L.MINYGWAL: E´er

Geben wir uns der "Wall of Sound" hin, von der das Info so treffend spricht.

Ich bin mir sehr sicher, dass sich kein Mensch auf dieser Welt noch nie gewünscht hat, allein gelassen zu werden und sich in seiner eingenen dunklen Welt zu vergraben. Zu warten, bis auch das letzte Licht erloschen ist und die totale Stille herrscht. Sowas kann erdrückend, aber auch unglaublich reinigend sein und nicht selten trifft beides gleichzeitig zu. Ich denke, ich habe L.MINYGWAL in dieser Hinsicht verstanden.

Etwas triviales wie ein Telefongespräch leitet dieses Seeleninferno ein. Nachdem ein leises, verzerrtes Cello ertönt beginnt Sängerin Andrea ein Gespräch, bei dem man zunächst den Gesprächspartner nicht hört. Sie redet über die Zeit nach einer Beziehung oder einer Freundschaft – was eigentlich nichts zur Sache tut – doch von Sekunde zu Sekunde wird es bedrohlicher, unfreundlicher, besonders ab dem Zeitpunkt an dem die schweren, trägen und depressiven Riffs einsetzen. Irgendwann beginnt der Gesprächspartner, bzw. die Gesprächspartnerin lauthals schreien, aus tiefstem Herzen. Ein verzweifelter Schrei.

Den Opener Alg. – oder besser, diesen Dialog -, der das zweite, unglaublich intensive Album E´er Album einläutet kann der Hörer getrost auch auf die restlichen 35 Minuten beziehen. Paranoia herrscht vor, die sich in langsamen Doom-Riffs, noisigen Gitarreneruptionen und, trotz des Minimalismus sehr kreativen Gefühlsausbrüchen auswirkt. Dieses Album kann man manchmal nur sehr schwer ertragen, manchmal gibt es jedoch ein Gefühl der Geborgenheit und des Verständnisses.

Wie NEUROSIS, TODAY IS THE DAY und hin und wieder auch uralten TYPE O NEGATIVE wirkt diese Mischung, die sicherlich nicht jeder mögen wird und auch nicht mögen soll. Aber sicher ist, dass diese Musik einzigartig ist, fernab von Konventionen oder Schubladen zeigt das niedersächsische Trio ihren eigenen Kosmos auf, der so groß gar nicht ist. Aber die Band funktioniert einfach als eine Einheit, die über den Tellerrand blickt. So finden sich auch verzerrte Celli, Samples und viel Raum für Atmosphäre und Ruhe wieder. Besonders Bassistin Andrea, die sowohl zerbrechlichen, wunderschönen Gesang als auch solche schmerz- und hasserfüllte Vocals wie kaum jemand anderes an den Tag legt und mit ihren Riffs den Weg durch das Album weist zeigt sich als geniale Musikerin. Gitarrist Jens liefert harte Riffs ab, die sich nur marginal abwechseln aber unendlich hypnotisch wirken, während Drummer Thomas alles perfekt unterstützt und sich durch seine Samples noch mehr austoben kann.

Heraus kommen geniale Songs wie I Excessiv-ly Read my Letters Frantic-ly an Memorize ´em Manic-ly, Alg. oder auch R´, die einfach danach verlangen, gehört zu werden. Auch die rauhe Produktion trägt einiges zur Intensität bei, lässt die Musik genauso pur erscheinen wie die Gefühle der Musiker. Was diese Band an Potential hat, wage ich nicht auszusprechen. Was wird nach E´er kommen? Warten wir es ab und geben wir uns derweil der Wall of Sound hin, von der das Info so treffend spricht.

Spielzeit: 40:11 Min.

Line-Up:
Jens – Guitars
Andrea – Vocals, Bass, Harp
Thomas – Drums, Cello, Samples

Produziert von Thomas

Label: Virusworx Records

Homepage: http://www.lmynigwal.net

Email: mail@lmynigwal.net

Tracklist:
1. Alg.
2. Ey
3. I Excessiv-ly Read My Letters Frantic-ly and Memorize ´em Manic-ly
4. Izs
5. R´
6. Seno-Keé
7. Wakarimasen