Nevermore, Lefay & Sacred Steel – 01.03.99 in der Röhre in Stuttgart

Nevermore, Lefay & Sacred Steel – 01.03.99 in der Röhre in Stuttgart

Mein Nacken schmerzt bei jeder Bewegung, meine Beine fühlen sich immer noch bleischwer an, mein Rücken erholt sich langsam wieder und
auch mein Hals tut nicht mehr ganz so weh wie noch heute morgen. Aber
was soll ich sagen, ich liebe diesen Schmerz, denn er hält meine
Begeisterung über den letzten Abend wach. Mann, was war das mal wieder
für ein Mörderkonzert und so richtig weiß ich immer noch nicht, was
mich da gestern überrollt hat!


NEVERMORE, LEFAY & SACRED STEEL gaben sich in der Röhre in Stuttgart
die Ehre und im Nachhinein würde ich von einem absoluten Killerpackage
reden. NOCTURNAL RITES, die im Vorfeld ebenfalls angekündigt waren
mußten das Konzert aus mir nicht bekannten Gründen absagen, worüber ich
eigentlich aber ganz froh bin, eine weitere Kombo an diesem Abend hätte
ich echt nicht überstanden…

Die Röhre brillierte mal wieder damit, die wartenden Fans draußen so
lange es geht auf die Folter zu spannen und so gingen gegen 20.30 Uhr
endlich die Pforten auf, was natürlich zur Folge hatte, daß auch schon
eine ganze Menge Leute in der Halle waren. Eigentlich ja schon fast
alle, die sich das Konzert an diesem Abend antun wollten, verwunderlich
war jedoch, daß die Röhre vielleicht grade mal halb gefüllt war, was
ich bei diesem Package doch nicht unbedingt erwartet hätte.

Und einen Großteil der Leute machte dann auch die Anhängerschaft von
SACRED STEEL auf, die diesen Abend eröffnen durften. Ganz klar, SACRED
STEEL befanden sich auf heimischen Terrain und so war für die Band
eigentlich schon alles gerettet.
Die vorderen Reihen waren schnell
besetzt und mit ‚Wargods of Metal‘ gabs auch gleich den richtigen
Einstand. Die Meute ging von anfang an voll mit und man merkte der Band
an, wie wohl sie sich vor diesem Publikum fühlte.

Daß das Publikum so
mitmachte, war auf dieser Tour bisher wohl nicht ganz
selbstverständlich, für den Gig in Donaueschingen am Vorabend hatte
Gerrit Mutz jedenfalls keine freundlichen Worte übrig. Originalton:
‚Ist das geil, wieder hier zu sein. Ihr hättet miterleben sollen, was
das in Donaueschingen gestern für eine Scheiße war. Das hättet ihr
erleben sollen, solche Wichser! Ehrlich, da geht selbst mir das
Vokabular dafür aus!‘.
Kein Vergleich also zum Stuttgarter Publikum und mit Songs wie
‚Tonight the witches ride‘, ‚Iron Legions‘, ‚Sword of the
King'(natürlich mit Schwertposing!) oder ‚Army of Metalheads‘ war bei
dieser geballten Schar an Fans auch schon alles geregelt.
Abgeschlossen wurde der Gig von der Band-Hymne ‚Sacred Steel‘, dem die
Band trotz lauter Rufe keine Zugabe mehr anhängen konnte.

Man durfte also gespannt sein, ob LEFAY an diesem Abend nicht besser
den Platz des Openers übernommen hätten, aber so einfach ließen sich
die Schweden nicht an die Wand spielen. Auch LEFAY konnten an diesem
Abend ‚in the city of SACRED STEEL‘ absolut auf das Publikum zählen,
das den MORGANA LEFAY-Nachfolger wohl schon lange ersehnt hat.
Für mich fing die Band jedoch mit einigen schnellen Songs recht
unglücklich an und auch dem restlichen Publikum
merkte man an, daß es
erst so richtig abging, als Powermetal-Kracher wie ‚Maleficium‘, ‚The
Source of Pain‘ oder ‚To Isengard‘ zum Zuge kamen. Eindeutig liegen in
diesen Songs die Stärke der Band und daß auch das neue Material live
funktioniert wurde eindrucksvoll mit ‚The Boon he gives‘ bewiesen.
Und auch LEFAY merkte man an, wie sehr sie von den Publikumreaktionen
begeistert waren und wie sie sich immer mehr in einen Adrenalinrausch
verfielen. Jedes Bandmitglied, vom Drummer mal abgesehen 🙂 , fegte
über die Bühne, die Jungs bespuckten sich gegenseitig mit Bier,
kommunizierten mit dem Publikum, ja, Gitarrist Peter Grehn verließ
sogar die Bühne und bangte sich lieber inmitten des Publikums mit der
Gitarre um den Hals einen ab, warf sich auf die Knie, badete sich in
der Menge und übergab auch noch seine Gitarre einem Fan, der diese dann
für ein paar Takte beackern durfte… Frontmann Charles wollte sich da
natürlich nichts nehmen lassen und begab sich ebenfalls unters
Publikum, so daß man also echt mal wieder von ‚Fannähe‘ reden konnte.

