PARTY.SAN OPEN AIR 2004: Schweden Death Metal Festspiele in Bad Berka

Das Open Air war wie immer der Höhepunkt der Festivalsaison für alle, die sich nicht mit unnötiger musikalischer Offenheit rumquälen und stattdessen ihre Vorlieben auf die härteren Sounds verteilen.



Es ist schon eine ganze Weile her, dass sich der übliche Trupp in Bad Berka einfand und sich einem Wochenende voll dröhnender Musik und Party hingab. Doch in diesem Jahr war auch einiges anders, einiges neu. Die Besuchzahl ging nach oben, neue Campingplätze waren nötig – zum Leidwesen langjähriger PARTY.SAN-Anhänger, die so einen Grund zum Nörgeln fanden. Letztendlich war das jetzt ein bisschen größere, aber immer noch familiäre Open Air wie immer der Höhepunkt der Festivalsaison für alle, die sich nicht mit unnötiger musikalischer Offenheit rumquälen und stattdessen ihre Vorlieben auf die härteren Sounds verteilen.

Eindimensional ist das PARTY.SAN dennoch nicht. Die Veranstalter haben einfach ein gutes Händchen für eine ausgewogene Mischung – ohne den Eindruck zu erwecken, sie wollen es jedem Recht machen. Ein Besuch beim PARTY.SAN lohnt sich auch deshalb, weil es hier immer wieder Bands zu sehen gibt, die nicht auf jedem Festival spielen. Eine schöne Mischung aus internationalen und heimischen Bands, aus Black und Death Metal mit einigen Spritzern Abwechslung wie ENSIFERUM oder DISFEAR. Mit GRAVE, DISMEMBER und UNLEASHED versammelten sich die alten Schweden des Death Metals zwar nicht vollzählig, aber in beachtlicher Anzahl in Bad Berka.

Das Besondere am PARTY.SAN ist nicht nur die Band-Auswahl. Bei diesem Festival wird der Fan noch ernst genommen und nicht als Melkkuh gesehen. Eine durchweg faire Preispolitik, volle Getränkebecher und genießbare feste Nahrung zu vernünftigen Preisen, keine Extra-Kosten und freundliches aber, wenn´s drauf ankommt, auch bestimmtes Personal zeigen, dass es auch so geht. Schade ist nur, dass einige Leute noch immer nicht begriffen haben, dass eine solche Organisation auch auf ein vernünftiges Publikum angewiesen ist. Wenn ich schon kein Müll-Pfand-Stress habe, dann kann ich auch sonntags meinen Müll aufsammeln – doch das scheint noch nicht überall angekommen zu sein.

Donnerstag, 12.08.

SUFFERING SOULS

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 SUFFERING SOULS - Der Festivalbericht von vampster.com

SUFFERING SOULS hatten also die Aufgabe das PARTY.SAN dieses Jahr zu eröffnen. Bekanntlich keine leichte Aufgabe. Zudem kannte ich die Band im Vorfeld kaum und musste mir so einen Eindruck durch ihren Auftritt verschaffen. Umso mehr tat es mir leid, denn die Thüringer legten verdammt gut vor und zelebrierten ihren Death Metal äußerst souverän und motiviert. Mit ihren Stücken, die von langsamen, erdrückenden Riffs, über Midtempo-Stampfer bis hin zu schnellen Nackenbrechern alles abdeckten, konnte die Band nicht nur ihren Heimvorteil ausspielen, sondern alle Anwesenden gleichermaßen überzeugen. Jedenfalls war das Zelt gut gefüllt und die Menge hatte sichtlich ihren Spaß, für die erste Band durchaus nicht selbstverständlich. Manchmal fühlte man sich bei SUFFERING SOULS des öfteren positiv an HYPOCRISY oder AMON AMARTH erinnert. Besonders die im gemäßigten Tempo gehaltenen Lieder lassen Bilder gewisser Schweden aufkommen. Aber SUFFERING SOULS wirken trotzdem nicht wie ein Aufguss. Ein würdiger Auftritt zur Festivaleröffnung, veredelt mit einem guten druckvollen Sound: Hell is Open! (deviator)

GOLEM

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 -GOLEM - Der Festivalbericht von vampster.com

Zeitgleich mit den ersten Regentropfen, die sich in einen immer heftigeren Schauer ausweiteten, lichteten sich die vordersten Reihen ein wenig, bevor die Dresdner GOLEM die Bühne betraten. Aber voll war die Hütte weiterhin. Denen, die nicht blieben, war der Death Metal der Vier-Combo wohl ein bisschen zu technisch, wobei die Band mit dem Material ihrer diesjährigen Veröffentlichung “Dreamweaver” gutes Gepäck am Start hatte. Soundtechnisch wurde größtenteils nur die Schulnote “mangelhaft” erreicht, denn bis über die Hälfte des Sets quoll der Sound leider in miserabler Qualität durch die Boxen. Das hinderte den interessierten Zuhörer zwar nicht daran, den präsentierten Tracks zu lauschen, doch es ging in den vordersten Reihen nicht so ab wie bei den anderen Bands des Abends. Für eine leichte Besserung konnte der Soundmixer leider erst zum Ende sorgen. Während des Sets wurden dann hauptsächlich nur Stücke vom “Dreamweaver” Release raus gelassen und neben dem Kritikpunkt Sound gibt´s noch einen für das Stageacting. Denn da ging fast nichts, außer ein paar beiläufigen Bangeinlagen. Die Band schien trotz ihrer Situation recht zufrieden und zeigte dies durch strahlende Gesichter auf der Bühne. Da hilft es nur, mehr auf Tour gehen und Routine antrainieren. (Uwe)

