AUTUMNBLAZE: Lighthouses

Vier kleine Sonnen in einem Meer aus Tristesse. Wie immer wunderschöne Musik, essentiell.

Das Bild des Leuchtturms als Symbol für Trost, Begleitung und Schutz ist sicherlich nicht das Originellste, passt dafür aber auf die Musik von AUTUMNBLAZE wie kein zweites. Viel zu schreiben über dieses Mini-Album erscheint müßig, denn wieder einmal ist es Markus gelungen, Musik zu schreiben und aufzunehmen, die sich nicht nur jeder abgeschmackten Kategorie entzieht, sondern auch dafür sorgt, dass jeder, der eben Trost, Begleitung und Schutz sucht, dies, zumindest temporär, bekommt. Aufgeteilt in vier höchst unterschiedliche Stücke hinterlassen diese knapp neunzehn wunderbaren Minuten ein Gefühl der Sehnsucht, des Lichts in der Dunkelheit, ja, sogar des Weltschmerzes. Gerade letzteres Gefühl ist es, welches sich spätestens bei Wake me up in the evening, dem zweiten Stück, einstellt: Wake me up in the evening – when landscapes are covered with a dark blue light – wake me up in the evening – when noises scream and shivers rise; in diesem Lehrstück geradezu schmerzhaft schönen Gothic Metals verbinden sich klischeefreie Emotionen und hemmungslose Ehrlichkeit wie eh und je im Schaffen von AUTUMNBLAZE. Ich würde sogar so weit gehen und Wake me up in the evening als das beste Stück dieser Ausnahmeformation bezeichnen, aber das sei jedem selbst überlassen. Es bleibt indes das einzige aufbrausende Stück, die übrigen drei bewegen sich in weitaus ruhigeren Gefilden – mit Towards the oldest silence wird es sogar recht poppig, wobei der Tiefgang nie verloren geht, was sich auch auf lyrischer Seite niederschlägt: die Texte von Lighthouses gehen wieder mehr in das symbolhafte, undurchdringliche; schonungslose Offenheit wie beispielsweise bei It never felt like this before sucht man hier vergebens – ein richtiger Schritt, da so durch die Notwendigkeit des Erfühlens dem Gesamtwerk noch mehr Emotion hinzugefügt wird.

Eigentlich ist diese Musik, ganz nüchtern betrachtet, ja überhaupt nichts besonderes. Strophe-Refrain-Strophe-Schemata, simple Instrumentierung (insbesondere auf diesem Werk, da die Elektronik nur zur Hintergrunduntermalung verwendet wird), einfache Harmonien und alles andere als irgendein elitärer Anspruch. Gerade auf diesem fragilen Fundament jedoch erstrahlen die Melodien und Emotionen, hauptsächlich getragen von Markus´ schier überwältigendem Gesang, wie kleine Sonnen in einem Universum der Langeweile und des Stumpfsinns.

…and all the ones around me are fainting shapes again.
(The cat with the silvery paws)

VÖ: Oktober 2002

Spielzeit: 18:57 Min.

Line-Up:
Markus B. – vocals, guitars
Schwadorf – drums, bass, electronic devices

Produziert von Markus Stock
Label: Prophecy Productions

Homepage: http://www.autumnblaze.de

Email: muterainboy@compuserve.com

Tracklist:
1. The cat with the silvery paws
2. Wake me up in the evening
3. Man on a lighthouse mountain
4. Towards the oldest silence