SUMMER BREEZE 2019: Der Festivalbericht

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Mittwoch, 14. August 2019

Endseeker | Nailed To Obscurity | All Hail The Yeti | Soilwork | Hypocrisy | Enslaved

Donnerstag, 15. August 2019

Lord Of The Lost | Versengold | Brymir | Kvelertak | Testament | In Flames | The Contortionist | Avantasia | Downfall Of Gaia | Caspian

Freitag, 16. August 2019

After The Burial | Beast In Black | Heavysaurus | Dragonforce | Skindred | Une Misère | Rotting Christ | King Diamond | Parkway Drive | Crippled Black Phoenix | Thy Art Is Murder | Hamferð

Samstag, 17. August 2019

Evergreen Terrace | Brainstorm | Van Canto | Bury Tomorrow | Equilibrium | Lordi | Eluveitie | Subway To Sally | Bullet For My Valentine | The Ocean | Unleashed

Ganze elf Jahre ist es her, seit unser Team das letzte Mal das SUMMER BREEZE besucht hat. Eine viel zu lange Zeit, weshalb wir uns nach über einer Dekade wieder auf den Weg nach Dinkelsbühl machen, um von Mittwoch, 14. August 2019, bis Samstag, 17. August 2019, Bericht zu erstatten.

Wir sind sehr gespannt, als wir nach so vielen Jahren wieder das Ortsschild von Dinkelsbühl passieren und den Kreisverkehr Richtung der Gemeinde Illenschwang verlassen. Es ist viel passiert seit unserem letzten Besuch: Den Newcomer-Bandcontest gibt es nicht mehr, dafür ist das Festival auf vier offizielle Tage mit über 130 Bands gewachsen und bietet schon am Dienstag für Frühanreisende ein ausgewähltes Programm. Statt drei Bühnen sind es jetzt vier, statt 30.000 Besuchern bis zu 40.000; auf dem Campingplatz kann man einkaufen gehen und die Main Stage hat 2017 eine drehbare Bühne spendiert bekommen, um die Wartezeiten zu verkürzen.

Mittwoch, 14. August 2019

Wie man das alles reibungslos unter einen Hut bekommen will, ist uns zunächst ein Rätsel, schließlich hatte sich das SUMMER BREEZE bei unserem letzten Besuch 2008 zum ersten Mal in vielen Jahren beengt angefühlt. Lange Zeit darüber nachzudenken haben wir jedoch nicht, denn die Autoschlange am Einlass ist an diesem Mittwochnachmittag kaum der Rede wert. Die Organisation läuft offensichtlich bestens, auch der bereits gut gefüllte Campingplatz macht einen aufgeräumten und strukturierten Eindruck.

Als wir nach kurzem Fußmarsch zum ersten Mal die Sicherheitskontrolle durchqueren und das Festivalgelände betreten, staunen wir nicht schlecht. Das weitläufige Infield ist um ein Vielfaches größer, als wir es in Erinnerung haben. Zu unserer Linken sehen wir die T-Stage, ehemals Pain Stage, und vor uns die überdachte „Wera Tool Rebel Stage“ vor der dreispurigen Shoppingmeile. Dahinter thront bereits die massive Hauptbühne, deren Areal – das ‚Battlefield‘ – jedoch erst ab Morgen zugänglich ist. Ringsherum reiht sich Imbissbude and Imbissbude: Das SUMMER BREEZE ist für uns kaum wiederzuerkennen und doch fühlt sich alles seltsam vertraut an.

Vielleicht liegt es an der bislang unverkrampften Atmosphäre, vielleicht an den entspannten Ordnungskräften oder an der Blasmusik Illenschwang, die auf dem SUMMER BREEZE seit vielen Jahren zu Gast ist und heute den ersten Festivaltag eröffnet. Wir nutzen die Zeit, um uns einen Überblick über das Gelände zu verschaffen, damit wir uns später auf dem Weg zwischen den Bühnen nicht verlaufen.

ENDSEEKER

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Gegen 16 Uhr bleiben wir schließlich an der überdachten Wera Tool Rebel Stage hängen, wo ENDSEEKER gerade mit „Into The Fire“ in ihr 40-minütiges Set starten. Der Death Metal des Quintetts atmet den Geist der alten Schule und schickt uns direkt eiskalt baden. Nach den Schlagerklängen der BLASMUSIK ILLENSCHWANG setzt es also direkt das krasse Gegenprogramm, das uns ENDSEEKER schon früh mit einem neuen Song schmackhaft machen wollen: „Spiritual Euphoria“ vom im September erscheinenden Album „The Harvest“ sorgt mit seiner klassisch schwedischen Machart für einige rotierende Haarbüschel, während Sänger Lenny zwischen den Songs eine unerwartet lockere Art an den Tag legt. Nach dem zweiten Song solle er sich etwa erkundigen, ob es uns gut gehe, lässt er uns wissen. Das sei ihm vor dem Festival als Frontmann empfohlen worden. Natürlich tut es das, weshalb wir den Hamburgern gerne noch ein wenig unserer Zeit schenken und erst gegen Ende des Auftritts langsam in Richtung T-Stage losschlendern.

NAILED TO OBSCURITY

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Dort machen sich schon NAILED TO OBSCURITY bereit, die wir leider Ende Januar auf der gemeinsamen Tour mit AMORPHIS und SOILWORK knapp verpasst haben. Das ist rückblickend betrachtet umso ärgerlicher, da die vier Ostfriesen trotz Sonnenschein schnell eine angenehm kalte Atmosphäre heraufbeschwören. Vor der Bühne sind die Reihen zwar anfangs noch licht, mit jeder Minute gesellen sich aber mehr und mehr Interessierte zum harten Kern in den vorderen Reihen. Lange dauert es nicht, bis die ersten Nacken kreisen und NAILED TO OBSCURITY ihren verdienten Applaus einfahren.

Es ist darüber hinaus schön zu sehen, dass selbst kleinere Gruppen sich schon auf ihre eingefleischten Fans verlassen können: Ganz vorne in der ersten Reihe zählen wir mindestens drei Anhänger, die Songs wie „Black Frost“, „King Delusion“ oder „Desolate Ruin“ so leidenschaftlich wie textsicher mitsingen. Zugegeben, gegen den anfangs arg starken Bass kommen sie nicht an, dafür verstehen wir am Ende des 45-minütigen Sets bestens, warum die melodiebetonte Death-Doom-Band einen guten Ruf genießt.

NAILED TO OBSCURITY Setlist

  1. Black Frost
  2. Feardom
  3. King Delusion
  4. The Aberrant Host
  5. Tears Of The Eyeless
  6. Desolate Ruin

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ALL HAIL THE YETI

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Genau 25 Minuten bleiben uns bis zum Startschuss für ALL HAIL THE YETI – und um die außerhalb gelegene Party Stage zu lokalisieren. Wir verlassen das Infield, passieren die Dauergäste vom „Fliesentisch-Imperium“ auf dem Campingplatz und stehen nach wenigen Minuten vor einer kleinen Bühnenaufbaut umringt von Imbissständen, einem Café und einem Supermarkt. Es ist kein sonderlich attraktives Ambiente, aber das ist schnell vergessen, als das Quartett aus Los Angeles die Bretter erklimmt. Schnell stechen uns die farbigen Symbole auf Kleidung und Instrumenten der Musiker ins Auge, die jeweils ein anderes der vier Elemente repräsentieren.

Dass Frontmann Connor Garritty das Zeichen für Wind auf dem Ärmel trägt, ist kein Zufall. Der Sänger ist ein Hurrikan auf der Bühne, der nicht nur von Ecke zu Ecke fegt, sondern auch den Weg in den Graben nicht scheut. Dort geht er nicht einfach nur auf Tuchfühlung mit den Fans. Während einer Pause im Set erklimmt der Mann am Mikro die Absperrung und lässt aus einem halben Meter Höhe den Inhalt einer Flasche Partyschnaps in die durstige Menge fließen. Einerseits sichtlich eine Sauerei, andererseits natürlich Rock’n’Roll pur, welchem ALL HAIL THE YETI mit einem bunten Querschnitt ihres bisherigen Schaffens huldigen.

Die Art und Weise, wie die US-Amerikaner Southern Metal mit Sludge, Hardcore, Rock und eingängigen Melodien vermengen, erinnert in „Highway Crosses“ oder „Slow Season“ an die catchy Nummern von MASTODON. Mit viel Groove reißen „The Art Of Mourning“ sowie das langsame „After The Great Fire“ vom Debüt mit, während selbst im moshtauglichen „Witch Is Dead“ eine der unsterblichen Gesangslinien von Bassist Nicholas Diltz nur eine Runde im Circlepit entfernt ist. Als sich ALL HAIL THE YETI nach 40 Minuten mit „Mr. Murder“ viel zu schnell wieder verabschieden, bleibt eine beschauliche, aber feierwütige Meute mehr als zufrieden zurück – zusammen mit der bitteren Erkenntnis, dass eine derart energiegeladene Show auf dieser fragwürdig platzierten Bühne wohl an vielen Besuchern zu Unrecht vorüberging.

ALL HAIL THE YETI Setlist

  1. Live Everyday
  2. See You Never
  3. The Art Of Mourning
  4. Slow Season
  5. Highway Crosses
  6. After The Great Fire
  7. Witch Is Dead
  8. Mr. Murder

SOILWORK

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Die Abendsonne setzt sich langsam hinter der T-Stage, als mit „Verkligheten“ das Intro des gleichnamigen Albums ertönt und die sechs Musiker von SOILWORK nach und nach die Bretter betreten. Es ist so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm, denn kaum einen Augenblick später durchbricht „Arrival“ mit seinem einleitenden Blast die aufgeladene Stimmung, bevor die Schweden mit „Like The Average Stalker“ einen nicht minder intensiven Track aus den frühen Tagen der Band hinterherschieben.

Ein Auftakt nach Maß für ein Set, das wild durch die stattliche Diskografie der Formation pflügt und große Gesangslinien à la „The Akuma Afterglow“ oder „Full Moon Shoals“ ebenso bereithält wie nach vorn preschendes Uptempo-Geballer („The Phantom“). Spieltechnisch lassen SOILWORK ohnehin nichts anbrennen, weshalb die ersten Pits und Crowdsurfer nicht lange auf sich warten lassen.

Frontmann Björn Strid fasst sich zwischen den Stücken kurz, bietet dafür aber eine gewohnt souveräne Gesangsleistung, die im groovenden „The Nurturing Glance“ ihren ersten Höhepunkt erreicht. Wie immer kommen zum Ende der Show die Fans selbst zum Zug, wenn Strid ihnen bei „Stabbing The Drama“ die Position im Rampenlicht überlässt. Mit dem anschließenden Doublebass-Gewitter „Stålfågel“ beenden SOILWORK schließlich ihr routiniertes, aber auch überraschungsarmes Set. Für den ersten offiziellen Festivalabend gibt es dennoch keine bessere Wahl als die Melodeath-Urgesteine, obwohl uns der Auftritt während der Clubtour im Januar rückblickend betrachtet mehr begeistert hat.

