MESHUGGAH: Catch 33

Auch wenn sie dieses Mal anders vorgehen, MESHUGGAH ziehen auf "Catch 33" sämtliche Register ihres Könnens.

Es schleicht sich an dich heran, wie ein Raubtier dass im Begriff ist seine Beute zu erlegen. So dezent beginnt der neue Albtraum den MESHUGGAH auf ihrem neuen Album einleiten. Catch 33 überkommt den Hörer gleich zu Beginn in derber Lautstärke, mit brutal tiefer gestimmten Riffs aus den eigens für die Band hergestellten 8-saitigen Gitarren, doch der mathematische Wahnsinn will noch nicht so richtig ausbrechen. MESHUGGAH beziehen Lauerstellung. Es dauert einige Minuten bis Catch 33 richtig in Fahrt kommt und den Hörer in den Wahnsinn treibt.

Doch halt, zuerst sollten wir in den Wahnsinn treiben definieren. Zwei Gruppen werden in den Wahnsinn getrieben werden, wenn sie Catch 33 konsumieren. Zunächst die Fans, denen auch Nothing schon zu langsam war. Denn schnell wird es auch auf dieser Scheibe nicht. Doch geben sie dem Album eine Chance, werden sie ebenso am Rad drehen wie Gruppe zwei, die sich dieses Werk am Stück, in brachialer Lautstärke und hochkonzentriert mehrmals anhört. Denn dann versteht man den Sinn von Catch 33. Und ehrlich gesagt, ich war auch zunächst enttäuscht von diesem 47-minütigen Song, doch spätestens beim widerlichen, gemeinen Beginn von Re-Inanimate war mir klar, MESHUGGAH gehen dieses Mal anders vor, die Wirkung ist dieselbe.

So furios und schnell, wie die Vorgänger-EP I stellenweise ist, wird der neueste Streich von den kranken Schweden nicht. Doch das anfangs monoton anmutende Werk bietet trotz allem viele verschiedene Facetten, die alle so geschickt miteinander verwoben und in das Gesamtkonstrukt eingebunden werden, dass man sie mitunter gar nicht mitbekommt. Catch 33 soll man sich als Film vorstellen, eine vage Beschreibung wäre womöglich eine Mischung aus Blade Runner, Dark City und den Happy Tree Friends oder auch Cube als solches. Surreal wirkt das Album vor allem nach Mind´s Mirrors, das sich durch den elektronisch verzerrten Sprechgesang deutlich vom Rest abhebt und gegen Ende hin schwer mit seiner Laut-Leise-Dynamik beeindruckt. Von da an geht es quasi Schlag auf Schlag, wenn die derberen Passagen des Songs eingeleitet werden, die sich in In Death – Is Death, dem 13-minütigem Herzstück des Albums gipfeln, bis alles zusammenbricht und man sich fühlt, als würde man in einer Grube liegen, die kein Licht hinein lässt. Diese leisen, dunklen Töne markieren den Auftakt für ein letztes, wahnsinniges Aufbäumen.

Auch wenn sie langsam ist, Catch 33 ist eine Achterbahnfahrt, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt und wie ein Horrortrip inszeniert ist. MESHUGGAH ziehen wieder sämtliche Register, verstören den Hörer mit kranken Takten, den Mageninhalt nach oben pumpenden Riffs und morbiden Leadgitarren. Die Vocals von Jens Kidman stechen dieses Mal gar nicht hervor, sondern werden mit der Musik verwoben und dienen mehr als Instrument, das für den Gesamtsound unabdingbar ist. Schade ist nur, dass die Band wegen dem nonkonform abgehaltenem Aufnahmeritual auf einen Drumcomputer zurückgreifen musste, doch dieser klingt sehr real und weit weniger klinisch als man vermuten möchte.

Was bleibt nach Catch 33 wenn man durch ist mit dem ersten, zweiten, elften, siebenunddreißigstem Hören, wenn der Ausklang des Albums ertönt, der so klingt, als würden die Credits nach einem Film laufen? Ein Hörer der nicht weiß, was er denken, fühlen und glauben soll. Hat er das wirklich gehört? War es nun enttäuschend oder fantastisch? Soll er es sich gleich noch einmal antun? Was wird dieses Album für MESHUGGAH und ihren Werdegang bedeuten? Hätte man die Musik auch komprimieren können? Die Antwort muss jeder für sich selbst finden, so wie ich sie für mich gefunden habe. Aus künstlerlischer Hinsicht ist dieses Mammutwerk ein Befreiungsschlag für die Schweden geworden, welcher der Band sicherlich gut getan hat. Und auch wenn meine persönliche Präferenz auf anderen Werken der Band liegt, so muss man Catch 33 Klasse, kreative Energie und Konsequenz bescheinigen.

Dieses Album ist wichtig, egal in welcher Hinsicht. Und für den Hörer ist wichtig, dass er viele Stunden Zeit mitbringt, die Pobacken zusammenkneift und dieses Monstrum komme was wolle in voller Lautstärke und komplett hört. Easy Listening ist was anderes und das wird bei MESHUGGAH auch zum Glück immer so bleiben. Wer mutig ist holt sich Catch 33 und wer stark ist, der steht es auch durch.

Veröffentlichungstermin: 23. Mai 2005

Spielzeit: 47:15 Min.

Line-Up:
Jens Kidman – Vocals, Guitars, Bass

Fredrik Thordendahl – Guitars, Bass

Marten Hagström – Guitars, Bass

Tomas Haake – Spoken Words

MESHUGGAH – Drum Programming

Produziert von MESHUGGAH
Label: Nuclear Blast Records

Homepage: http://www.meshuggah.net

Tracklist:
1. Autonomy Lost

2. Imprint of the Un-Saved

3. Disenchantment

4. The Paradoxical Spiral

5. Re-Inanimate

6. Entrapment

7. Mind´s Mirrors

8. In Death – Is Life

9. In Death – Is Death

10. Shed

11. Personae Non Gratae

12. Dehumanization

13. Sum