In dieser Stimmung ließ sich die Band natürlich auch gerne zu einer
Zugabe überreden und so stimmten die Jungs als Abschluß den
‚Rasta-Song‘ an, der auf CD zwar recht langweilig wirkt, live aber
absolut funktioniert.

Eigentlich hättem meinem Körper diese beiden Bands ja schon gereicht,
aber mein Hirn war sich noch absolut darüber im Klaren, warum ich an
diesem Abend in die Röhre kam. Je länger jedoch die Umbaupause dauerte,
umso mehr merkte ich, wie erschöpft ich doch schon war und so
verfluchte ich immer mehr die Leute, die den Umbau einfach nicht
schnell genug auf die Reihe bekamen. Was bringt es denn schon, wenn man
von den Vorbands bis aufs Äußerste angeheizt wird, in einer fast
45minütigen Umbaupause aber wieder fast bis auf den Nullpunkt abkühlt.
Ziemlich schwache Leistung!

Genau das Gegenteil kann man jedoch von NEVERMORE behaupten! Diese
habe
ich gestern nämlich mal wieder in den Gottstatus erhoben (eigentlich
haben sie es ja selbst getan…) und für die nächste Zeit ist klar,
welche Band ich als erstes bei meinen absoluten Faves nennen werde!
Mit ‚Beyond within‘ und ‚The Death of Passion‘ startete die Band
erwartungsgemäß mit den Openern des neuen Albums und schon bei den
ersten Songs war klar, in welcher Liga NEVERMORE 1999 spielen! Jedes
Bandmitglied funktioniert 100prozentig und trotz der Komplexität der
Songs und des technischen Schwierigkeitsgrades knallen die Songs jeder
Schaffensphase absolut. Besonders Gitarrist Jeff Loomis konnte mich ein
ums andere mal mit seinem exakten Gitarrenspiel begeistern.
Im Vordergrund der Bühnenshow stand jedoch wie immer Frontmann Warrel
Dane, der mit seiner theatralischen und unkonventionellen Art, sich zu
bewegen das Publikum immer wieder in den Bann zog. Leider verliert er
durch diese introvertierte Show etwas arg den Kontakt zum Publikum,
einem Ausnahmekünstler wie Dane nimmt man sowas aber nicht übel.
Erstaunlich auch, mit welcher Kraft er die Vocals zu seinen Songs
herausschreit, bei mir versagte jedenfalls bereits nach dem dritten
Song ‚This Sacrament‘ die Stimme. Seine gesangliche Vielfältigkeit
bewies der Fronter jedenfalls ein ums andere mal, sei es bei
gefühlvollen Stücken wie ‚Dreaming Neon Black‘ (einer der absoluten
Höhepunkte des Sets) oder bei abgedrehten Abgehnummern wie ‚The Next in
Line‘.

Obligatorisch für die Band scheint immer noch das Spielen von alten
SANCTUARY-Songs zu sein und daß ist auch gut so. Mit ‚Future Tense‘ und
‚Battle Angels‘ wurden dann auch gleich 2 absolute Highlights der
beiden SANCTUARY-Werke geboten und ich war doch irgendwie erstaunt, daß
auch der Metal-Nachwuchs diese Songs ohne Probleme mitschreien konnte.
Das auf der Band-Homepage angekündigte ‚No more Will‘ wurde an diesem
Abend zwar leider nicht gespielt, dafür überließ Warrel Dane dem
Publikum aber die Entscheidung darüber, ob denn nun ‚The Sorrowed Man‘
oder ‚The silent Hedges‘ von der ‚In Memory‘-EP gespielt werden solle.
Die Reaktionen waren eindeutig, an diesem Abend wollte niemand Balladen
hören (okayokay, die Halbballade ‚The Sanity Assassin‘ habe ich bitter
vermißt) und so wurde mal wieder deutlich, daß die BAUHAUS-Coverversion
inzwischen ein absoluter Live-Klassiker der Band geworden ist.
‚The Seven Tongues of God‘ war dann letztlich der Abschluß dieses
denkwürdigen Auftritts und auch wenn ich noch laut nach Zugabe brüllte,
war ich doch ganz froh, daß mein Körper endlich Ruhe finden sollte.

NEVERMORE bieten in starken eineinhalb Stunden mehr, als andere Bands
in 10 Stunden bieten könnten und auch beim Verlassen der Halle sah ich
kein Gesicht, daß gegenteiliges ausdrückte. Absolut Daumen hoch für
NEVERMORE, die Band ist Geschichte!

Fierce


Fierce
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