MOUNTAINS OF DEATH 2008: Der Festivalbericht

MOUNTAINS OF DEATH 2008: Der Festivalbericht

 

Das Festival

 Freitag, 22.08.08
Suffocate Bastard | Twitch of the Death Nerve | Censored | Infested | Carnivore Diprosopus | Inveracity | Beheaded | Insideous Decrepancy | Misery Index | Agathocles

Samstag, 23.08.08
Sickening | Celebral Bore | Destructive Explosion of Anal Garland | Putiditry | Craniotomy | Infected Disarray | Requiem | Human Rejection | Carnal Decay | Despised Icon | Cephalic Carnage | Katalepsy | Black September

 

Auf das MOUNTAINS OF DEATH-Festival kann man sich seit nunmehr acht Jahren verlassen – in allen Bereichen. Unerschütterlich rahmen die mächtigen Felswände das Muothatal ein und liefern den Festivalbesuchern eine unvergleichliche Kulisse, welche trotz jährlicher Rückkehr immer wieder verzaubert. Freundlich weisen einem die Securities den Weg zu den Gratisparkplätzen. Die grüne Wiese neben dem Festivalgelände wird schon fleißig bezeltet und hier und dort brutzeln sich carnivorisch veranlagte Sickfucks eine Stärkung für den folgenden Moshpit-Marathon.

 

 MountainsofDeath2008PublikumvonAndreasSzabo
 Bereit für den MOD-Moshpit: die Sickfucks

Die kühlen Temperaturen und der graue Himmel verscheuchen das vorfreudige Strahlen nicht von den Gesichtern und kaum hat man das Festivalgelände betreten, fühlt man sich wieder wie zuhause. An der kulinarischen Front fallen die Preise – wie auch im letzten Jahr – angemessen aus und die Auswahl kommt sowohl Fleischessern wie auch Vegetariern entgegen. So gibt es Falafel und Kebab beim PISKIN ORIENT IMBISS, außerdem einen Verkaufsstand mit Grillgut und dem Festival-eigenen Brotschnitzel (die Diskussion zur Frage, wie man es ästhetisch verspeisen kann, hat noch zu keinem Resultat geführt). Statt Mah-Meh kann man sich dieses Jahr zudem Pizza genehmigen, welche wesentlich einfacher zu verspeisen ist und entsprechend gut ankommt.

 

 

 MountainsofDeath2008SpigavonAndreasSzabo
Walliser Rockpolizii hinter dem Soundpult: Spiga

Auch im Verkaufszelt ist alles beim Alten. Neben dem Bandmerchandise locken unter anderem die Angebote von FASTBEAST, NECRONOS und METALAGE PRODUCTIONS. Bei den Preisen lassen sich keine krassen Veränderungen ausmachen, sie bleiben moderat. Einige Bands verticken ihre CDs schon für zehn Euro, T-Shirts werden ab 12 Euro angeboten. Ebenfalls preiswert ist der festivaleigene Merchandise, der weggeht wie warme Semmeln.

 

 MountainsofDeath2008SandwichRetivonArletteHugueninD
Echte Brutal Death-Stullen von Festivalorganisator Reti

Aus dem gegenüber liegenden Partyzelt erklingt die altbekannte Brutal Death-Mucke und ein Blick auf die Preise an der Bar verrät, dass man am MOUNTAINS OF DEATH 2008 genau gleich viel für sein Geld bekommt wie letztes Jahr: drei Deziliter Bier gibt es für vier, Nicht-Alkoholisches und Shots für drei und Longdrinks für zehn Schweizer Franken. Wiederum setzt das Organisatorenteam auf genug freundliches Personal hinter der Bar – für das leibliche Wohl ist also gesorgt. Zur Not kümmert sich auch der umtriebige Festivalpapa Reto Ehrler darum – dieser ist es sich zu später Stunde nicht zu schade, hinter den Kulissen Brote zu schmieren, um den Stullennachschub zu gewährleisten. Der familiäre und bodenständige Charakter des Festivals verschwindet so auch bei über 1000 Besuchern nicht – und das ist gut so.

 

Freitag, 22.08.2008

SUFFOCATE BASTARD
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 MountaisofDeath2008SuffocateBastardvonAndreasSzabo
Solider Festivalauftakt – SUFFOCATE BASTARD

Mit 25 Minuten Verspätung eröffnen SUFFOCATE BASTARD den musikalischen Reigen des MOUNTAINS OF DEATH 2008 knapp vor halb fünf Uhr nachmittags – synchron ergänzt der Wettergott dieses Treiben mit dem Einsetzen von leichtem Regen. Nach einem kurzen Einlärmen und Eingrowlen brettern die Hertener der Meute vor der Bühne schnellen Brutal Death Metal um die Ohren. In Sachen Stage-Acting geben sich die Deutschen minimalistisch, bei den Ansagen setzt man meist auf die Englische Sprache und macht nur wenig Gebrauch vom Deutschen. Songs wie Clones, Cold eyes of murder, Sadistic souls und In decadence the scum was born scheinen das Muothataler Wetter nicht zu besänftigen, denn der Regen wird stärker. Dies hält das bereits reichlich vorhandene Publikum allerdings nicht davon ab, dem Wunsch von Fronter Brice nachzukommen und einen Circle Pit zu formieren.

Bangend trotzen die Sickfucks dem Wetter und SUFFOCATE BASTARD goutieren dies mit tiefen Growls, fiesem Frognoise und weiteren Tracks ihres aktuellen Albums Acts of contemporary violence wie Architects of perversity, The rats are gathering in the cradle of hypocrisy, Welcome to my tomb of immortal pain und All humanity lost. Die anfänglichen Soundprobleme werden vom Soundmeister Serge Spiga rasch beseitigt und SUFFOCATE BASTARD liefern einen mit schleppenden und schnellen Parts gewürzten, Soli-freien, soliden Festivalauftakt ab, den sie mit dem Track A cenotaph built of lies beschließen.

 

TWITCH OF THE DEATH NERVE
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 MountainsofDeath2008TwitchofthedeathnervevonAndreasSzabo
Ohne Probe auf die Bühne: TWITCH OF THE DEATH NERVE

Trotz diesem positiven musikalischen Auftakt zeigt sich das Wetter unbeeindruckt und heftiger Regen setzt ein. Schon entfalten einige Pfützen ihre Reize und rufen (noch) fröhliche Plantschgelüste beim Publikum hervor. Gegen halb sechs ertönt dann das gesprochene Intro von TWITCH OF THE DEATH NERVE, welche jedoch glatt den darauf folgenden Einsatz verpassen. Das schert das englische Kollektiv jedoch wenig, spielt man doch zum ersten Mal zusammen und kann auf keine Proben im Übungsraum zurückblicken.

