LENTO: Icon

Neue Erkenntnis: Auch südlich der Alpen wiegen Riffs Tonnen über Tonnen – und LENTO platzieren diesen Berg genau auf deinem Schädel.

Wer LENTO aus Italien zum ersten Mal hört, sollte sich vom getragenen Intro Then der aktuellen Scheibe Icon nicht täuschen lassen. Streicherarrangements lassen zwar zunächst auf eine getragene Todesszene in einem Mafiafilm samt Beerdigung schließen, doch was der Fünfer danach an tonnenschweren Riffs herausbläst, lässt einem die Kinnlade herunterfallen. Wer nach Bands wie LENTO, BLACK SHAPE OF NEXUS, KEHLVIN, KODIAK, OMEGA MASSIF oder RORCAL noch sagt, dass südlich der Nord- und Ostsee keine massiven Riffwände auf einen herunterregnen können: Zieh Leine!

Zwei Jahre hat LENTO an dieser Scheibe gearbeitet und man hört es. Denn auch wenn sich LENTO klar in die oben genannte Schiene einreihen lassen – was sicherlich auch der Grund sein dürfte, warum es LENTO in den Bandreigen von DENOVALI geschafft hat – so zeigt sich die Platte Icon sehr wandlungsfähig ohne sich selbst untreu zu werden oder das Konzept zu brechen. Schwerfällige Riffs die dir das letzte Quentchen Luft aus den Lungen pressen, vertrackte Rhythmen bei denen MESHUGGAH Pate gestanden haben dürfte, Streicher- und Choralarrangements, bei welchen du am Boden liegend nochmal versuchst Luft in deine schmerzenden Lungenflügel zu ziehen – das alles hat LENTO parat. Oder um es in anderen Worten zu sagen: während Then noch die Ruhe vor dem Sturm ist, so zieht im weiteren Verlauf dieses monolithischen Albums ein wahres Götterkonzert der Apokalypse über den Hörer hinweg und reißt alles, wirklich alles mit, mit einer Wucht, einer Tiefe, einer Gewalt, bei denen nur die Naturgewalten Pate gestanden haben können. Vor allem Songs wie Hymn, der Titeltrack Icon, Hymen oder Dyad haben mir mit ihrem Wechsel zwischen langsamen Riffing und druckvollen, akzentuierten Blastparts regelrecht den Kopf abgerissen. Wahrlich ein instrumentaler Soundtrack der Apokalypse.

Sehr angenehm neben der sehr erdigen Produktion, bei der unter anderem James Plotkin von KHANATE Hand angelegt hat, ist auch, dass Icon mit seinen knapp 37 Minuten genau die richtige Länge für diese Inszenierung der Apokalypse hat. Kompakt, auf den Punkt und ohne Längen präsentiert sich LENTO hier von einer Seite, die mich vollendst begeistert hat, obwohl mir die Band vorher noch kein Begriff war.

Für alle, die die Zeit bis zu den nächsten Scheiben von BLACK SHAPE OF NEXUS oder OMEGA MASSIF mit Genickbrecher-Sound überbrücken möchten: Zugreifen. Wer mit den Referenzbands noch nichts anfangen kann, sollte aber dennoch auch einen Blick auf diese instrumentale Wand werfen – vielleicht kann euch diese Scheibe vom einzig wahren Weg zur Apokalypse überzeugen. Die Scheibe gibts übrigens auch direkt bei DENOVALI als kostenlosen Download – für alle Unentschlossenen. Ich such derweil noch die Reste von meinem Schädel, irgendwo muss der doch sein…

Veröffentlichungstermin: 15.04.2011

Spielzeit: 37:12 Min.

Line-Up:
Giuseppe Caputo
Federico Colella
Donato Loia
Emanuele Massa
Lorenzo Stecconi

Produziert von LENTO
Label: Denovali Records

Homepage: http://www.denovali.com/lento

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/lento

Tracklist:
1. Then
2. Hymn
3. Limb
4. Hymen
5. Still
6. Throne
7. Least
8. Dyad
9. Icon
10. Admission