MOUNTAINEER: Bloodletting

Das Schwierigste am Loslassen ist meist nicht der Akt selbst, sondern die unmittelbare Zeit danach: das Zweifeln, das Grübeln, die Angst, alles falsch gemacht zu haben. Diesem Gefühlskarussell widmen MOUNTAINEER nun ein ganzes Album. „Bloodletting“ ist aber mehr als ein gewöhnlicher Aderlass, es ist zugleich Therapie und eine Lektion, mit dem neuen Status quo zurechtzukommen und schließlich daran zu wachsen.

Wie sehr „Bloodletting“ von der Lebenswirklichkeit der sechs US-Amerikaner geprägt ist, spüren wir in jedem Ton. Die erdige Produktion ist massiv, öffnet sich in den ruhigen Momenten aber immer so weit, dass wir selbst kleine Details im fragilen Intro von „Shot Through With Sunlight“ erfassen können. MOUNTAINEER sind dabei stets ehrlich sowie authentisch und verlieren selbst dann nicht ihr Profil, wenn sich die Einflüsse der Band in ganzen Songpassagen bemerkbar machen.

“Bloodletting” macht keinen Hehl aus seinen Einflüssen

Das wunderbar selbstbewusste „The Weeds I Have Tended“ erinnert nicht nur gesanglich an die epischen Momente von BARONESS, die düster-schweren Riffs des Titeltracks und „South To Infinity“ rufen CULT OF LUNA ebenso auf den Plan wie das zunächst geradezu minimalistische „To Those We’ve Said Goodbye“. Die wärmende Harmonie von Gesang und Gitarren in dessen Finale oder im Opener „Blood Of The Book“ bekommen wiederum wohl nur DEVIL SOLD HIS SOUL noch ein Quäntchen schöner hin.

In diesen Parts machen sich die drei Gitarristen besonders bemerkbar, zumal MOUNTAINEER auch klangtechnisch auf einen Kniff zurückgreifen. Den ohnehin zentralen musikalischen Kontrast forciert die Band, indem sie den klaren und zarten Leadgitarren ein ungleich verzerrtes Rhythmus-Ungetüm zur Seite stellt, so dass wir am liebsten schützend die Hand über die zerbrechlichen Clean-Arrangements ausbreiten möchten.

MOUNTAINEER kann man nicht einfach auf ihre Referenzen reduzieren

Allerdings lassen sich MOUNTAINEER gar nicht so einfach auf ihre Einflüsse oder die klangliche Dynamik reduzieren. Immer wenn wir meinen, einen Referenzpunkt entdeckt zu haben, mischt „Bloodletting“ die Karten neu und das Songwriting schlägt eine gänzlich andere Richtung ein. Dass ein einziges Gitarrenloop wie in „Apart“ einen ganzen Song trägt, ist die absolute Ausnahme.

Und selbst dann nimmt uns die latente Schwermut inmitten der träumerischen Harmonien bei der Hand, als möchte sie uns etwas sagen: Dass vielleicht alle Abschiede zunächst schmerzen mögen, zugleich jedoch das Loslassen neue Türen öffnet, durch die es sich zu schreiten lohnt. Angst, Zweifel, Grübeln? Teil des Prozesses, an dessen Ende wir als Individuen nur wachsen können. „Bloodletting“ ist bester Ausdruck dafür.

Veröffentlichungstermin: 22.5.2020

Spielzeit: 53:01

Line-Up:

Miguel Meza – Vocals
Clayton Bartholomew – Guitar
Isaac Rigler – Guitar
Forrest Harvey – Guitar
Dillon Variz – Bass
Patrick Spain – Drums

Label: Lifeforce

Facebook: https://www.facebook.com/mountaineerbayarea/

MOUNTAINEER “Bloodletting” Tracklist

  1. Blood Of The Book
  2. The Weeds I Have Tended (Video bei YouTube)
  3. Shot Through With Sunlight (Video bei YouTube)
  4. To Those We’ve Said Goodbye
  5. Bloodletting
  6. South To Infinity
  7. Apart
  8. Ghost Story (Video bei YouTube)
  9. Still (Bonus – nur CD und Download)