Musikalisch frönen die Briten ebenfalls dem brutalen Todesmetall. Well if the turkey is in the high chair, where`s the baby, Fetus dumplings und Perculiar perversions werden nur mit einer Gitarre bestritten, doch das wird mit reichlich Frognoise-Einsatz wettgemacht, was in der entsprechenden dschn dschn dschn uiii uiii uiii-Soundkulisse resultiert. Für die nötige Schärfe sorgt bei TWITCH OF THE DEATH NERVE dann der Drummer, der nicht mit technisch anspruchsvollen Spielereien geizt. Dies vertreibt den Regen für eine Weile und die Briten reichen ihre brutalen Tracks A Hundred and Twenty Days in Sodom und Locard principle nach. Für den letzten Song Pitezel family setzt man dann auf Gastsänger Tom, der unter anderem bei BLASPHTIZED aktiv ist und live auch bei CREPITATION mitmischt, die letztes Jahr am MOUNTAINS OF DEATH slammend überzeugen konnten. Insgesamt liefern TWITCH OF THE DEATH NERVE also einen coolen Gig ab und beweisen erneut, dass England ein fetter, rotziger Blutstropfen auf der Brutal Death-Landkarte ist.

 

CENSORED
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 MountainsofDeath2008CensoredNikvonAndreasSzabo
Schwede ohne Schwedendeath – Nik (CENSORED)

Doch auch die einheimische Death Metal-Brut braucht sich nicht zu verstecken. Beweis dafür ist unter anderem das Zürcher Todesmetalltrio CENSORED, welches um halb sieben mit seinem Set beginnt. Obwohl an diesem Freitagabend in Le Locle das ENTOMBED / NEUROSIS-Konzert als happige Konkurrenzveranstaltung läuft, können CENSORED nicht über mangelnde Publikumspräsenz vor der Bühne klagen. Mit mächtig Spielfreude und physischem Engagement stellen die Schweizer mit Songs wie Threatened with extinction, Down by law, Suicide machine, Prone to Kill and Torture as a Strategy to Overthrow Governments und Out of breath ihre aktuelle Scheibe in-existence vor und lassen sich auch von kleinen Soundproblemen im Bassbereich nicht beirren.

Vom Vorgängerdemo System disease schafft es lediglich der Titeltrack in die Setliste und der Gig muss ohne das kultige Bloody Butchery aus dem Jahr 2002 auskommen. Technisch versiert und abwechslungsreich wird hier von den drei Jungs Todesmetall abgeliefert, der immer wieder überrascht und bereits Vorahnungen auf die freitäglichen Headliner MISERY INDEX aufkommen lässt. Mit Faint, welches auch in-existence beschließt, beenden CENSORED ihren Auftritt und heimsen völlig zurecht reichlich Applaus von erfreuten Fans ein – cooler Gig!


INFESTED

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 MountainsofDeath2008InfestedvonAndreasSzabo
 Cooles Riffing – INFESTED aus Lübeck

Kaum verlassen CENSORED die Bühne, verdrückt sich auch die Sonne wieder hinter graue Wolken und es sieht nicht nach einem regenfreien Gig für den KRONOS-Ersatz INFESTED aus. Das kümmert die Lübecker jedoch wenig, die sogleich mit wirrem Spiel, verschiedenen Growls und Geschrei dem Brutal Death Metal huldigen. Sänger Niklas scheint permanent in Bewegung zu sein und die Bangfreude INFESTEDs motiviert auch die Meute dazu, fleissig die Matten zu schütteln. Daran ändert auch der starke Regen nichts, der während des Gigs einsetzt und die Klänge von Voices, Withdrawal from reality, Second smile und The collapse (vom Demo aus dem Jahr 2006) mit kaltem Niederprasseln ergänzt.

Das Album …until it breaks down again berücksichtigen die Brutal Deather hingegen nicht in ihrem Set, was jedoch angesichts des coolen Riffings mit vielen Flageoletts kaum auffällt. Die heftige Guttural-Brutalkante kommt sehr positiv bei den Fans an, die lautstark eine Zugabe verlangen und mit Gore gravy belohnt werden. Danach buhlt der Regen wieder um Aufmerksamkeit – und das In-Sicherheitbringen des Equipments auf der Bühne rückt in den Vordergrund.


CARNIVORE DIPROSOPUS

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 MountainsofDeath2008CarnivoreDiprosopusvonAndreasSzabo
Dampfender Drummer im Regen: CARNIVORE DIPROSOPUS

Der Auftritt von CARNIVORE DIPROSOPUS wird von den Sickfucks bereits sehnlich erwartet. Auch wenn die Mehrheit der Mitglieder der kolumbianischen Formation mittlerweile in Spanien residiert, greift beim Quartett der Exotenbonus und so werden sie schon während dem Soundcheck jubelnd begrüßt und mit Schreien angefeuert. Die kolumbianische Flagge setzt einen gelb-blau-roten Farbtupfer im herrschenden kühlen Wettergrau und man fragt sich, ob Gitarrist Ronny seine im Backstage-Bereich noch spürbare Nervosität während des Gigs wohl abstreifen kann.

Nach einem Film-Dialog zwischen Mann und Frau, der passend mit dem Zitat Welcome to the madhouse endet, brettern CARNIVORE DIPROSOPUS los. Brachial-brutal geht es zu und her und ein Slam-affiner Part im Opener führt zu einem Circlepit im Zeitlupentempo, von dem auch der FINNTROLL-Shirtträger mitgerissen wird. Dampfwalzenparts und Vocals à la dahingeschiedenes Borstenvieh werden mit intensiven Moshpit-Aktivitäten quittiert und im Publikum findet sich auch ein stolzer Träger einer Plastikschweinenase, so dass die Vocals auch ein visuelles Gegenstück bei den Fans finden. Settechnisch wird vor allem das aktuelle Album Madhouse`s macabre acts berücksichtigt, doch auch ein DEHUMANIZED-Cover darf nicht fehlen. Hier und da findet sich zudem eine neue Spezies Fan, welche wohl mit dem Luftgitarristen verwandt ist, aber nur an Brutal Death Konzerten auftritt: der Luftgrunzer. Abgesehen von Fronter Oscar wirken die Musiker von CARNIVORE DIPROSOPUS zwar eher statisch, doch das positive Feedback auf ihren Gig bleibt nicht aus und äussert sich auch in Stage-Diving-Aktivitäten. Mit anderen Worten – die Nervosität ist weg und das kolumbianische Brutal Death-Team hat ebenfalls reüssiert.


INVERACITY

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 MountainsofDeath2008InveracityvonAndreasSzabo
Ultraschnelle Fingerarbeit am INVERACITY-Bass: John

Nächstes Opfer des kalten Wetters werden die ebenfalls wärmere Temperaturen gewohnte Griechen INVERACITY. Daran ändern auch einige nackte Oberkörper im Pit wenig, die sich nun zu den brutalen Todesmetallklängen der Athener bewegen. Bassist John punktet mit ultraschneller Fingerarbeit und gleichzeitigem Bangen während Gitarrist Antonis konzentriert und etwas steif seinem Griffbrett die schnellen Läufe abgreift. Die in normaler Stimmlage angebrachten Ansagen wirken wie ein krasses Gegenstück zum Vocals-technischen Tiefgegurgel während der Songs. Während Behind the walls of derangement setzt der Regen wieder ein und damit die Pfützenbildung, was Fronter George mit einem Fuck the rain motherfuckers kommentiert und daraufhin den anderen Bands und den Organisatoren dankt (welche die Regenbildung offensichtlich nicht beeinflussen können).

