MIDNIGHT: Let There Be Witchery

MIDNIGHT haben sich größtenteils vom Black Metal verabschiedet, bleiben aber verranzt und asozial wie eh und je.

“Weniger HELLHAMMER, mehr MOTÖRHEAD” schrieb ich bereits zum letzten MIDNIGHT-Album “Rebirth By Blasphemy”. Diesen Pfad beschreitet Athenar auf dem nunmehr fünften Album weiter. Vom asozialen Gebrüll sind sämtliche Black Metal-Spuren aus dem Sound von MIDNIGHT verschwunden, auch Speed Metal findet nur noch rudimentär statt. So zum Beispiel beim Opener “Telepathic Nightmare”, der nach dem kurzen Intro wie ein tollwütiger, versiffter und stark alkoholisierter Waschbär aus der Hölle über uns hereinbricht. Stattdessen klingen MIDNIGHT auf “Let There Be Witchery” am ehesten nach MOTÖRHEAD in asozial und verranzt. Ein Song wie “Nocturnal Molestation” könnte mit anderem Gesang auch problemlos als verloren gegangene MOTÖRHEAD-Nummer durchgehen.

Musik zum Hirn ausschalten in dunklen Zeiten

Ok, “More Torment” kommt dann mit einem Riff, welches durchaus Erinnerungen an CELTIC FROST wecken könnte, steht hier aber in einem völlig anderen Kontext. Aber eigentlich sollte man die Musik von MIDNIGHT doch nicht zu analytisch betrachten, sondern sich einfach der höllischen, sündigen Lärmorgie hingeben, sich darin suhlen und dem Gehörnten ein paar Dosen Bier opfern. Ich hab beim Verfassen dieser Zeilen gerade einen sündhaft teuren Scotch Whisky im Glas. Tja, Thema verfehlt nennt man das wohl. Aber irgendwo in diesem Haus gibt es auch noch Dosenbier. Also… eine Dose Bier. Man wird halt nicht jünger. Ja, in dunklen Zeiten wie diesen entsteht sicher auch eine Menge unglaublich tiefsinniger, gesellschaftskritischer und hinterfragender Kunst und das ist auch gut so. Aber in solchen Zeiten ist es auch gut, dass es Bands wie MIDNIGHT gibt, die einem einfach die Gelegenheit geben, für gut dreißig Minuten das Hirn abzuschalten und die innere Sau rauszulassen. Moderat natürlich, man wird ja nicht… ihr wisst schon!

Sex, Drugs and Rock’N’Roll – einfach mal die Sau rauslassen mit MIDNIGHT

Mein Gott, ich wünsche mir gerade wirklich, Lemmy hätte “Nocturnal Molestation” noch hören können. Er hätte sicher Gefallen daran gefunden. Dieser stabile Groove, der sofort die Hüften zum wackeln bringt. Oder die Lenden? Ach, eigentlich egal! Geile Gitarrensoli auch! “Devil Virgin” ist von ähnlichem Schrot und Korn, während dir “Let There Be Sodomy”, “Snake Obsession” oder der Rausschmeißer “Szex Witchery” mit Kniegas das letzte bisschen Bier aus den Poren kloppen. Da hat Athenar mal wieder ein astreines Scheibchen eingeprügelt, an dem von vorne bis hinten alles stimmt. Sex, Drugs and Rock’n’Roll – hier gibt es von allem reichlich.

 

Veröffentlichungsdatum: 04.03.2022

Spielzeit: 34:51

Line Up: Athenar – alles

Label: Metal Blade Records

Produziert von: Athenar & Noah Buchanan @ Mercenary Studios, Cleveland

Facebook: https://www.facebook.com/midnightviolators/
Bandcamp: https://midnight-ohio.bandcamp.com/

MIDNIGHT “Let There Be Witchery”  Tracklist

01. Telepathic Nightmare
02. Frothing Foulness
03. In Sinful Secrecy
04. Nocturnal Molestation (Video bei YouTube)
05. More Torment
06. Let There Be Sodomy
07. Devil Virgin
08. Snake Obsession
09. Villainy Wretched Villainy
10. Szex Witchery (Audio bei YouTube)