UNLEASHED, IN BATTLE, YATTERING, IMMORTAL RITES: Münster Breitefeld, Live Arena – 28.11.04

UNLEASHED, IN BATTLE, YATTERING, IMMORTAL RITES: Münster Breitefeld, Live Arena – 28.11.04

Eigentlich feiert man ja den Advent aus Vorfreude auf das Weihnachtsfest im Kreise der Familie, am ersten Advent dieses Jahres wurde jedoch von Seiten der Metallerschaft nicht einfach nur eine Kerze angezündet, es gingen in der Live Arena zu Münster vielmehr gleich vier Lichter auf, denn das fette Tourpackage, gespickt mit den Wikingern von UNLEASHED sowie den Kollegen von IN BATTLE, YATTERING und IMMORTAL RITES lud zum Tanz. Die Fans waren im Vorfeld jedenfalls ziemlich gespannt, zumal ja besonders der Headliner in den letzten Monaten für das jüngste Studioalbum über den grünen Klee gelobt wurde und auch die Auftritte auf den Sommerfestivals schon für Furore sorgen konnnten. Hinzu kommt der nicht gerade unbedeutende Aspekt, dass die letzte Album-Tour der Mannen um Johnny Hedlund bereits sieben Jahre zurück lag, zum inoffiziellen Comeback-Album Hell´s Unleashed hatte die Band nämlich nicht die Gelegenheit, ihre Fans in Deutschland zu beschallen. Scheinbar hat die Band während der langen Abstinenz jedoch ziemlich wenige neue Fans hinzugewonnen, denn der Altersunterschied war an diesem Abend doch überdurchschnittlich hoch – sprangen einen Monat zuvor bei AMON AMARTH noch zahllose pubertierende Jünglinge herum, tummelten sich an diesem Abend fast ausschließlich UNLEASHED-Veteranen mit ausgewaschenen Fanshirts aus längst vergangenen Tagen vor der Bühne. Nun, die erfahrenen Herren schienen zwar ganz genau zu wissen, was sie an diesem Abend erwarten würde, jene schienen aber umso überraschter, als Vorbands wie YATTERING oder IN BATTLE plötzlich drauf los knüppelten, schließlich war der Härtegrad dieser Kapellen noch einmal einen ganzen Tacken höher als beim eigentlichen Headliner. Demzufolge musterten viele Besucher die Vorbands vorzugsweise in Sitzposition mit einem kühlen Bier in der Hand, anstatt bei den überschnellen Takten der Death Metal-Acts schon die gesamte Kondition zu verballern. Dieser Umstand war zwar ein wenig schade, änderte aber eigentlich nichts daran, dass die Live Arena an diesem Abend angemessen gefüllt war und sich kein Besucher hinterher ärgern musste, den ersten Advent nicht im trauten Heim verbracht zu haben!

IMMORTAL RITES:

Müssen noch an ihrer Performance arbeiten: IMMORTAL RITES

Mit etwas Verspätung öffnete die Live-Arena ihre Pforten, was eine Wartezeit von ca. 20 Minuten in klirrender Kälte vor der Halle bedeutete, niemandem aber die positive Grundeinstellung für den Abend raubte. Man verkürzte sich das Warten durch den ein oder anderen Plausch und von allen Seiten hörte man Debatten darüber, wer denn nun die beste Vorband des Abends sein könnte. Es ist allerdings fast schon bezeichnend, dass in dieser Diskussion der Name IMMORTAL RITES leider nicht fiel, der Bekanntheitsgrad der Schwaben schien jedenfalls äußerst gering. Als sich das Quartett schließlich auf der Bühne sehen ließ, bestätigten sich diese Eindrücke dann noch einmal umso mehr, denn bis auf ein paar wenige Fotografen ließ sich niemand der zu diesem Zeitpunkt ohnehin nur sehr wenigen Besucher vor der Bühne blicken. Leider wirkte sich die nicht vorhandene Resonanz auch auf die Präsenz der Mannen um Sänger/Gitarrist Phillip Frick aus, jedenfalls schien die Band doch ziemlich schüchtern, was durch die spärlichen Ansagen nur noch unterstrichen wurde. Dabei hat die Band eigentlich überhaupt keinen Grund für solche Scheue, schließlich hat das letzte Album Art Of Devolution zumindest von Seiten der Presse überwiegend positive Kritiken sammeln können. Tatsächlich spielten die vier Mucker auch über den gesamten Auftritt ausschließlich Stücke des besagten Silberlings, wobei besonders die beiden Granaten Fatal Exploited und The Utter Dark hervorzuheben wären – die Stücke entfalteten live sogar noch eine deutlich bessere Itensität als auf dem formidablen Tonträger. Musikalisch sind IMMORTAL RITES jedenfalls auf einem guten bis sehr guten Weg, müssen aber definitv noch an ihrer Live-Präsenz arbeiten.