Set-technisch berücksichtigt die Band vor allem das aktuelle Werk Exterminations of millions, von welchem auch Visions of coming apocalypse und Exposing the semihumans berücksichtigt werden. In rot-grünes Licht getaucht, warten die Griechen auch mit dem einen oder anderen schleppend-mahlenden Part à la SUFFOCATION auf, allerdings dominiert unerbittliches Gebretter. Die Griechen sind sichtlich locker bei der Sache, haben technisch alles im Griff und sorgen für eine gute Stimmung im Pit, an dessen Rand auch zwei Metallerinnen mit Bikinioberteil statt Shirt den Regen auf ihre Körper prasseln lassen. Bevor der Regen auch INVERACITY erreicht, sind die letzten Klänge im Auftrag von Gore, Sodomie und Sadismus gespielt…

 

BEHEADED
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 MountainsofDeath2008BeheadedvonAndreasSzabo
Animiert Luftgrunzer zum Mitmachen: BEHEADED-Fronter Melchior

Mittlerweile lässt sich die Verspätung nicht mehr wettmachen, doch andererseits ist die Bruddu-Party in vollem Gang und Strategien zum Trockenbleiben dominieren eher die Gedanken als schnödes Auf-die-Uhr-Schauen. Als nächstes ist es somit an den Maltesern von BEHEADED, für ansprechende Lärmbedienung zu sorgen. Die vorhandene zweite Gitarre verleiht dem Quintett sogleich mehr Wumms, der sowohl die schnellen, als auch die Dampflok-ähnlichen Passagen erfasst. In den vordersten Reihen tummeln sich wild zuckende Fans im Regen, ein Schirm wird malträtiert und wieder sind Luftgrunzer zu sehen.

BEHEADED liefern den passenden Sound für diese Aktivitäten, rasen durch ihre wirren Songs und präsentieren ihr aktuelles Album Ominous bloodline nicht nur mit dessen Opener Crowned with repression. Locker vom Hocker prügelt sich Drummer Chris durch die Tracks und erledigt sämtliche Doublebass-Attacken lediglich mit schwarzen Sportsocken an den Füßen. Bassist David und die Gitarristen Chris und Nicky spielen sich konzentriert durch ihre Rasereien, die trotz der freundschaftlichen Verbandelung mit den Slammern CREPITATION nur selten von schleppenden Parts aufgelockert werden. Fronter Melchior gurgelbrüllt sich sowohl durch die Songs als auch durch die Ansagen und die völlig durchnässten Fans belohnen die Maltesern mit Gejubel und Applaus. Das Team Malta kann somit ebenfalls Punkte auf sein Konto verbuchen.


INSIDIOUS DECREPANCY

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 MountainsofDeath2008InsidiousDecrepancyvonAndreasSzabo
Selten live zu sehen – Shawn von INSIDIOUS DECREPANCY

INSIDIOUS DECREPANCY sind dann wiederum eine der Bands, die ungeduldig von eingefleischten Fans erwartet werden. Bürgt das Siegel Made in Texas dank Bands wie DEVOURMENT für Qualität, so kommt bei INSIDIOUS DECREPANCY noch der Reizfaktor hinzu, dass die Einmann-Band live wenig in Erscheinung tritt und am MOUNTAINS OF DEATH 2008 ihre einzige Show in Europa spielen würde. Groß also die Vorfreude, das Material von Decadent orgy of atrocious suffering und The inerrancy of profanation endlich einmal nicht mit dem Drumcomputer, sondern mit einem echten Drummer aus Fleisch und Blut hinter dem Kit zu genießen und sich auch live ein Bild von Shawns Projekt machen zu können.

Da spielt es denn auch keine Rolle, wenn Mastermind Shawn live eher steif wirkt und geradezu an seinem Griffbrett klebt. Doch eben – der Kultfaktor und die Qualität des Materials wiegen schwerer und so stoßen Songs wie Decadent Orgy of Atrocious Suffering, Inebriated By The Blood of Divine Suffering Through Secular Dissection oder The Inerrancy of Profanation auf Begeisterung im bewegungsfreudigen Publikum. Die vorderste Reihe bangt kollektiv mit, andere blicken gebannt auf die Bühne und genießen jede Minute dieser seltenen Live-Darbietung. Shawn wirkt über weite Strecken konzentriert-entrückt, doch hier und da huscht doch ein Funken Zufriedenheit über sein Gesicht aufgrund des positiven Feedbacks aus dem Publikum. Musikalisch wird das brutale Gebretter von INSIDIOUS DECREPANCY immer wieder durch etüdeske Partien aufgebrochen, allerdings driften die Texaner niemals in als melodiös zu bezeichnendes Spiel ab. Gegen Ende des Gigs bekundet Shawn mit Thank you so fucking much for fucking sticking around seine Freude und das texanische Trio wird nochmals tüchtig gefeiert – nach einer Zugabe ist dann allerdings Schluss und man ist sich einig, dass INSIDIOUS DECREPANCY die hohen Erwartungen erfüllt haben.


MISERY INDEX

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 MountainsofDeath2008MoshpitvonAndreasSzabo
 Kälte und Regen verhindern keinen Moshpit

Mittlerweile kriecht die Kälte in die Knochen und der Regen tut das Übrige dazu. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass sich die anfängliche Verspätung auf eine Stunde ausgeweitet hat und die Freitagsheadliner MISERY INDEX wohl erst nach ein Uhr morgens die Bühne entern werden. Doch allen widrigen Umständen zum Trotz ist die Menschentraube vor der Bühne so groß geworden, dass der ganze Platz gut gefüllt ist.

Von der ersten Sekunde an sucht Fronter Jason (DYING FETUS) erfolgreich den Kontakt zum Publikum. Die Gitarristenfraktion Mark und Sparky gibt sich bewegungsfreudig und demonstriert unter anderem effektives Kreisbanging, was nicht ohne aktivierenden Effekt auf das Publikum bleibt.

Technisch gewohnt raffiniert zeigen die Amis, wo der vertrackte Hammer hängt und lassen keine Zweifel daran offen, dass sie den Headlinerstatus des Freitags ohne Wenn und Aber verdient haben. Zu den vertrackten Parts gesellt sich abwechslungsreiches Drumming. Obwohl Drummer Adam einen gehetzen Blick aufweist, als würde er von einem Wespenschwarm gejagt, sitzt bei MISERY INDEX jedes Break, wo es zu sitzen hat und ihre Performance ist tight wie ein Kamelarsch im Sandsturm.

