ISLAND: Island [Eigenproduktion]

Mindestens ebenso visionär wie das Debüt.

Es war schon fast visionär, was die Formation ISLAND auf ihrem Debüt Orakel abgeliefert haben, ihre Mischung aus Death und Black Metal, in Verbindung mit wunderschönen Soundscapes und progressiven Einschüben, welche die Band sogar in die Richtung von ISIS und Konsorten driften ließ, lief mich erschaudern und mir Gänsehaut über den Rücken laufen. Das war vor nicht mal einem halben Jahr, und bereits jetzt liefert die Band um Christian Kolf und Florian Toyka eine neue Mini ab.

Diese wurde zwar schon vor einiger Zeit aufgenommen, dem Mix und Mastering fiel sie aber erst kürzlich in die Hände. ISLAND freilich behielten ihre Visionen bei, verfeinerten sie und rückten ihre Musik in ein leicht anderes Licht. Krasse Kurskorrekturen sind nicht zu verzeichnen auf der selbstbetitelten Mini-CD, doch das Groß an Brutalität und Aggression wurde rausgenommen und die progressiven Passagen dominieren. Zwar gibt es immer noch donnernde Blast Beats und brachiale Riffs, doch die Atmosphäre steht hier klar im Vordergrund. Passend dazu gibt es fast ausschließlich klaren Gesang, der beschwörend und geheimnisvoll über den epischen Riffs thront. Man könnte sagen, das sei nichts Neues, doch bei ISLAND klingt dies alles anders. Man fühlt sich wie auf einem Geisterschiff – vielleicht auch weil das Cover darauf schließen lässt – und bekommt von den Verfluchten Geschichten erzählt.

Gänsehaut ist also auch bei dieser Scheibe angesagt und ehrlich gesagt gefällt sie mir nach einiger Gewöhnungszeit noch ein bisschen besser als Orakel. ISLAND haben sich auf das Erschaffen einer tollen Atmosphäre fokussiert und das können sie einfach am besten. Allein der Beginn von The White Ghoul lässt einem das Blut in den Adern gefrieren, der gespenstische Gesang lässt das Blut gefrieren und musikalisch wird dies derart dezent und zärtlich unterlegt, dass man sofort erkennt mit welcher Hingabe die Musiker zu Werk gehen. Selbst wenn ISLAND gegen Ende über ein äußerst dunkles Riff einen Blast Beat legen wird die Liebe noch deutlich. Der schlicht Island betitelte Song beeindruckt am Ende auch gewaltig, da die Band hier – wohl unabsichtlich – eine sehr eigenwillige Interpretation von OPETH klingt und beweist, dass man für Originalität mehr tun muss als die Gesichtszüge einiger Bands blind zu kopieren.

ISLAND ist es also gelungen Orakel zu übertreffen und haben einen schwierigen, aber schönen Brocken eigenständiger, intimer und ehrlicher Musik abgeliefert, der vielleicht nicht beim ersten Mal zündet, aber wächst und wächst. Ich freue mich auch nach Island schreiben zu können, dass das talentierte Gespann für mich zu den ganz großen Hoffnungen des deutschen Undergrounds zählen. Der einzige kleine Makel ist auch dieses Mal die etwas dünne Produktion, doch das ist eine Kleinigkeit, die eigentlich gar nicht ins Gewicht fällt. Ich jedenfalls freue mich schon auf das Debütalbum, das hoffentlich mit Hilfe einer ordentlichen Plattenfirma erscheinen wird. Bis dahin könnt ihr Island für gerade mal 5 € bei Florian Toyka, Richard-Wagner-Str. 36, 53115 Bonn bestellen.

Spielzeit: 19:25 Min.

Line-Up:
Christian Kolf – Guitars, Vocals, Synthesizer

Florian Toyka – Bass, Vocals

Patrick Schroeder – Drums, Synthesizer
Label: Eigenproduktion

Homepage: http://www.islandband.de

Email: floriantoyka@compuserve.de

Tracklist:
1. Intro

2. The White Ghoul

3. Veritas

4. Island