DISFEAR

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - DISFEAR - Der Festivalbericht von vampster.com

Mit DISFEAR gab´s regelrecht einen auf die temporäre Zwölf und das war auch gut so, denn es wurde Energie freigesetzt. Bejubelt und mit viel Vorfreude auf die Show betraten die Schweden um Ex-AT THE GATES/Ex-THE CROWN/Ex-… Sänger Tomas ´Tompa´ Lindberg die Bühne und machten von der ersten Hundertstel-Sekunde an klar, wer die nächste Dreiviertelstunde den Takt angibt. Den andauernden Regen hatte man durch den treibenden Sound vom Eröffnungstrack “Powerload” und dem folgenden “An Arrogant Breed” genauso schnell vergessen wie auch das obligatorische “Ich hol noch mal schnell ein Bier”. Energisch und immer wieder anfeuernd schleuderten die Schweden eine rotzige Trackgranate nach der anderen durch die Boxen und drehten auf der Bühne fast genauso derbe am Rad wie der “Wir-nehmen-jetzt-alles-mit”-Pit vor der Bühne. Bei solchen Bands, und diese Sorte scheint dem Aussterben nahe, macht das Zuschauen, egal von welcher Position aus, richtig Spaß und langweilt zu keiner Zeit. Seit noch gar nicht allzu langer Zeit ist auch EMTOMBEDs Gitarrist Uffe ‘UFO’ Cederlund als Tourgitarrist am Start, der anscheinend während einer gemeinsamen Tour mit DISFEAR in deren Bahn gezogen wurde. Mit dem ZEKE Cover “Revolution Reprise” wurde die Randale schließlich beendet und einige Neu- und Altfans fanden sich danach tatsächlich im Sanitätszelt wieder. Dadurch wurde die Party.San Heftinfo: “Swedish Crust’n Roll, der ohne Kompromisse deine Schädeldecke zerschlägt” auf jeden Fall auch noch lange nach der Show bestätigt. CRUST ON! (Uwe)

PURGATORY

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - PURGATORY - Der Festivalbericht von vampster.com
“Lasst uns mit dem Teufel ficken!” verkündet der PURGATORY-Fronter vor dem Gig der Donnerstags-Headliner. Und damit ist der Gig des Sachsen-Vierers am Besten beschrieben. PURGATORY lassen ein Inferno los, das auch Leute mit geringerem Alkohol-Pegel als dem meinen begeistert haben dürfte. Mit ihrem nagelneuen Longplayer Luciferianism im Gepäck legen die Mannen um Sänger „Sick“ los und ihre Nähe zu VADER (vor allem auch bei den Vocals) legt mir Nahe, dass der Teufel wohl aus Polen kommen muss. Obwohl PURGATORY auch mal ordentlich schwedische Einflüsse verarbeiten können. Schnell, furios und ohne Gnade, so könnte man das Set der Band durchaus beschreiben. Der Sound stimmte und die Band legte sich mächtig ins Zeug, genauso wollen wir das sehen, Fucking Death Metal, direkt aus dem Fegefeuer. (deviator)

Freitag, 13.08.

SINNERS BLEED

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - SINNERS BLEED - Der Festivalbericht von vampster.com

SINNERS BLEED waren die erste Band des Tages und spielten so vor entsprechend wenigen und teilweise wahrscheinlich nur halbwachen Leuten. Gestört hat das aber weder die Band, noch die anwesenden Metaller. Die Band brachte ihren technischen Death Metal gekonnt an den Mann. Das Set war kurz, aber stark, lediglich der Snare-Sound hat mich etwas genervt, weil er viel zu laut gescheppert hat, was bei Blast-Parts ganz gut kommt, aber bei abwechslungsreichem technischen Drumming eher nervtötend ist. Außerdem konnten SINNERS BLEED mit ihrem Gitarristen, der die linke Bühnenhälfte unsicher machte definitiv den „Ich hab die Gitarre ganz hoch hängen“-Sieg einfahren. Dass das einfach scheiße aussieht wissen wir alle, aber wir sind ja tolerant. Muss ja auch jeder selber wissen. Und hat mit der Musik ja auch wenig zu tun. Und die war gut. Also. (deviator)

CRYPTIC WINTERMOON

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - CRYPTIC WINTERMOON - Der Festivalbericht von vampster.com

CRYPTIC WINTERMOON haben das Problem, dass sie vielen Blackmetallern zu episch und melodisch sind. Wir Death Metaller reden aber nicht um den heißen Brei herum und sagen gleich, dass wir „kitschig“ meinen. Ja, ok, so schlimm ist es nicht, die Band legte sich ins Zeug und brachte ihre Songs gut auf die Bühne. Die Jungs – und das Mädel am Keyboard (warum eigentlich immer am Keyboard?) – spielten ein routiniertes Set, ließen sich auch von diversen Soundproblemen nicht aus der Ruhe bringen und konnten bei ihren Fans sicherlich nichts falsch machen.