 MountainsofDeath2008MiseryIndexvonAndreasSzabo
Tight wie ein Kamelarsch im Sandsturm: MISERY INDEX

Statt Luftgrunzer gehen nun die Luftschlagzeuger in der Meute tüchtig ab. Nach dem Opener Conquistadores (vom Discordia-Album) wildern MISERY INDEX in ihrer Retaliate-Vergangenheit und warten mit The great depression auf. Vom, im Oktober erscheinenden Album Traitors spielen die Amis den Titeltrack, der mit einem dissonant-groovigen Beginn und schleppend-raffinierten Riffs aufwartet. Die Menge reagiert sowohl auf neues wie auch altes Material positiv und Traitors ist weder allzu radikale Veränderung noch lähmend-verharrender Stillstand in Sachen Bandentwicklung.

Treibende Grooves heizen wiederum die Schaffung eines Moshpits an, Fans erklettern die Bühne und werden von der freundlichen Stage-Security noch zum Diven motiviert. More, more-Chöre sind genauso zu hören wie Applaus und Jubel, ja selbst der Fan, der von der Sanität auf der Bahre rausgetragen wird, hat noch ein glückliches Grinsen auf dem Gesicht. Mit dem schnell gespielten TERRORIZER-Cover Dead shall rise verabschieden sich MISERY INDEX für die Nacht – und haben von A bis Z überzeugt. Klasse!

 

 

 

AGATHOCLES
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 MountainsofDeath2008AgathoclesvonAndreasSzabo
 Grind is fucking protest – AGATHOCLES

Klar, dass die nächtlichen Rausschmeißer-Bands beim MOUNTAINS OF DEATH immer etwas Spezielles sind. Meistens in der Sparte Grindcore und Extrem-Party-Machen unterwegs und mit tüchtig Eiern in der Hose, um nach dem Headliner das Publikum nochmals zum Moshen zu animieren (bestes Beispiel hierfür die sensationellen MALIGNANT TUMOR letztes Jahr).

Unter dem Banner Grind is protest, not posing fällt diese Rolle dieses Jahr – zumindest für den Freitagabend – AGATHOCLES zu. Dass bei den Belgiern Posing nicht angesagt ist, zeigt sich auch im Umstand, dass sie ihren Auftritt überhaupt wahrnehmen, obwohl sich ihr Bassist lediglich zwei Wochen vorher umgebracht hat. So steht der Auftritt des Duos im Zeichen des Gedenkens an Bassist Tony und grosser Respekt für das Handeln von Jan und Nils wird vielerorts im Publikum bekundet.

Instrumentell beschränken sich AGATHOCLES aufs Nötigste und präsentieren ihren Mincecore lediglich mit Schlagzeug, Gitarre und Vocals. Jans Aufruf All right, grind is fucking protest wird von der spärlich werdenden Meute positiv aufgenommen und die vorhandenen Kräfte werden ein letztes Mal mobilisiert, um bei Songs wie Big flat cages und Only friction (von der aktuellen Split mit AVULSION) tüchtig abzumoshen. Das belgische Duo holt das meiste aus dem minimalistischen Setting heraus und pfeffert eine Grindcore-Bombe nach der nächsten runter. Die Ansagen beschränken sich auf ein Minimum und so hat man nicht selten das Gefühl, sich eine Grindcoreplatte anzuhören, statt an einem Konzert zu sein. Positiv aufgenommen wird die Performance der Belgier trotzdem – und viele holen sich draußen in der Kälte dabei noch die letzte Motivationsspritze, um nach Gigschluss um halb vier Uhr morgens im Partyzelt bei Brutal Death-Klängen die Nacht definitiv zum Tag zu saufen.

 MountainsofDeath2008PartyzeltvonAndreasSzabo

Wo die Nacht zum Tag wird: das MOUNTAINS OF DEATH-Partyzelt

 

SAMSTAG, 23.08.2008

SICKENING
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 MountainsofDeath2008SickeningvonAndreasSzabo
Italienisches Weckkommando: SICKENING

Gegen Mittag sieht man die ersten Opfer des kalten, regnerischen Freitags aus den nassen Zelten kriechen. Der Freitagstrend der Mülltüten als Regenschutz setzt sich zwar fort, doch angesichts der mittäglichen Sonnenstrahlen will man nicht daran glauben, dass der Regen das Festival nochmals heimsuchen wird.

Optimistisch erwartet man also das Samstagsweckkommando SICKENING, die pünktlich um 13 Uhr ihr Set beginnen. Musikalisch bieten die Italiener brachialen Death Metal mit tiefem Gegrunze. Sänger Claudio beweist einmal mehr, dass man Äußerlichkeiten nicht zuviel Bedeutung zumessen sollte – unglaublich, dass aus einem solch schmalen Körper derart tiefes Grunzgrollen herausgepresst wird. Ergänzt wird die Performance durch einen flitzfingrigen Bassisten sowie zwei Gitarreros, welche sich mit Doppelgitarrenleads um Abwechslung bemühen.

Routiniert stellen die Italiener ihr aktuelles Album Ignorance Supremacy unter anderem mit dessen Titeltrack, In torment`s pain, Devouring the existence und Quartered brains vor und lassen sich auch nicht davon aus der Ruhe bringen, als Stagesecurity Mike (EYES SEE RED, FIREBREATHER) einen kleinen Mangel am Drumkit gleich selbst behebt. Obwohl SICKENING auch bei Blast of madness und dem abschließenden Embraced by hypocrisy keine Patzer machen, ist die Publikumsreaktion noch etwas verhalten. Man merkt, dass vielen die durchzechte Nacht, die Kälte und die häufigen Regengüsse noch in den Knochen sitzen und es wohl noch mehr Aktivierungsenergie benötigt, um intensives Moshpittreiben hervorzurufen…

CEREBRAL BORE
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 MountainsofDeath2008CerebralBorevonAndreasSzabo
Kotzt, kreischt und gurgelt sich die Seele aus dem Leib: Paddy (CEREBRAL BORE)

Dass durchzechte Nächte nicht auf alle dieselben Auswirkungen haben, beweisen gegen zwei Uhr die Schotten von CEREBRAL BORE. Diese haben am Vorabend tüchtig mit TWITCH OF THE DEATH NERVE und CREPITATION gebechert, doch wer Haggis mag, der steckt auch Alkoholkonsum im Regenwetter locker weg. Angetrieben von Drummer Allan, der in weißen Sportsocken spielt, servieren die Schotten harschen Death Metal. Sänger Paddy kotzt, kreischt und gurgelt sich die Seele aus dem Leib und man fragt sich, ob der Notenschlüssel, der auf seine rechte Flanke tätowiert ist, dabei hilft, seine Gurgelbrüll-Lines schriftlich festzuhalten. So oder so verausgabt sich der drahtige Schotte total, kniet nieder, klettert auf die Drumbühne und holt alles aus sich raus für das fünf Songs umfassende Set.

