CULT OF LUNA: The Raging River [EP]

“The Raging River” ist in seinen besten Momenten einmal mehr zum Niederknien, zwischendurch bewegen sich CULT OF LUNA mit ihrem Post Metal aber nah an der Selbstkopie.

Blicken wir auf die letzten anderthalb Dekaden CULT OF LUNA zurück, so war mit jeder Veröffentlichung der skandinavischen Post Metal-Band eines in Stein gemeißelt: Jedes Werk hatte seinen ganz eigenen Charakter; ein Gefühl, das es von der restlichen Diskografie abhebt. Da war die kalte und mechanische Fassade von „Vertikal“ (2013), der erdige Grundton von „Somewhere Along The Highway“ (2006) oder das andersweltliche „Eternal Kingdom“ (2008). „A Dawn To Fear“ (2019) schließlich hatte von allem etwas – ein kalter unnahbarer Monolith, der nur zögerlich seinen warmen Unterbau preisgeben wollte.

Für „The Raging River“ macht es dieses Erbe von vornherein nicht einfach, schließlich soll die EP, die trotz allem an regulärer Albumlänge kratzt, den kreativen Prozess um „A Dawn To Fear“ zu einem Abschluss bringen. Es ist kein neues Kapitel, das CULT OF LUNA aufschlagen, sondern eine Art Epilog – eine fehlende Anekdote, die zu Ende erzählt werden muss.

Zwischendurch bewegen sich CULT OF LUNA nah an der Selbstkopie

Unweigerlich leidet „The Raging River“ unter dieser Ausgangssituation etwas. Neue Ideen bringen die Schweden abseits der ruhigen Kollaboration mit Mark Lanegan („Inside A Dream“) diesmal nicht an den Tisch, im Gegenteil. Zwischendurch bewegen sich die Kompositionen nah an der Selbstkopie – das Hauptriff von „What I Leave Behind“ klingt wie eine massivere, aber auch schnörkellose Variante von „Owlwood“, während das Grundrezept des bandeigenen Post Metals in keiner Weise angerührt wird.

Die mächtigen Gitarrenwände sind natürlich weiterhin eine Freude, die drückenden Screams Johannes Perssons immer noch zermürbend wie eh und je. Und dazwischen blitzt die Genialität der Formation immer wieder hindurch: Mal sind es die verspielten Percussions und das Drumming von Magnus Lindberg bzw. Thomas Hedlund, mal die abermals kreativen, wärmenden und vielschichtigen Synthesizer aus den Händen Kristian Karlssons (PG.LOST), welche das ausladende „Wave After Wave“ zum Höhepunkt dieser EP krönen.

In seinen besten Momenten ist “The Raging River” zum Niederknien

Und auch ansonsten haben CULT OF LUNA natürlich nichts verlernt. Das merken wir besonders während „I Remember“, wenn zur Halbzeit plötzlich eine federleichte Leadgitarre die Richtung vorgibt, während Hedlund hinter den Kesseln mit viel Gefühl das zuvor so verschlossene Klangbild aufbricht.

In seinen besten Momenten ist „The Raging River“ somit einmal mehr zum Niederknien, auch wenn CULT OF LUNA eigentlich nur ihr übliches Programm abspielen. Natürlich nagt das auch etwas an dieser sonst starken Übergangs-EP, die sich eben in letzter Konsequenz nicht deutlich genug von den vorhergehenden Veröffentlichungen abheben kann. Das ist natürlich auch der Konzeption geschuldet, aber was sollen wir machen? Wir wurden eben die letzten anderthalb Dekaden zu sehr verwöhnt.

Veröffentlichungstermin: 05.02.2021

Spielzeit: 38:34

Line-Up

Johannes Persson – Guitars and Vocals
Magnus Lindberg – Drums and Studio-Engineering
Andreas Johansson – Bass
Fredrik Kihlberg – Guitars and Vocals
Kristian Karlsson – Keyboard and Vocals
Thomas Hedlund – Drums and Percussion

Produziert von CULT OF LUNA, Daniel Berglund, Kristian Karlsson und Magnus Lindberg (Mix und Mastering)

Label: Red Creek

Homepage: https://www.cultofluna.com/
Facebook: https://www.facebook.com/cultoflunamusic

CULT OF LUNA “The Raging River” Tracklist

1. Three Bridges (8’45) (Audio bei YouTube)
2. What I leave Behind (5’58)
3. Inside of A Dream (3’20)
4. I Remember (8’09)
5. Wave After Wave (12’22)