Songwriterisch sind sie ja auch ganz gut, die Deutschen, aber mir ist das der eine oder andere Symphonic-Part zuviel, das ein oder andere Lied zu viel auf eingängig gemacht. Das ist live auch nicht immer gut rüberzubringen und das sah man der Band an, die dadurch offenbar auch Schwierigkeiten hatte die Zuschauer zu überzeugen, da half auch das JUDAS PRIEST -Cover „Nightcrawler“ nichts mehr. Gut, lange genug objektiv gewesen, kommen wir zum polemischen Teil: Der eine Gitarrist sollte bei Auftritten eine Mütze tragen. Vollplatte oben und lange Haare unten kommt echt gar nicht. Nichts für ungut. (deviator)

FLESHCRAWL

PARTY.SAN OPEN AIR 2004  - FLESHCRAWL - Der Festivalbericht von vampster.com

In gewisser Weise fanden in Bad Berka in diesem Jahr die Schweden-Death-Metal-Festspiele statt. Bis das Dreigestirn DISMSMBER, GRAVE und UNLEASHED jeweils die Bühne betreten sollte, war zwar noch Zeit – aber FLESHCRAWL boten eine perfekte Einstimmung darauf. Schwedischer als die süddeutschen kann man kaum klingen und auch der aufkommende Regen konnte die Fans nicht vertreiben.

Es wurde zwar kurzfristig etwas leerer vor der Bühne als der Himmel seine Schleusen öffnete; doch viele machten auf dem Weg zum trockenen Zelt wieder kehrt. Zu Recht, denn FLESHCRAWL waren trotz fehlenden Bassers durchnässte Klamotten wert.

„Soulskinner“, „As Blood Rains From The Sky“, “Under The Banner Of Death”, “Flesh Bloody Flesh” oder “Demons Of The Dead” – jeder Song war ein Volltreffer. FLESHCRAWL haben nicht nur hochklassigen Death Metal im Gepäck, die Jungs sind auch eine famose Liveband. Frontmann Sven Gross hatte sichtlich Spaß an diesem Auftritt und nicht nur an seinem Stageacting wurde deutlich, dass FLESHCRAWL schon eine ganze Weile aktiv sind. Routiniert, aber immer mit Herzblut und viel Begeisterung zeigten FLESHCRAWL, dass Death Metal alles andere als tot ist. Zeitlose Songs, präsentiert von einer Band, die hundertprozentig hinter dem steht, was sie tut. Ein grandioser Auftritt, der eine Frage nahe legt: Wo wären FLESSHCRAWL heute, wenn sie schwedische Pässe hätten?! (vampi)

HAEMORRHAGE

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - HAEMORRHAGE - Der Festivalbericht von vampster.com
Die Spanier sind meiner Meinung nach auf Platte sterbenslangweilig – bei HAEMORRHAGE überzeug eher das Drumherum als die Songs. Sei es die Veröffentlichungsstrategie, nach der die Band ungefähr eine Fantastrilliarde EPs, Splits, 7“, 12“ und weiß der Sammler noch was veröffentlicht oder die Freakshow, die Sänger Lugubrious auf der Bühne abzieht – irgendwie haben die Pathologen etwas.

Blutüberströmt und mit irrem Blick stolpert Lugubrious über die Bühne, zersäbelte sich mit dem Mikro andeutungsweise die Pulsadern oder stranguliert sich mit dem Kabel. Gitarrist Luisma scheint mental nicht viel gesünder zu sein, er muss zwar seine Gitarre bearbeiten und kann deswegen nicht viel gestikulieren, ein beängstigender Ausdruck wohnt jedoch auch in seinen Augen.

Ausgesprochen kultig beziehungsweise kultig ausgesprochen sind auch die Ansagen. Ein extremer Akzent verwandelt jeden Songtitel in eine kehlige Aneinanderreihung stimmloser Konsonanten und harter Vokale. Nicht weiter schlimm, denn mit einem kleinen Grundschatz an medizinischem Fachvokabular kann sich jeder selbst HAEMORRHAGE-Songtitel basteln. Neben Eigendekompostitionen wurde sich auch ein CARCASS-Cover in die Setlist transplantiert, und eine halbwegs verständliche Ansage gab es auch: „Decomposers“ wurde zu Ehren von Christina Aguilera gespielt.

HAEMORRHAGE schafften es mit ihrer zum Himmel stinkenden Zelebrierung der Verwesung sogar, die Sonne hinter den Wolken hervorzulocken. Nach ein paar Stahlen, die das Kunstblut leuchten ließen, zog sich der Himmelkörper aber wieder zurück – im Gegensatz zum Publikum, das sich nach und nach, angelockt durch den Splatter-Look der Band, vor der Bühne einfand und die Leichenhaus-Schau wohlwollend beklatschte. (vampi)

PUNGENT STENCH

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - PUNGENT STENCH - Der Festivalbericht von vampster.com
Nachdem HAEMORRHAGE eine erste Einführung in die stinkende Welt der Pathologie gegeben hatten, waren die Ekel-Veteranen von PUNGENT STENCH zur richtigen Zeit am richtigen Ort. „Shrunken Mummified Bitch“ und die Ansage von Martin Schirenc, nach der es keine neuen Stücke geben werde, machten klar, wohin die Österreicher wollten. Zurück in ihre Vergangenheit, die auch heute nicht halb so modrig und vergammelt ist, wie man meinen könnte. Das hinlänglich bekannte „For God Your Soul, For Me Your Flesh“-Medley” ist noch immer gut und bewegte zahlreiche Fans zum Headbangen.

