SAW V [Filmkritik Kino]

SAW V [Filmkritik Kino]

Die „Saw“-Franchise ist schon ein kleines Phänomen. Aus dem Low-Budget Geheimtipp, welcher der erste „Saw“-Streifen ursprünglich war, ist mittlerweile eine der beliebtesten Horrorreihen der Neuzeit geworden. Mit dem nunmehr fünften Teil, der bereits im Oktober Premiere in den USA feierte, kratzt man in punkto Fortsetzungen schön langsam an den Dimensionen von großen Horrorikonen wie Freddy Kruger oder Michael Myers. Dass dabei jedes Jahr von allen Seiten die stets sinkende Qualität der Filme aufs Neue bemängelt wird, scheint dem Erfolg nichts anzuhaben. Im Gegenteil, die Anhänger rennen trotzdem scharenweise ins Kino. Teil Fünf betreffend kann in dieser Hinsicht zumindest teilweise aufgeatmet werden, denn erstmals kann im Vergleich zum direkten Vorgänger das Niveau gehalten werden, ja sogar minimal wieder zulegen. Einen guten Streifen macht das aus dem neuen Ableger aber noch lange nicht, war doch „Saw IV“ schon bestenfalls im Durchschnitt anzusiedeln.

„Saw V“ ist ein Film für Fans der Reihe

Eines der interessantesten Merkmale der Reihe ist wohl die Tatsache, dass alle Episoden aufeinander aufbauen und anders als in den „Nightmare on Elm Street“- bzw. „Freitag der 13.“-Filmen eine fortlaufende Geschichte erzählen. Die einzelnen Filme werden somit nicht einfach nur durch den Bösewicht zusammengehalten. Das lässt zwar Neueinsteiger außen vor, gestaltet das Ganze aber für Fans umso interessanter – und allein für die ist „Saw V“ auch gedacht.

Die Handlung schließt auch dieses Mal unmittelbar an die Geschehnisse des Vorgängers an. Jigsaw ist tot, der Fall offiziell abgeschlossen. Einzig FBI-Agent Peter Strahm (Scott Patterson), der durch den Puzzlemörder seine Partnerin verlor, wittert Verdacht und stellt auf eigene Faust Nachforschungen an. Er sieht in Detective Mark Hoffman (Costas Mandylor), der sich dem Zuschauer am Ende von „Saw IV“ als dessen Drahtzieher entpuppte, einen mutmaßlichen Jünger und Komplizen Jigsaws. Noch weiß er nicht, wie recht er doch mit dieser Vermutung hat. So dreht sich dann auch die zentrale Handlung des Films um die Hetzjagd zwischen Rigg und Hoffman, während in Rückblenden nicht nur Hoffmans Werdegang beschrieben wird, sondern auch ein paar Logiklöcher der bisherigen Teile gestopft werden.

Der Blutzoll wurde ein wenig zurückgeschraubt

Natürlich haben in so einer Geschichte nur schwer blutrünstige Fallen Platz, welche ja bekanntlich zu den größten Markenzeichen der Franchise gehören. Also ließ man Hoffman seinerseits einen Parcours aus mehreren Räumen errichten, die allerlei unangenehmes Spielzeug für fünf unfreiwillige Teilnehmer enthalten. Dass diese Episoden im Gesamtkontext nahezu im luftleeren Raum stehen und nur wenig mit der eigentlichen Story zu tun haben, wird völlig außer Acht gelassen. Aber der Hunger der Gorehounds muss eben gestillt werden.

Die dürften wieder auf ihre Kosten kommen, wenngleich der Blutzoll im Vergleich zum übertriebenen dritten Teil und dem direkten Vorgänger glücklicherweise wieder zurückgeschraubt wurde. Auch wenn es mit einem scharfen Pendel frei nach Edgar Allan Poe sowie einer Gerätschaft mit eingebauter Kreissäge gleich zwei besonders einschneidende Erlebnisse zu verzeichnen gibt, stellt Regisseur David Hackl endlich wieder die eigentliche Handlung in den Vordergrund. An dieser Stelle sei im Übrigen angemerkt, dass deutsche Kinogänger den neuesten Ableger im Gegensatz zum gekürzten „Saw IV“ wieder in voller Länge genießen dürfen.

Optisch reiht sich der fünfte Teil nahtlos in den dreckig-modernen Look der „Saw“-Reihe ein

Auf darstellerischer Seite gibt es für Horrorfilm-Maßstäbe wenig zu meckern. Die beiden Hauptrollen, gespielt von Scott Patterson und Costas Mandylor, machen ihre Sache durchaus ordentlich, richtig glänzen können sie in ihren Rollen aber nicht. Insbesondere Costas Mandylor vermag seinen Charakter nicht annähernd so diabolisch darzustellen, wie es Tobin Bell in seiner knapp bemessenen Leinwandzeit tut. So wird er von diesem in all ihren gemeinsamen Szenen deutlich an die Wand gespielt. Dem Original kann man eben doch nicht so einfach das Wasser reichen.

David Hackl, der hier sein Regiedebüt absolviert, liefert insgesamt eine saubere Arbeit ab. Die Optik des Films reiht sich nahtlos in den dreckig-modernen Look der „Saw“-Reihe ein, ergötzt sich aber weitaus weniger an dargestellten Folterwerkzeugen und Blutorgien. Soll heißen, dass trotz der nicht zimperlichen Gewaltdarstellung das Hauptaugenmerk der Kamera nicht mehr darauf liegt, brechende Knochen und Blutfontänen mit schnellen Schnitten besonders cool in Szene zusetzen.

Zum Schluss leistet sich „Saw V“ einen Schnitzer

Einen großen inszenatorischen Fehltritt leistet sich der Film am Ende aber doch noch. So ist es mittlerweile ungeschriebenes Gesetz, dass ein „Saw“-Film mit einem großen Story-Twist abschließen muss. Und genau hier liegt das große Problem, denn das, was einem die Drehbuchschreiber als große Wendung in einem ausgeklügelten Spiel verkaufen wollen, ist in Wahrheit viel zu vorhersehbar und zuvor schon zu offensichtlich angekündigt worden. Das Ende an sich mag vielleicht passend sein und den neuesten Sprössling des „Saw“-Universums konsequent zu Ende führen. Dass man es aber als den großen Clou – natürlich inklusive des typischen Saw-Themes – hinstellen will, entlockt dem Zuschauer bestenfalls ein genervtes Stöhnen.

Saw V bietet der Fangemeinde somit solide Horrorkost, die nach den nicht gerade berauschenden letzten Teilen endlich wieder in die richtige Richtung schielt. Der Weg aus der Mittelmäßigkeit ist zwar noch lang, aber ein Anfang ist immerhin gemacht. Mal sehen, was der bereits angekündigte sechste Teil bringen wird, schließlich wirft auch die neueste Episode wieder einige zu klärende Fragen auf…

Veröffentlichungstermin: 15.01.2009

Spielzeit: 95 Min.

Line-Up:
FSK: Keine Jugendfreigabe

Regie: David Hackl
Drehbuch: Patrick Melton, Marcus Dunstan

Cast

Tobin Bell – Jigsaw / John Kramer
Costas Mandylor – Mark Hoffman
Scott Patterson – Peter Strahm
Betsy Russell – Jill
Mark Rolston – Dan Erickson
Julie Benz – Brit
Carlo Rota – Charles
Mike Butters – Paul
Meagan Good – Luba

Produziert von Greg Hoffman, Oren Koules, Mark Burg
Label: Kinowelt

Homepage: http://www.saw5.kinowelt.de

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.