memory-garden-1349-album-cover

MEMORY GARDEN: 1349

Sak samma, ein neutrales Review kann ich bei MEMORY GARDEN echt vergessen. Von ersten Ton der „Forever“-EP 1995 vom kleinen Heathendoom Label und dem grandiosen Debüt „Tides“ ein Jahr später gehörten die Schweden immer und durchgehend zu meinen Lieblingen. 2007 gut gelauntes Schuhshopping mit den Jungs in Göppingen inklusive Totenkopf-Flipflops, unvergessen! Da war die Freude groß, dass es nach „Doomain“ nach acht Jahren endlich einen Nachfolger gibt. Über den sich die Jungs aus der Örebro-Ecke viel Gedanken gemacht haben. Wieder wie immer? Nein. Sich neu erfinden? Welcher Freund der Band will das?

MEMORY GARDEN vereinen auf „1349“ die Pest und dunklen Power Doom

Und dann kam – inspiriert durch aktuelle Zeiten oder nicht – das Thema Pest auf. Wohl 1347 von der Krim aus überrollte sie bekanntlich ganz Europa, Teile Nord-Afrikas und Asiens und löschte rund 30% der Bevölkerung aus. Schwerer Stoff, von gut bis schlecht schon von vielen Bands ausgelutscht. Muss man können, aber MEMORY GARDEN kann man vertrauen. Und wo bitte passt so ein dunkles Thema besser als im Doom-Metal? Aber wie geht das zusammen mit dem Gute Laune-Doom der Band? Und warum höre ich seit Wochen nur noch dieses Album „1349“, das in Mini-Auflage in seinem wunderschönen Farbton ein echter Hingucker ist? Keine Frage, dass das tolle Cover im Vinylformat noch mehr Feinheiten finden lässt.

MEMORY GARDEN liefern Elemente aus ihrem eigenen unverkennbaren Doom-Stil und mehr

„Shallow Waters“ eröffnet als typischer MEMORY GARDEN-Song, die Melodien singt man sofort mit, die Gitarren vertraut, aber auch durchaus etwas moderner. Natürlich hat man hier nicht den Wohlfühl-Doom und die Gute Laune-Vibes wie damals 1996 beim Debütalbum „Tides“. Thematisch geht es hier nun mal nicht ums Blümchenpflücken. Bei „Pariah“ ist man als Langzeit-Fan der Jungs schon voll drin im Album. Stefans Vocals haben etwas ganz eigenes, ein total unter Wert verkaufter sympathischer Mann. Der drückende Song wird von verspielten Gitarren auseinander geschoben, ein epischer Part mit folkiger Melodie. Das kann man absolut kitschig machen, MEMORY GARDEN verweben dies zu einem stimmigen Ganzen. „Distrust“ wird zu einer theatralen Walze, abstrakt, verschachtelt. Spätestens hier ist es kein düsterer Schatten mehr, dass so manches nach MEMENTO MORI, ABSTAKT ALGEBRA, langsameren HEXENHAUS oder FIFTH REASON klingt. Da steckt dann wohl viel Simon Johansson (WOLF) hinter, dessen musikalische Linie ist deutlich. Natürlich liefert er begeisternde Leads, Kollege Ante (EVIL CONSPIRACY) ergänzt das perfekt. Und auch bei den Kollegen an Bass und Drums hört man gern ganz genau hin. MEMORY GARDEN liefern dabei Elemente aus ihrem eigenen unverkennbaren Doom-Stil und mehr.

MEMORY GARDEN verweben alles zu einem stimmigen Ganzen

Auch das zähe, morbide „Rivers Run Black“ deutet klar Richtung MEMEMTO MORI. Schade dass aus der Reunion nie was geworden ist. So lebt Simon diese Linie halt hier aus. Der Song löst sich auf in einem lieblichen Singsang von Josefin Bäck, die bereits auf dem ersten Demo der Band mit trällerte. Auch hier gilt: das kann schrecklich kitschig werden, hier aber passt es! Der Song fällt ganz zusammen, die Fans werden live genau hier laut mitklatschen, zum Glück gibt es keinen „Hohohooo“-Chor. Und immer wieder Passagen, die an die Freunde FORSAKEN von der wunderschönen Insel Malta erinnern. Aber auch natürlich immer mal an die Nachbarn von SORCERER. Melodisch „The Flagellants“ mit tiefgründiger Kritik an der damaligen Politik und dem Machtgehabe, das sich so auch direkt auf heutige Zeiten transportieren lässt, wenn man an den Umgang mit unserer eigenen Pest denkt. Noch ruhiger „The Messenger“ mit wunderschönem Duett von Stefan und Josefin. Sie hörten wir auch schon auf WITCHCRAFTs „Nucleus“ und HUMAN COMETHs „HC II“. Aber egal in welche Richtung man manchmal abdriftet, MEMORY GARDEN bleiben immer sie selbst, auch beim kraftvollen bis schunkeligen „The Empiric“.

