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RELIGULOUS [Filmkritik Kino]

RELIGULOUS [Filmkritik Kino]

Dass Religionen mitunter mehr Schaden anrichten, statt Seelenheil bescheren, dürfte angesichts des kriegerischen Treibens der Menschheit in Vergangenheit und Gegenwart ein offenes Geheimnis sein. Dass Larry Charles, Regisseur von Borat, keine Tabus kennt, wenn es darum geht, einen Pseudodokumentarfilm zu drehen, ist ebenfalls zu Genüge bekannt. Nun hat sich Larry Charles mit dem bekannten Comedian Bill Maher zusammengetan, um dessen gehegte und gepflegte Religionskritik filmisch unter die Leute zu bringen.

Maher betreibt auf dem amerikanischen Privatsender HBO mit Leidenschaft seine kritische und witzige Polit-Satire-Show Real Time With Bill Maher und zeigt damit seit Jahren, dass es ein anderes Amerika neben demjenigen von George W. Bush gibt und macht keinen Hehl daraus, dass er dank seiner Vergangenheit in einer katholischen Schule das Kiffen den Katholiken vorzieht.

Religulous (eine Kreation aus religious und ridiculous) ist während seiner gesamten 101 Minuten spritzig, interessant und spannend. Maher erzählt aus seinem Leben und provoziert mit seinen intelligenten Fragen manch ungewöhnliche Reaktion. Dabei kriegen vor allem die drei monotheistischen Weltreligionen tüchtig ihr Fett weg, Buddhismus, Satanismus und Hinduismus (um nur drei zu nennen) bleiben mehrheitlich unbehelligt. Maher reist von North Carolina nach Florida, von Holland nach Italien und Israel. Im Vatikan und vor der Mormonenkirche in Salt Lake City wird der kritische Fragegeist verjagt, im Bibelvergnügungsparkt nur knapp geduldet. Hier läuft der Amerikaner zur Höchstform auf und diskutiert lang und breit mit dem dort angestellten Jesusdarsteller.

Obwohl sich Maher sonst am liebsten auf die Hardcorechristen seines Heimatlandes stürzt, macht er dieses Mal auch vor Juden und Moslems nicht Halt und konfrontiert sie ebenfalls mit unangenehmen, philosophischen Fragen. Dabei bleibt einem manchmal das Lachen im Hals stecken – zum einen, weil man befürchtet, dass der sympathische Maher in der nächsten Sekunde eine reingehauen kriegt. Zum anderen, weil die Ignoranz und Überzeugung manch eines Relifiziösen tatsächlich Angst macht. Neben Kuriositäten (etwa die homosexuelle Islamaktivistengruppe, der kiffende Hanfpriester in Amsterdam, der Astronom des Vatikans oder die christliche Umerziehungsinstitution für Homosexuelle) liefert der Film zahlreiche saftige Pointen und Fragen, über die man auch nach dem Film nachdenken und diskutieren kann.

Maher gibt sich als unbequemer Freigeist und radikaler Agnostiker (frei nach dem Motto: I don`t know and neither do you), der mit seinen Fragen den Anspruch erhebt, die Wahrheit finden zu wollen. Natürlich ist dieser Film weder eine objektive Behandlung des Themas Religion noch wirklich fair gegenüber den Befragten – Borat lässt grüßen, wenn auch der Humor von Bill Maher auf einem höheren Niveau angesiedelt ist. Das typische wilde Zusammenschneiden von Kriegsbildern und relifiziösem Wahnsinn darf ebenfalls nicht fehlen und man merkt vor allem am Ende, dass es dem Humoristen bei allem Lachen eben doch ein ernstes Anliegen ist, die Menschen zum Denken statt zum blinden Glauben zu bringen.

Fazit: Für alle kritischen Geister ist Religulous ein Genuss. Richtig lustig und realitätsnah wird es, wenn man sich mit einem MARDUK-Shirt inklusive provokativem Artwork und blutverschmierter Popcorntüte in den Kinosaal begibt. Fragen à la Und in welche Kirche gehen Sie? bleiben nicht aus…

Veröffentlichungstermin: 13.11.2008

Spielzeit: 101:00 Min.

Line-Up:
Regie: Larry Charles
Mitwirkenden (u.a.): Bill Maher, Jose Luis De Jesus Miranda, Andrew Newberg
Drehbuch: Bill Maher
Kamera: Anthony Hardwick
Schnitt: Jeff Groth, Christian Kinnard, Jeffrey M. Werner
Ton: Jason George, Geoffrey G. Rubay

Produziert von Bill Maher, Jonah Smith, Palmer West
Label: Lionsgate

Homepage: http://www.lionsgate.com/religulous/