THE BLUE SEASON – 2.11.2001 Eislingen, Adler

THE BLUE SEASON luden zur CD-Präsentation… und alle, alle kamen… so auch der Rachendrachen!

Etwas seltsam mutete das Ambiente bei THE BLUE SEASONs CD-Release-Party zu Beginn ja schon an, handelte es sich beim Adler doch um eine für diesen Abend zum Konzertsaal umfunktionierte Pizzeria. Doch als das Sextett die Bühne enterte und mit ihrem zweistündigen Set begann, schwand dieser Eindruck sofort, um Platz zu machen für die akustische und auch optische Magie von THE BLUE SEASON. Die spartanische, aber äußerst geschickt drapierte Lichtshow trug viel zur Atmosphäre bei, während Songs wie D.A., Deeper Inside und der Bandhit Dreamdancer erklangen. Die Hintermannschaft – bestehend aus Drums, Bass und Percussions – agierte sehr solide, während am Bühnenrand Gitarrist Jogi mit seiner mittlerweile perfektionierten, ganz speziellen Spielweise brillierte und Sänger/Keyboarder Oli und Sängerin Natalie mit den melancholischen Klängen mitlitten und beide eine äußerst exquisite Gesangsleistung ablieferten. Hier ist sicherlich der größte Fortschritt von THE BLUE SEASON gegenüber früheren Gigs auszumachen. Nicht unerwähnt bleiben soll auch die sympathische Ausstrahlung der Band auf der Bühne. So rettete man sich sogar problemlos über eine durch einen Defekt an der Gitarrenanlage nötige Zwangspause. Oli teilte einfach den vom Haus gestifteten Schnaps unter den Zuschauern aus. Entsprechend beschwingt ging es dann auch weiter, bis das Ende des ersten Blocks gekommen war.

In der zweiten Hälfte des Gigs, der wirklich einen Querschnitt durch die komplette Bandhistory bot – vom ältesten Lied der Band, dem wehmütigen Blue Season, bis hin zu brandneuen Perlen wie When I Fall Asleep, die gerade erst geschlüpft waren, aber bereits deutlich machten, daß die auch schon hochklassigen Songs auf der an dem Abend präsentierten aktuellen CD Secede noch lange nicht den Höhepunkt des Schaffens dieser Band darstellen. Dem Publikum gefiel´s zunehmend, der Beifall wurde immer lauter, und der Band machte dieser Streifzug durch die eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sichtlich Spaß, ebenso die coole Coverversion von Black Sabbath. Live kam vor allem auch der natürliche Groove von Drums und Percussions zur Geltung, die sich perfekt ergänzten und so mit herkömmlichen Instrumenten alle Rhythmusmaschinen und sonstiges elektronisches Gerät, das so in Mode gekommen ist im Gothic Metal-Bereich, locker vergessen ließen. Wobei THE BLUE SEASON nicht nur Einflüsse aus den Bereichen Metal und Gothic haben (AMORPHIS wären da zuvorderst zu nennen, wenn man so den Gitarren lauschte, und auch THE GATHERING wandeln auf verwandten musikalischen Pfaden), sondern auch aus anderen Ecken ihre Inspirationen beziehen – zu hören bei der mehr als gelungenen Adaption von PINK FLOYDs Epos Comfortably Numb, das das Ende des regulären Sets darstellte und bei dem man einen Rachendrachen mit glänzenden Augen in der ersten Reihe stehen sehen konnte. Und weil´s so schön war, kamen die Dame und die Herren für ein paar Zugaben nochmals zurück auf die Bühne… alle bis auf den Basser, der erst einmal eine Pinkelpause nötig hatte! Die Wartezeit überbrückte die Band geschickt mit einer spontanen Version von Wish You Were Here…schööön! Als dann Jogi mit Run Like Hell das dritte PINK FLOYD-Lied in Folge anstimmte, wurde es dem Oli allerdings dann doch zu bunt bzw. zu pink. Stattdessen wurde mit Darkness noch der Schlußtrack von Secede mit seiner besinnlich-niedergeschlagenen Stimmung dargeboten. Kein Grund jedoch, danach traurig zu sein, denn obwohl das Repertoire erschöpft war, ließen sich THE BLUE SEASON von der tollen Stimmung anstecken und beschlossen einen wunderschönen Konzertabend, der einen so manche Sorge vergessen ließ, mit Dreamdancer zum zweiten, bevor der Rest des angesprochenen Schnapses zusammen mit den Fans vertilgt wurde bei der anschließenden Party.