Songwidmungen erhalten Tschosef Fritzel sowie Daniel und Patrick von AMAGORTIS, doch auch CEREBRAL BORE haben noch mit dem müden Publikum zu kämpfen. Viele genehmigen sich erst ein Pizzafrühstück und so formiert sich erst gegen Ende des Gigs ein temporärer Pit. Dennoch – eine solide Leistung, die den offenbar nicht Brutal Death-affinen Wettergott dazu motiviert, graue Nebelschwaden aufziehen zu lassen.


DESTRUCTIVE EXPLOSION OF ANAL GARLAND

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 MountainsofDeath2008DestructiveExplosionofAnalGarlandvonAndreasSzabo
Knackiger Grindcore mit dem bizarrsten Namen: DESTRUCTIVE EXPLOSION OF ANAL GARLAND

Obwohl TWITCH OF THE DEATH NERVE heiße Anwärter darauf waren, geht der Preis für den bizarrsten Bandnamen des Festivals eindeutig an die Tschechen von DESTRUCTIVE EXPLOSION OF ANAL GARLAND. Logischerweise sorgt das Quartett während seines Gigs für die dazugehörige Grindcore-Bedienung und widmet sich lyrisch den weiblichen Feuchtgebieten und möglichen Aktivitäten in diesen Breitengraden.

Kurze, Grindcore-typische Songs mit abruptem Ende bestimmen das Set von DESTRUCTIVE EXPLOSION OF ANAL GARLAND. Der Bass-Sound ist scherbelnd verzerrt und auch die Gitarrenklänge vertreiben den Eindruck, dass hier ein alter Betonmischer am Werk ist, nicht. Dazu gesellt sich das wirklich nicht mehr humane Grunzen von Sänger Koloch, dessen Äußerungen über weite Strecken nur noch mit oink oink zusammengefasst werden können. Songtechnisch werden die Tracks der aktuellen Scheibe Cutterclit genauso berücksichtigt wie die aus dem letztjährigen Werk Sealing off the vagina by sewer lid. Der Titelsong von Cutterclit widmen die Tschechen den Festivalorganisatoren und das Grindgeballer weckt die Meute mehr und mehr auf.

 MountainsofDeath2008StagedivingvonAndreasSzabo
Nicht nur bei DESTRUCTIVE EXPLOSION OF ANAL GARLAND fleißig praktiziert: Stagediving 

Außerdem profitieren die Tschechen von der regenfreien Phase und so formiert sich ein Moshpit, die Stagediver entern wieder die Bühne und die groovigen Parts tun ihr Übriges, um für mehr Aktivitäten zu sorgen. Der Pit schwillt an, je weiter der Gig fortschreitet und Tracks wie Hopsahejsa do Brandejsa, Okrouhlik se k udu lisa, Mam to ve voku und Utesneni vaginalu vikem od kanalu bieten Koloch weitere Gelegenheiten, sein enorm animalisches Grunzen erschallen zu lassen. Ein kompromissloser Auftritt.

 

PUTRIDITY
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 MountainsofDeath2008PutridityvonAndreasSzabo
Schwungvolles Haarvolumen dank Zombieoralsex: PUTRIDITY

Mit dem DESPONDENCY-Ersatz PUTRIDITY ändert sich der lyrische Fokus, da bei den Italienern die Gore-Aktivitäten eher in nekrophilen als in lebendigen weiblichen Geschlechtssümpfen stattfinden. Unbekannt sind die Death Metaller der Meute trotz dem kurzfristigen Einsatz indes nicht, sind sie doch auch schon an einem Gig der METAL DIE HARD FRONT im schweizerischen Sursee aufgetreten und haben dort die Bühne unter anderem mit den einheimischen FIREBREATHER geteilt. Das Muothataler Wetter hat dennoch nicht das Gefühl, bei der Band einen positiven Eindruck hinterlassen zu müssen, und so gießt es wieder wie aus Kübeln. Selbst in der ersten Reihe werden nun die Schirme gezückt und es braucht einiges an Motivation von Sänger Paolo, um Bewegung in die Meute zu bringen.

Musikalisch setzen die Italiener auf brutalen Death Metal als Motivationshilfe. Dieser wird mit typischen, schleppenden Parts à la SUFFOCATION gewürzt, hier und da greifen auch kontrollierte Gitarrenquietscher in das Songgeschehen ein. Settechnisch berücksichtigen die Death Metaller vor allem ihr aktuelles Werk Mental prolapse induces necrophilism, das unter anderen mit den Songs Conscience in rigor mortis und Necrophiliac limitations vorgestellt wird. Die nekrophilen Gelüste werden auch in Ansagen à la Nothing better than having sex with the undead. This is `Zombie oral sex` ausgelebt, äußern sich aber nicht in der Bewegungsfreude der Musiker, die abgesehen vom Frontmann sehr konzentriert und bisweilen etwas steif wirken. Trotzdem – im Pit kommt Bewegung auf und von einer Totenstarre ist definitiv nichts zu spüren.

CRANIOTOMY
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 MountainsofDeath2008CraniotomyvonAndreasSzabo
Slowakische Brutalovollbedienung: CRANIOTOMY

Gegen halb fünf ist es dann wieder Zeit für einen Brutal Death-Ausflug in den Osten Europas. CRANIOTOMY betreten die Bühne und Bassist Shampon shreddert und bangt sich von der ersten Minute an durch die bandeigenen Werke. Gitarrist Halmo liefert auf seiner BC Rich Beast-Klampfe die nötige Verzerrwand dazu und die Slowaken frönen dem Motto Guttural total. Den vereinzelten Crowdsurfern gefällts, heraushörbare Gitarrenleads sind Mangelware und CRANIOTOMY beschränken sich darauf, der Meute die gewünschte Brutalo-Vollbedienung zu geben.

Settechnisch geht die Band hierbei chronologisch vor. Erst wird das 2003er-Album It`s not cut out – it can`t be eaten mit den Songs He tortured the brain with a drill und Suffering in womb vorgestellt, dann ist das 2005er-Werk Cut a piece for your hunger an der Reihe, von dem es neben dem Titeltrack die Lieder Death in eyes, Sick call und Dekubit zu hören gibt. Nicht nur Drummer Shushka merkt man an, dass er mit Freude bei der Sache ist und daran ändert auch der wolkig-verhangene Ausblick inklusive Regenguss nichts. Gurgelbrüll-Galore.


INFECTED DISARRAY

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 MountainsofDeath2008InfectedDisarrayvonAndreasSzabo
Hauptberuflich im Forensiklabor, am MOD wilder Rastabassist: Tom C. (INFECTED DISARRAY)

Meistens assoziiert man mit szeneinternem Musikerinzest die Todesmetallgefilde in Stockholm, doch offenbar greift dieses Bäumchen-wechsle-dich-Spielchen auch in der englischen Death Metal-Szene. Wie praktisch, dass man so gleich INFECTED DISARRAY dazu kriegt, wenn bereits TWITCH OF THE DEATH NERVE auf dem Billing sind. Die Bands teilen sich nicht nur die Bass- sondern auch einen Teil der Gitarrenfraktion und so brettert kurz nach fünf ein technisch-versierter Mix aus Death und Grind von der Bühne.

