst der hammermäßigen Produktion ist. NASUM haben sich geschlagene drei Monate im hauseigenen Studio verbarrikadiert und dieses Album perfekt gemacht.

Die Songs sind abermals sehr griffig und reich an Details geworden. Ein wenig länger und um einiges komplexer als in der Vergangenheit. Auch die Texte sind wieder erstklassig ausgefallen und beweisen, dass Grindcore mehr als nur Gore ist. Sozialkritik erster Klasse.

Es haben sich auch einige Studiogäste eingeschlichen, die das Album noch abwechslungsreicher gestalten: Shane Embury spielt einen absoluten Killer-Bass auf Drop Dead und Whip, Petter Freed von 2 TON PREDATOR gibt ein kurzes, aber unheimlich cooles Solo in Just Another Hog zum Besten und Jörgen Sandström der mächtigen ENTOMBED unterstützt Jesper Liveröd bei seinem tiefen Gesang. Am beachtlichsten ist jedoch Rickard Alrikssons – der NASUM-Drummer der allerersten Besetzung – markerschütterndes Gegrunze, das einigen Songs eine richtig dunkle Atmosphäre gibt.

An Helvete gibt es also nichts auszusetzen, ich frage mich wie irgendeine Band dieser Erde DAS toppen will. Von Helvete wird man süchtig. Mehr gibt es nicht zu sagen, Grindcore wird ins neue Jahrtausend befördert, mit alter Wut und neuem Gesicht.

VÖ: 19. Mai 2003

Spielzeit: 35:04 Min.

Line-Up:
Mieszko A. Talarczyk – Guitars, Vocals

Jesper Liveröd – Bass and Low Vocals

Anders Jakobson – Drums

Produziert von Mieszko A. Talarczyk
Label: Relapse Records

Homepage: http://www.nasum.com

Tracklist:
1. Violation

2. Scoop

3. Living Next Door to Malice

4. Stormshield

5. Time to Discharge

6. Bullshit

7. Relics

8. We Curse You All

9. Doombringer

10. Just Another Hog

11. Drop Dead

12. I Hate People

13. Go!

14. The Final Sleep

15. Slaves to the Grind

16. Breach of Integrity

17. The Everlasting Shame

18. Your Words Alone

19. Preview of Hell

20. Illogic

21. Whip

22. Worst Case Scenario