SOILWORK Setlist

  1. Arrival
  2. Like The Average Stalker
  3. Nerve
  4. Full Moon Shoals
  5. The Living Infinite I
  6. The Nurturing Glance
  7. The Akuma Afterglow
  8. Drowning With Silence
  9. The Phantom
  10. The Ride Majestic
  11. Stabbing The Drama
  12. Stålfågel

HYPOCRISY

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Flitzer auf einem Metal-Festival sieht man auch nicht alle Tage. Insofern ist es schon eine kleine Kuriosität, als plötzlich ein Fan feiernd und mit ausgestreckten Armen hinter den Musikern von HYPOCRISY auftaucht. Zeitgleich ist dieser Auftritt auch ein Sinnbild dessen, was in diesen 60 Minuten vor der Bühne passiert. Als wären die zahlreichen Metalheads vor der T-Stage eigens wegen der Schweden angereist, feiern sie die Mannen um Mastermind Peter Tägtgren als gebe es kein Morgen.

Crowdsurfer, Circlepits, rotierende Köpfe – bei HYPOCRISY gibt es heute Abend das volle Programm. Dabei ist es vollkommen gleich, ob das Material zwei Dekaden alt ist wie der Opener „Fractured Millenium“ oder lediglich ein paar Jahre auf dem Buckel hat („End Of Disclosure“). Das SUMMER BREEZE frisst den Skandinaviern an diesem Mittwoch quasi aus der Hand und ist um das Medley aus „Pleasure Of Molestation“ und „Osculum Obscenum“ ebenso dankbar wie um die Midtempo-Hymne „Eraser“, deren Refrain aus tausenden Kehlen schallt. Dass der Sound nicht immer perfekt ist, tut der Stimmung keinen Abbruch, was nach dem Rausschmeißer „Roswell 47“ auch in Tägtgrens zufriedenem Grinsen zu sehen ist. HYPOCRISY kommen offensichtlich gerne wieder – und dann auch mit neuem Album im Gepäck, wenn man dem Frontmann Glauben schenken darf.

HYPOCRISY Setlist

  1. Fractured Millenium
  2. Valley Of The Damned
  3. End Of Disclosure
  4. Adjusting The Sun
  5. Eraser
  6. Pleasure Of Molestation/Osculum Obscenum (Medley)
  7. Fire In The Sky
  8. Carved Up
  9. Warpath
  10. The Final Chapter
  11. Roswell 47

ENSLAVED

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Es geht langsam auf Mitternacht zu, als ENSLAVED endlich ihre lang erwartete Show beginnen. Trotz mittlerweile kühler Temperaturen wartet eine zahlenmäßig durchaus respektable Zuhörerschaft vor der T-Stage, um wenig später jeden der fünf Songs mit Begeisterung zu feiern. Der Progressive Black Metal der Schweden ist der ideale Soundtrack zu später Stunde und wird durch eine stimmige Lichtshow mit viel Nebel visuell ansprechend untermalt.

Die frostigen Gitarren von „Ethica Odini“ schneiden durch die Nacht, während Keyboarder Håkon Vinje durch seinen Klargesang dem Stück seine Mystik verleiht. Zugegeben, die stimmliche Leistung ist anfangs nicht immer perfekt, was dem Auftakt und „Roots Of The Mountain“ aber auch etwas Authentisches verleiht. Ansonsten sind ENSLAVED spieltechnisch auf den Punkt und ziehen das SUMMER BREEZE durch ihre vereinnahmende Bühnenpräsenz in den Bann.

Als die Skandinavier nach kurzer Ansage mit „Havenless“ vom „Below The Lights“-Album eine echte Rarität anstimmen und dabei kollektiv die zu Fäusten geballten Hände diagonal nach oben recken, bricht im Publikum spontaner Jubel aus. Dass mit dem direkt hinterhergeschobenen „Allfádr Odinn“ ein alter Klassiker das 45-minütige Set auf einem Hoch beendet, ist quasi Ehrensache. Beim nächsten Mal darf es aber gerne eine Viertelstunde mehr sein, da sind sich wir und die Besucher in unserer näheren Umgebung einig.

ENSLAVED Setlist

  1. Ethica Odini
  2. Roots Of The Mountain
  3. Sacred Horse
  4. Havenless
  5. Allfádr Odinn

Donnerstag, 15. August 2019

LORD OF THE LOST

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Wir sind uns nicht ganz sicher, was wir von LORD OF THE LOST erwarten sollen. Gothic Rock / Metal zur Mittagszeit ist in etwa so wie Pizza zum Frühstück. Und so recht wollen die bleich geschminkten Gestalten auch nicht zum heiteren Ambiente passen – bis das Quintett ihre Instrumente erklingen lässt und unsere Zweifel mit einem Schlag wegfegt. Auf den stampfenden Opener „On This Rock I Will Build My Church” folgen die Hits “Loreley” und “Morgana”, welche den Spagat zwischen wehmütiger Epik und tanzbaren Rhythmen schlagen. Darüber thront der tiefe, aber warme Gesang von Fronter Chris Harms, der in seiner Stimme eine Vielzahl von Emotionen ganz ohne Kitsch transportiert.

Immer wieder zieht sich Harms mit seiner Gitarre auf ein Podest im Hintergrund zurück, um aus erhobener Position das Treiben vor der Bühne zu beobachten. In der Zwischenzeit nutzen seine Kollegen an den Saiten den frei gewordenen Platz an der Front für allerlei Posen, können aber der heimlichen Attraktion hinter den Synthesizern nie ganz die Show stehlen: Gared Dirge erinnert uns aus der Distanz ein wenig an MARILYN MANSON, dem im Laufe des Auftritt mindestens ein zusätzliches Paar Arme gewachsen ist, um die zu seinen Seiten installierten Percussions zu bearbeiten.

Hat sich die erste Hälfte des Sets noch ausschließlich auf die aktuelle Platte „Thornstar“ beschränkt, geben LORD OF THE LOST zum Ende auch älteres Material zum Besten. Das metallische „Full Metal Whore“ kommt ebenso zum Zug wie das groovende „Drag Me To Hell“ mit seinem pulsierenden Rhythmus, bevor die Formation ihre Zuschauerschaft tanzend mit dem kuriosen Genre-Crossover „La Bomba“ entlässt. Ein unerwartet guter Auftritt und ein Augenöffner, dass düstere Musik auch mittags mitreißen kann – so wie auch kalte Pizza zum Frühstück eben doch eine feine Sache ist.

LORD OF THE LOST Setlist

  1. On This Rock I Will Build My Church
  2. Loreley
  3. Morgana
  4. Naxxar
  5. Under The Sun
  6. Full Metal Whore
  7. Drag Me To Hell
  8. Six Feet Underground
  9. La Bomba

VERSENGOLD

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Das Tolle an der drehbaren Plattform der Main Stage ist die kurze Wartezeit zwischen den Acts. Da der Changeover gerade Mal zehn Minuten dauert, können wir durchaus noch ein Ohr riskieren, schließlich waren VERSENGOLD mit einer Top 10-Platzierung in den deutschen Albumcharts jüngst durchaus erfolgreich. Als die Bremer Folk-Band zu „Niemals sang- und klanglos“ auf die Bühne stürmt, hat sich eine entsprechend große Meute bereits auf dem Battlefield versammelt. Gut gelaunter Folk Rock zur Mittagszeit geht sowieso immer, wie der ausgelassenen Stimmung von der ersten Minute an zu entnehmen ist.

Ein wenig irritierend ist es schon, dass die sechs Mannen munter von Wellen, Seefahrt und Stürmen singen und dabei exotische Instrumente wie die Nyckelharpa bedienen, aber ihr Bühnenbild in keiner Weise daran anlehnen. Während die meisten Genrebands viel Wert auf ihr Outfit legen, sind VERSENGOLD eher die lockeren Typen von nebenan, die sich am Nachmittag zum Fußballgucken in der Kneipe verabredet haben. Passenderweise stimmt Sänger Malte kurz darauf die Single „Thekenmädchen“ an, bei der er das Publikum im Refrain um dessen ausgestreckte Zeigefinger und Sangesorgane bittet. Einen solchen Wunsch muss man dem SUMMER BREEZE bei strahlendem Sonnenschein nicht zweimal vortragen, weshalb spätestens hier der Bereich vor der Main Stage zum Schauplatz einer ausgelassenen Party wird.

Vor 15 Jahren hätten wir sicherlich frenetisch mitgefeiert, doch sind wir diesem seichten Gute-Laune-Folk, der im Fahrwasser von SANTIANO sicherlich auch im ZDF Fernsehgarten seine Fans finden würde, mittlerweile etwas überdrüssig. Um keine Spielverderber zu sein, machen wir uns daher an dieser Stelle vom Acker – natürlich mit erhobenem Zeigefinger.

BRYMIR

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Als hätten sie es bestellt, schiebt sich zu den ersten Tönen des Openers „Gloria In Regum“ eine graue Wolke vor die Sonne. Es muss ein Souvenir sein, das die Finnen von BRYMIR für ihren ersten Auftritt in Deutschland mitgebracht haben, anders lässt sich dieses perfekte Timing nicht erklären. Viel Zeit hat die Band auf der Party Stage nicht, weshalb sie ihre gesamte Energie in ein halbstündiges Set bündeln kann. Ihren Melodic Death Metal würzen BRYMIR dabei mit Symphonic-Einsprengseln, wobei die flächigen Keyboards leider nur vom Band kommen. Dafür verleiht choralgleicher Klargesang im Refrain von „Ride On, Spirit“ und „Gloria In Regum“ den Kompositionen einen hymnenhaften Anstrich.

Gemessen an der Tageszeit und dem Spielort verfolgt eine mehr als respektable Menge den Auftritt der sympathischen Nordeuropäer, die sich sichtlich über jede nach oben gereckte Faust freuen. Mit dem abschließenden „For Those Who Died“ gibt es zumindest einen älteren Song, der noch nicht mit Synthesizern aufgeblasen ist wie das neue Material. Ein solides Festivaldebüt für BRYMIR, das aber – vielleicht auch soundtechnisch bedingt – nicht alle Mitglieder unseres Teams gleichermaßen begeistern kann.

BRYMIR Setlist

  1. Gloria In Regnum
  2. Ride On, Spirit
  3. Chasing The Skyline
  4. Starportal
  5. Wings Of Fire
  6. For Those Who Died

KVELERTAK

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Für ein Festival mit zehntausenden von Besuchern ist das SUMMER BREEZE schon fast unheimlich sauber, weshalb es an Bands wie KVELERTAK liegt, den Rotz zu bringen. Wer auch immer vergessen haben sollte, was Rock’n’Roll bedeutet, bekommt heute auf der Main Stage gehörigen Nachhilfeunterricht. Die Norweger brechen in 60 Minuten eine Show herunter, die nur schwer in Worte zu fassen ist. Vor allem Sänger Ivar Nikolaisen ist ununterbrochen auf den Beinen, nimmt bereits bei „Nekroskop“ das erste von vielen Bädern in der Menge und scheint bisweilen wie in Trance das Rockstarleben zu genießen.