So zeigt Bassist Tom C. – der im echten Leben stilecht in einem forensischen Labor arbeitet – gleich im Opener Gestated human slurry, dass auch am Tieftöner getappt werden kann. Fortan trotzt das Quintett mit krassem Triggersound ausgestattet dem Regen und berücksichtigt dabei unter anderem Songs wie Masticated remains of detruncation und Side order of flies vom 2001er Promo. Tracks vom kommenden Album werden ebenfalls runtergebrettert, doch der einsetzende Regen mäßigt auch die Publikumsreaktionen auf neuere Songs wie Pre-natal Excavation of Diseased Ovarian Atrocity (Demonstrating the Necessity of Severe Prejudicial Infanticide within the Vomit Filled Womb, To the Sorrow Filled Eyes and Pallid Bloated Corpulence Of Drowned Children, Exhumation and Gross Disfiguration of Festering Stiffs und Viscous Dermal Tissues Necrotising In Venereal Quagmire. Mit Disseminating Obscenity schließen INFECTED DISARRAY ihren Gig ab und werden mit Applaus verabschiedet.


REQUIEM

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 MountainsofDeath2008RequiemRalfvonAndreasSzabo
Groovende Death Metal-Wand: REQUIEM

Ein unheimliches Synth-Bombast-Intro und eine beträchtliche treue Fanschar vor der Bühne kündigt den folgenden Gig der Schübelbacher Todesmetaller REQUIEM an. Obwohl die Schweizer Death Metal-Institution inzwischen nur noch zu viert unterwegs ist und dies bedeutet, dass Phil die gesamte Gitarrenarbeit übernimmt, bolzen die Schweizer von der ersten Sekunde an alles weg. Der tödlich-sichere Groove bildet eine krasse Soundwand. Deren Durchschlagskraft erinnert an Truppen wie VADER, MALEVOLENT CREATION und BOLT THROWER und die Klasse dieser Wand sorgt sogleich für weit greifende Begeisterung beim Publikum.

Soundtechnisch haben auch REQUIEM einen guten Tag erwischt und zeigen gleich, dass sie das meiste aus ihrer Spielzeit rausholen wollen. Mit anderen Worten – die schweizerdeutschen Ansagen beschränken sich auf ein Minimum und Fronter Michi macht nur einmal außerhalb der Songtexte seinem Ärger gegen Überwachungsstaat und Polizeimacht Luft. Stattdessen packen REQUIEM soviele Songs wie nur irgend möglich in ihre Setliste und begeistern das Publikum. Dieses geht zum Skandieren von REQUIEM, REQUIEM-Chören über und auch der eine oder andere Stagediver bekundet mit einem mutigen Sprung seine Begeisterung. In den ersten vier Reihen ist kollektives Bangen angesagt und Songs wie Can`t afford, won`t go forward, Extinct by evolution und No means nothing überzeugen von A bis Z.

Bassist Ralf legt zusammen mit dem teilweise mit geschlossenen Augen spielenden und entrückt wirkenden Drummer Reto Crola (PUNISH) einen soliden Groove-Boden, auf welchem Phil mit gewohnt effektivem Riffing die old schooligen, schnörkellosen Death Metal-Kreationen aufbaut. Pit-Formierung und reglos dastehende, zufriedene Fans – der REQUIEM-Gig ist definitiv eine Klasse für sich, wie auch die Darbietung der Tracks Into the unknown und Premier killing league (vom gleichnamigen Album) beweisen. I, terrorist, Murder USA, das alte Government denies knowledge und From ashes to ashes runden die Performance ab. Groovend verabschieden sich die Schweizer mit Diary of a damaged brain und die Vorfreude auf das kommende Werk Infiltrate…obliterate…dominate wird durch diesen Auftritt definitiv angefeuert. Schwer geil!


HUMAN REJECTION

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 MountainsofDeath2008HumanRejectionvonAndreasSzabo
Lässt sich auch nicht von aufdringlichen Fans zum Schweigen bringen: Alex (HUMAN REJECTION)

Nach der REQUIEM-Walze verstreut sich die Meute wieder, sodass bei den Griechen von HUMAN REJECTION erst wesentlich weniger Sickfucks vor der Bühne auszumachen sind, als bei den Schweizern. Das Quartett stört sich indes nicht daran, es gilt, fleißig die Seelen aller abgestochener Säue und zertretener Frösche heraufzubeschwören und unerbittlichen Brutal Death zu kredenzen. Der hagere, kleine Sänger Alex grunzt und frognoist ohne Rücksicht auf Verluste und verstummt auch nicht, als er spontan von zwei Stagedivern – einer davon der Booker der METAL DIE HARD FRONT – in die Höhe gehoben wird.

Songtechnisch berücksichtigen die Griechen vor allem ihr aktuelles Album Torture of decimation, doch auch zwei neue Songs werden ins Set aufgenommen. Brachiales Brutal-Gebolze trifft auf slammende Parts, was das Publikum zum Jubeln bringt und dem einsetzenden Regen kollektive Ignoranz beschert. Und die Widmung eines Songs an MISERY INDEX lässt dann schon gegen acht Uhr abends Vorfreude auf den heutigen Headliner aufkommen…


CARNAL DECAY

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Heisser Drummer, kalte Nacht: Reti (CARNAL DECAY)

Danach ist es jedoch Zeit für die Lokalbrutalodoren CARNAL DECAY. Festival-Gründer Reti sitzt beim Trio hinter dem Kit und an diesem Abend wird auch gleich noch die neue Scheibe Cutting off the head stilvoll getauft. Mit Gitarristin Isa betritt zudem die einzige Musikerin des Festivals die Bühne, die sich an diesem Abend knackig-praktisch in Jeans, weißer Bluse mit schwarzem Pullunder und mit grünen Gummistiefeln an den Füssen präsentiert.

Das Zeitalter von Cutting off the head wird sogleich mit dem Track Shotgun facelift eingebolzt. Reti holzt sich mit schwarzen Sportsocken an den Füßen durch den Track und es lassen sich trotz Festivalsorganisationsstress keine Ermüdungserscheinungen beim Drummer feststellen.
Isa und Michael geben sich wie gewohnt als bewegungsfreudige Frontsaitenfraktion, obwohl es mittlerweile auch auf die Bühne regnet und die Temperaturen so weit gefallen sind, dass man seinen Atem sieht.

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Heisse Frau mit schnellen Riffs: Isa (CARNAL DECAY)

Dies hält die vorderen Publikumsreihen nicht vom fleißigen Mitbangen ab und CARNAL DECAY liefern der Meute klassisch-brachialen Brutal Death Metal, der hier und da Erinnerungen an DYING FETUS aufkommen lässt und entsprechend bejubelt wird. Songtechnisch liegt der Schwerpunkt natürlich auf dem neuen Album, welches auch noch mit dem Titeltrack sowie den Songs One by one und Raptured by torturing vorgestellt wird. Richtig einfahren tut hierbei der ultraschleppende Part von Chopping off the head und es zeigt sich, dass CARNAL DECAY auch anno 2008 ihrem Stil treu bleiben.

