IDLE HANDS: Mana

IDLE HANDS: Mana

Selten hat eine Band in meinem Aufmerksamkeitsradius mehr Vorschusslorbeeren erhalten als IDLE HANDS aus Portland. Ihre im November erschienene EP „Don’t Waste Your Time“ sollte nicht weniger schaffen als so unterschiedliche Stile wie Heavy Metal, New Wave und Post Punk miteinander zu vereinigen und dabei auch noch unfassbar gute Songs bieten. Nun, mich hat sie enttäuscht – und ich finde, die perfekte Verbindung von New Wave und Heavy Metal haben eh schon ETERNAL CHAMPION mit dem Titelsong von „The Armor Of Ire“ hingelegt (meiner bescheidenen Meinung nach einer der besten Songs aller Zeiten). Ich war also skeptisch, als ich „Mana“ zum ersten Mal anmachte und der Opener „Nightfall“ erklang – aber heidewitzka, was dann passierte, wird niemand glauben!

Weinende Drachen im 80er-Käse – „Mana“ ist ein großer Spaß

Na ja, doch, klar. Das Übliche halt: Ich ballte die Faust, weinte eine Träne und sprang wild im Kreis umher. Dann kamen die Sanitäter. Spaß. Was ich sagen will: „Nightfall“ ist der perfekte Eröffnungssong, ein herrlich rockiger Bastard aus… na ja, eigentlich ist es nur ein herrlich rockiger Bastard. Denn seien wir ehrlich: Die großartige Stilverschmelzung findet hier eigentlich gar nicht statt. „Mana“ ist ein 40 Minuten andauernder großer Spaß aus dunklem Hard Rock und Heavy Metal – nicht mehr und nicht weniger. Es sind großartige Songs drauf und weniger großartige, und wenn man sich erstmal an den etwas eigentümlichen Gesang und das hin und wieder in ihn einbrechende merkwürdig brünftig klingende Gebölke gewöhnt hat, wird man so zehn bis zwanzigmal viel Freude daran haben. Am meisten Freude habe ich am Text von „Dragon, why do you cry?“, dessen ersten Strophe genau mit diesem Satz endet und nicht nur damit GLORYHAMMER in puncto Cheesiness beeindruckend humorvolle Konkurrenz macht. Aber auch der 80er-Glam-Smasher „Jackie“ kann so einiges auf diesem Gebiet; generell gehen Text und Musik auf „Mana“ genau die kongeniale Mischung ein, die es braucht, um diese Musik auf dem schmalen Grat zwischen Spaß und Spannung gen Ziel gleiten zu lassen.

IDLE HANDS können mich mit „Mana“ also überzeugen, auch wenn es mir so alles in allem vielleicht doch eine Spur zu glatt geraten ist – was vielleicht auch erklärt, weshalb ich das sporadische Gegrunze so deplatziert finde. Vielleicht gebe ich der hochgelobten EP aber doch nochmal eine Chance. Es werden keine weinenden Drachen drauf sein, aber ein Song heißt „Can You Hear The Rain“, und da sag ich doch nicht nein, denn natürlich kann ich das, immer, mit einer schwarzen Rose in der Hand und einer Träne im Auge…

Spielzeit: 40:09 Min.
Veröffentlicht am 10.05.2019 auf Eisenwald
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IDLE HANDS – „Mana“ – TRACKLIST

1. Nightfall (3:34)
2. Jackie (4:11)
3. Cosmic Overdrive (3:18)
4. Don’t Waste Your Time (4:10)
5. Give Me To The Night (2:52)
6. Blade And The Will (3:28)
7. Dragon, Why Do You Cry? (3:47)
8. Double Negative (3:34)
9. It’ll Be Over Before You Know It (4:03)
10. A Single Solemn Rose (3:30)
11. Mana (3:42)

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Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.