Der Rock’n’Roll-geschwängerte Black Metal mit dezenten Folk-Anleihen ist räudig wie eh und je, ohne auf die grandiosen Riffs und eingängigen Melodien verzichten zu müssen, die Stücke wie „Bruane Brenn“ oder „Evig Vandrar“ zu sicheren Hits machen. Einzig die unregelmäßigen Windböen machen dem Sound einen Strich durch die Rechnung – wir müssen uns mit Lautstärkeschwankungen abfinden und können in „Blodtørst“ das unsterbliche Gitarrenlead bisweilen nur erahnen.

Ist aber halb so wild, solange wir das Spektakel auf der Bühne ungehindert weiterverfolgen können. Die Songauswahl orientiert sich stark am Debüt „Kvelertak“ und dem Nachfolger „Meir“, lässt die aktuelle Veröffentlichung „Nattesferd“ aber immerhin mit „1985“ und „Berserkr“ zum Zug kommen. Letzteres ist dann auch das Stichwort für den größten Circlepit des Auftritts, bevor uns „Mjød“ kurz und knackig den Rest gibt. So leicht lassen uns KVELERTAK aber nicht aus ihrem Würgegriff und schieben gegen Ende ihre selbstbetitelte Rock’n’Roll-Hymne nach, zu dessen letzter Note Frontsau Ivar eine Bierdose öffnet und natürlich leert. Es wäre eine geniale Schlusspointe, aber KVELERTAK haben mit „Utrydd Dei Svake“ noch eine Nummer mehr im Gepäck, während welcher sie die Show vollständig aus dem Ruder gleiten lassen. Gitarrist Vidar Landa geht für sein Solo crowdsurfen, während Nikolaisen sich seines Shirts entledigt, um den Schweiß aus dem ausgewrungenen Stoff zu trinken. Prost Mahlzeit.

KVELERTAK Setlist

  1. Åpenbaring
  2. Bruane Brenn
  3. Nekroskop
  4. 1985
  5. Evig Vandrar
  6. Fossegrim
  7. Offernatt
  8. Blodtørst
  9. Berserkr
  10. Mjød
  11. Månelyst
  12. Kvelertak
  13. Utrydd Dei Svake

TESTAMENT

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So langsam kommt wieder die Sonne hervor, als es nach kurzer Umbaupause auf der Main Stage mit TESTAMENT weitergeht. Die Thrash Metal-Urgesteine aus der Bay Area legen direkt mit einem Doppelpack aus dem noch aktuellen Album „Brotherhood Of The Snake“ (2016) los. Auf den Titeltrack folgt „The Pale King“, bevor sich die US-Amerikaner für das restliche Set Stück für Stück durch ihren Backkatalog arbeiten.

Man könnte meinen, dass Chuck Billy und seine Kollegen mittlerweile zum alten Eisen gehören, doch weit gefehlt: TESTAMENT beweisen an diesem Vorabend, dass Routine und Spielfreude keine Gegensätze sein müssen. Der Frontmann liefert bei „More Than Meets The Eye“ und „Practice What You Preach“ eine tadellose Gesangsleistung und schürt die Erwartungshaltung vor „Into The Pit“ so abgebrüht, wie es nur ein alter Hase kann.

Wenngleich TESTAMENT nicht mehr die unermüdliche Energie versprühen, wie es KVELERTAK zuvor demonstriert haben, versetzen Klassiker wie „D.N.R.“ und „Over The Wall“, das Chuck Billy dem ehemaligen Nuclear Blast-Labeloss Markus Staiger widmet, den Pit vor der Bühne in Rotation, während in den vorderen Reihen dem Bay Area Thrash mit Hingebung gehuldigt wird. Uns hätte dennoch eine Dreiviertelstunde gereicht, aber mit dieser Meinung sind wir auf dem Battlefield augenscheinlich in der Unterzahl.

IN FLAMES

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Kurz bevor die Schweden von IN FLAMES als Co-Headliner in ihr 90-minütiges Set starten, gibt es auf weiten Teilen des Battlefields kaum noch ein Durchkommen. Allen Unkenrufen zum Trotz scheint das Interesse an den einstigen Melodic Death Metal-Vorreitern ungebrochen hoch. Da Gitarrist Niclas Engelin jedoch weiterhin krank ausfällt und die vergangenen Jahre zudem einige Besetzungswechsel mit sich gebracht haben, wirkt das Bild während des Openers „Voices“ zunächst etwas befremdlich. Klar, wir sehen Frontmann Anders Fridén und Songwriting-Mastermind Björn Gelotte an der Gitarre, aber den restlichen Musikern fehlt es an Wiedererkennungswert.

Lange Zeit zum Grübeln bleibt nicht, denn schon früh schütteln IN FLAMES mit „Pinball Map“ einen ihrer größten Hits aus dem Ärmel, der prompt eine ganze Welle an Crowdsurfern lostritt. Für lange Zeit bleibt es der einzige schnelle Song im Set, das sich stark an den letzten Veröffentlichungen orientiert und nur selten aus dem Midtempo ausbricht: „Monsters In The Ball Room“, „All For Me“, „(This Is Our) House“ – die Songauswahl liest sich tatsächlich wie ein bewusstes Understatement. Ein Attribut, das man gleichermaßen für die Lightshow verwenden darf, die zwar anfangs mit ein paar schicken LED-Türme überrascht, aber dann für lange Zeit kaum Aufregendes bietet.

Nach den Powerballaden „Here Until Forever“ und „The Chosen Pessimist”, dessen unverzerrte Parts aufgrund der scheinbar verstimmten Gitarre von Björn Gelotte arg krumm klingt, sind wir bereits jenseits der Halbzeitmarke, bevor IN FLAMES endlich das Tempo anziehen. Mit den ersten Tönen von „Leeches“ offenbart sich ein neues Backdrop, auf dem der Bandschriftzug in Übergroße prangert, während die Lichter plötzlich ein visuelles Feuerwerk auffahren.

Mit „Burn“, „I Am Above” und “The Mirror’s Truth” nimmt das Set endlich an Fahrt auf. Für Letzteres bittet Sänger Anders um einen Circlepit, während zum Klassiker „Colony“ auch der bestens gelaunte Ordner vor uns wieder alle Hände voll zu tun hat, dabei aber trotzdem noch Zeit findet, die Zuschauer zum Mitklatschen zu animieren. Unterstützung aus der zweiten Reihe ist allerdings kaum nötig, als IN FLAMES mit „Cloud Connected“ einen wichtigen Stützpfeiler ihres Live-Sets anstimmen. Der Sound mag mancherorts vor der Main Stage nicht der Beste sein, aber spätestens jetzt tobt die Stimmung.

Schade, dass es nach „The End“ schon wieder vorbei ist, denn auch wenn Anders Friden uns wie gewohnt trocken, aber überraschend wortkarg durch den Abend geführt hat, haben wir die Magie vermisst. Ohne beliebte Live-Klassiker wie „Take This Life“ und „Only For The Weak” hinterlassen IN FLAMES einen leicht zerfahrenen Eindruck; einen Auftritt, der nie so richtig abheben will. Obwohl wir tatsächlich zu den fünf Leuten gehören, die allen Schaffensperioden der Schweden etwas abgewinnen können, hinterlässt diese Performance bei uns ein paar Fragezeichen. Wir hatten Spaß, aber das können IN FLAMES besser.

IN FLAMES Setlist

  1. Voices
  2. Everything’s Gone
  3. Pinball Map
  4. Where The Dead Ships Dwell
  5. Call My Name
  6. Monsters In the Ballroom
  7. All For Me
  8. (This Is Our) House
  9. Deep Inside
  10. Here Until Forever
  11. The Chosen Pessimist
  12. Leeches
  13. Burn
  14. Colony
  15. The Truth
  16. I Am Above
  17. Cloud Connected
  18. The Mirror’s Truth
  19. The End

THE CONTORTIONIST

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Nach IN FLAMES beginnt der große Exodus vom Battlefield. Augenscheinlich ist der anstehende Headliner nicht jedermanns Sache. Auch wir teilen uns auf, lassen unsere AVANTASIA-begeisterte Fotografin zurück, um uns auf der Rebel Stage dem Progressive Metal zu widmen. Nach WHITNEY HOUSTONs „I Will Always Love You“, das samt pinkfarbener Lightshow als ironischer Eisbrecher fungiert, ertönen bald die ersten Klänge von „Clairvoyant“.

THE CONTORTIONIST transportieren die futuristisch-schwerelose Atmosphäre ihrer Studioalben mühelos auf die Live-Bühne, wo eine farbkodierte Lichtuntermalung die verträumten Phasen zusätzlich zu den heftigen Ausbrüchen kontrastiert. Immer wenn die Scheinwerfer die zurückhaltenden Musiker in Rot tauchen, entlädt sich die Musik in heftigen Riffwänden, während Frontmann Michael Lessard (LAST CHANCE TO REASON) seinen warmen Gesang gegen heftiges Growling eintauscht.

Zumeist laden die Amerikaner aber zur Träumerei ein. Als sich die Soundlandschaft in „Language“ Stück für Stück entfaltet, sehen wir unser astrales Ich über unseren Köpfen davon schweben. Insofern sind wir dankbar, dass uns die Rückkehr nach der knackigen neuen Single „Early Grave“ einfach gemacht wird. „Return To Earth“ heißt es zum Abschluss, mit dem THE CONTORTIONIST uns nach einer bezaubernden Dreiviertelstunde zurück auf den Boden der Tatsachen holen.

THE CONTORTIONIST Setlist

  1. Clairvoyant
  2. Flourish
  3. Language
  4. Reimagined
  5. Early Grave
  6. Return To Earth

AVANTASIA

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Nach THE CONTORTIONIST machen wir uns umgehend wieder auf den Weg zur Main Stage, um zumindest die zweite Hälfte von AVANTASIA mitzunehmen. Zu den Klängen von „Dying For A Angel“ erreichen wir das Battlefield, das im Vergleich zu IN FLAMES überraschend lichter bevölkert ist. Ein potenzieller Grund hierfür könnte gut und gerne Frontmann und Mastermind Tobias Sammet sein, dessen eigenwilliger Humor und elend lange Ansagen selbst beim beinharten AVANTASIA-Fan unserer Gruppe für Augenrollen sorgen. So echauffiert sich dieser vor der MEAT LOAF-Hommage „Mystery Of A Blood Red Rose“ ausufernd über das Stigma des ‚Schlager Metal‘, das seinem Projekt anhaftet, bevor er Minuten damit verschwendet, ein Selfie-Video mit sich und dem Publikum aufzunehmen.

Dazwischen gibt es auch Mal Musik, die der Eigendefinition „Metal Opera“ durchaus Ehre macht. Da wären u.a. das zwölfminütige „Let The Storm Descend Upon You“, das durch viele Höhen und Tiefen wandert, und die catchy Rock-Hymne „Lost In Space“, der wir dank der bunten Lightshow im Verbund mit dem regen Treiben auf der Bühne ein gewisses Spektakel nicht streitig machen können. Neben der Band sowie einer Reihe von Backgroundsängern und -sängerinnen zählen zum AVANTASIA-Ensemble an diesem Abend nämlich auch namhafte Gäste wie Eric Martin oder Geoff Tate (Ex-QUEENSRYCHE). Zum Finale „Sign of The Cross“, dessen Keyboards uns ein wenig an SABATON erinnern, bevor die AVANTASIA-Epik durchkommt, dürfen alle nochmals auf die Bühne, um sich in einem Finale, das eines Musicals würdig ist, zu verabschieden. „Gar nicht mal so scheiße für Schlager Metal, oder?“, fragt uns Tobias Sammet an einer Stelle des Sets. Nein, aber trotzdem nicht übermäßig gut – auch wenn ein Teil unserer Gruppe hier vehement widerspricht.