Mit Misanthropic deeds und Putrid fucked up dip potato sind auch zwei Songs des Vorgängeralbums Carnal pleasures vertreten, die sich vorzüglich für einen Circle Pit eignen. Es wird fleißig gemosht und Michaels Songwidmung an seine anwesende Mutter – Für eine vo mine Lieblingsmänsche, mini Muetter, det hine – wird von den Sickfucks mit Applaus unterstrichen. Schließlich werden der Menge drei süß-eingepackte Chopping off the head-Pakete zur Taufe gespendet und trotz etwas abruptem Ende und starken Regenschauer geht auch der CARNAL DECAY-Gig als gelungene Vorstellung in die Annalen des MOUNTAINS OF DEATH 2008 ein.

 

 

DESPISED ICON
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Spielfreude, Können und Bewegungslust: DESPISED ICON

Gegen halb zehn ist es dann an den Kanadiern von DESPISED ICON, die Bühne des MOUNTAINS OF DEATHs zu entern. Stilistisch progressiver unterwegs als manche ihrer Festivalmitstreiter – es fällt bei der Genrebeschreibung sogar das böse Wort Metalcore – befindet sich das Sextett zurzeit auf Tour mit CEPHALIC CARNAGE.

Der Umstand, dass die Truppe aus Montréal nicht nur zwei Sänger, sondern auch zwei Gitarristen in ihren Reihen hat, erklärt, weswegen die Bühne sogleich bevölkerter erscheint als noch beim Trio CARNAL DECAY. Professionell und perfekt durchgetimt bieten DESPISED ICON vertrackte, intelligente und abwechslungsreiche Songs, in denen tonnenschwere Groove-Parts genauso ihren Platz haben wie unerbittlich todesmetallisches Geholze. Spielfreude, Können und Bewegungslust durchziehen den Gig der Kanadier und sie lassen keine Zweifel darüber offen, dass sie der passende Toursupport für CEPHALIC CARNAGE sind. Dissonante Gitarrenlines treffen in Songs wie The sunset will never charm us, Furtive monologue, Retina, Sheltered reminiscence auf breakige Passagen und die wirre Wildheit findet sich auch in Fractured hands, Warm blood und Bullet proof scale. Das Set berücksichtigt sowohl das aktuelle Album The ills of modern man als auch den Vorgänger The healing process und spätestens beim abschließenden In the arms of perdition sind sich nicht wenige musikalische Querköpfe im Publikum darüber einig, soeben eine äußerst reizvolle Bandentdeckung gemacht zu haben. Ein mehr als überzeugender Auftritt!


CEPHALIC CARNAGE

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 Geballte Technik: CEPHALIC CARNAGE

Nach der saftigen DESPISED ICON-Vorstellung ist die Zeit reif für CEPHALIC CARNAGE, die dieses Jahr ihren eigentlich für 2007 angesagten Gig am MOUNTAINS OF DEATH nachholen. Gewohnt energiegeladen, irr und technisch-kompetent beginnen die Amis ihr Set. Die positive Reaktion des Publikums äußert sich in einem wilden Circle Pit, in welchem sich immer wieder zuckende, entrückt-glückliche Fans fast schon spastisch-wirkenden Bewegungen hingeben. CEPHALIC CARNAGE geben sowohl musikalisch als auch performance-bezüglich allen Grund dazu. Mit geballter Technik und Bewegungsfreude liefern sie einen Querschnitt voller Power durch ihre genre-übergreifende, kompromisslos-abwechslungsreiche Discographie.

 

Egal ob CEPHALIC CARNAGE ihr Debüt Conforming to abnormality kurz vorstellen, das Anomalies-Album unter anderem mit Counting the days streifen oder das aktuelle Xenosapien mit Divination and Violation der Meute schmackhaft machen – stets regiert Brachialität und Abgedrehtheit zwischen Genie und Wahnsinn. Vom Drumming über die Gitarrenlines geben sich die Amis variantenreich und spielerisch-kompetent und Lenzigs Wünsche wie I wanna see a circle pit American style here in Switzerland werden von der Menge gerne erfüllt.

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Humoristischer Ausnahmezustand während Black Metal Sabbath: CEPHALIC CARNAGE

Da kümmert es die Anwesenden auch wenig, dass es wieder regnet und man sich fragt, wie lange die Monitorboxen auf der Bühne durch die übergezogenen Müllsäcken wohl noch vor dem Wasser geschützt werden. Auch Mitsingspielchen – so muss die Menge etwa rechtzeitig Die brüllen während Touched by an angel klappen hervorragend und Publikum und Band sind nicht nur dank gemeinsamer Interessen – drinking beer and smoking grass ein Herz und eine Seele.

Während Lucid Interval klettern dann auch die ersten durchnässten Stagediver auf die Bühne und die Partystimmung auf und vor der Bühne ist ansteckend. Höhepunkt des Auftritts ist die Maskerade zum unvergleichlichen Black Metal Sabbath, welche durch Lenzigs philosophische Genre-Gedanken – Fuck, we`re not black metal. We`re death metal. Or disco. – ergänzt werden. Fazit: Klasse Sound, klasse Musiker, klasse Gig!


KATALEPSY

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Nach soviel Hirnfick-Musik dürstet das Brutaloherz lüstern nach slammiger, todesmetallischer Kost, die direkt in die blubbernden Eingeweide geht und als wuchtiger Pitsoundtrack taugt. Wie gut, dass die Organisatoren genau jetzt zu später Stunde die Russen von KATALEPSY für genau diese Aufgabe in die Schweiz geholt haben. Die kühlen Temperaturen – man sieht noch immer seinen Atem und die regennassen Kleider kleben klamm am Körper – kratzen das Quintett nicht im Geringsten. Wie ein Bandmitglied treffend bemerkt: Is like in Moscow. Also sind die Klischee-Schneebilder aus den James Bond-Filmen doch die Wahrheit, denn bei KATALEPSY scheinen die herrschenden Temperaturen tatsächlich unter sommerlich abbuchbar zu sein.

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 From Russia with Slam: KATALEPSY

Innovation und Abwechslungsreichtum sind fortan Mangelware. KATALEPSY bieten brutalen Death Metal, Stumpfheit und ultrakrasse Schlepp-Slam-Parts inklusive. Während Drummer Andrey Zeit für wirre Foto-Faces hat, röchelt sich Ruslan wie eine abgestochene Sau durch Songs wie Consuming the abyss (vom 2007er-Werk Musick brings injuries) oder Number of death. Meistens gehen die Ansagen in tiefstem Grunzen unter, doch das ist angesichts des beängstigend großen Circlepits komplett egal. Es herrscht der slammende Ausnahmezustand, die Jungs von CEREBRAL BORE machen angeheitert neben der Bühne Party und das Publikum jubelt und will mehr, mehr, mehr. Auch die Stagediver werden nun mutiger. Irgendwann hat auch der Mitorganisator und Booker wieder einmal sein T-Shirt verloren und klettert halbnackt auf eine der PA-Boxen, um sich dem Stagediving aus zwei Metern Höhe hinzugeben. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt und das MOUNTAINS OF DEATH einmal mehr das Zentrum des Brutal Death Universums.

