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INSECT ARK: Raw Blood Singing

Dunkel, verführerisch und facettenreich: „Raw Blood Singing“ zeigt das Doomgaze-Duo INSECT ARK so zwingend und schwer zu greifen wie nie zuvor.

Wie heißt es so schön? „Nur unter Druck entstehen Diamanten“? Wenn INSECT ARK ihr viertes Album „Raw Blood Singing“ mit „Birth Of A Black Diamond“ einschwingen, dann findet sich die Gravitas der Musik aber an anderer Stelle. Statt mit zermalmenden Riffs in Zeitlupe, eruptivem Drumming und primitiver Heaviness agiert das Duo anders als andere Doom-Sludge-Bands. Treffend ausgedrückt hat es Bandcamp-Userin Alice M., die zum 2020er Album „The Vanishing“ schrieb: „Strangely heavy and aerial at the same time; this is an impossible record.“ Ich bin ein bisschen neidisch, dass mir eine so gute Zeile nicht selbst eingefallen ist. Und überhaupt, was für „The Vanishing“ galt, gilt auch für „Raw Blood Singing“.

INSECT ARK vereinen Gegensätze: „Raw Blood Singing“ besitzt eine Gravitas, ohne plakativ auf primitiver Heaviness herumzureiten.

Wie kann es eine Band schaffen, die Gegensätze „heavy“ und „aerial“ zu vereinen? Frontfrau Dana Schechter agiert außerhalb der Standards der Metal-Szene, ergo sind INSECT ARK eher Doomgaze statt Metal. Schechters Vergangenheit, mit ihrer leider unterbewerteten, ehemaligen Band BEE AND FLOWER ist durchaus noch spürbar in INSECT ARK. 2024 sogar mehr denn je, denn „Raw Blood Singing“ ist das erste Album der Band mit Dana Schechters rauchig-verruchtem Gesang. Das lässt „Raw Blood Singing“ gleichzeitig nahbarer, aber auch gefährlicher als seine drei Vorgängeralben klingen.

Breitwandig instrumentiert, ist „Raw Blood Singing“ ein Album, das sich langsam, nach und nach steigert, und seine Details eher zögerlich preisgibt. INSECT ARK legen ein Panorama wie EARTH an, sind so surreal wie MAMIFFER, so dunkel wie FVNERALS und doch so catchy wie eben BEE AND FLOWER. Ob es nun am neuen Drummer Tim Wyskida (KHANATE), der neuen Umgebung – die Band zog von New York City nach Berlin – oder einer neuen Art des Songwritings liegt, seit dahin gestellt. INSECT ARK brauchen keine brutalen, tiefgestimmten Riffs, sie illustrieren ihre Songs mit pulsierendem Bass, mit dem einmaligen Klang der Lap Steel-Gitarre, erzeugen mit Synthesizern eine Atmosphäre wie aus einem finsteren Märchen – und modellieren daraus Songs, die einer Reise durch labyrinthisch-karge Albtraumgebirge ähneln. Apropos: Passender kann ein Albumcover kaum sein.

Dana Schechter singt wieder: „Raw Blood Singing“ profitiert von der sinnlich-rauchigen Stimme der INSECT ARK-Leaderin.

Tim Wyskidas verspieltes Drumming, das etwas mehr Drive hat, also sein Beitrag zu KHANATE, steht INSECT ARK ausgezeichnet. Dieses Fundament nutzt Dana Schechter, um die pulsierenden Basslinien, die düsteren Melodien und ihren gefährlichen Gesang daraufzulegen. Durch die zahlreichen Schichten besitzt „Raw Blood Singing“ eine überraschende Klangtiefe, ohne dass unnötiger Ballast dabei ist. Und genau das ist es, was die Musik einerseits heavy, andererseits so ätherisch klingen lässt. Sogar die Gastbeiträge von Ville Leppilahti (ORANSSI PAZUZU) und Colin Marston (KRALLICE), die Piano und Synthesizer beisteuern, erweitern das Klangbild subtil und alles andere als aufdringlich.

Wirklich schnell will „Raw Blood Singing“, ebenso wie das frühere Material von INSECT ARK, nicht ins Ohr gehen. Die acht Stücke liegen meist abseits von klassischen Songstrukturen, sie haben kaum griffigen Refrains und fühlen sich deshalb beinahe improvisiert an. INSECT ARK erzeugen gerade daraus große Faszination, wie „Psychological Jackal“, als auch die spannend arrangierten Instrumentals „Cleaven Hearted“ und „Inverted Whirlpool“ beweisen. Nahbarer ist das Duo bei „The Frozen Lake“, das die Hörer*innen förmlich einsaugt, nicht zuletzt dank Schechters akzentuierter Gesangsperformance. „Youth Body Swayed“ geht noch weiter, das verruchte Stück ist sehr noir, dank Piano und Gesang und das eingängigste Stück des Albums. „The Hands“ ist durch die Synthesizer auf der einen Seite psychedelischer, gleichzeitig aber auch recht zugänglich – auch durch die kompakte Länge von nur vier Minuten.

Mal noir, mal psychedelisch: INSECT ARK verführen ihr Publikum auf „Raw Blood Singing“ mit vielen Facetten.

Wie wunderbar und wandelbar Dana Schechter ist, beweist sie vor allem mit INSECT ARK. Als Instrumentalistin bei SWANS, ANGELS OF LIGHT und WREKMEISTER HARMONIES leistete und leistet sie den jeweiligen Bands große Dienste, ihre wahren Talente bringt sie aber an anderer Stelle zur Geltung: „Raw Blood Singing“ ist ein dunkles, atmosphärisch wie komplexes Werk, das sich nicht leicht greifen lässt, aber bei eingehender Beschäftigung mit vielen Facetten und Details begeistert – eben ein dunkler Diamant von einem Album. Zusammen mit ihrem neuen Drummer Tim Wyskida und ihrer wiedergewonnenen Freude am Gesang, erschafft Dana Schechter mit „Raw Blood Singing“ ihr bisher bestes Album unter dem Banner INSECT ARK. Wer doomigen Sound abseits vom Metal, wer Sludge ohne plakative Heaviness und wer psychedelische Musik ohne Klischees mag oder generell zu den abenteuerlustigen Hörer*innen zählt, sollte sich „Raw Blood Singing“ nun wirklich nicht entgehen lassen.

Wertung: 6,5 von 8 Kohlenstoffverbindungen

VÖ: 7. Juni 2024

Spielzeit: 44:22

Line-Up:
Dana Schechter – Bass, Vocals, Lap Steel Guitar, Synthesizers, Piano
Tim Wyskida – Drums, Percussion, Backing Vocals

Guests:
Ville Leppilahti – Piano („Cleaven Hearted“), Synthesizers („The Hands“, „Psychological Jackal“)
Colin Marston – Synthesizers („Inverted Whirlpool“)

Label: Debemur Morti Productions

INSECT ARK „Raw Blood Singing“ Tracklist:

1. Birth Of A Black Diamond
2. The Frozen Lake (Official Audio bei Youtube)
3. Youth Body Swayed (Official Audio bei Youtube)
4. Cleaven Hearted
5. The Hands
6. Psychological Jackal
7. Inverted Whirlpool
8. Ascension

INSECT ARK „Raw Blood Singing“ Full Album Stream bei Youtube

Mehr im Netz:

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