DOWNFALL OF GAIA

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Es ist eine bittere Entscheidung: DOWNFALL OF GAIA oder MESHUGGAH? Wir entscheiden uns für Erstere, die um halb Zwölf auf der Rebel Stage die besten Voraussetzungen für ihren atmosphärischen Post Metal- / Black Metal-Verschnitt vorfinden. In der Dunkelheit der Nacht kann das Material des aktuellen Albums „Ethic Of Radical Finitude“ im Live-Kontext erst so richtig glänzen. Diese dichte und bisweilen erdrückende ‚Wall of Sound‘, welche in unregelmäßigen Abständen in sich zusammenfällt, um plötzlich ganz leise Töne anzuschlagen, wollen sich viele Besucher nicht entgehen lassen.

Vor der Bühne ist es angesichts des Konkurrenzprogramms also gut gefüllt, während DOWNFALL OF GAIA mittels „The Grotesque Illusion Of Being“ und „We Pursue The Serpent Of Time“ einen ungemein dichten Klangteppich ausbreiten. Höhepunkt des Sets, das die Band leider etwas zu früh beendet, ist der Abschluss „Of Withering Violet Leaves“, wo uns eine betörende Leadgitarre in Sicherheit wiegt, bevor sich das Stück zu geradezu epischer Größe aufschwingt. Intensiv!

CASPIAN

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Auch wenn die Augenlider langsam schwer werden und die Füße schmerzen, gibt es wohl keine bessere Zeit für instrumentalen Post Rock als halb Zwei nachts. Die Bühne ist in dichten Nebel getaucht, als sich die Schemen der US-Amerikaner von CASPIAN aus den Schwaden schälen. Eine ganze Dreiviertelstunde lang sehen wir von den Musikern nicht viel mehr als ihre Umrisse, die sich Mal verträumt, Mal heftig losrockend im Takt der Musik bewegen. Die Anwesenden zu dieser späten Stunde scheinen sich in den vielschichtigen Arrangements von „Ríoseco“ und „Malacoda“ zu verlieren, spenden aber an geeigneter Stelle dennoch tosenden Applaus.

Obwohl der basslastige Mix das eine oder andere Detail verschluckt, gibt es in den ausladenden Instrumentalkompositionen immer noch eine ganze Menge zu entdecken. So nehmen uns CASPIAN mit dem hypnotischen Gitarrenloop in „Arcs Of Command“ schnell gefangen, bevor das wunderbare „Castles High, Marble Bright“ einen versöhnlichen Schlusspunkt setzt, der uns noch eine ganze Weile begleiten wird.

 

Freitag, 16. August 2019

AFTER THE BURIAL

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Leicht verspätet erreichen wir gegen Mittag die Main Stage, wo AFTER THE BURIAL bereits die Abrissbirne schwingen. Als wir uns den vorderen Reihen nähern, überrascht uns zunächst die stattliche Menge vor der Bühne, die sich eigens für die US-Amerikaner so früh eingefunden hat. Wir erkennen noch den Schluss von „Behold The Crown“ mit seiner markanten jaulenden Leadgitarre, bevor die begeisterten Anhänger wenig später zum technisch-verspielten „Berzerker“ einen Circlepit von beachtlicher Größe starten.

Überhaupt ist die Stimmung während des Gigs hervorragend, der breakdowngeschwängerte Metalcore trifft offenbar den Nerv des SUMMER BREEZE. Spieltechnisch machen AFTER THE BURIAL ohnehin eine gute Figur; jedes Riff und jeder Breakdown sitzt, während Sänger Anthony Notarmaso analog den stimmlichen Vorschlaghammer auspackt. Als das Quartett schließlich mit „A Wolf Amongst Ravens“ die letzte Runde einleitet, bleibt nicht mehr viel zu sagen, außer dass die Anwesenden schon zur Mittagszeit Betriebstemperatur erreicht haben. Respekt.

BEAST IN BLACK

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„We bring true Heavy Metal!”, lässt uns Sänger Yannis Papadopoulos kurz nach Beginn wissen. Ein gewagtes Statement, das bestimmt nicht nur Joey DeMaio oder die Kollegen vom DEAF FOREVER ob der überbordenden Konservenkeyboards auf die Palme bringen würde [Link zu Facebook]. Zumindest ist der Sound auf der Main Stage fantastisch abgemischt, was es den Finnen um Ex-BATTLE BEAST-Gitarrist Anton Kabanen leicht macht, die feierwütige Meute vor der Bühne mitzunehmen.

Bei strahlendem Sonnenschein kredenzen BEAST IN BLACK eingängige und geradezu glatt gebürstete Radiohits wie „Blind and Frozen“, „Born Again“ oder „Sweet True Lies“, die von der Menge gerne angenommen werden. „From Hell With Love“ überrascht mit leichtem Disco-Vibe, nachdem die einleitenden Synthesizer so auch dem Soundtrack von „Megaman“ hätten entlehnt sein können. Ein nerdiger Vergleich, der unserem Gedankenpalast entsprungen ist – irgendwohin müssen wir uns eben vor dem geballten Kitsch retten. Der hat heute durchaus eine Menge Fans – sogar in unserem Team vor Ort wird jemand schwach – beim nächsten Mal machen die anderen aber vermutlich den DeMaio und gehen. Kurz bevor es losgeht.

HEAVYSAURUS

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Wie kann man sich den ganzen Keyboardschmalz von BEAST IN BLACK am besten wieder aus den Ohren ballern? Wir haben da so eine Idee, weshalb wir die Beine in die Hand nehmen, um rechtzeitig an der Party Stage auf dem Campingplatz zu sein. Dort angekommen gibt es kaum noch ein Durchkommen; auf dem Party Square versuchen wahre Massen an Metalheads dicht aneinandergedrängt einen besseren Platz zu ergattern. Kein Wunder, wenn man den Headliner am Nachmittag auf die kleinste Bühne steckt.

Als es dann endlich mit dem mitreißenden Opener „Yeah, Heavysaurus!“ losgeht, dauert es keine zehn Sekunden bis der erste Die-Hard-Fan im T-Rex-Kostüm mit wild wackelnden Armen auf den Händen der Zuschauer nach vorne getragen wird. Da der Strom an Crowdsurfern im Folgenden partout nicht abreißen will, bittet Frontreptil Mr. Heavysaurus um Rücksicht auf die Metal-Kids vor der Bühne. Das SUMMER BREEZE zeigt sich einsichtig, da die Nachwuchs-Metalheads in den vorderen Reihen das Gewicht eines ausgewachsenen Dinosauriers derzeit schlicht noch nicht stemmen können. Der zum Ausgleich gestartete Pit entschädigt dafür mehr als genug.

Dass HEAVYSAURUS ein generationenübergreifendes Phänomen sind, zeigt ein Blick durch die Menge. Groß und Klein feiern Seite an Seite zu Hits wie „Kaugummi ist mega!“ oder „Heavy Twister“. Mit stampfendem Rhythmus von Schlagzeuger Komppi Momppi und aufpeitschenden Keyboards von Milli Pilly nehmen uns HEAVYSAURUS mit auf „Schatzsuche“, lassen uns ins „Rarr“ unseren Dino-Schrei mit tausend anderen Kehlen üben und sorgen gegen Ende mit „Heavysaurus Tag (Dinolied)“ unter der strahlenden Sonne für eine ganze Menge Bewegung. Es ist zwar keine Stampede, die hier losbricht, aber trotz familienfreundlicher Lautstärke eine riesige Party für alle Beteiligten.

HEAVYSAURUS Setlist

  1. Yeah, Heavysaurus!
  2. Schatzsuche
  3. Monsterkrass
  4. Kaugummi ist mega!
  5. Rupuliina
  6. Heavy Twister
  7. Ugala Bugala
  8. Rarrr
  9. Raumschiff Juranoid
  10. Heavysaurus Tag (Dinolied)
  11. Dino-Metalheads

DRAGONFORCE

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86% – Mehr war seinerzeit in ‘Guitar Hero’ bei „Through The Fire And The Flames“ auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad nicht drin. Knapp zwölf Jahre später ist also Zeit für Nachhilfe beim Original. BEAST IN BLACK haben wir ja auch überstanden, warum also nicht bei DRAGONFORCE die zweite Tüte Kitsch öffnen? Immerhin sind die Mannen um Leadgitarrist Herman Li ähnlich große Nerds wie wir, was man an den überdimensionierten Arcade-Maschinen erkennen kann, die zunächst den beiden Gitarristen, später aber auch Sänger Marc Hudson, als Podest dienen.

Was folgt, ist in etwas das, was wir als Nicht-Fans von einem DRAGONFORCE-Gig erwartet haben. Die Band zeigt sich in bester Spiellaune und wird dafür von ihren Fans angehimmelt, als würde der Heiland selbst die Saiten zupfen. Nach dem ohnehin schon flotten Opener „Ashes Of The Dawn“ geben DRAGONFORCE dann direkt Bodenblech, indem „Heroes Of Our Time“ samt Flitterkanoneneinsatz das letzte Eis bricht, falls es in der brütenden Sonne nicht ohnehin schon weggeschmolzen ist. Ob wir bei diesen Temperaturen die Pyro-Effekte ab „Seasons“ wirklich gebraucht hätten, kann man ausdiskutieren, schick anzusehen ist das Zeug in jedem Fall.

Das SUMMER BREEZE scheint mittlerweile auch in die hohen Gänge geschaltet zu haben: Bei „Judgement Day“ zählen wir nicht weniger als drei Circlepits vor dem ersten Wellenbrecher. Wir können das gut nachvollziehen, denn auch wenn uns das markige Posieren und Gefrickel an den Gitarren manchmal zu viel wird, liefern die Engländer eine blitzsaubere Performance ab. Auch Frontmann Marc Hudson darf in „Cry Thunder“ zeigen, dass hinter seiner glasklaren Stimme durchaus Kraft steckt.

Zum Ende dürfen die beiden Bandhits „Fury Of The Storm“ und eben „Through The Fire And The Flames“ keinesfalls fehlen. Abschauen können wir uns bei Letzterem dann doch nichts – dafür ist uns Herr Li zu schnell. Applaus spenden wir aber gerne, nicht zuletzt, weil wir Bassist Frédéric Leclercq bei seinem vorletzten Gig mit DRAGONFORCE einen schönen Abgang bereiten möchten.

Notiz an uns selbst: Zu Hause den „Guitar Hero“-Controller aus dem Keller holen.