YATTERING:

Cooler Ventilator-Effekt und durchdachte Bühnenshow: YATTERING

Als hätten sie meine Eindrücke über die Vorgängerband vernommen, präsentierten sich die folgenden YATTERING in puncto Präsenz als das absolute Gegenbeispiel: Nachdem die Besucher während der Umbaupause noch ein wenig verwirrt waren, wieso denn das Drumset in entgegengesetzter Richtung aufgebaut und einige Ventilatoren auf der Bühne installiert werden, war allen Beteiligten schon wenige Sekunden nach dem Intro die unglaubliche Aura der Polen klar, welche die Band durch einfachste Mittel erzeugen konnte: So verfügt beispielsweise Sänger Svierszcz im Alltagsleben über eine eher durchschnittliche Körpergröße, die durch den Ventilator erzeugte Sturmfrisur ließ den Schreihals aber derartig riesig aussehen und der Halleffekt während der Ansagen erzeugte sogar fast schon ein diabolisches Erscheinungsbild, so dass man es nur so mit der Angst zu tun bekam. Auch Drummer Zabek verwunderte zunächst durch die umgedrehte Sitzposition, irgendwie schien der stark transpirierende Rücken aber hervorragend in die schräge, aber sehr durchdachte und überzeugende Performance zu passen, zumal es ohnehin ganz interessant war, die Schlagzeugfurien auch einmal optisch verfolgen zu können. Obwohl sich der brachiale Death Metal der Polen, der in Abrissbirnen wie Schism oder Non Typical Homo gipfelte, wesentlich brutaler als der UNLEASHED-Sonor herausstellte, waren die Besucher nicht abgeneigt vom Treiben auf der Bühne und die sehr druckvolle Abmischung machte das Ganze zu einem wunderbaren Hörerlebnis, das von der beeindruckenden Virtuosität der Musiker geprägt war. Auch wenn der ebenfalls recht ungewöhnliche Abgang der Band – kein Bandmitglied würdigte die nach einer Zugabe verlangenden Fans auch nur eines Blickes – nicht gerade auf Gegenliebe stieß, so konnten YATTERING insgesamt einen äußert positiven Eindruck beim deutschen Publikum hinterlassen und einige neue Fans dazu gewinnen!

IN BATTLE:

