TIERRA SANTA: Cuando La Tierra Toca El Cielo [DVD]

TIERRA SANTA: Cuando La Tierra Toca El Cielo [DVD]

“Cuando la tierra toca el cielo“ – ‚wenn das Land den Himmel berührt’ … welch ein Titel. Zwar scheint er angemessen für die wahrscheinlich beste spanische Band, TIERRA SANTA, zu sein, aber leider kann die vorliegende DVD dem doch sehr hoch angelegten Titel nicht ganz entsprechen… Aber alles von Anfang an…

Die DVD, die einen Überblick über das bisherige Schaffen der Riojanos geben soll, enthält kurze Interviewsequenzen, in den die Bandmitglieder einiges über die Geschichte der Band, der einzelnen Alben, und natürlich ihre persönlichen Helden – allen voran IRON MAIDEN – erzählen. Des weiteren äußert sich die Band zu den Arbeiten in ihrem Stammstudio, aus dem sie wohl auch in Zukunft ob ihrer endlosen Begeisterung nicht mehr vertrieben werden können, und anschließend sieht man die Studioaufnahmen zu “Pegaso“. Weiter geht es mit ihren persönlichen Eindrücke der Konzerte in Spanien und die Spanier zeigen sich ob des Enthusiasmus’ der Landsmänner ziemlich begeistert – man wird also im Schnellverfahren durch Anfangsgeschichte und Prioritäten der Bandmitglieder geschleudert, und etwas liebevoller hätte man das sicherlich machen können, denn wirklich tiefgründige Hintergrundinformationen vermisst man.

Weiter geht es mit den Eindrücken ihrer ersten Europatour mit SKYCLAD, mit der die Band relativ zufrieden schien und auch die Reaktionen in den einzelnen Staaten zeigte, dass sich der Bekanntheitsgrad stetig auszudehnen schien. Interviews waren anscheinend nur mir Hilfe der Übersetzung eines Mädels möglich, das die Band eigens dafür auf der Tournee begleitete (was für ein Job – jeden Abend die gleichen Fragen und Antworten übersetzen… ich hoffe, sie hat zumindest ausreichend Geld dafür bekommen…). Im weiteren Verlauf bemerken die Bandmitglieder dann, dass das Publikum durchaus bemüht war, die Texte mitzusingen bzw. zu zerhackstückeln (chapurreando las letras… also radebrechen oder wie das auf Deutsch heißt…) Sehr schön ist jedenfalls, Auszüge des Akustikgigs zu sehen, den TIERRA SANTA im Pariser Hard Rock Cafe gaben, begleitet von der Violinistin von SKYCLAD, die sie dann auch im Rahmen eines ‚normalen’ Konzertes begleitete. Sehr beeindruckend. Und sehr amüsant sind auch die Erzählungen und Bilder darüber, wie die Spanier erstmals mit der guten alten Tradition des Headliners konfrontiert wurden, dem Opening Act beim letzten Konzert einen Streich zu spielen… was die Spanier den Engländern dann auch heimzahlten.

Sänger Ángel tut dann seine despektierliche Meinung zu den mangelhaften Interpretationen seiner Texte durch die Journaille kund. Er kritisiert hier vornehmlich, dass auf Grund eines Blicks auf die Songtitel andere Inhalte als die wirklich vorhandenen vermutet werden, so dass TIERRA SANTA andere Thematiken und Positionen als wirklich vorhanden unterstellt werden. Jedenfalls ginge es ihm, im Gegensatz zu vielen anderen Bands, nicht um fantastische Elemente, sondern um historische und mythologische Erzählungen. So handelt “Legendario“ nicht von el Cid, d.h. nicht von der historischen Person, sondern einzig und allein von der Legende. Die Legende übertreffe immer die Wirklichkeit und niemand weiß, was wirklich Wahrheit und was erfunden ist. Kritik von einigen, er hätte die negativen Aspekte des Geschehenen nicht benannt, weist er zurück, da es ihm vornehmlich darum ging, das wiederzugeben, was als Legende bekannt sei. Recht hat der Gute ja damit, aber welcher Mitteleuropäer zieht sich schon freiwillig den Cantar de mío Cid und historische Quellen rein, um dann zu schauen, inwieweit in den Texten Historie und Legende vermischt wurden? Auf der Uni können sie einen ja dazu zwingen, aber freiwillig?

Das weitaus größte Manko der DVD ist leider die mangelhafte Tonqualität der wenigen richtigen Live-Ausschnitte, insbesondere denen des Festivals Rock Machina im Jahr 2000. Über alle anderen Livemitschnitte wurden die Studioversionen der Tracks gelegt. Es wäre wirklich schön gewesen, den Enthusiasmus des spanischen Publikums und den grandiosen Auftritt in Moncofa live und mit den Reaktionen der Fans sehen zu können… der Rest der Metal-Heads hat vielleicht schon mal was davon gehört, wie einzigartig Konzerte in Spanien sind, aber gesehen haben das wohl die Wenigsten… Sänger Ángel beschreibt diesen Auftritt mit dem Gefühl, in diesem Moment wirklich den Himmel berührt zu haben… was man ihm ohne weiteres glaubt, nur vermittelt diese DVD leider eben nicht das, was diesen Auftritt ausmachte.

Und nun mal was Generelles zu DVD von spanischsprachigen Bands:

Wie soll man das auf einer DVD nun dem nichtspanischsprechendem, doch interessierten Volk verkaufen? Wenn man sich entschließt, Untertitel zu verwenden, dann sollten diese bitte korrekte Übersetzungen des in den Interviews Gesagten sein (Wörter wie ‚beleive’ und ‚touchs’ waren mir bis dato unbekannt und diverse andere Sachen wurden definitiv nicht richtig übersetzt), oder man entscheidet sich für eine angemessene Voice-Over-Produktion, so dass das gemeine Metal-Volk, das ‚nur’ des Englischen mächtig ist, zumindest wirklich was von den DVDs hat und sich ein Kauf lohnt. Eine bessere Soundqualität und unter Umständen Bonusmaterial wären dann weitere Gründe, solche Teile käuflich zu erwerben, denn 55 Minuten Gesamtlänge sind definitiv zu wenig.

Fazit: Leider keine würdige DVD für eine Band der Qualität TIERRA SANTAs. Sie haben weitaus Besseres verdient. Bleibt zu hoffen, dass das Label das auch irgendwann bemerkt und mal ordentlich Geld in die Band reinsteckt. Wenn man sieht, welch grauseligen Teutonen-Metal-Heroen gepusht werden und eine Band wie TIERRA SANTA fast kaum bemerkt wird, kommen einem fast die Tränen…

Veröffentlichungstermin: Juli 2003

Spielzeit: 55:00 Min.
Label: Locomotive

Tracklist:
Como empezó todo

Tierras De Leyenda*

Conciertos, críticas…

La Momia*

En el estudio de grabación

Pegaso*

1° Gira Europea (parte 1)

Legendario*

1° Gira Europea (parte 2)

La Canción Del Pirata*

1° Gira Europea (parte 3)

La Juventud Perdida (+ SKYCLAD)*

1° Gira Europea (parte 4)

Sodoma y Gomorra*

Sobre el Rock Machina

Atlántida*

Créditos

*- Videoclips