Wieder die Vollbremsung, böööse Vocals von Simons WOLF-Kollege Niklas Stålvind, großes Kopfkino. Der Titeltrack wieder typisch MEMORY GARDEN, wann immer ich den Namen tippe hängt der Song von TROUBLE im Ohr, „Blood Moon“ kommt nochmal sehr melodisch, wird von einem simplen, traurigen, wirkungsvollen Piano von Drummer Tom (NIGHTINGALE) begleitet. Nicht neue, aber große Melodien führen aus dem Album. Warum hab ich seit Jahren nichts mehr von NARNIA oder STRATOVARIUS aufgelegt? Verweist man bei epischen schwedischen Doom-Bands immer wieder gern auf CANDLEMASS, dann hier auf „1349“ tatsächlich mehr auf das tolle, unterbewertete „Chapter VI“-Album.

MEMORY GARDEN haben mit „1349“ ganz großes Kino abgeliefert

MEMORY GARDEN haben mich als ewigen Fan noch nie wirklich enttäuscht, aber mit „1349“ haben sie so nicht erwartet ganz großes Kino abgeliefert. Dan Swanö (OPETH, DARK FUNERAL, KATATONIA u.a.) hat ihnen dafür den perfekten Sound zusammengebraten. Jede Note, jedes Becken, alles hat genau den richtigen Raum. Das Thema Pest ist schon sehr ausgelutscht, wird hier aber stimmig eingebunden. Das Themenkonzept ist klar, schwarz und düster, jedoch keine Storyline. Wobei man beim Zuhören schnell erkennt, dass ein tragischer Held einige Songs zusammenhält. Hätten die Schweden nur endlich ein weiteres typisches MEMORY GARDEN-Album abgeliefert, ich wäre garantiert zufrieden gewesen. „1349“ jedoch begeistert, fesselt und unterhält mich und möchte gern auch allein unterm Kopfhörer mitgelebt werden. Um den Geschichten zu lauschen und den großartigen Musikern genauer zuzuhören. Der CD-Version gab man noch ein tolles Goodie mit. Hier finden sich drei Songs vom 1993er Demo, die es warum auch immer nie auf ein Album geschafft haben. Hier können wir sie endlich wieder feiern. Und mit “Unrestrained” gibt es einen weiteren neuen Song.

Für die Epic-/Melodic-/Traditionell-Doom Fraktion ein Pflichtkauf! MEMORY GARDEN vereinen ganz viel Schweden-Metal von Power Doom zum Liebhaben über technischen Frickel-Doom bis zum Melodic Metal. Und den immer kitschfrei, wir sind hier schließlich immer noch bei MEMORY GARDEN! Für mich – der Dauer-Fan lässt sich nicht abschalten – mein persönliches Jahreshighlight, trotz einiger ganz starken Doom-Alben!

Veröffentlicht am 17.12.2021

Spielzeit: 51:28 Min.

memory-garden-bandfoto-2021Lineup:
Stefan Berglund – Vocals
Simon Johansson – Lead-Guitars
Ante Mäkelä – Guitars
Johan Fredrikson – Bass
Tom Björn – Drums, Piano, Backing Vocals

Guests:
Josefin Bäck – Vocals (3,4,5,6)
Niklas Stålvind – Vocals (7)
Göran Fredriksson – Medival Instuments (6)

Label: No Remorse Records

Mehr im Web: http://www.facebook.com/memorygardenofficial

Die Tracklist von “1349”:

1. Shallow Waters
2. Pariah
3. Distrust (Video bei YouTube)
4. Rivers Run Black
5. The Flagellants
6. The Messenger
7. The Empiric
8. 1349 (Video bei YouTube)
9. Blood Moon

Bonus-Tracks CD-Version:
10. Unrestrained
11. Heart Of The Dark (Demo ’93)
12. Legions Of The Lost (Demo ’93)
13. Up From The Ashes (Demo ’93)