 

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 Feiert mit MOTÖRHEAD – DJ Amadé

Während MORTAL FACTOR-Fronter Amadé im Partyzelt als DJ mit Hilfe von MOTÖRHEADs Ace of Spades für den Ausnahmezustand sorgt, kümmern sich Helfer und Mischer um den letzten Umbau für die geheimnisumwitterten BLACK SEPTEMBER. Das Trio scheut das Internet und Labels wie der Teufel das Weihwasser, die selbst gemachten CDs verkaufen sich dennoch in Windeseile an den raren Gigs – und das MOUNTAINS OF DEATH 2008 sollte den letzten Auftritt der Terrortruppe für sich verzeichnen können.

 

 

BLACK SEPTEMBER
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Von den Allah Akhbar-Rufe aus dem Publikum gelockt, entern BLACK SEPTEMBER in den frühen Morgenstunden die Bühne. Die Begrüßung Filthy Western imperialistic infidels! We`re from Damaskus in Syria. We`re not evil, we`re emotional! mit arabischem Akzent wird begeistert aufgenommen. Eingeweihte wissen, dass nun eine grindige Vollbedienung folgt, die lyrisch die westliche und arabische Welt mit tüchtig Ironie aufs Korn nimmt – und man wünscht sich während diesem Gig nicht selten, dass der Mittlere Osten mehr mit solchen humorvollen Anschlägen assoziiert werden würde, statt mit den traurigen täglichen Nachrichten von Anschlägen der anderen Art.

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Islamischer Terrorgrind: Suleyman Al-Tapanasi (BLACK SEPTEMBER)

Doch für lange weltgeschichtliche Überlegungen ist nun keine Zeit. Alle wissen, dass dies nicht nur der letzte BLACK SEPTEMBER-Gig ist, sondern auch der letzte Auftritt des Abends. Es gilt also, die Sau nochmals tüchtig rauszulassen, sich beim Stagediven die letzten blauen Flecken zu holen und sich den Bauch zu halten vor lachen ob der witzigen Ansagen und der Performance des vermummten Arabic Terror Grind-Squads. Rituelle Beleidigungen des Publikums (Shut up!, Western infidels!, You will all die tonight), das Aufrufen zu Djihad!-Chören und das Beschimpfen des auf die Bühne gekletterten, zum Stagediving-ansetzenden Festivalbands-Bookers (Naked fucking German, this is even worse) würzen die Pausen zwischen den kurzen, knappen Songs. BLACK SEPTEMBER machen vor nichts halt und sind mit ihrem Display des schlechten Geschmacks mindestens so witzig und ansprechend wie MALIGNANT TUMOUR das Jahr zuvor.

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Filthy Western imperialistic infidels!: Muhammad Ahmed Ben Salapan (BLACK SEPTEMBER) wettert gegen das Publikum

Settechnisch werden beide Alben – Pissing in the oil supply und Ramadan and machine gun – gleichermaßen berücksichtigt. Egal ob Terroristensorgen (The CIA hacked my mobile, The suicide bomber`s anthem, Sandstorm, Allah and Semtex), politische Kritik (Osama Bin Laden is a pussy, Ariel Balloon, Gasputin) oder Gedanken zu Amerika (George W Bush likes white powder, Slice and dice Condoleezza Rice, Cowtipping at Camp David und das FIREBREATHER-Cover Axis of stupid) – BLACK SEPTEMBER ziehen alles und jeden durch den Kakao und machen auch vor einem Songtitel wie Strangled with a dreadlock inklusive Reggaepart nicht halt. Die Vocals teilen sich Abdulaziz Abu Blasth Bith, Suleyman Al-Tapanasi und Muhammad Ahmed Ben Salapan. Für die Ansagen sind nur trommelnde Sprengstoffexperte Abdul und der die Crowd Control-übernehmende Basser Muhammad zuständig und die Stimmung im Publikum kann nur als sensationell bezeichnet werden. Der Circlepit lässt nicht lang auf sich warten und die Meute gibt nochmals alles.

Kultig auch das Ende des starken Gigs. BLACK SEPTEMBER schnallen sich die Sprengstoffgürtel um, um das gesamte Festival in Schutt und Asche zu legen und sich die 99 Jungfrauen im Paradies zu sichern. Doch kaum verklingen die letzten Töne von The desert sands shall drink their blood, stürmt ein Mossad-Kommando die Bühne und nimmt die Humorterroristen fest. Die Handschellen klicken, die Bandmitglieder werden von der Bühne geschleift – ungläubige Gesichter im Publikum. Und erst einige Minuten später wird der Menge bewusst, dass zu einem kultigen Gig eben auch ein kultiger Abgang gehört.

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Abdulaziz Abu Blasth Bith und seine Kumpanen werden verhaftet: das Ende von BLACK SEPTEMBER 

Fazit: Das MOUNTAINS OF DEATH 2008 geht sicherlich als die Festivalausgabe mit dem miesesten Wetter in die todesmetallischen Annalen ein. Gleichzeitig bleibt es trotz zahlreicher Besucher ein unvergleichlich familiäres Festival mit netter Security, freundlichem Barpersonal und angenehm unkommerzieller Atmosphäre – keine nervigen Werbebanner, kein Bierdiktat wie etwa an der EM 2008 und keine Kompromisse bezüglich Bandauswahl. Sympathisch auch die Bodenständigkeit des Events – die Organisatoren setzen auf lokale Essensanbieter und unterstützen die Schweizer Supermarktkette mit dem besten Ice Tea. Und immer wieder kommt man mit Zaungästen aus dem Dorf ins Gespräch und gerade hier, wo fröhlich zum Metzeln, Morden und Malträtieren gegurgelt und gegrunzt wird, bröckelt das Image des bösen Death Metallers. Ja, es ist alles beim Alten am MOUNTAINS OF DEATH. Und am Ende sind sich alle einig – selbst das mieseste Wetter kann einen nicht davon abhalten, auch nächstes Jahr wieder ans MOUNTAINS OF DEATH ins Muothatal zu pilgern…

Fotos: Andreas Szabo (ausser Sandwich-Reti von Arlette Huguenin D.)
Layout: Arlette Huguenin D., Andreas Szabo, Fierce

Arlette Huguenin Dumittan
Arlette ist seit 2000 bei vampster und unsere Schweizer Fachfrau für schwarze Musik und vegane Backrezepte. Lieblingsbands: DARKTHRONE, MAYHEM, HAIL OF BULLETS. Genres: Black Metal, Death Metal, Dark Metal/Rock.