Der neue Mann am Bass, Fabio Testi, bewegte sich zwar nicht besonders viel und auch auf Gimmicks wie Priesterroben oder Bondage-Outfit hatten die Alpenländler verzichtet. Dennoch verging die Zeit wie im Fluge, wer den alten PUNGENT-Groove erhofft hatte, konnte zufrieden sein – auch wenn die Show arg statisch war. „True Life“, „Blood Pus And Gastric Luice“ und ähnliche Unappetitlichkeiten reichen auch für eine Dreiviertelstunde Spaß. Die Zeit wurde knapp, so dass das Publikum über den letzten Song entscheiden dürfte. „Klyster Boogie“ und „Four F Club“ standen zur Auswahl, gewonnen hat der Boogie. (vampi)

ZYKLON

ZYKLON waren die Band, die wahrscheinlich für das gemischteste Publikum des diesjährigen Festivals sorgen durfte. Mit ihrem technischen Death/Black Metal konnten sie jedenfalls Todes- und Schwarzmetallanhänger gleichermaßen ziehen. Die graue Abenddämmerung tat ihr übriges, die passende Atmosphäre für den Gig zu schaffen.

Die Band spielte einen starken Auftritt und konnte sowohl von der Songauswahl als auch von der Bühnenshow überzeugen, obwohl das Material live weniger abwechslungsreich rüberzukommen scheint, als auf Platte. Einzig der total überzogene Basssound ist mir negativ aufgefallen, der wirklich alles zum Beben brachte. Weniger ist manchmal mehr, meine Herren. Das gilt auch für Norweger. (deviator)

DISMEMBER

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - DISMEMBER - Der Festivalbericht von vampster.com
Die Herren von DISMEMBER sind einfach nicht mehr die jüngsten. Im Alter entwickelt sich eben vieles, was man früher mit links weggesteckt hatte, zu echten Schwierigkeiten. Artikulation, Motorik und Koordination sind dann nicht mehr ganz so perfekt. Es war aber auch schon ganz schön spät, als die Schweden auf die Bühne wankten. Und was will man machen, wenn man den lieben langen Tag auf seinen Auftritt warten muss? Wenn es zudem noch regnet? Wenn man aus Schweden kommt, wo der Alkohol teuer ist? Richtig, man trinkt einfach ein paar Bierchen. Im Falle von DISMEMBER waren es offensichtlich ein paar zuviel, denn die Band wirkte alles andere als fit. Einzig Basser Johan Bergebäck – damals noch Aushilfe, jetzt richtiges Mitglied – stakste halbwegs kontrolliert über die Bühne. Sänger Matti Kärki hielt sich am Mirkoständer fest, verpasst Einsätze und vergas ganze Textzeilen und auch die anderen Kollegen bewegten sich eher wie Matrosen bei Seegang als wie gestandene Death Metaller.

Kein Wunder, dass die Reaktionen während und nach dem Gig gespalten waren. Die eine Hälfte fands gut, holte sich noch ein, zwei Bier und feierte einfach mit. Die andere Hälfte registrierte penibel, was alles falsch war.

Der Sound war nicht berauschend – ich bin mir aber nicht sicher, ob der Gesang so leise war, weil der Mischer eine Pfeife war oder weil Matti einfach vergessen hatte, dass er auf der Bühne ins Mikro grunzen sollte. Vielleicht erinnerte ihn der Regen auch an die heimische Nasszelle und er dachte einfach, er stünde unter der Dusche. Und dort braucht man schließlich kein Mirko.

Berücksichtigt man die Blutwerte der Band, war der Auftritt alles in allem überraschend gut. Die Songauswahl mit vielen neuen Songs („Forged with Fire“, „Tragedy of the Faithful“, „Where Angels Dare“) und einigen Klassiker („Casket Garden“, „Skin her alive“, „Soon To Be Dead“) war gelungen. Ich vermisste „Dismembered“, doch 45 Minuten Spielzeit sind schnell um, und irgendwer nörgelt immer. DISMEMBER hielten tapfer durch und nach dem letzten Song „Dreaming In Red“ konnten die Schweden stolz auf sich sein. In weiser Voraussicht beschränkten sie ihren Bewegungsradius auf Din A4-Maß, einzelne Ausfallschritte zur Stabilisierung des Gleichgewichts nicht mit eingerechnet. Auf der Bühne fiel erst einer um, als die Show fast zu Ende war. Irgendwie hatte man sich durch das Set gehangelt. Spaßig wars allemal und im Publikum sah es stellenweise auch nicht viel besser aus als auf der Bühne. (vampi)

CARPATHIAN FOREST

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - CARPATHIAN FOREST - Der Festivalbericht von vampster.com
Über CARPATHIAN FOREST kann man sagen, was man will, es wird mit Sicherheit falsch sein. Unter den ganz truen Blackmetallern teilweise eher verlacht, aber auch geliebt, beim Durchschnittsmetaller verachtet oder geduldet und in den Medien umstritten, kann es ein besseres Fundament für den eigenständigen Black Metal der Norweger geben?

