SUBWAY TO SALLY: Hey!

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Es ist wahrscheinlich das größtmögliche Kompliment, das man SUBWAY TO SALLY machen kann: In nicht ganz 30 Jahren Bandgeschichte hat sich die Potsdamer Formation nicht ein einziges Mal wiederholt. Jedes der nunmehr 13 Alben hat eine eigene Persönlichkeit, geprägt durch den jeweils vorherrschenden Zeitgeist. Dabei haben sich SUBWAY TO SALLY nie verbogen, wohl aber die Wahl ihrer Stilmittel angepasst. Das ist auf „Hey!“ nicht anders und doch sitzt es ein wenig zwischen den Stühlen.

Zunächst klingen die 13 neuen Kompositionen ab der ersten Sekunde unverkennbar nach SUBWAY TO SALLY. Die harten Gitarren tragen offenkundig die Handschrift Ingo Hampfs, die Art und Weise wie Rock mit Geige und allerlei ethnischen Instrumenten verschmolzen wird, schafft sofort ein heimeliges Gefühl – dazu die markante Stimme Eric Fishs, welche die Emotionen der gesungenen Lyrik eindrucksvoll trägt.

SUBWAY TO SALLY experimentieren mit neuen Elementen

Definierend für „Hey!“ sind schließlich moderne Einflüsse aus Metal und Pop, welche mal durch Gastbeiträge, mal durch sich anbiederndes Songwriting ihren Weg auf das Album finden. Das muss nicht schlecht sein, wie das geradlinige „Messias“ zeigt. Der simple Songaufbau mit seinen eingängigen Melodien unterstreicht auf musikalischer Ebene die kritische Auseinandersetzung mit unserem Konsumverhalten. An anderer Stelle verbindet „Island“ klassische SUBWAY TO SALLY-Gitarren der „Hochzeit“-Phase mit dem harschen Gastgesang des LORD OF THE LOST-Fronters Chris Harms. Metal-Vocals in einem Song der Folk-Rock-Urgesteine sind zunächst gewöhnungsbedürftig, fügen sich dann aber stimmig ins Klangbild ein.

Nicht immer beweisen SUBWAY TO SALLY bei ihren Experimenten ein glückliches Händchen. „Selbstbetrug“ mit OOMPH!-Sänger Dero Goi kommt lyrisch wie musikalisch arg platt daher und entspricht keineswegs dem Standard, den man bislang gewohnt war. Das mit Dark- bis Gothic-Anleihen bestechende „Imperator Rex Graecorum“ wiederum driftet zum Ende hin gar in stupiden „Na na na“-Gesang ab, welchem im abschließenden Titeltrack zu allem Überfluss ein ganzer Song geschenkt wurde.

Viele gute Ideen mischen sich mit zähen Momenten

Immerhin sind SUBWAY TO SALLY weiterhin Meister darin, eine dichte Atmosphäre aufzubauen. Wenn das zerbrechliche Violineninstrumental „Anna’s Theme“ in das unheilschwangere „Am Tiefen See“ übergeht, packt uns die Tragik mit eiskalten Fingern an den Schultern. Solche Momente, wie sie auch das textlich starke „Königin der Käfer“ bietet, heben „Hey!“ schließlich über den Durchschnitt. Und doch: Formelhaftes Material à la „Die Engel steigen auf“ oder „Bis die Welt auseinanderbricht“ ziehen wie Bleigewichte an den Füßen der Formation, die nach vielen Jahren auch lyrisch nicht immer erhaben auftritt. „Zwischen Geburt und Tod gibt es nur ein Leben“, heißt es etwa in „Ausgeträumt“. Was du nicht sagst.

„Hey!“ versammelt viele gute Ideen, die es oftmals mittels fließender Songübergänge verknüpft. Das ist clever und konsequent umgesetzt, kaschiert aber nicht die zähen Momente, wenn die allzu gefälligen Arrangements mancher Songs nicht zünden wollen. So bedauerlich das sein mag, ist es aber wohl immer noch besser, als sich nach so vielen Jahren kreativer Energie doch irgendwann selbst zu wiederholen.

Veröffentlichungstermin: 08.03.2019

Spielzeit: 51:54

Line-Up:
Eric Fish: Gesang
Bodenski: Gitarren, Drehleier
Simon: Gesang, Akustik-Gitarre, Trumscheit
Ingo Hampf: E-Gitarre, Saiteninstrumente
Ally Storch: Violine
Sugar Ray Runge: Bass
Simon Michael: Drums, Percussion

Produziert von Jörg Umbreit

Label: StS Entertainment

Homepage: https://subwaytosally.com/
Facebook: https://www.facebook.com/subwaytosally/

SUBWAY TO SALLY “Hey!” Tracklist

1. Island
2. Imperator Rex Graecorum (Video bei YouTube)
3. Königin der Käfer (Video bei YouTube)
4. Messias (Video bei YouTube)
5. Die Engel steigen auf
6. Anna’s Theme
7. Am tiefen See
8. Selbstbetrug
9. Bis die Welt auseinanderbricht
10. Alles was das Herz will
11. Aufgewacht
12. Ausgeträumt
13. Hey!

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.