Aus zwei mach eins: Als B.J. Stead und Justin Aufdempamke im Frühjahr 2024 ihren Ausstieg verkündeten, war das für MISS MAY I sicherlich ein ernstzunehmender Einschnitt. Schließlich handelte es sich dabei nicht einfach nur um den Ausstieg zweier Gründungsmitglieder, sondern der gesamten Gitarrenfraktion noch dazu. Nachfolger Elisha Mullins kommt auf „No Place For Me“ somit direkt beim Einstand eine Schlüsselrolle zu.
Glücklicherweise fehlt es dem Album keineswegs an Riffs, im Gegenteil: Gerade die Gitarrenarbeit ist eine der größten Stärken der Platte, die sich stilistisch am klassischen Melodic Metalcore orientiert. AS I LAY DYING und ALL THAT REMAINS sind weiterhin die Referenzen, welche für das Grundgerüst Pate stehen. „Sanctuary“ mischt beispielsweise im Refrain geschmeidige Leads bei, während Bassist Ryan Neff den giftigen Screams seines Kollegen Levi Benton wohltönenden Klargesang entgegenstellt.
MISS MAY I bleiben sich treu, experimentieren auf „No Place For Me“ aber zwischendurch mit modernem Songwriting
Dabei scheint uns das Material passgenauer auf dessen Stimmvolumen zugeschnitten zu sein, als es bei seinem Intermezzo mit AS I LAY DYING der Fall war. Catchy, doch nicht zu süßlich fallen die Gesangslinien aus, wodurch die Kompositionen zwischenzeitlich auch mal die Ellenbogen ausfahren und erobert werden wollen. Das bleibt natürlich die Ausnahme und endet im eigentlich furiosen „Ashes Of The Altar“ auch mal in einer eher bemühten Hook, die Neff eher verkrampft durchstolpert als locker navigiert.
Mit modernem Songwriting experimentiert „Fire Falls“, das dank Chugs und US-Rock-Vibes auf Airplay-Präsenz abzielt – nicht umsonst übernimmt der Klargesang hier die Hauptrolle. Eine ähnliche Herangehensweise verfolgen MISS MAY I in „Hand Me A Halo“, auch wenn Levis Shouts in der zurückhaltend instrumentierten Strophe mehr Raum bekommen. Besser funktioniert „Pray For Silence“, das zeitgenössische Einflüsse mit klassischen Metalcore-Vibes vermählt und dabei trotzdem wie aus einem Guss klingt.
Aus der Spur bringen lassen sich MISS MAY I nicht
Besinnt sich das Quartett hingegen auf seine Stärken, bleiben wenige Wünsche offen: „Die On The Vine“, „Death Threat“ und „Bury Me Down“ reißen auf Anhieb mit und machen fehlende Innovation mit stringentem Zug nach vorne sowie einem routiniert-verlässlichen Gespür für Melodien wett. Die Botschaft jedenfalls kommt trotz des mauen Rausschmeißers „Highbrow Thieves“ an: Selbst ein einschneidender Personalwechsel bringt MISS MAY I kaum aus der Spur; nicht einmal dann, wenn sich die Riff-Aufgaben plötzlich nur noch auf ein Schulterpaar verteilen lassen.
Veröffentlichungstermin: 02.10.2026
Spielzeit: 33:12
Line-Up
Levi Benton – Vocals
Elisha Mullins – Gitarre
Ryan Neff – Bass
Jerod Boyd – Drums
Produziert von Nick Sampson und Ted Jensen (Mastering)
Label: Solid State Records
Homepage: https://missmayimusic.com/
Facebook: https://www.facebook.com/missmayi/
Instagram: https://www.instagram.com/missmayiband
MISS MAY I “No Place For Me” Tracklist
1. Sanctuary (Video bei YouTube)
2. Portrait Of Pain
3. Hand Me A Halo (Video bei YouTube)
4. Pray For Silence (Video bei YouTube)
5. Death Threat
6. Die On The Vine (Video bei YouTube)
7. Fire Falls
8. Bury Me Down (Video bei YouTube)
9. Ashes Of The Altar
10. Highbrow Thieves (Video bei YouTube)