MANILLA ROAD: Courts Of Chaos

Wie süß schmeckt der Nektar, den man als Journalist von Lesern und Fans verabreicht bekommt, wenn man untergegangene Metal Alben aus den 80ern postmortem über den grünen Klee lobt. Sehr häufig sind die Alben wirklich die Nachschusslorbeeren wert, aber zu oft kommt man in Versuchung, die Alben durch die rosarote Nostalgiebrille zu sehen…

Wie süß schmeckt der Nektar, den man als Journalist von Lesern und Fans verabreicht bekommt, wenn man untergegangene Metal Alben aus den 80ern postmortem über den grünen Klee lobt. Sehr häufig sind die Alben wirklich die Nachschusslorbeeren wert, aber zu oft kommt man in Versuchung, die Alben durch die rosarote Nostalgiebrille zu sehen. Gerade wenn eine Band wie Manilla Road absoluten Kultstatus besitzt, es zur Erstveröffentlichung vernichtende Kritiken hagelte, und aus Trotz die DieHard Fans umso intensiver die Band vergötterten, fällt es schwer, wirklich nur die Musik zu bewerten.

Ich gehöre nicht zu den eingefleischten Fans der außergewöhnlichen Combo aus Wichita/Kansas. Trotzdem liebe ich besonders ihre beiden Alben „Mystification“ (´87) und „Crystal Logic“ (´83 – DER Klassiker), deren Wiederveröffentlichungen auf Sentinel Steel Rec. bzw. Iron Glory Rec. absolut keine Wünsche offen lassen. Mit Werken wie diesen haben sich Mark Shelton und seine beiden Mitstreiter ihren Ruf als außergewöhnliche, geniale und rohe Epic Metalband verdient. Ich scheue mich aber nicht zu schreiben, dass der aktuelle Re-Release des 1990er Albums „Courts Of Chaos“ wirklich nur etwas für Komplettisten ist. Das Album hat seine Höhepunkte wie z.B. die morbide Blood Rock Coverversion ‚D.O.A.’ (Death On Arrival, original auf „Blood Rock II“ 1970) oder wieder einmal die poetische Lyrik in ‚The Prophecy’ oder ‚The Book Of Skelos’ aus der Feder des Sharks. Doch die Band scheint den Albumtitel zu Ernst genommen zu haben. Ein Feld des Chaos hinterlässt das Album, hervorgerufen durch abgehackte Sonstrukturen, einen verwaschenen Sound und ein billiges (okay, bei Manilla Road traditionelles) Cover. Die Aufmachung der CD hält auch nur Standards, es gibt keinen Hinweis auf ein Re-Mastering (mir liegt leider keine Originalaufnahme vor, um zu vergleichen), es gibt nur einen Bonustrack (eine Liveversion von ‚Far Side Of The Sun’ von „Metal“), nichts, was diesen Release besonders macht. Tragisch ist dabei nur, dass sich mit diesem schwachen Album das klassische Line-Up Shelton/Foxe/Scott verabschiedete (die Drumparts trommelte bereits ein Computer ein) und sich nach dem experimentellen „Circus Maximus“ viele Jahre ein fader Nachgeschmack hielt… bis zur begeistert aufgenommenen Re-Union und dem neuen Album „Atlantis Rising“ im letzten Jahr.

Jens Koch

Spielzeit: 58:11 Min.

Line-Up:
Mark (The Shark) Shelton (v./g.)

Randy (Thrasher) Foxe (g./key.)

Scott (Scooter) Park (b.)
Label: Iron Glory

Homepage: http://truemetal.org/manillaroad

Tracklist:
01. Road To Chaos (instrumental)

02. Dig Me No Grave

03. D.O.A.

04. Into The Courts Of Chaos

05. From Beyond

06. A Touch Of Madness

07. (Vlad) The Impaler

08. The Prophecy

09. The Book Of Skelos

10. Far Side Of The Sun (Live-Bonustrack)