Auf jeden Fall ziehen sie ihr eigenes Ding durch. Die Musik der Skandinavier jedenfalls erkennt man 10 Meilen gegen den Wind. Auch ohne dass man Sänger Nattfrosts (CELTIC FROST ähnliches) „Uh“ gehört hat und meistens auch bevor man den massigsten Gitarristen erblickt hat, den Black Metal jemals hervorgebracht hat. Auch nicht unbedingt peinlicher geschminkt als alle anderen Blackmetal Bands auch, dafür aber mit Liedern im Gepäck, die man großteils gut und gerne als „getragen“ und „groovig“ bezeichnen könnte. Auf jeden Fall legten CARPATHIAN FOREST auf dem PARTY.SAN einen sehr soliden Auftritt hin und konnten durchaus für Publikumsresonanzen sorgen. Dazu dürfte vielleicht auch die Bühnenshow beigetragen haben, die zwei durchaus interessante Damen beinhaltete, die sich selbst und Nattefrost sehr lieb zu haben schienen. Nattefrost selber bot den üblichen Anblick, zelebrierte Blackmetal-Posing erster Güte (und Lächerlichkeit), reckte umgedrehte Kreuze in die Luft und pries Satan in jeder Ansage, jedem Lied und wahrscheinlich in jedem Atemzug. Trotzdem ein überaus amüsanter Auftritt, und besonders zu dieser späten Stunde ist man ja bekanntermaßen leichter zu begeistern. (deviator)

UNLEASHED

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - UNLEASHED - Der Festivalbericht von vampster.com
Johnny Hedlund und seine Mannen kamen entweder später an als die Kollegen von DISMEMBER oder sie haben mehr Trinkdisziplin. Obwohl Hedlund im Vorfeld von „bizarren Megen Bier“ sprach, die er trinken wolle, waren UNLEASHED im Gegensatz zu ihren Landsmännern taufrisch.

Allerdings war der Party.San Auftritt identisch mit dem beim Wacken Open Air. Hedlunds Glaubwürdigkeit litt in meinen Augen ziemlich, denn eine neue Ansage zur Zugabe „Before the Creation of Time“ hätte er sich ruhig ausdenken können. Er verzichtete drauf und ließ das Publikum wissen, dass dies eine Premiere sei, den Song hätten UNLEASHED noch nie in Deutschland live gespielt – tja, beim Wacken mochte das richtig gewesen sein. Eine Woche später, an anderer Stelle war die Ansagt ziemlich unglücklich. Spontanität fehlte diesem Auftritt völlig. Die durchgeplante Setlist mit identischen Ansagen und Widmungen hinterließ zumindest bei mir einen eigenartigen Nachgeschmack – ein paar mehr ehrliche Emotionen hätten diesen Auftritt zum Höhepunkt des Festivals gemacht.

So wars nur guter Durchschnitt, die auswendig gelernten Ansagen wirkten seltsam deplaziert. Beim nächsten Mal sollte der Schwede vielleicht einfach nur mit seinem Trinkhorn den Fans zuprosten, weniger reden und dafür einen Song mehr spielen. Dafür war musikalisch alles im Lack, stampfende Wikingerhymnen, unter anderem „Immortal“, Death Metal Victory“, „Hell´s Unleashed“ „Ice Cold Winterland“, „Into Glory Ride“ und eine beeindruckende PyroShow ließen Atmosphäre aufkommen – was von einigen Black Metal Bands nur beschworen wurde, setzten UNLEASHED auch um. Neben eigenen Songs spielten UNLEASHED auch „Evil Dead“ und widmeten das Cover Chuck Schuldiner und Quorthon. Das Festivalgelände verwandelte sich in ein Langschiff, Kapitän Hedlund laberte zwar etwas zu viel, dafür hielt er das Ruder fest in der Hand und steuerte Band und Fanbesatzung durch einen nassen, kalten, aber heroischen Abend. Nach diesem Gig fühlte man sich wie ein kleiner Eroberer aus vergangenen Zeiten und trank mit dem Frontmann gerne auf Walhalla. (vampi)

Samstag, 14.08.

GOREROTTED

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - GOREOTTED - Der Festivalbericht von vampster.com
Unangenehme Situation Nummer eins: Im Fanblock eines Fußballstadion mit Trikot der gegnerischen Mannschaft stehen. Doch es geht schlimmer: Im Fanblock eines Fußballstadion mit Trikot der gegnerischen Mannschaft – und neben Dir stehen GOREROTTED. Diese Band erreicht Höchstpunkte auf der Assi-Hooligan-Skala. Zumindest optisch. Und obwohl GOREROTTED so gar nichts fürs Auge sind, lohnt es sich, diese Band anzuschauen. Sie sprechen extrem cooles Londoner Cockney-Englisch und reden alle gleichzeitig zwischen den Songs, ein unverständliches Fucking Durcheinandergebabbel ist das Resultat. Der Sänger sieht nicht nur aus wie ein englischer Fußballrowdy, er bewegt sich auch noch wie ein Hip-Hopper und „fucking“ scheint sein Lieblingswort zu sein.