DRAGONFORCE Setlist

  1. Reaching Into Infinity (Intro)
  2. Ashes Of The Dawn
  3. Heroes Of Our Time
  4. Seasons
  5. Judgement Day
  6. Cry Thunder
  7. Fury Of The Storm
  8. Through The Fire And The Flames

SKINDRED

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Okay, wir sind weder große Fans von Reggae noch Nu Metal, aber wenn der einzigartige Crossover-Mix von SKINDRED live nicht absolut ansteckend ist, dann wissen wir auch nicht weiter. Während der schrille Frontmann Benji Webbe unermüdlich über die Bühne turnt und selbstsicher den Animateur gibt, schraubt sich die Stimmung vor selbiger immer weiter nach oben. Schließlich gleicht das Battlefield einem einzigen großen Fest, wo munter gesprungen, getanzt und gemosht wird.

Die Geheimzutat SKINDREDs? Der unwiderstehliche Groove, mit dem Gitarrist Mikey Demus noch den müdesten Festivalbesucher in Bewegung versetzen kann. „Bounce!“, fordert Benji gleich mehrmals während der Show und wird nicht ein einziges Mal vom mehr als aktiven Publikum enttäuscht. Egal ob zu „Ninja“, „Pressure“, „Machine“ oder „That’s My Jam“, hier verharrt kaum jemand wie angewurzelt auf dem Boden. Zu Fans des Genres bekehren uns die Waliser zwar nicht, den hohen Andrang an der Main Stage können wir dafür nun bestens nachvollziehen.

UNE MISÈRE

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Das Schöne an Festivals ist, dass man eigentlich jedes Mal wie zufällig auf eine Band aufmerksam wird, die man gar nicht auf dem Schirm hatte. Als wir uns um 18 Uhr vor der Rebel Stage einfinden, hat uns eher eine spontane Laune davon überzeugt, uns UNE MISÈRE näher anzusehen. Und was sollen wir sagen? Wir bereuen es kein Stück, denn schon der erste Track, den uns die Isländer um die Ohren hauen, ist ein Banger sondergleichen. Mit einem vollkommen humorlosen Gemisch aus Hardcore und Blackened Post Metal, von dem sich UNE MISÈRE zeitweise die typische ‚Wall of Sound‘ entliehen haben, begraben die kompakten Songs alle neugierig Wartenden unter lawinenartigen Riffs und erdrückenden Rhythmen.

Mit unverschämt viel Groove sorgt der Titeltrack des kommenden Debüts „Sermon“ für bangende Köpfe, nachdem „Overlooked / Disregarded“ zuvor für eine anständigen Pit gesorgt hatte. Ganz in schwarz gekleidet und mit enormer Bühnenpräsenz verleihen UNE MISÈRE diesem tödlichen Gemisch auch visuell den passenden unerbittlichen Rahmen. In gerade Mal 30 Minuten demonstriert das Quintett die Durchschlagskraft eines Vierzigtonners, der uns im finalen Moshpart des Closers „Damages“ so dermaßen in den Boden prügelt, dass wir danach unsere zersplitterten Knochen einzeln sortieren dürfen. Heavy.

ROTTING CHRIST

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Es ist ein herrlich ironisches Bild, das man so nur auf Festivals findet. Während ROTTING CHRIST gerade bei Sonnenschein ihre schwarze Messe zelebrieren, feiert ausgerechnet der Messias selbst auf den Schultern eines Metalheads ausgelassen mit. Humor hat der Mann im Jesus-Kostüm, das müssen wir ihm lassen. Die Griechen von ROTTING CHRIST wirken da schon deutlich grimmiger, obwohl das beschwörende „Hallowed Be Thy Name“ einen wunderbar stimmigen Einstieg darstellt.

Gut fünf Minuten lang braut sich da etwas zusammen, bis Sakis Tolis mit „Kata Ton Demona Eautou“ den Knoten platzen lässt und dem SUMMER BREEZE den stimmungsvollen Black Metal gibt, den es hören will. Mit dabei hat das Quartett heute sowohl neues Material wie „Fire God and Fear“ vom aktuellen Album „The Heretics“ als auch Klassiker vom Schlage eines „King Of A Stellar War“, das immerhin schon 23 Jahre auf dem Buckel hat. Dem Publikum scheinen die Schaffensperioden derweil reichlich egal zu sein, solange ROTTING CHRIST ihm einen Grund gibt, die Haare fliegen zu lassen. Bei so viel Feierwut kommt Sakis Tolis gar nicht umhin, das rituelle „Apage Satanas“ interaktiv zu gestalten, indem verschiedene Teile des Publikums auf ihren Gesangeinsatz im Takt mit den heißen Flammensäulen warten müssen. Das grenzt fast schon an Black Metal-Eventkultur, macht der Menge aber höllisch Spaß.

KING DIAMOND

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„Welcome to the institute!“ – Als sich die Tür im Zentrum der mehrstöckigen Empfangshalle öffnet und der King im Behandlungsstuhl auf die Bühne geschoben wird, sind wir uns einer Sache sicher: Visuell ist in den nächsten 75 Minuten einiges geboten. Der Bühnenaufbau ist so spektakulär wie stimmig und mehr als einfach nur Kulisse: In „Voodoo“ schwebt eine gespenstische Tänzerin mit unwirklichen Bewegungen über den Schauplatz, eine Nonne steigt in „Behind These Walls“ die Treppenstufen hinab und an anderer Stelle schieben Gestalten gar einen Sarg auf die Bühne. Der King selbst ist natürlich Hauptdarsteller dieses meisterhaft inszenierten Schauerstücks, seine Präsenz so majestätisch wie vereinnahmend. Keine Frage, dramaturgisch und inszenatorisch liefern KING DIAMOND dem SUMMER BREEZE mehr als nur ein Konzert.

Was für viele der Anwesenden durchaus seinen Reiz hat, wird für andere wiederum schnell zur Geduldsprobe. Wir nehmen uns davon gar nicht aus, denn der extrem hohe Falsettgesang des Kings ist eben nicht jedermanns Sache – unsere leider auch nicht. Anders der leidenschaftliche Fan neben uns, der ausdrucksstark mitsingt und sogar die höchsten aller Töne mit Bravour meistert. Respekt! Wir können hingegen diese Begeisterung nicht ganz teilen, obwohl wir rein instrumental durchaus unseren Spaß mit Stücken wie „The Lake“, „Burn“ oder dem noch unveröffentlichten „Masquerade Of Madness“ hätten. Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und wir freuen uns, dass wir ausnahmsweise auch Mal für etwas zu jung statt zu alt sind.

PARKWAY DRIVE

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Gut Ding will Weile haben, weshalb es eine ganze Viertelstunde länger dauert, bis endlich die Lichter ausgehen und ein Fackelzug sich durch das Publikum den Weg zur Main Stage bahnt. Nach und nach erklimmen die Musiker von PARKWAY DRIVE die Bühne, genießen kurz das Bad im Scheinwerferlicht, bevor die Intromusik stoppt, und die Akustikgitarre des „Reverence“-Openers „Wishing Wells“ ertönt. Sie haben es also wirklich getan.

Die Australier bringen offenbar ihre komplette Produktion der Europatour 2018/2019, die wir im Februar in München schon live erlebt hatten, zur Festivalsaison. Schade ist daran, dass es kaum Überraschungen für uns geben wird. Dafür – und das entschädigt doppelt – dürfen wir die grandiose Bühnenproduktion in drei Akten ein weiteres Mal genießen.

Schon ab dem zweiten Song hält es kaum noch jemanden auf dem Boden

Und was für eine Show es ist! Als zum zweiten Song „Prey“ Sänger Winston McMcall mit der prägnanten Aufforderung „Up!“ zum Springen einlädt, hält es auf dem bis zum Bersten gefüllten Battlefield kaum noch jemanden auf dem Boden. Überhaupt ist es schwer in Worte zu fassen, was sich gerade vor dem ersten Wellenbrecher abspielt. Als PARKWAY DRIVE ihren mit Kreuzbandriss an den Rollstuhl gefesselten Bassisten Jia auf die Bühne schieben, um anschließend den Klassiker „Carrion“ anzustimmen, dreht das SUMMER BREEZE komplett durch. Wir sehen Crowdsurfer aus allen Richtungen, wir sehen Crowdsurfer, die auf Crowdsurfern surfen (gif, ~900kb), und sogar eine Mülltonne (!) lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen, auf den Händen der Besucher nach vorne zu reiten.

So nimmt der Wahnsinn für gut anderthalb Stunden seinen Lauf, der immer dann noch eins draufsetzt, wenn wir meinen, den Höhepunkt erlebt zu haben. Der Circlepit zu „Karma“ nimmt absurde Züge an, bei „Vice Grip“ sowie „Wild Eyes“ singen zehntausende Fans in ohrenbetäubender Lautstärke und „The Void“ wird dank unzähliger Effekte und einem sich unablässig bewegenden Publikum zum reinsten Spektakel. Ja, das ist Stadionmetal, aber es macht ungeheuer viel Spaß!

PARKWAY DRIVE liefern potenziell die beste Headline-Show des Festivals

Der glasklare Sound und der stimmlich wieder bestens aufgelegte Winston McCall tragen ihr Übriges dazu bei, dass das Festival hier potenziell eine der besten Headline-Shows seit Jahren zu sehen bekommt. Für die Anwesenden gibt es Anlass zu bangen („Absolute Power“), zu moshen („Dedicated“) und dank des Streicherquartetts in „Writings On The Wall“ auch Gelegenheit, einfach die Augen zu schließen und zu genießen. Aber nur kurz, denn als McCall im epischen „Chronos“ um noch mehr Crowdsurfing bittet, muss kurz darauf erst das Flutlicht ins Publikum leuchten, um uns gewahr werden zu lassen, dass dort gerade eine komplette Kleinstadt auf dem Weg nach vorne ist.

Wie schon im Februar betritt der Frontmann im Anschluss mit einer Glasflasche die Bühne; ein Molotow-Cocktail, den er anzündet und mit sattem Wurf Richtung Schlagzeug befördert. Die folgende Explosion setzt die komplette Bühne in Brand, während PARKWAY DRIVE mit dem heavy drückenden „Crushed“ den Soundtrack für das folgende Inferno liefern. Zahlreiche Flammenwerfer vor, neben und auf der Bühne sorgen für ein höllisches Spektakel (gif, 550kb), das vermutlich noch in den benachbarten Ortschaften zu sehen ist. Ähnlich explosiv gestaltet sich das Finale mit „Bottom Feeder“, wo das Battlefield noch ein letztes Mal kollektiv durchdreht, bevor sich eine sichtlich überwältigte und glückliche Band von einem ebenso überwältigten Publikum verabschiedet.

PARKWAY DRIVE Setlist

  1. Wishing Wells
  2. Prey
  3. Carrion
  4. Vice Grip
  5. Karma
  6. Cemetery Bloom
  7. The Void
  8. Idols and Anchors
  9. Dedicated
  10. Absolute Power
  11. Writings on the Wall
  12. Shadow Boxing
  13. Wild Eyes
  14. Chronos
  15. Crushed
  16. Bottom Feeder

CRIPPLED BLACK PHOENIX

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Der Wermutstropfen der Ablaufverzögerung vor dem Headliner: Wir verpassen den Anfang der unmittelbar danach spielenden Post Rocker CRIPPLED BLACK PHOENIX. Mit insgesamt acht Musikern ist es auf der kleinen Bühne richtig kuschlig. Ein Glück, dass die Musik der britisch-schwedischen Band mehr zum Sich-Verlieren einlädt als zum kollektiven Abriss der hiesigen Aufbaut.

