MONO: Hymn to the Immortal Wind

Ein Instrumental Rock-Märchen, haarscharf am Kitsch vorbei, mit Bombast und Emotionalität, als hätte man Haruki Murakami vertont.

Die japanische Kultur beinhaltet so viel mehr, als Videospiele und Sushi, das sollte dir klar sein. Oder hast du noch nie etwas von MONO gehört? Das ist die Instrumental Rock-Band mit dem ganz besonderen Sinn für Ästhetik, ausufernden Kompositionen und Bombast, so haarscharf an der Grenze zum Kitsch vorbei, dass es einfach gekonnt sein muss und mit Zufall nichts mehr zu tun hat. Aber in fernen Japan gelten ja auch schlicht und ergreifend andere Gesetze, das ist ganz klar. MONO waren schon immer anders als ihre Genrekollegen, MONO haben sich ja auch stets mehr an klassischer Musik orientiert als an GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR und SONIC YOUTH.

Seien wir ganz ehrlich, seit One Step More and You Die hat sich im Klangkosmos des Quartetts aus Tokio nicht viel verändert. Auch bei Hymn to the Immortal Wind sucht man die Veränderungen im Mikrokosmos, auch wenn sie eigentlich offensichtlich sind. Natürlich, Konzeptalben gab es schon immer von dem Quartett zu hören, aber zu ihrem fünften Album hat die in den USA lebende Japanerin Heeya So eine Geschichte zur Musik geschrieben, oder war es anders herum? Die Tatsache ist, dass sich dies auf das Material deutlich auswirkt, denn im Vergleich zu You Are There wird hier mehr an Bombast aufgefahren, mehr Streicher kommen zum Einsatz, mehr klassische Instrumente generell, arrangiert ist das alles mit Köpfchen und Können. Das erzeugt eine irre Soundwand, die dich fliegen lässt, aber im richtigen Moment an die Wand drückt mit einer Laufstärke und Intensität, dass ein ungebremster LKW nichts dagegen ist.

Eingebettet in diese surreale Geschichte ist Hymn to the Immortal Wind zwar, aber die Kreativität des Hörers ist dennoch gefordert. Denn die flirrenden Gitarren, die monströsen Riffs, die erdigen Grooves, die bestimmten Klaviertöne und die opulenten Streicher entführen in eine Welt fernab jeglichen Kalküls, hier ist die Emotion übermächtig und deshalb drückt das Album stellenweise sehr auf die Tränendrüse. Ergo ist dieses musikalische Märchen auch bestens dazu geeignet, sich dem eigenen Seelenschmerz ein wenig hinzugeben, und ich garantiere dir, an einem herrlichen Frühlingstag das Album am Ufer des Flusses zu hören ist eine Medizin für fast alles, was dir widerfahren kann.

Als wäre ein Buch von Haruki Murakami vertont worden, mit Höhen und Tiefen, Ecken und Kanten, mit genialem Material und auch der ein oder anderen Stelle, die man als Füller bezeichnen könnte, ist Hymn to the Immortal Wind ein sicherlich ganz und gar nicht perfektes Album, aber ein lebendiges, fesselndes Werk geworden. So gibt es ein paar Längen in Pure as Snow (Trails of the Winter Storm) und dem abschließenden Everlasting Light, das mit seinem wahnsinnig gutem Ende dann doch wieder alles rausreißt. Aber im selben Atemzug haben sich MONO auf ihre Stärken besonnen, Ashes in the Snow ist ein enorm spannender Einstieg in das siebenundsechzigminütige Werk, Burial at Sea und The Battle to Heaven gehören dank erstklassiger, hochdramatischer Arrangements und wahnsinnig guter Gitarrenarbeit zu den besten Stücken, die diese Band je geschrieben hat.

MONO verändern sich nicht gerne, deshalb hat auch an Hymn to the Immortal Wind wieder Steve Albini Hand angelegt, der mit seinem charakteristischen Klangbild die Musik in ein raues, schon kontrastierendes Gewand packt. Auch die Aufmachung ist gigantisch, als Digipack mit vierundzwanzigseitigem Booklet, in der die komplette Geschichte abgedruckt ist, und die durch schöne, leicht kitschige Bilder ergänzt wurde. Die Operation Hymn to the Immortal Wind ist ebenso geglückt, wie es schon bei den Vorgängern der Fall war, auch wenn die Grundstimmung, dramatischer und ein wenig positiver ist, auch wenn sich stilistisch fast gar nichts verändert hat. MONO lassen uns fliegen, auf den Schwingen des unsterblichen Windes. Weil dieses Album voller Magie und Poesie ist eben zum Sterben schön.

Veröffentlichungstermin: 27. März 2009

Spielzeit: 66:57 Min.

Line-Up:
Tamaki
Yasunori Takada
Yoda
Takaakira Taka Goto

Produziert von Steve Albini und MONO
Label: Conspiracy Records

Homepage: http://www.mono-jpn.com

MySpace: http://www.myspace.com/monojp

Tracklist:
1. Ashes in the Snow
2. Burial at Sea
3. Slient Flight, Sleeping Dawn
4. Pure as Snow (Trails of the Winter Storm)
5. Follow the Map
6. The Battle to Heaven
7. Everlasting Light