Live deutlich stärker als auf CD: IN BATTLE

Zugegeben, mit der neuesten Veröffentlichung der Norweger IN BATTLE, namentlich Welcome To The Battlefield, bin ich aufgrund des meiner Ansicht nach zerstückelten Songwritings und der drucklosen Produktion bislang noch nicht so richtig warm geworden, dennoch war ich ziemlich gespannt darauf, ob mich die Mannen um Fronter Odhinn Sandin live eines besseren belehren können. Glücklicherweise hatte die Band an diesem Abend einen durchaus annehmbaren Bühnensound, weshalb auf dem Album eher durchschnittlich erscheinende Stücke, wie Stonefaced Mountains oder Blood Divine an diesem Abend eine deutlich höhere Aussagekraft besaßen. Auch die übrigen Besucher teilten diese Ansicht und es machten sich daher schnell einige Headbanger vor der Bühne breit, um dem von der Band selbst War Metal getauften Sound entsprechend zu huldigen. Auch wenn sich Sänger Sandin insgeheim mit Sicherheit eine wesentlich höhere Resonanz erwartet hätte, war der muskulöse Frontmann sichtlich über die Anerkennung der ersten Reihen erfreut und reagierte ziemlich herzlich auf die Fans. Mit dem grandiosen Soul Metamorphosis konnten sie die Stimmung zum Schluss noch auf den absoluten Höhepunkt bringen, bevor man sich nach liebenswürdiger Verabschiedung wieder hinter die Bühne verzog. Unterm Strich war den Norwegern an diesem Abend in technischer Hinsicht und in Sachen Performance überhaupt nichts anzukreiden, es fehlen aber bislang noch die wirklich großartigen Songs, um das Publikum über einen längeren Zeitraum bei Laune zu halten – man hatte nämlich im letzten Drittel des Sets abgesehen vom tollen Rausschmeißer schon irgendwie den Eindruck, dass die vier Krieger ihr gesamtes Pulver schon verschossen hatten. Vielleicht kann hier ja schon das nächste Studioalbum Abhilfe schaffen, man darf also gespannt sein…

UNLEASHED:

Tolle Songauswahl, Mitsingspielchen und jede Menge Spaß: UNLEASHED

Dann war für viele Besucher der große Moment gekommen: Die letzten Takte von IN BATTLE waren verklungen, man hatte das traditionelle Umbaupausen-Bier auch schon geleert und die Leute sammelten sich allmählich in der Nähe des Geschehens. UNLEASHED ließen jedoch an diesem Abend etwas länger auf sich warten als vorgesehen und mit zwanzigminütiger Verspätung kamen die Musiker nach und nach auf die Bühne. Sofort legte das Quartett mit dem grandiosen Opener Winterland los und die Meute war sofort voll im Einsatz. Während es bei allen Vorbands eher moderat zuging, gab es von nun an im Publikum kein Halten mehr – es ist zweifelhaft, ob die engagierten Leute im Moshpit überhaupt etwas von den anfänglichen Soundschwierigkeiten der Band mitbekommen haben. Ab und an hörte man nämlich überhaupt nichts mehr vom Gitarrenspiel des neuen Klampfers Fredrik, jedoch konnten diese Probleme glücklicherweise schnell beseitigt werden und UNLEASHED zelebrierten ungehindert ihre Rückkehr in die deutschen Konzerthallen. Frontmann Johnny präsentierte sich wieder einmal äußerst sympathisch, er hatte sichtlich Spaß an den bei Death Metal Victory gewohnten Singspielchen mit dem Publikum und war ebenso bestens bei Stimme. Während die Wikinger auf dem diesjährigen Wacken Open Air lediglich einen Song des neuen Albums Sworn Allegiance performten, präsentierten sie an diesem Abend eine ganze Palette an neuen Stücken, darunter Destruction (Of The Race Of Men), Long Live The Beast oder auch die Live-Hymne The Longships Are Coming. Es war erstaunlich, wie wenig sich diese Songs vor den Bandklassikern verstecken mussten, auch wenn man sich Attack! getrost hätte sparen können – die meisten Besucher hätten sicherlich stattdessen viel lieber die Sworn Allegiance-Hymne Metalheads gehört. Nach einer knappen Stunde verließen UNLEASHED bereits kurz die Bühne, doch jeder der Anhänger wusste ganz genau, dass die Schweden in Sachen Zugaben immer sehr großzügig sind, weshalb sich auch fast niemand darüber wunderte, dass die Musiker sich nach zwei Zugaben ein weiteres mal die Ehre gaben und mit Execute und Before The Creation Of Time die beiden allgemeinhin wohl begehrtesten Perlen des Backkatalogs performten, um die zufriedene Meute anschließend in den restlichen Adventsabend zu entlassen.