METSATÖLL: Hiiekoda

Eine ausgedehnte und reichhaltige Folk Metal-Reise nach Estland…

Dass eine Folk Metal-Band nicht vom Proberaumdemo direkt zur Veröffentlichung einer DVD mit dem NATIONALMÄNNERCHOR ESTLAND übergeht, dürfte klar sein. So liefert das estnische Label NAILBOARD RECORDS nun die Hintergründe zum Weg von METSATÖLL nach, wozu auch das 2004 veröffentlichte Debüt Hiiekoda gehört. Darauf bieten die Esten während fast 70 Minuten eine abwechslungsreiche Folk Metal-Vorstellung, in der schamanisch wirkende Passagen genauso eine Daseinsberechtigung haben wie der Dudelsack und die verzerrten Gitarren.

Die Produktion dieses Debüts geht in Ordnung, die verstimmten Startschwierigkeiten des Openers werden mit estnischer Exotik und Vielschichtigkeit artig übertüncht. So bieten METSATÖLL fortan eine abwechslungsreiche Folk Metal-Vorstellung, die von der Atmosphäre her nicht selten an SKYFORGER gemahnt. Dabei darf es in Hundi Süda Sees mal zügiger und ENSIFERUM-kompatibel zu gehen, während die Band nicht nur in Saaremaa Vägimees auf reichlich Dudelsack-Klänge setzt und in Sõjahunt (nein, das ist kein Jagdsong für Vegetarier) metallisch-korrekte, coole Basslines für die nötige Würze sorgen. Auffallend ist dennoch auch bei METSATÖLL, dass die Versiertheit bezüglich der Beherrschung der traditionellen Instrumente – die in akustischen Zwischenstücken wie etwa Kui Meid Sõtta Sõrmitie oder dem schamanisch beschwörenden Merepojad schön hervorkommt – nicht bis zu den typischen Metal-Instrumenten reicht. Will heißen – die Gitarren-, Bass- und Drumsarbeit ist zwar solide, aber keinesfalls überdurchschnittlich oder wirklich speziell.

Zum wahren Knackpunkt dürfte für METSATÖLL allerdings der Gesang werden. Und da ist es vermutlich gar nicht so schlecht, dass sich die Folk Metaller zur Zusammenarbeit mit dem NATIONALMÄNNERCHOR ESTLAND entschlossen haben. Raivo und Markus, die sich die Gesangparts teilen, leisten auf Hiiekoda zwar ordentliche Arbeit. Wirklich gute, packende Sänger sind sie indes nicht, selbst wenn hier und da auch mal geyoikt wird, wie man dies etwa von den Samen im Norden Schwedens und Finnlands kennen mag. Lassen sich die Esten jedoch noch zu aggressivem Geshoute hinreißen (Hundi Loomine) oder liegen mal neben dem Ton, was nicht nur in Hundi Süda Sees passiert, vergisst man ob dem hohen Nervfaktor beinahe die durchaus ansprechenden A capella-Ausflüge in Merimees Menneb Merele und Velekeseq Noorõkõsõq.

Fazit: Hiiekoda ist ein vielschichtes Debüt, das noch einige Schwächen aufweist. In Sachen Folk Metal aus Estland ist METSATÖLL dennoch die erste Adresse, und Fans des Genres ist ein Antesten der sehr ausgedehnten und reichhaltigen Reise Hiiekoda empfohlen…

Veröffentlichungstermin: 11.12.2004

Spielzeit: 67:59 Min.

Line-Up:
Raivo Kuriraivo Piirsalu: Bass, Backing Vocals, Yoik-Gesang
Markus Rabapagan: Vocals, Gitarren
Lauri Varulven: Gitarren, Flöte, Bagpipes und andere traditionelle Instrumente
Marko Atso: Drums

Produziert von Sven Varkel, METSATÖLL
Label: Nailboard Records

Homepage: http://www.metsatoll.ee

Tracklist:
1. Ma Laulaks Seda Luguda
2. Lahinguväljal Näeme, Raisk!
3. Rauavanne
4. Saaremaa Vägimees
5. Hundi Loomine
6. Kui Meid Sõtta Sõrmitie
7. Sõjahunt
8. Merepojad
9. Merimees Menneb Merele
10. Hundi Süda Sees
11. Velekeseq Noorõkõsõq
12. Raiun Kui Rauda
13. Alle-aa
14. Eestimaa Vabadiku Laul Puu Oksa Peal
15. Sajatus
16. Kotkapojad
17. Hiiekoda
18. Ussisõnad