LOCK UP: Violent Reprisal [Re-Release]

Wer "Hate Breeds Suffering" und "Pleasure Pave Sewers" noch nicht hat, bitte reinschnuppern!

Der Status der britisch-schwedischen Grind-Truppe LOCK UP ist ungefähr so klar, wie der Fluss Haiuhe in China. Wenigstens hat die Band schon mal angekündigt, irgendwann mal ein drittes Album in Angriff zu nehmen. Aber lohnt sich das überhaupt? Fünf Jahre nach ihrem letzten Album gibt es eine Retrospektive, so dass die Fans selbst entscheiden können, ob man ein drittes Album braucht. Denn LOCK UP veröffentlichen in einem Atemzug ihre beiden Alben Pleasure Pave Sewers und Hate Breeds Suffering neu. Scheiben, die zumindest ich jahrelang nicht mehr gehört habe.

Die Beteiligung der Prominenz hört man deutlich heraus, Drummer Nick Barker trommelt versiert und tight wie eh und je, die Riffs vom Verstorbenen Jesse Pintado sind zwar nicht die Besten und Innovativsten seiner Karriere, aber trotzdem verdammt gut. Shane Emburys kreative Einflüsse sind unüberhörbar und typisch für ihn. Etwas, das jeder Scheibe zusätzliche Niveaupunkte einbringt. Schließlich sind die Vocals von Tompa Lindberg auf Hate Breeds Suffering richtig fies, böse und gemein, hohe Qualität, wie man es von ihm nicht anders erwartet. Auf dieser Scheibe haben sich auch coole Nummern wie Feeding on the Opiate, Hate Breeds Suffering und High Tide in a Sea of Blood eingeschlichen, so dass das zweite Album deutlich stärker ist, als das Debüt Pleasure Pave Sewers, dass zwar spontan und frisch klingt, aber dennoch hörbar ein Schnellschuss ist, bei dem weder das Songmaterial noch der Gesang so überzeugen können, wie beim restlichen Material. Seien wir ehrlich, Peter Tägtgren, der für die Vocals auf dem Debütalbum verantwortlich ist, hat schon deutlich besseres abgeliefert.

Zumindest nach mittlerweile acht Jahren, die das älteste Material auf dem Buckel hat, relativiert sich LOCK UP doch zumindest ein bisschen, die große Sensation ist Pleasure Pave Sewers nicht, selbst wenn es damals auf manche so gewirkt haben mag. Vielleicht sieht es die Band heute ähnlich, anders kann ich es mir nicht erklären, warum dieses Album chronologisch unkorrekt erst nach Hate Breeds Suffering kommt. Aber keine Sorge, in die Fresse treten die Beteiligten auch hier mit Songs wie Delirium und Tragic Faith und das noch dazu besser als das Groß der heutigen Bands. Adel verpflichtet eben. Die Frage, die sich nun aufdrängt ist aber eine ganz andere. Und zwar, wer diese Wiederveröffentlichung eigentlich braucht. Auf jeden Fall nicht die, die beide Alben schon besitzen, denn das Bonusmaterial ist eher mager. Hate Breeds Suffering hat gerade mal einen Bonustrack vorzuweisen, und zwar das unspektakuläre IMPALED NAZARENE-Cover We Are Satans Generation. Auch aus dem Booklet hätte man deutlich mehr machen können, je eine Doppelseite für jedes Album plus ein paar dämliche Poserfotos, das ist enttäuschend.

Das Fazit dieser Angelegenheit ist Folgendes: Die Musik reicht von mächtig bis furios, aber das Drumherum hätte deutlich liebevoller ausfallen müssen. Essentiell nur für Neueinsteiger im Genre, alte Hasen mit bereits vollständiger LOCK UP-Diskografie brauchen sich die einstündige Prügelorgie nicht auch noch in den Schrank stellen.

Veröffentlichungstermin: 21. September 2007

Spielzeit: 61:11 Min.

Line-Up:
Tomas Lindberg – Vocals (Tracks 1-17)
Peter Tägtgren – Vocals (Tracks 18-30)
Jesse Pintado – Guitar
Shane Embury – Bass Guitar
Nick Barker – Drums

Label: Feto Records

Homepage: http://www.myspace.com/lockup666

Tracklist:
Hate Breeds Suffering (2002):
1. Feeding on the Opiate
2. Castrate the Wreckage
3. Violent Reprisal
4. Detestation
5. Retrogression
6. Slaughterous Ways
7. Dead Sea Scroll Deception
8. Hate Breeds Suffering
9. Catharsis
10. The Jesus Virus
11. Broken World
12. Horns of Venus
13. High Tide in a Sea of Blood
14. Cascade Leviathan
15. Fake Somebody / Real Nobody
16. The Sixth Extinction
17. We Are Satans Generation (Bonus Track)

Pleasure Pave Sewers (1999):
18. After Life in Purgatory
19. Submission
20. Triple Six Suck Angels
21. Delirium
22. Pretenders of the Throne
23. Slow Bleed Gorgon / Pleasure Pave Sewers
24. Ego Pawn
25. The Dreams Are Sacrificed
26. Tragic Faith
27. Darkness of Ignorance
28. Salvation Thru Destruction
29. Leech Eclipse
30. Fever Landscapes