BLIND GUARDIAN: Fly (Single)

Zweifellos eine überraschende Single. Und eine schwache.

Es gehört Mut dazu, nach Mirror Mirror, And Then There Was Silence, The Bard´s Song: In The Forest nun ein Lied wie Fly als Single zu veröffentlichen. Wer ernsthaft eine Steigerung erwartet hat, wird zwangsläufig maßlos enttäuscht werden. Aber selbst unvoreingenommene Seelen müssen sich auf eine Überraschung gefasst machen.

Fly macht dort weiter, wo die monotonsten A Night At The Opera-Passagen aufhörten. Statt filigraner Melodien und epischer Gesangslinien gibt es entsprechend einförmiges Riffing und eine unentschlossene Rhythmusstruktur. Die Musik klingt zwar immer noch eindeutig nach BLIND GUARDIAN, doch ist Fly ungefähr so greifbar wie der winterliche Nebel über dem Bodensee. Erst nach mehrmaligem Anhören und mit Hilfe der Textbeilage konnte ich erfolgreich den Refrain identifizieren. Leider ist einzig dessen Ende ansatzweise einprägsam (the land of mine), welches bereits nahezu identisch bei einer Bridge von The Curse Of Feanor zu hören war (revenge be mine).

Man spürt, dass BLIND GUARDIAN mit Fly krampfhaft neue Wege beschreiten wollen. Wohin die Reise gehen soll, bleibt jedoch unklar. Drehte man And Then There Was Silence richtig auf, wurde die Musik mächtig. Dreht man Fly auf, wird die Musik einfach nur laut. Ob die Nummer ein vorrübergehendes Formtief oder ein Schritt hin zur (musikalischen) Bedeutungslosigkeit ist, wird das kommende Album zeigen. Aber schon jetzt werden die musikalischen Differenzen deutlich, die zum Ausstieg von Thomen The Omen Stauch führten. Vom typischen Speed Metal, wie ihn BLIND GUARDIAN einst maßgeblich prägten, finden sich auf Fly keine Spuren mehr. Deshalb empfehle ich Fans dieser Musik die Single zu ignorieren und das besagte Album abzuwarten. Abgesehen von der optischen Gestaltung ist nämlich Evil Eyes von Thomens SAVAGE CIRCUS Fly haushoch überlegen!

Skalds and Shadows ist ein Bastard aus dem bereits erwähnten Bard´s Song und der Imaginations…-Ballade A Past And Future Secret. Hier befinden sich BLIND GUARDIAN also plötzlich genau im Fahrwasser ihrer früheren Werke. Mir gefällt´s, wenngleich dem Stück gegen Ende hin ein wenig die Luft bzw. die Dramatik ausgeht. Hier bleibt zu hoffen, dass die Album-Version nicht einfach nur mehr Keyboard-Spuren aufweist, sondern insgesamt mehr Epik und ein epischeres Arrangement bekommt. Denn das hat Skalds and Shadows fraglos verdient.

Mit In A Gadda Da Vida gibt es schließlich noch eine Coverversion des IRON BUTTERFLY-Klassikers. Die Nummer kommt heftig aber eher unspektakulär daher. Auf ein Schlagzeugsolo von Neuzugang Frederik Ehmke wartet man ebenso vergeblich wie auf einen mit dem Original vergleichbaren Spannungsaufbau. Die Single ist also wirklich nur für Ich-muss-alles-haben-Fans interessant, selbst wenn die Plattenfirma natürlich alles daran setzt, aus der Fliege einen Elefanten zu machen.

Veröffentlichungstermin: 24.02.2006

Spielzeit: 12:38 Min.

Line-Up:
Hansi Kürsch: Gesang

André Olbrich: Gitarre

Marcus Siepen: Gitarre

Frederik Ehmke: Schlagzeug

Produziert von Charlie Bauerfeind und BLIND GUARDIAN
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.blind-guardian.com

Tracklist:
1. Fly

2. Skalds and Shadows (acoustic version)

3. In A Gadda Da Vida