Was nicht heißen soll, dass CRIPPLED BLACK PHOENIX nicht auch ordentlich rocken können. Von „Champions Of Disturbance (Pt. 1&2)“ hören wir zwar nur noch die letzten Töne, aber mit „No Fun“ hat die Band zur Halbzeit einen weiteren Track im Gepäck, der mit Alternative-Einschlag Dampf macht. Richtige Gänsehaut bekommen wir derweil bei den progressiven Post Rock-Odysseen, wo wir in die Songs regelrecht eintauchen können. Die Atmosphäre von „To You I Give” ist auch dank der begleitenden Stimme von Helen Stanley so bezaubernd.

Und wäre da nicht das fantastische „We Forgotten Who We Are“, das sich mit seinem langen und entrückten Piano-Intro bis zu einem großen Finale hochschraubt, es wäre der Höhepunkt der Show gewesen. So enden CRIPPLED BLACK PHOENIX ihr 45-minütiges Gastspiel mit einem absoluten Highlight, woraufhin die Zuhörerschaft die achtköpfige Kombo mit donnerndem Applaus verabschiedet, der dem einen oder anderen Bandmitglied sicherlich noch am nächsten Morgen in den Ohren nachhallen wird.

THY ART IS MURDER

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Ignorieren wir das leidlich lustige Vengaboys-Intro und skippen wir gleich zu den Sirenen, die im Anschluss aufjaulen. Plötzlich wird der Himmel über der T-Stage ein ganzes Stück finsterer, obwohl Mitternacht bereits passé ist. Als schließlich „Death Squad Anthem“ mit seinem unwiderstehlichen Groove über Dinkelsbühl hereinbricht, fällt zugleich der Startschuss für eine der mörderischsten Dampfwalzen des Festivals. Dass THY ART IS MURDER gerade ziemlich angesagt sind, beweist nicht nur der Top 20-Charterfolg mit dem neuen Album „Human Target“, sondern vor allem die gewaltige Masse vor der Bühne, die zu später Stunde bis weit hinter den Soundturm reicht und noch keinerlei Müdigkeitserscheinungen zeigt.

Daher gibt es mit den Worten „Fuck Donald Trump!“ – so viel zur Aussage, man ziele mit dem Song keineswegs auf die US-Regierung – einen weiteren Nackenbrecher der aktuellen Platte, bevor mit dem Hattrick aus „The Purest Strain Of Hate“, „Holy War“ und „Dear Desolation“ drei absolute Abrissbirnen unseren Halswirbeln den Garaus machen. Für „Slaves Beyond Death“ wünscht sich Chef-Grunzer C.J. zwei Circlepits: einen vor und einen nach dem Wellenbrecher. Was er letztlich bekommt, ist ein einziger gewaltiger Pit – und zwar um den Brecher herum. Als die Stampede vor unserer Nase vorbeizieht, drehen wir spontan eine Runde mit, um den Wahnsinn aus nächster Nähe erlebt zu haben.

Keine Frage, der Deathcore der Australier ist auch dank des gut abgemischten Sounds an Durchschlagskraft kaum zu überbieten. Mit viel Wut im Bauch und ein wenig Pyro im Gepäck sorgen THY ART IS MURDER für eine Stunde Late-Night-Kardio, deren Schlusssprint aus „Puppet Master“ und „Human Target“ uns letztlich den Rest gibt – mehr noch als der eher spezielle Humor von Frontmann C.J.

THY ART IS MURDER Setlist

  1. Death Squad Anthem
  2. Make America Hate Again
  3. The Purest Strain Of Hate
  4. Holy War
  5. Dear Desolation
  6. Slaves Beyond Death
  7. The Son Of Misery
  8. New Gods
  9. Fur And Claw
  10. Coffin Dragger
  11. Light Bearer
  12. Reign Of Darkness
  13. Puppet Master
  14. Human Target

HAMFERÐ

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Wenn gleichzeitig EMPEROR spielen, braucht es einen triftigen Grund, dort nicht zu erscheinen. Für uns heißt dieses Alibi HAMFERÐ und kommt von den Färöer-Inseln, wo es mehr Schafe als Menschen gibt und die drittgrößte Stadt gerade Mal 3000 Einwohner zählt. Was bringt uns und einige hundert Menschen dazu, um halb zwei nachts lieber den intimen Klängen dieser kleinen Band zu lauschen, als dem Ruf des Kaisers zu folgen?

Nun, da wäre das bedrückende Doom-Death-Fundament, das zu später Stunde mit der Schwermut eines ganzen Trauerzuges auf unseren Schultern lastet. Passend dazu tragen HAMFERÐ Anzug – als träfe eine Totenfeier auf ein klassisches Konzert. Da wäre aber auch und vor allem dieser unbeschreibliche Frontmann Jón Aldará, der growlen und vor allem wahnsinnig gut singen kann. Der Ausdruck und die Leidenschaft, mit welchen er die färöischen Texte vorträgt, gehen unter die Haut und lassen uns jede Emotion und sämtlichen Schmerz tausendfach mitfühlen. Dabei verstehen wir nicht einmal die Texte!

Egal wie deprimierend, zermalmend oder ausdrucksstark die Musik ist, HAMFERÐ halten sich strikt an ihre Etikette; behandeln ihr musikalisches Gut ehrfurchtsvoll und mit Respekt. Keine Rockstarambitionen, kein überschwängliches Posieren – die Band lässt die Töne sprechen, selbst wenn begeisterter Applaus widerhallt. Eine Dreiviertelstunde lang genießen wir Stücke wie „Deyðir Varðar“, „Stygd“ und „Tvistevndur Meldur“ und bekommen ihn dann doch noch zu sehen, den Rockstar in Jón Aldará – wenn auch nur für einen kurzen Moment.

Als sich HAMFERÐ nach „Ódn“ vom SUMMER BREEZE verabschieden, hebt der Frontmann den Arm, um den Festivalbesuchern mit dem metallischsten aller Grüße seinen Respekt zu erweisen. Das erwidern wir nur zu gerne.

 

Samstag, 17. August 2019

EVERGREEN TERRACE

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Erneut sind wir pünktlich wie die Bahn, als wir gegen 20 nach Zwölf die Main Stage erreichen. EVERGREEN TERRACE spielen da schon seit einigen Minuten vor einer noch relativ beschaulichen Anzahl an Interessierten. Die Band ist nicht schlecht aufgelegt, doch rührt sich bei uns eher wenig in den Beinen. Mit Ausnahme des überflüssigen TEARS FOR FEARS-Covers „Mad World“ sind die Songs durchaus okay, obschon ihnen der Drive und die Energie der Studioaufnahmen fehlen. Zeitweise wirkt die Performance der Metalcore- / Melodic Hardcore-Band arg zerfahren, als wüsste sie selbst nicht, wie sie auf die Main Stage gekommen ist.

Das hat im schlimmsten Fall den Charme einer Highschool-Band, die sogar für die eigene Setlist zu verplant ist: Nachdem EVERGREEN TERRACE ihren letzten Song „Chaney Can’t Quite Riff Like Helmet’s Page Hamilton“ beendet haben, sind noch knapp zehn Minuten auf der Uhr übrig. Nach kurzer Verwirrung gibt es mit „Enemy Sex“ spontan einen weiteren letzten Track. Ein Auftritt, der auf der T-, wenn nicht sogar Rebel-Stage mehr Sinn gemacht hätte. Wir hatten uns im Vorhinein mehr erhofft, schade!

BRAINSTORM

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Liegt es am durchzechten Vorabend, dem Nieselregen oder dem Alternativprogramm, dass auch jetzt vor der Main Stage noch nicht so viel Betrieb wie gestern herrscht? Diejenigen, die allerdings den Weg zu BRAINSTORM gefunden haben, feiern die deutsche Power Metal-Band mit Leidenschaft. Die Baden-Württemberger nehmen die positiven Vibes dankbar auf und geben sie gleich doppelt ans Publikum zurück: mit viel Spielfreude an den Instrumenten und mit einem rundum sympathischen Auftreten.

Die Herren in den weißen Shirts werden so ganz nebenbei zum Aushängeschild für das gesamte Genre, als neben der Bühne eine Schulklasse während ihrer Backstage-Führung für einen Song zuhören darf. Frontmann Andy begrüßt den „Metalnachwuchs“ explizit und animiert die Kleinen sogar erfolgreich zum Headbangen – früh übt sich…

Es ist eine kleine Geste, mit der uns BRAINSTORM letztlich für sich gewinnen. Musikalisch konzentriert sich die Formation auf ihr aktuelles Werk „Midnight Ghost“, aus dem sie natürlich Hits wie „Revealing The Darkness“ oder „Ravenous Minds“ servieren. Ein bisschen flotter wird es bei „The Pyre“, während Freunde früherer Werke zumindest mit „Worlds Are Comin‘ Through“ sowie „All Those Words“ auf ihre Kosten kommen. Ganz gleich ob alt oder neu, am Ende des Auftritts haben BRAINSTORM auch in unseren Reihen mindestens einen neuen Fan gewonnen.

VAN CANTO

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Die Popularität der a cappella Metal-Band VAN CANTO haben wir doch tatsächlich unterschätzt. Mittlerweile drängen sich die Leute bis weit hinter die Soundtürme aneinander, während eine Gruppe junger Kreuzritter mit erhobenen Pappschwertern und -schildern an uns vorbei Richtung Pit zieht. Auf der Bühne läuft derweil mit „If I Die In Battle“ eine treibende Schlachtenhymne, die uns zeigt, warum so viele Besucher sich die Gruppe live nicht entgehen lassen wollen.

Wir sind bestimmt keine großen „a cappella“-Liebhaber, doch zeigt sich das Material im Live-Kontext mit deutlich mehr Drive und Kraft als auf den uns bekannten Studioaufnahmen. Zu den Eigenkompositionen wie „Badaboom“ oder „To The Mountains“ gesellen sich eine Reihe von Coversongs, die handwerklich absolut überzeugend interpretiert sind. „Hells Bells“ (AC/DC) hätten wir zwar nicht zwingend gebraucht, GRAVE DIGGERs „Rebellion (The Clans Are Marching)“ kommt dafür richtig gut, wie einem Blick durch die Zuschauermassen zu entnehmen ist.

Bisher seien VAN CANTO dem SUMMER BREEZE durch ihr überlanges Set vor sechs Jahren in Erinnerung geblieben, scherzt Frontmann Hagen gegen Ende des Auftritts. Man werde also IRON MAIDENs „Fear Of The Dark“ zsuammen mit Ex-Sänger Sly zum Abschluss auch nur zur Hälfte spielen, damit ein solcher Faux Pas nicht noch einmal passiere. Nachtragend ist nach so langer Zeit augenscheinlich niemand mehr, denn den Zugabe-Rufen nach zu urteilen wäre es den meisten sogar recht gewesen, hätten VAN CANTO ein paar Minuten drangehängt. Wie auch immer, die Rehabilitation ist geglückt!

