UNLEASHED: No Sign Of Life

UNLEASHED ist eine dieser Bands, die erfolgreich sind, weil sie sich so sehr an ihre Traditionen klammern. Auch deshalb ist “No Sign Of Life” weder bedeutend schlechter noch signifikant besser als seine Vorgänger.

Unser hauptamtlicher Lehrberuf hat uns vor allem eines gelehrt: Selbst nach der dritten Wiederholung ist die Information in aller Regel noch nicht bis zum letzten Ohr vorgedrungen. Das galt schon zu unserer eigenen Schulzeit und hat sich bis heute nicht geändert. Selbstredend wissen das auch UNLEASHED, die mittlerweile gute drei Dekaden auf dem Buckel haben und selbst 14 Alben später noch immer die gleichen Themenfelder beackern wie anno dazumal.

Die Schweden sind folglich geduldige Lehrmeister, auch wenn ihre Lyrics mittlerweile genauso gut aus dem (Viking-)Death-Metal-Zufallsgenerator stammen könnten: Odin, Krieger, Ehre, Herr der Ringe, Christentum doof. Der Songtitel ist zugleich der Refrain und umgekehrt. Das kann man natürlich kritisieren, verfehlt damit jedoch auch den Punkt.

Selbst neue Elemente müssen sich bei UNLEASHED dem traditionellen Oldschool-Korsett fügen

Denn was das Rückgrat von „No Sign Of Life” bildet, war bereits vor zehn, 15, 20 Jahren die Essenz der Skandinavier. UNLEASHED sind eine dieser Bands, die erfolgreich sein, weil sie sich so sehr an ihre Traditionen klammern. Selbst neue Elemente müssen sich dem klassischen Oldschool-Korsett fügen, um es am Ende des Tages aufs Album zu schaffen. Der Nebeneffekt: Wir bekommen, was wir erwarten, und würden die Band selbst unter Tausenden sofort erkennen, auch wenn Johnny Hedlund früher noch etwas mächtiger ins Mikro gebellt hat.

In Sachen Rhythmik und Songaufbau gibt sich „No Sign Of Life“ entsprechend vertraut, obwohl der rotzig-rockige Sound der Gitarren in „The King Lost His Crown“ zum Auftakt geradezu belebend wirkt. Der Rest ist dann quasi Tagesgeschäft: mal treibend und wachrüttelnd („The Shepherd Has Left The Flock“, „No Sign Of Life“), mal mit Groove zum Haareschütteln („Did You Struggle With God?“, „Midgard Warriors For Life“, „Where Can You Flee?“) und mal schleppend mit unheilvollem Unterton („You Are The Warrior!“).

Die Umsetzung gelingt dabei weder signifikant schlechter noch bedeutend besser als in der Vergangenheit, was für treue Anhänger des Quartetts allerdings keine Überraschung sein sollte. UNLEASHED leben diese Konstanz seit mehr als 30 Jahren und sind immer dann zur Stelle, wenn es unkomplizierten Death Metals bedarf – oder einer umfassenden Aufklärung über das Verhältnis der altnordischen Wikingerstämme zu Religion, Schwertkampf und Raubzügen. Die Musterantworten mag der aufmerksame Hörer nach 14 Alben langsam kennen, als geduldige Mentoren fassen es die Death-Metal-Veteranen aber für alle anderen gerne ein weiteres Mal zusammen, damit die Botschaft diesmal auch wirklich bis ins allerletzte Ohr vorzudringen vermag.

Veröffentlichungstermin: 12.11.2021

Spielzeit: 39:24

Line-Up

Johnny Hedlund – Vocals, Bass
Fredrik Folkare – Lead Guitar
Tomas Måsgard – Rhythm Guitar
Anders Schultz – Drums

Produziert von Fredrik Folkare und Erik Mårtensson (Mastering)

Label: Napalm Records

Homepage: http://www.unleashed.se/
Facebook: https://www.facebook.com/unleashed

UNLEASHED “No Sign Of Life” Tracklist

1. The King Lost His Crown (Lyrics-Video bei YouTube)
2. The Shepherd Has Left the Flock
3. Where Can You Flee? (Lyrics-Video bei YouTube)
4. You Are the Warrior! (Video bei YouTube)
5. No Sign of Life
6. The Highest Ideal
7. Midgard Warriors for Life
8. Did You Struggle with God?
9. Tyr Wields the Sword
10. It is Finished
11. Here at the End of the World