TIERRA SANTA: Las Mil Y Una Noches [DVD]

TIERRA SANTA: Las Mil Y Una Noches [DVD]

Na also, liebe Mitarbeiter der Plattenfirma Locomotive, es geht doch: Stellte sich die Veröffentlichung von Cuando La Tierra Toca El Cielo noch als recht mäßiges Ergebnis der Versuche dar, TIERRA SANTA in der multimedialen Welt zu präsentieren, hat man mit dem Konzertmitschnitt “Las Mil Y Una Noches“ eine sehr gute, wenn auch nicht überragende DVD vorgelegt.

Ganz ehrlich stand der aufgezeichnete Auftritt unter etwas seltsamen Vorzeichen: TIERRA SANTA enterten auf dem Lorca Rock-Festival um 03.00 Uhr morgens (!!!) die Bühne und spielten bis 05.00 h… und zwar nach den SCORPIONS… Nach Angaben der Band war es die Idee der Plattenfirma, kein eigenes Headliner-Konzert als Material für die DVD zu nehmen, sondern den Auftritt auf einem Festival. Die Band sagte letztlich zu, da es ihnen sinnvoller und effektiver erschien, das Ambiente eines Festivals und das bessere Licht, das auf den großen Bühnen gewährleistet ist, zu nutzen.

Zieht man in Betracht, dass TIERRA SANTA hier nicht einmal vor ‚ihrem’ Publikum, sondern auf einem Festival gespielt haben, und zu einer für unsere Verhältnisse sehr seltsamen Zeit, ist das hier gezeigte Konzert wirklich bemerkenswert.

Die Liste der Songs hat sich im Gegensatz zur gleichnamigen Doppel-CD etwas geändert. “Hamlet“, “Indomable“, “Juana De Arco“, “Las Walkirias“, “La Sombra De La Bestia“ und “Tierra Santa“ haben es leider nicht auf die DVD geschafft, dafür sind aber “El Azote De Dios“, “Las Puertas Del Infierno“ und “¿Quien Llora Hoy Por Ti? “ zu sehen, die nicht auf dem Album vertreten waren. Aber trotz der 18 Songs kann man nicht unbedingt von einer Best-Of-Auswahl sprechen, da die Band einfach mehr Stücke zu bieten hat, die es verdient hätten, auf dieser Veröffentlichung festgehalten zu werden.

Zusatzmaterial gibt es wie auch bei “Cuando La Tierra Toca El Cielo“ keines. Man hat ausschließlich die Möglichkeit, entweder einzelne Songs oder die DVD im ganzen anzuschauen. Soundoptionen etc. gibt es auch nicht. Schade eigentlich. Am Sound gibt es aber nichts auszusetzen, der sehr sauber klingt, die Publikumsreaktionen sind auch nicht überdeutlich zu hören, aber das kennt man ja von Live-DVDs.

Bei den Kameraschwenks hat man dann doch teilweise den Eindruck, als hätten die Jungs hinter der Linse dem Herkunftsland der Band (La Rioja) zu sehr Tribut gezollt und sich den landestypischen Wein etwas zu sehr hinter die Binde gekippt. Das Bild wechselt teilweise kurz ins Unscharfe, und einige Kamerabewegungen werden abrupt unterbrochen bzw. sind ziemlich schief. Bei Nahausnahmen wackelt das Bild zum Teil auch… muss ein netter Abend gewesen sein..

Das alles ist meines Erachtens aber relativ nebensächlich, da die Band eine ungeheure Spielfreude an den Tag legt. Sowohl Publikum als auch Band haben das Konzert sichtlich Spaß gemacht, und das ist letztlich das, was zählt.

Die Ansagen halten sich in Grenzen, werden aber dort eingesetzt, wo gezielt eine Message vermittelt werden soll. So wird “El Bastón Del Diablo“ mit den Worten angekündigt, dass dieses Stück von Freiheit handelt, die das Wichtigste im Leben, wenn nicht gar wichtiger als das Leben sei. Es gehe um diejenigen, die ihre Macht missbrauchen und sie gegen die Schwächsten einsetzen. “Una Juventud Perdida“ ist den Müttern gewidmet, die das größte Leid überhaupt erfahren haben, insbesondere den Müttern Argentiniens (d.h. den Müttern des ‚Plaza de Mayo’). Doch dieses ständige ‚Vamos a seguir con una canción, una canción que habla…’ konnte man vielleicht auch mal anders ausdrücken.

“La Canción Del Pirata“ anzukündigen, erübrigt sich fast. Das Stück basiert auf dem Gedicht von Espronceda, einem der berühmtesten spanischen Romantiker, und TIERRA SANTA haben das Gedicht unverändert als Text verwendet. Die meisten Spanier lernen es in der Schule und kennen es eh noch auswendig, aber auch bei den anderen Songs zeigt sich das Publikum ebenfalls sehr textsicher.

Mir persönlich ist beim Ansehen der DVD klar geworden, warum ich TIERRA SANTA sämtlichen anderen Bands dieses Genres vorziehe – die Spanier verstehen es, Pathos und Begeisterung zu vermitteln – sowohl den Zuschauern vor Ort als auch Konsumenten der CDs – und zwar mithilfe ihrer Musik und Texte, durch ihre Präsenz auf der Bühne und der eigenen Leidenschaft für ihre Musik, und können somit getrost auf die True-Metal-Warrior-Spielzeuge wie Schwerter, irgendwas Brennendes oder die neueste Fellkollektion verzichten. Ein Stück wie z.B. “Juventud Perdida“ braucht nichts anderes als die Musik und den Text, der das zum Ausdruck bringt, was Tausende über Tausende von Argentiniern erleiden mussten.

Und noch was: Es ist schon klar, dass es auch in der Metal-Szene um Geld und Verbindungen geht, aber warum haben Bands wie KING’S X im Vorprogramm von IRON MAIDEN und AC/DC gespielt (ja, auch wir alle haben gestreckte Mittelfinger und Eintrittskarten Richtung Bühne gestreckt, genau wie Hunderte von anderen Konzertbesuchern), anstatt dass IRON MAIDEN oder JUDAS PRIEST TIERRA SANTA mit auf Tournee nehmen? Geht es wirklich immer nur ums Geld oder kann man Konzertbesuchern vielleicht nicht auch mal einfach so einen hochklassigen Special Guest präsentieren?

Veröffentlichungstermin: 10. Mai 2004
Label: Locomotive Music

Tracklist:
Pegaso

Alas De Fuego

La Ciudad Secreta

Sodoma Y Gomorra

Sangre De Reyes

La Momia

El Canto De Las Sirenas

Una Juventud Perdida

Tierras De Leyenda

El Azote De Dios

El Laberinto Del Minotauro

Las Puertas Del Infierno

Quien Ilora Hoy Por Ti

El Bastón Del Diablo

Drácula

Mi Tierra

La Canción Del Pirata

Legendario