BURY TOMORROW

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Wenn vom ersten Ton an derart viel Energie auf der Bühne herrscht, ist es kein Wunder, dass das Treiben unmittelbar ansteckend ist. Was bei BURY TOMORROW während dem Opener „No Less Violent“ bereits los ist, wird eigentlich nur durch das noch Folgende getoppt: Bereits bei „Earthbound“ ist der Circlepit zu respektabler Größe angewachsen, während wenig später das SUMMER BREEZE im Takt zu „More Than Mortal“ ausgelassen auf und ab springt.

Die Metalcore-Heroen konzentrieren sich in punkto Songauswahl stark auf ihr aktuelles Album „Black Flame“, das aber abwechslungsreich genug ist, um eine Festivalshow zu tragen. Heftige Moshrhythmen in „Knife Of Gold“ und Hymnen zum Mitsingen und -hüpfen à la „The Age“ geben sich die Klinke in die Hand. Dazwischen sorgen Klassiker wie „Man On Fire“, bei dem sich Frontmann Daniel nicht weniger als 1000 Crowdsurfer wünscht, für das nicht minder drückende Alternativprogramm.

Trotz des ungemütlichen Wetters ist die Stimmung vor der Main Stage ausgelassen, die Briten liefern sogar einen spontanen Soundtrack für die Wellenreiter, die es bis Songende nicht bis nach vorne geschafft haben – ohne Musik ist es ja auch nur halb so spaßig. Für die abschließende Überhymne „Black Flame“ geht Sänger Daniel schließlich auf Tuchfühlung mit den Fans, indem er mitten in die Menge springt, aber nicht ohne vorher allen Leuten, die zu ihm kommen, ein ‚High Five‘ in Aussicht zu stellen. Auf jeden Fall eine nette Geste, uns wäre dennoch lieber gewesen, hätten BURY TOMORROW nicht zehn Minuten zu früh die Bretter geräumt. Stark war der Auftritt dennoch.

BURY TOMORROW Setlist

  1. No Less Violent
  2. Earthbound
  3. More Than Mortal
  4. Knife Of Gold
  5. The Age
  6. Cemetery
  7. Man On Fire
  8. Lionheart
  9. Glass Walk
  10. Black Flame

EQUILIBRIUM

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Lange dauert es nicht, bis die ersten Flammensäulen meterhoch in die Höhe schießen. EQUILIBRIUM legen einen dramatischen Start hin, der von der zur Schau gestellten Epik in „Prey“ aber schnell Richtung Ballermann abdriftet. Zugegeben, ganz so schlimm ist es nicht. Aber als uns Fronter Robse auffordert, die Konserven-Synthesizer in „Born To Be Epic“ mitzusingen, als wären wir auf einem SCOOTER-Konzert, rollen unsere Augen bis unter die Schädeldecke.

Es bleibt nicht der einzige fragwürdige Satz, den der Frontmann heute von sich gibt. Robses manchmal etwas einfältigen Humor und wenig charmante Art, das Publikum zu mobilisieren, muss man mögen – wir werden damit leider nicht so recht warm. Dass es vor der Bühne dennoch zugeht wie an der KiK-Grabbelkiste im Sommerschlussverkauf, liegt dagegen auch an Robses stimmlich beeindruckender Leistung; da ist der Mann eine Klasse für sich.

Neben dem aufrüttelnden „Renegades – A Lost Generation“ von der neuen Platte haben EQUILIBRIUM vorwiegend Material der letzten drei Alben im Gepäck. „Waldschrein“ ist ein frühes Highlight, während mit „Karawane“ und „Heimat“ die hymnenhafte Seite der Band hervorgekehrt wird. Müßig ist es eigentlich zu erwähnen, dass vor der Main Stage währenddessen der Teufel los ist – die gut aufgelegte Menge feiert sogar das THE HOOTERS-Cover „Johnny B“, bei dem Bassist Skar den Leadgesang über- und der Pit das reduzierte Tempo zum Anlass nimmt, das wöchentliche Regatta-Training nach Dinkelsbühl zu verlegen.

Zum Rudern bleibt jedoch nur kurz Zeit, denn als der Klassiker „Blut im Auge“ angestimmt wird, öffnet sich das Menschenmeer, um ein altes Ritual zu zelebrieren. Mit der Wall of Death wird ein Finale eingeleitet, das vielen Besuchern sicherlich als Höhepunkt in Erinnerung bleiben wird. Wir sind derweil nicht ganz so euphorisch, aber solide war der Auftritt in jedem Fall.

EQUILIBRIUM Setlist

  1. Prey
  2. Born to Be Epic
  3. Waldschrein
  4. Karawane
  5. Renegades – A Lost Generation
  6. Rise Again
  7. Heimat
  8. Johnny B
  9. Blut im Auge
  10. Apokalypse

LORDI

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Wenn es vor der Main Stage um fünf Uhr nachmittags gefühlt so voll ist wie beim Headliner, muss etwas Außergewöhnliches im Anmarsch sein. Heute sind es die finnischen Monster-Rocker von LORDI, die der breiten Masse meist aufgrund ihres Sieges beim Eurovision Song Contest 2006 in Erinnerung sind. Insofern überrascht der Andrang kaum, schließlich wollen viele das Spektakel der skurrilen Horrorgestalten einmal live erleben. Schade ist dabei, dass aufgrund der neugierigen „Show-Touristen“ die Stimmung abseits der vorderen Reihen etwas unterkühlt bleibt.

Dabei haben LORDI ein durchaus bunt gemischtes Set mit einer ganzen Reihe an Hits im Gepäck, die durch die eine oder andere Überraschung ergänzt wird. Schon früh setzt es den allseits beliebten Klassiker „Would You Love A Monsterman?“, nur um mit „Missing Miss Charlene“ einen unerwarteten Hit aus der zweiten Reihe hinterherzuschieben. Der zum Ende eingestreute Refrain von „House Of Ghosts“ wirkt zwar ein wenig erzwungen, wir freuen uns trotzdem über den Exoten im Set.

Im Weiteren präsentieren LORDI mehr oder weniger ein ‚Best of‘ ihrer bisherigen Karriere, gewürzt mit netten Showeinlagen. So führt Mr. Lordi in „Your Tongue’s Got The Cat“ einen Exorzismus an einer Nonne durch, bevor er in „Devil Is A Loser“ die Spannweite seiner Flügel zur Schau stellt. Ein showmäßiges Highlight ist sicherlich „Who’s Your Daddy“, bei dem der hünenhafte Frontmann mit einer CO2-Pistole in Richtung Zuschauer zielt.

Showstealer bleibt aber am heutigen Nachmittag Gitarrist Amen, der nicht nur während „The Riff“ wie ein Derwisch über die Bühne fegt. Wie viel Spaß die rockende Mumie nach so vielen Jahrtausenden immer noch hat, sehen wir im Finale „Hard Rock Hallelujah“. Nicht nur die Stimmung ist angesichts des ESC-Hits urplötzlich am Siedepunkt, auch der Gitarrist wagt sich in den Graben, wo er sogar die Zeit findet, mit ein paar Crowdsurfern für ein Selfie zu posieren.

LORDI Setlist

  1. Sexorcism
  2. Would You Love A Monsterman?
  3. Missing Miss Charlene / House Of Ghosts
  4. Your Tongue’s Got The Cat
  5. Blood Red Sandman
  6. It Snows In Hell
  7. Rock Police
  8. Naked In My Cellar
  9. Bass Solo
  10. Hug You Hardcore
  11. The Riff
  12. Who’s Your Daddy
  13. Devil Is A Loser
  14. Hard Rock Hallelujah

ELUVEITIE

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Ja, was ist denn hier los? Die Begeisterung, mit welcher ELUVEITIE auf dem SUMMER BREEZE empfangen werden, erleben wir sonst meist nur bei den ganz großen Acts. Mit ausgestreckten Armen und einem Pit, der sich gewaschen hat, werden die Schweizer um Chrigel Glanzmann in Empfang genommen. Dem Frontmann möchten wir also gut und gerne glauben, wenn er uns wenig später versichert, dass auf dem SUMMER BREEZE zu spielen sich ein wenig anfühle, wie nach Hause zu kommen.

Und da es dort bekanntlich am schönsten ist, haben ELUVEITIE ein hitgespicktes und effektreiches Set vorbereitet. Nachdem „Ategnatos“ unser Fernweh geweckt hat, bricht zu „King“ ein wahres Inferno los: Zahlreiche Flammenwerfer verwandeln die Bühne in ein Flammenmeer, während es einige Meter davor nicht minder hitzig zugeht.

Dass ihre stilistische Bandbreite mittlerweile das Markenzeichen von ELUVEITIE ist, lassen sie auch das Festival wissen: Zwischen den harten, vom Melodic Death Metal beeinflussten Stücken wie „Worship“, „Helvetios“ oder „Thousandfold“ dürfen die zahlreichen Musiker an ihren Ethno-Instrumenten wie Harfe, Drehleier, Sackpfeife und Whistle ihr Können unter Beweis stellen: Das tanzbare Folk-Stück „Epona“ entwickelt im Live-Rahmen etwa deutlich mehr Drive als auf Platte.

Keine Frage, die Energie und Spielfreude sind ungemein ansteckend: Abseits des unermüdlichen Circle Pits und der zahlreichen Headbanger in den vorderen Reihen beobachten wir einen steten Strom an Crowdsurfern.

ELUVEITIE sind weit mehr als eine weitere Folk Metal-Band, die sich eben den keltischen Klangfarben verschrieben hat. Das merken wir spätestens, als Harfenspielerin Fabienne Erni das Mikrofon ergreift und der Melodeath-Schlagseite ein Stück Eleganz entgegensetzt. „The Call Of The Mountains“, „A Rose For Epona“ und das poppige „Ambiramus“, für das die bezaubernde Sängerin in ein weißes Kleid schlüpft, leben geradezu von ihrer kraftvollen Stimme.

Bevor wir jedoch der Tagträumerei verfallen können, holt uns das heftige „Havoc“ auf den Boden der Tatsachen zurück und bereitet so dem Finale bis zum obligatorischen „Inis Mona“ Stück für Stück den Weg. Der Closer ist eine dieser Traditionen, die treuen Festivalbesuchern vertraut ist und einen perfekten Schlussstrich unter eine Performance setzt, die auch eines Headliners würdig wäre. Wer weiß, vielleicht sehen wir ELUVEITIE bald schon auf einem der begehrten Slots wieder. Gemessen an der heutigen Show wäre das durchaus denkbar.

ELUVEITIE Setlist

  1. Ategnatos
  2. King
  3. The Call Of The Mountains
  4. Deathwalker
  5. Worship
  6. Artio
  7. Epona
  8. A Rose For Epona
  9. Thousandfold
  10. Ambiramus
  11. Havoc
  12. Breathe
  13. Helvetios
  14. Rebirth
  15. Inis Mona

SUBWAY TO SALLY

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Zum Nieselregen haben sich mittlerweile unangenehme Windböen gesellt, als SUBWAY TO SALLY um kurz nach Acht die Main Stage erklimmen. Da trifft es sich ganz gut, dass nach dem Opener „Messias“, bei dem Frontmann Eric Fish mit Toupet und Sonnenbrille ein skurriles Bild abliefert, zu „Island“ meterhohe Flammensäulen einheizen. Schade, dass musikalisch der Funke dagegen nicht so recht überspringen möchte.

