DEAD RAVEN CHOIR: My Firstborn Will Surely Be Blind

Widerlich, undifferenziert, Ekel erregend. Gerade deshalb großartig?

Ein verfallenes Haus mitten in einem verlassen, alten Industriegebiet. Die Wände rissig, die Fensterläden hängen schief zur Seite weg, Wasser tropft durch das undichte Dach. Keine Menschenseele in der Nähe, doch wenn du eintrittst, dann hörst du das Geschrei, das aus dem Keller nach oben dringt, völlig verfremdet, so dass niemand sagen kann, ob es ein menschlicher Laut ist. Es ist widerlich, undifferenziert, Ekel erregend. Aber ich kann dich beruhigen, da unten wird niemand umgebracht. Es ist nur D. Smolken, der das neue Album von DEAD RAVEN CHOIR einspielt.

Ein bösartiges Rumpeln, das nicht selten zu undefinierbarem Lärm wird, eine enorme Menge Hall, verzerrtes Geschrei und seltsam klingende Bassläufe und Bass-Geigen erzeugen den nihilistischen Lärm, der zwischen Doom und rohestem Black Metal pendelt. Interessant ist hierbei vor allem, dass es sich bei diesem zwielichtigem Ekelwerk um ein Coveralbum handelt, dass sich Country- und Folksongs vorgenommen hat. Aber keine Sorge, man erkennt kein einziges Stück davon, auch wenn einem das relativ zugängliche Bluenose durchaus bekannt vorkommen mag.

Die meisten Hörer werden vor My Firstborn Will Surely Be Blind erschreckt zurück weichen. Aber erst nach einigen Durchläufen erkennt man die krude Schönheit hinter der blutrünstigen Fassade. Die ist zwar mikroskopisch klein, reicht aber aus um die Faszination DEAD RAVEN CHOIR am Leben zu erhalten. Der Initiator dieses Projekts, D. Smolken, ist manchen vielleicht von WOLFMANGLER bekannt, aber auch DEAD RAVEN CHOIR hat bereits eine absurde Menge an Material veröffentlicht. Böse Zungen mögen behaupten, bei so einem unstrukturiertem Lärm sei das keine Kunst. Manchmal denke ich ebenso, manchmal nicht, je nach Verfassung und wie man diese 45 Minuten aushält. Dieses Werk ist genauso schizophren wie seine Konsumenten es eigentlich sein müssen.

Und weil ich das nicht bin, habe ich stellenweise arge Probleme mit diesem Album. Aber dennoch ist es irgendwo gut. Denn es ist spannend, unheimlich, Furcht einflößend, boshaft und wirklich extrem eigenständig. My Firstborn Will Surely Be Blind ist so rau und derb, dass sogar Anhänger der gröbsten Black Metal-Bands sich eingestehen müssen, dass sie in Sachen Misanthropie und Hass noch Einiges dazulernen können. Außerdem hätte ich nie gedacht, dass es mal eine Band geben wird, die in Sachen kaputter Atmosphäre BETHLEHEM den Rang ablaufen wird. Dieses, außerdem obskur und hässlich aufgemachte Werk ist sicherlich nichts für jede Gelegenheit und schon gar nicht für jeden Konsumenten, aber wer den Backkatalog des Labels Aurora Borealis kennt und schätzt weiß, dass er hier nichts falsch macht.

Veröffentlichungstermin: 25. Januar 2008

Spielzeit: 44:04 Min.

Line-Up:
D. Smolken – Voice, Bass, Electric Bass
M. Rosin – Voice
A. Jakubik – Drums

Label: Aurora Borealis

Homepage: http://www.deadravenchoir.com

Tracklist:
1. Kigi Wa Haru
2. Our Mother the Mountain
3. A Rosebud in June
4. Genesis Hall
5. Bluenose
6. Sheep-Crook, Black Dog
7. It´s All Right With Me
8. The Trees, They Grow so High
9. Favorite
10. From the Stars