Songtitel wie „Fuck your Ass with broken glass“ passen da ganz gut ins Bild. Die punkigen Grindcore Songs machen aber richtig Laune und so waren bereits am Nachmittag die ersten Crowdsurfer Richtung Bühne unterwegs, worauf die Jungs auf der Bühne erstmal als Revanche eine Pogo-Einlage boten. Chaos, Anarchie, Punk und Geschredder waren ein ausgesprochen wirkungsvoller Weckruf für den zweiten Festivaltag. GOREROTTED haben mit ihrer unnachahmlich assigen Show sicher den ein oder anderen Fan dazu gewonnen. Ein Erlebnis war es allemal, diese Band auf der Bühne und später übers Gelände torkeln zu sehen. (vampi)

INCAPACITY

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - INCAPACITY - Der Festivalbericht von vampster.com
Vor der Bühne war nicht mehr viel los, als INCAPACITY ihr Set begannen. Auf der Bühne in der folgenden Dreiviertelstunde übrigens auch nicht. INCAPACITY standen herum, ließen ab und an die Haare fliegen – das wars auch schon. Musikalisch ist das „All-Star-Projekt“, das sich aus ehemaligen Mitgliedern anderer Schweden-Combos zusammensetzt, ebenfalls nicht übermäßig aufregend. „Fervent Hate“ ist der einzige Song, der aufhorchen lässt – der Rest war nicht übermäßig aufregend und originell.

Vielleicht mag ich Band aber auch einfach nur nicht, weil ihnen der Plattenvetrag hinterher geschmissen wurde. Einzige Bedingung für den Deal bei Cold Records war, dass die Mitglieder der Band halbwegs bekannt sein sollten. Also scharte SOLAR DAWNs Anders Edlund ein paar Mitglieder von Bands wie UNMOORED, TORCHBEARER und EDGE OF SANITY um sich und fertig war die Band. Blöderweise ist das allgemein bekannt und INCAPACITY konnten die Vorbehalte, die viele, darunter sicher auch andere Bands, die seit Jahren erfolglos um einen Vertrag kämpfen, hegen, nicht ausräumen. Der Auftritt war nicht schlecht, aber auch nicht mitreißend. Wer einen solchen Stand als Band hat, sollte einfach mehr bieten als eine routinierte aber seelenlose Show. So blieben die Reaktionen auch eher mager. (vampi)

ENDSTILLE

Es ist ja schön, dass es noch so richtig harte Bands gibt. Ganz toll auch im Fall von ENDSTILLE. Black Metal, auch das noch. ENDSTILLE spielten nur ein Lied. Zwischendurch machten sie zwar Pausen, aber dann ging das Lied weiter. So in etwa könnte man die Musik der Herren beschreiben. Wem also ein Lied vom Set gefallen hat, der konnte sich glücklich schätzen, denn alle hörten sich gleich an. Für die einen Hui, für die anderen Pfui könnte man vielleicht sagen. Wie auch immer, ENDSTILLE hämmerten sich durch ihr Set, schnell, brutal, kompromisslos und immer schön true. Die Ansagen in den Pausen nutzte man dann um erfolgreichere Bands zu dissen und als Kommerz zu verschreien („DIMMU BORGIR und die ganze Kommerz-Kacke“) und zu verkünden, dass man ja total Underground ist. Euren Neid hättet ihr echt für euch behalten können. Ansonsten stabiler Auftritt, für den der`s halt mag. (deviator)

THE DUSKFALL

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - THE DUSKFALL - Der Festivalbericht von vampster.com
Wer in Nordschweden wohnt, hat laut THE DUSKFALL Sänger Mike Sandorf ein Problem: Die Bands werden kaum für Gigs gebucht, denn In Luelå finden kaum Konzerte statt und im Süden werden die ortsansässigen Bands gebucht. So ist auch nicht weiter verwunderlich, dass THE DUSKFALL einfach die Routine fehlt. Die Alben der Schweden sind überdurchschnittlich – wenn auch nicht gerade eigenständig. Dafür funktionieren die melodischen Death Metal Stücke live einwandfrei, und so mancher, der im Vorübergehen einen Blick auf die Band warf, blieb stehen.

Der im Vorfeld von Ex- GATE OF ISHTAR-Sänger Sandorf versprochene GATES OF ISHTAR-Song wurde nun doch nicht gespielt, doch die Songs wie „Age Of Error“, Source, „Age Of Terror“, „Guidance“ und „The Light“ rocken auch ordentlich. Sänger Kai Jakoola gab sich auch extra viel Mühe und packte sogar sein Schul-Deutsch aus und bedanke sich artig bei den „Herren und Fräuleins“ für den netten Applaus. Keine Ursache, die Band hatte sich ihren Beifall verdient. Und ich bin zuversichtlich, dass sie in Zukunft etwas selbstsicherer auftreten wird. Es wäre zu schade, wenn THE DUSKFALL an ihrer noch etwas unbeholfenen Show scheitern würden. (vampi)

HEAVEN SHALL BURN

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - HEAVEN SHALL BURN - Der Festivalbericht von vampster.com
Meinereiner durfte quasi als Zusatzüberraschung (obwohl ich jetzt vergessen hab, was die eigentliche Überaschung überhaupt war) einen tollen Ausfall, bzw. Ersatz erleben. GRAVEWORM fielen nicht nur aus, was ja allein schon mal ganz gut war, sondern an ihrer statt sollte niemand anderer als die Thüringer von HEAVEN SHALL BURN spielen. Wie der Zufall es so wollte, hatte ich erst am Bierstand davon erfahren, nur wenige Minuten bevor die Band loslegen sollte. Eine großartige Nachricht.