Zum Teil liegt das sicherlich an der Songauswahl, die sich im ersten und letzten Drittel vor allem am neuen Album „Hey!“ orientiert. Insbesondere der schon auf Platte eher durchwachsene Dreierpack „Alles was das Herz will“, „Aufgewacht“ sowie „Ausgeträumt“, lässt uns in der Live-Erfahrung völlig kalt.

Dass es im Gegenzug auch einige ältere Hits vom Schlage eines „Henkersbraut“, „Falscher Heiland“ oder „Sieben“ gibt, entschädigt etwas. Dennoch fehlen uns die Energie und Passion früherer Tage in diesem routiniert heruntergespielten Set. Andererseits mag es auch gut sein, dass wir uns in der letzten Dekade musikalisch schlicht zu sehr von SUBWAY TO SALLY entfernt haben, um hier in Ekstase zu verfallen.

Immerhin findet der Auftritt mit der wunderbaren Zugabe „Grausame Schwester“ ein schönes Ende, bei dem tausende Arme vor der Bühne die Wellen und Wogen der brausenden See nachstellen. Den zahlreichen Anhängern bleibt der Auftritt sichtlich als Highlight in Erinnerung, für uns ist es das jedoch leider nicht mehr.

SUBWAY TO SALLY Setlist

  1. Messias
  2. Island
  3. Kleid aus Rosen
  4. Königin der Käfer
  5. Eisblumen
  6. Für immer
  7. Henkersbraut
  8. Falscher Heiland
  9. Sieben
  10. Tanz auf dem Vulkan
  11. Veitstanz
  12. Alles was das Herz will
  13. Aufgewacht
  14. Ausgeträumt
  15. Grausame Schwester

BULLET FOR MY VALENTINE

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In mancher Hinsicht sind BULLET FOR MY VALENTINE herrlich oldschool: Die Waliser verzichten auf imposante Bühnenaufbauten und eine spektakuläre Effektschlacht, sondern konzentrieren sich auf das Wesentliche: Vier Musiker und ihre Instrumente, während sich hinter ihnen immerhin eine Reihe von Scheinwerfern im Verstärker-Look auftürmt.

Los geht’s direkt mit „Don’t Need You“ vom aktuellen Album „Gravity“ (2018), bei dem uns sofort der gut abgemischte und enorm druckvolle Sound auffällt. Mit einer ganzen Reihe von Hits im Gepäck ist es für das Quartett ein Leichtes, den von Beginn an aktiven Circle Pit binnen kurzer Zeit zu achtbarer Größe anwachsen zu lassen. Von „Your Betrayal“ über „4 Words (To Choke Upon)“ bis hin zu “You Want A Battle? (Here’s A War)” präsentieren BULLET FOR MY VALENTINE eine wilde Reise durch ihre Diskografie, die immerhin knapp anderthalb Dekaden umfasst und lediglich das vierte Studioalbum „Temper Temper“ (2013) außen vor lässt.

BULLET FOR MY VALENTINE spielen ein erstaunlich gut durchgetaktetes Set

Ein frühes Highlight ist das treibende „The Last Fight“, welches Gitarrist und Sänger Matthew allen Fans widmet, die der Gruppe schon so lange die Treue halten. Hin und wieder gönnen BULLET FOR MY VALENTINE der Meute eine kleine Verschnaufpause („Venom“), um anschließend das Tempo wieder gehörig anzuziehen. „Suffocating Under Words Of Sorrow (What Can I Do)“ sorgt mit seinem MeloDeath-Riffing für gehörig Bewegung im Pit, während zum Finale von „Scream Aim Fire“ im vorderen Publikumsbereich kaum jemand auf dem Boden bleibt.

Es ist ein erstaunlich gut durchgetaktetes Set, das keinen Durchhänger zulässt, und dessen größter Kritikpunkt wohl die zu routinierte Darbietung ist. Nicht dass BULLET FOR MY VALENTINE an diesem Abend gelangweilt über die Bühne schleichen würden, nur fehlt eben auch das Persönliche. Deshalb sind wir zwar zufrieden, aber nicht begeistert, als mit den Klassikern „Tears Don’t Fall“ und „Waking The Demon“ der Auftritt nach 80 Minuten sein Ende findet. Weshalb das Quartett ganze zehn Minuten seiner Spielzeit ungenutzt lässt, sorgt zudem im Nachhinein nicht nur bei uns für Verwirrung.

BULLET FOR MY VALENTINE Setlist

  1. Don’t Need You
  2. Over It
  3. Your Betrayal
  4. 4 Words (To Choke Upon)
  5. Worthless
  6. The Last Fight
  7. Venom
  8. Suffocating Under Words Of Sorrow (What Can I Do)
  9. Piece of Me
  10. Scream Aim Fire
  11. Alone
  12. You Want a Battle? (Here’s a War)
  13. No Way Out
  14. Tears Don’t Fall
  15. Waking the Demon

THE OCEAN

THE OCEAN – eine Band, die uns live noch nie enttäuscht hat. Mit dieser Erfahrung sind wir augenscheinlich nicht alleine, denn unter dem Dach der Rebel Stage ist es richtig kuschelig, als das instrumentale „The Cambrian Explosion“ langsam, aber unaufhaltsam die Spannung schürt.

Lange dauert es nicht, da sind wir alle plötzlich mittendrin: Wir, unsere Nebenmänner und die Musiker sowieso. Die mächtigen Riffwände von „Cambrian II: Eternal Recurrence“ brechen mit der für THE OCEAN typischen Urgewalt über uns herein, angetrieben und zusammengehalten von Paul Seidels fantastischem Drumming.

Frontmann Loic Rossetti balanciert seine Performance zwischen zwei Extremen: Wenn er nicht gerade den Rockstar heraushängen lässt, hält er sich in den ruhigen Passagen vornehm zurück, um die Musik wirken zu lassen. Generell ist der Sänger ein verlässlicher Fixpunkt auf einer oftmals in dicken Nebel gehüllten Bühne, der gesanglich bei „Silurian: Age Of Sea Scorpions“ oder dem „Bathyalpelagic“-Doppelpack ohnehin nichts anbrennen lässt.

Als THE OCEAN zum Jubel vieler Anwesender „Permian: The Great Dying“ anstimmen, erreicht die Stimmung ihren Höhepunkt, den das Kollektiv anschließend mit dem doomigen „Benthic: The Origin Of Our Wishes“ gekonnt in den Boden zu rammen weiß. Es ist ein bewusst schleppender Ausklang, der so düster ist wie der Nachthimmel um uns herum, und uns mitten in die Magengrube trifft. Kurzum, THE OCEAN haben uns live noch nie enttäuscht und machen auch heute keine Ausnahme – obwohl wir gerne auch älteres Material gehört hätten.

THE OCEAN Setlist

  1. The Cambrian Explosion
  2. Cambrian II: Eternal Recurrence
  3. Silurian: Age of Sea Scorpions
  4. Bathyalpelagic I: Impasses
  5. Bathyalpelagic II: The Wish In Dreams
  6. Permian: The Great Dying
  7. Benthic: The Origin of Our Wishes

UNLEASHED

Na, wo sind denn alle? In drei Minuten startet der Auftritt von UNLEASHED auf der T-Stage, aber abgesehen von ein paar Metalheads in den ersten Reihen herrscht bis zum Wellenbrecher gähnende Leere – das krasse Gegenteil zum gestrigen Auftritt vom THY ART IS MURDER. Von unserem Mitleid wollen die schwedischen Death Metal-Urgesteine aber nichts hören, denn als UNLEASHED mit „Blood Of Lies“ in ihr einstündiges Set starten, könnte man meinen, der T-Square sei bis zum Bersten gefüllt.

Die Schweden geben von Beginn an Vollgas, um uns zu beweisen, wie wahre Leidenschaft für die Musik auszusehen hat. Mit Erfolg, denn im Minutentakt stoßen neue Zuschauer hinzu, die sich der Spielfreude UNLEASHEDs nicht entziehen können. Zu Nackenbrechern wie „The Longships Are Coming“ und „Lead Us Into War” demonstriert Bassist und Sänger Johnny Hedlund, wie richtiges Headbangen auszusehen hat. Von einem versöhnlichen Ende zu sprechen, wäre angesichts des Genres ein wenig unpassend. Das skandinavische Quartett kann sich letztlich dennoch über einen gelungenen Auftritt freuen, der nur ein Prädikat verdienen kann: Metal as fuck!

Auch im 22. Jahr behält das SUMMER BREEZE seinen Charakter bei

Mit den Klängen der Death Metal-Veteranen endet auch unser Besuch des SUMMER BREEZE 2019. Vier Tage lang haben wir bei entspannter Atmosphäre gefeiert, Musik genossen und unsere während des letzten Jahrzehnts eingeschlafene Liebe zu diesem Festival neu entfacht. Mit viel Sonne und glücklicherweise nur sporadischem Regen haben wir knapp 40 der 130 Bands live erleben können, dabei alte Weggefährten wiederentdeckt und neue Bekanntschaften gemacht. Es ist schön zu sehen, dass das SUMMER BREEZE auch im 22. Jahr seinen Charakter beibehalten hat: mit einem bunt gemischten Line-Up, das für alle Geschmäcker ein paar Perlen bereithält, und einer Kultur des offenen Dialogs mit den Besuchern, die für ein wunderbar herzliches Feeling sorgt.

Von der immer freundlichen Security und den stets gut aufgelegten „Grabenschlampen“ im Foto-Pit bis hin zu den „Trashern“ genannten Abfallsammlern, die für ein beispiellos sauberes Festivalgelände gesorgt haben – selten haben wir ein Festival dieser Größenordnung erlebt, das die Herausforderungen größerer Menschenmassen derart souverän meistert. Selbst die auf dem Gelände vorzufindenden Spültoiletten waren stets sauber, längere Wartezeiten nur zu gewissen Stoßzeiten zu erwarten.

Das kulinarische Angebot inklusive diverser vegan/vegetarischer Optionen war so vielfältig wie die Einkaufsmöglichkeiten zahlreich, während die nächste Erfrischung aufgrund der gut verteilten Getränkestände meist nur ein paar Meter entfernt war. Letztendlich kamen wir aber wegen der Musik und blieben nicht zuletzt deshalb so gerne, weil das Drumherum so reibungslos funktionierte.

Als wir jetzt das Ortsschild von Dinkelsbühl passieren, diesmal in Richtung Heimat, sind wir erschöpft und übernächtigt, aber mindestens genauso zufrieden. Zuvor haben wir noch schnell den Termin für 2020 in unserem Kalender geblockt, schließlich wollen wir keine weiteren elf Jahre bis zu unserem nächsten Besuch verstreichen lassen. Alte Liebe rostet nicht, sagt man so schön.

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SUMMER BREEZE 2019 – Die große vampster-Fotogalerie

 Mittwoch und Donnerstag | Freitag und Samstag

Alle Fotos und Festivalbilder von Tatjana Braun für vampster.com. Fotos von THE CONTORTIONIST, AVANTASIA, KING DIAMOND, PARKWAY DRIVE und BULLET FOR MY VALENTINE von Florian Schaffer.

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.