MIDNIGHT: Sakada

MIDNIGHT: Sakada

Das nenn ich ein mustiges Album. Wer als eine derartige Metal-Legende, die Ex-CRIMSON GLORY-Stimme MIDNIGHT nun mal ist, eine CD veröffentlicht, auf der er derart konsequent alle an sich gestellten Erwartungshaltungen ignoriert, der hat schon ordentlich Schneid oder besitzt ein ziemlich großes Selbstbewusstsein. Vermutlich trifft bei MIDNIGHT beides zu und noch mehr. Mit normalen Maßstäben kann man den Sänger und seine Musik jedenfalls nicht bewerten.

Vergesst also alles, was ihr über CRIMSON GLORY wisst und wenn ihr M euer eigen nennt, habt ihr eine ungefähre Vorstellung von dem, was euch auf Sakada erwartet. Doch auch mit dieser Musik im Hinterkopf können falsche Hoffnungen geschürt werden, denn Sakada ist nicht das Album, das von Meister MIDNIGHT selbst so geplant wurde. Er selbst sieht sein Debütalbum interessanterweise nämlich nicht als Solowerk, vielmehr hat es sich wohl schon nach kurzer Zeit seiner Entstehungsgeschichte zu einem Bandprojekt entwickelt, das zwar ganz klar von MIDNIGHT beherrscht ist, aber bei dem sich die Stücke erst durch die Involvierung der einzelnen Musiker so entwickelt haben.

Zur Musik. Der Opener Incubus dürfte bei CRIMSON GLORY-Fans vermutlich noch die meisten Hoffnungen schüren, ein Metal-Album der alten Schule geboten zu bekommen. Die Gesangslinien könnten jedenfalls auch sehr gut zu den alten Power Metal-Helden passen, wenn die Musik insgesamt etwas metallischer angelegt wäre. So, haben wir es mit einem recht rohen, bassgetriebenen Rocksong zu tun, an dessen Ende Midnight einmal mehr in seine Welt des Wahnsinns verfällt.

The Berber Song zerschlägt diese Hoffnungen dann recht schnell. Mit Metal hat das nichts zu tun, vielmehr befindet man sich nicht nur lyrisch auf einem psychedelischen Trip durch die Wüste auf einem Kamel ohne Augen. Nähere Details dazu will ich gar nicht nennen – ein cooler Song. Cat Song geht mehr in eine relaxte Country-Richtung und beschreibt, wie MIDNIGHT die Katze seiner Zerflossenen verspeist. Sick. Little Mary sunshine dürfte alten Fans des Sängers dann vermutlich den Magen umdrehen. MIDNIGHT schreit auf einem simplen Rockfundament Melodielinien heraus, die man nur als schräg und daneben bezeichnen kann. Doch schon nach wenigen Durchläufen kann man sich der Wirkung des Songs nicht mehr entziehen. Das ruhige Miss Katie bringt hingegen eher fernöstliche Einflüsse mit und durch den eindringlichen Gesang entsteht eine merkwürdig bedrohliche Atmosphäre. War ist so ziemlich der heavieste Song auf dem Album, wirkt in seiner Struktur leicht chaotisch und orientierungslos, schafft es aber dennoch, sich im Kopf festzubeißen. Auch hier kommen wieder typische CRIMSON GLORY-Linien zum Einsatz. Lost Boy ist musikalisch der ich sitz an einem heißen Sommertag relaxt im Freien und sinnier in mich rein-Song des Albums. Das PINK FLOYD-artige Pain dürfte einigen schon in seiner Akustikversion bekannt sein, die Albumfassung hingegen bringt den Vergleich noch mehr auf den Punkt. Hier ist es vor allem die interessante Gitarrenarbeit, die den Song gegenüber der Akustikversion aufwertet. Ja und abgeschlossen wird das Album von der wunderschönen Ballade Sakada, erneut mit fernöstlichen Einflüssen und einer Gesangesleistung, die deutlich macht, wodurch dieser Mann seinen Status erhalten hat.

Abwechslungsreich ist die erste Full-Length-Scheibe von MIDNIGHT also auf jeden Fall geworden. Dennoch ist Sakada ein hunderprozentiges Love it or hate it-Werk. Viele werden das ganze einfach nur als Schrott abtun und um ehrlich zu sein, habe ich mir lange genug Gedanken darüber gemacht, wie ich glaubhaft rüber bringen könnte, dass ich Sakada dennoch für ein sehr starkes Album mit viel interessanter Musik halte. MIDNIGHT ist ganz offensichtlich ein ziemlich durchgeknallter Zeitgenosse und genau das ist es, was den Reiz an seiner Musik ausmacht – von seiner Stimme mal gar nicht zu reden. Um das ganze zu unterstreichen: die gelieferte Vorab-Promo ist mit einem ziemlich miesen Sound gesegnet. Da wir die gemasterte Version noch nicht erhalten haben, steht für mich fest, dass wenn die nicht mehr eintrifft, ich mir Sakada auf jeden Fall zulegen werde. Die Entscheidung würden andere, die die Musik schon gehört haben, vermutlich anders treffen.

Veröffentlichungstermin: 25.04.05

Spielzeit: 53:17 Min.

Line-Up:
Midnight – Vocals, Acoustic Guitar

Scott gibson – Guitars & Bass

Phil Anderson – Drums, Washboard, Maracas & Hammer Dulcimer

Gastmusiker:

Ben Jackson – Bass

Matte Wuolle – Guitar

Dave Talkovic – Bass

Keith Coker – Flute

Dave Steele – Banjo

Ronny Czymy – Guitar

Gerd Woelk – Bass

Tomazo – Voice
Label: Black Lotus / Soulfood

Hompage: http://www.themidnightmansion.com

Tracklist:
1. Incubus

2. Berber Trails

3. Cat Song

4. Little Mary Sunshine

5. Miss Katie

6. War

7. Lost Boy

8. Pain

9. Sakada

Fierce
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