Der Auftritt an sich war dann auch mitreißend und rundum fett. Allerdings sprach der Ausdruck auf den Gesichtern der Anwesenden Metaller Bände: Viele wussten augenscheinlich nicht, wer dort gerade spielte. Endlich mal eine Möglichkeit total vorurteilsfrei an eine Band heranzugehen, meine Herren! Und das wurde auch ausgenutzt. War es am Anfang noch recht leer und ruhig und forderte Sänger Marcus den Moshpit ohne Ergebnis zu mehr Action auf, so änderte sich die Situation nach einigen Liedern drastisch. Staunende Gesichter vergaßen schnell alle Vorurteile gegenüber Metalcore und rockten zu einer guten Band.

Selbstverständlich war die Truppe auch vielen bekannt und schließlich bildete sich auch der heiß ersehnte Pit vor der Bühne. HEAVEN SHALL BURN bestritten auf jeden Fall ein exzellentes Heimspiel, donnerten uns ihren Energie geladenen Death Metal (ja, das sag ich jetzt mal so) um die Ohren. Egal ob ältere Stücke oder Brecher vom aktuellen Hammeralbum Antigone, es kam allesamt fett rüber – auch wenn Marcus am Anfang mit dem extrem kurzen Mikrokabel zu kämpfen hatte und sich kaum von der Stelle rühren konnte. Zum Glück konnte man da aushelfen und als Zuschauer dann HEAVEN SHALL BURN mit agilem Frontman bewundern. Für die Band wahrscheinlich ein wichtiger Auftritt, da man Fans extremer Musik vor sich hatte, die nicht zum Metalcore-Klientel gehören. So konnte man sicher noch den ein oder anderen auf seine Seite ziehen. Starke Show von einer starken Band, von der wir hoffentlich noch viel hören werden. (deviator)

HATESPHERE

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - HATESPHERE - Der Festivalbericht von vampster.com
Nachdem HEAVEN SHALL BURN schon tüchtig Adrenalin im Gelände und bei den Besuchern verteilten, setzten HATESPHERE noch einen drauf. Sänger Jacob ist über und über tatowiert, doch was genau da so farbenfroh an seinem Körper leuchtet, war nicht zu erkennen. Dieser Mann kann nicht eine Sekunde stillstehen, er ist ständig in Bewegung. Ganz nebenbei hatte er sicher auch mit die kräftigsten Stimmbänder unter allen Bands des Party.Sans.

Im Hintergrund stand eine Band, die verdammt viel Bewegung und Spielfreude zeigt, gekrönt wurde das Ganze von formidablen Thrash/Death Songs. Beste Voraussetzungen für einen gelungenen Auftritt also.

HATESPHERE überzeugten mit unbändiger Power, klasse Songs und einem Frontmann, der gar nicht genug Kontakt mit dem Publikum haben konnte. Die Hälfte des Sets war er nicht zu sehen, da er im Fotograben rumturnte und den Sänger zum Anfassen gab. „Downward to nothing”, “Insanity arise”, “Only the strongest… “, “Deathtrip” oder “Hate” – die Dänen waren nicht zu bremsen und das Publikum auch nicht. Ein toller Auftritt ohne Schnickschnack. Ohne Image, ohne alte Lorbeeren, ohne Kult-Faktor. HATESPHERE überzeugten mit ihrem unglaublich sympathischen Auftreten und guten Songs. Mit dieser Band ist noch zu rechnen. (vampi)

VOMITORY

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - VOMITORY - Der Festivalbericht von vampster.com
Und noch ein hochkarätiger Schweden-Import. Es hat zwar ziemlich lange gedauert, aber seit einiger Zeit kommen aus dem Hause VOMITORY richtig gute Alben. Live hat sich hingegen noch immer nicht viel getan. Das Stageacting beschränkt sich auf unablässiges Headbangen. VOMITORY dürften eigentlich weitgehend unerkannt über Festivalgelände latschen können, denn wie die Jungs eigentlich aussehen, weiß keiner so genau – man sieht die Gesichter ja nie.

Neben jeder Menge wallendem Haar setzten die Schweden auf brutalen Death Metal ohne überflüssige Melodien – so schnörkellos wie die Show sind auch die Songs. Pausen zwischen den Songs? Ansagen? Ein Hallo ans Publikum? Nicht bei VOMITORY. Warum auch, wenn man wunderbar eine Dreiviertelstunde im ICE-tempo einen Song nach dem anderen runterrumpeln kann. Ballern ohne Unterlass, eine feine Sache. Vielleicht macht gerade die Distanz, die bei VOMITORY immer zwischen Bühne und Publikum herrscht, die Gigs zu beeindruckenden Momenten. (vampi)

MISERY INDEX

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - MISERY INDEX - Der Festivalbericht von vampster.com
MISERY INDEX waren Chef. Das muss man ganz klar so sagen. Im Vorfeld war klar, dass viele das bereits vermuteten und noch mehr wussten: Man sah etliche MISERY INDEX-Shirts und das Gelände war gut gefüllt, als die Amis schließlich die Bühne betraten.

Lange brauchten sie nicht, um die Menge zu Toben zu bringen und binnen weniger Takte machten MISERY INDEX vor, wie man einen fetten Moshpit kreiert. Live kommen die Hardcore-Einflüsse scheinbar stärker zur Geltung als auf Platte, was wunderbar zur Abwechslung beiträgt, da sich Speed- und Grooveparts immer zur rechten Zeit abwechseln. Das PARTY.SAN durfte sich also über eine volle Ladung Death Metal freuen, der alles hatte, was man sich wünscht, Druck, Speed, Groove und vor allem Power brachten die Jungs unters Volk, wie keine zweiten. Der Sound kam dem vom Killer-Album Retaliate ziemlich nah und setzte dem ganzen quasi das I-Tüpfelchen auf. Fett, für mich die Gewinner des Festivals. (deviator)

ENSIFERUM

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - ENSIFERUM - Der Festivalbericht von vampster.com
Schon zu den Flötentönen des Intros „Ferrum Aeternum“ lagen sich met- und bierselige Freizeit-Wikinger in den Armen. In freudiger Erwartung auf eine Dreiviertelstunde Schlachtenhymnen tanzte und feierte der Mob von Beginn an. Es war ganz bestimmt kein Fehler, die junge Band ganz dicht an der Headliner-Position spielen zu lassen. Die Jungs haben nicht nur extrem eingängige und extrem mitreißende Songs im Laderaum ihres Langschiffes mitgebracht, sie haben auch an sich gearbeitet. Die Chöre überzeugen. Statt eher schief als recht im Hintergrund ein bisschen rumzugröhlen, weil’s halt auf Platte auch Chöre gibt, schmettern Markus und Jukka-Pekka mittlerweile aus voller Brust ihre Parts. Energiebündel und Sängergitarrist Petri Lindroos kann mühelos dagegen ankreischen und wenn ein Heer im Publikum mitsingt, mittorkelt und mittanzt, kann eigentlich keine Band Schiffbruch erleiden. ENSIFERUM ohnehin nicht, denn diese Band strotzt vor Energie und irgendwie nimmt man ihnen die Helden-Wikinger Nummer auch ab.

Der Übersong „Token Of Time“ stand an zweiter Stelle auf der Setlist, sehr schön – denn so schlug die Begeisterung gleich in den ersten Minuten in Euphorie um. „Tale Of Revenge“ Slayer of The Light“ oder „Guardians Of Time“ – bei zwei Alben ist die Gefahr, die falschen Songs zu spielen, nicht besonders groß. „Lai Lai Hei“ kanalisierte die Freude und Begeisterung auf und vor der Bühne in einem vielstimmigen Chor, und auch der letzte alkoholgeschwängerte Festivalbesucher kam zumindest um ein zustimmendes Mitbrummen der Refrainzeilen nicht herum. Nach „Treatcherous Gods“ und „Battle Song“ war dann Schicht im Schiff. Auch dem Metverkäufer wird dieser Auftritt ganz bestimmt gefallen haben. Vielleicht sollten ENSIFERUM da mal über einen Deal nachdenken, denn umsatzsteigernd wirkte sich ihr Auftritt mit Sicherheit aus. (vampi)

GRAVE

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - GRAVE - Der Festivalbericht von vampster.com
Statt mit den Kollegen von DISMEMBER und UNLEASHED auf die alten Tage anzustoßen, hatten sich GRAVE offenbar in Abstinenz geübt. Einen frischen Eindruck hinterließen die Schweden nämlich im Gegensatz zu ihren Landmännern und musikalischen Brüdern – zumidest was das Zusammenspaiel anging. Die andere Möglichkeit könnte sein, dass auch GRAVE rotzevoll waren, sich aber nur auf eine Sache konzentrierten, weil mehr einfach nicht drin war und Matti ja bereits eindrucksvoll bewiesen hatte, dass reden, singen und gleichzeitig laufen schnell zum Fall führen kann.

PARTY.SAN OPEN AIR 2004 - Die Bilder-Gallerie zum Festivalbericht von vampster.com

Musikalisch war die Show sehr fein. Optisch war sie eine Katastrophe – oder eine Bewerbung für das Wachsfigurenkabinett des Death Metals. Bewegt haben sich Ola und seine Mitstreiter nämlich nicht. Abgesehen von einigen Fingern und Armen. Wozu auch, so konnte man beim Groove von „Soulless“, „Reborn“ „You’ll never see“ und „And here I Die“ hemmungslos mitwirbeln – verpasst dürfte man kaum etwas haben. Plappermäulchen sind GRAVE auch nicht, die Ansagen waren aufs Allernotwendigste reduziert. Mit der Gewissheit ein Festival erlebt zu haben, auf dem gleich drei alte Helden bewiesen haben, dass sie die ganzen jungen NuMetal-Hüpfer ohne Probleme in Grund und Boden stampfen, schickten GRAVE mit „Into The Grave“ viele ins nasse Zeltchen. (vampi)

Die ganz Bösen huldigten noch DARK FUNERAL – doch für uns war hier Ende im Gelände und bei einem letzten Bierchen mit den netten Zelt-Nachbarn fassten wir den Beschluss, auch 2005 wieder dabei zu sein. Beim besten Festival des Sommers.



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